Alle Artikel in: VfB

Das Ende von Big D.

„Als ob Sie sich an Regeln halten würden, Herr Dietrich!“ Diese Antwort von Rainer Adrion auf Wolfgang Dietrichs Hinweis, er möge sich bei der Redezeit an die Vorgaben halten, ist so etwas wie die Zusammenfassung der Ereignisse der letzten zwei Tage. Und es war eventuell der Anfang vom Ende Dietrichs als Präsident des VfB Stuttgart. Denn wäre das WLAN nicht ausgefallen, wäre über den Abbruch der Aussprache abgestimmt worden und Adrion wohl nicht mehr zu Wort gekommen. Adrions Worte sollten sich 16 Stunden später erneut bewahrheiten. Denn auch bei seinem Rücktritt hielt sich Wolfgang Dietrich nicht an die Regeln. Den VfB e.V. und die VfB 1893 AG über seinen überraschenden Rückzug zu informieren,  hielt er nicht für notwendig. So gesehen ist sein egozentrischer Abgang nur das logische letzte Kapitel seiner knapp dreijährigen Amtszeit. Für seine Art der Führung des Vereins und der AG wurde der Präsident mit der Aufrichtigkeits-Allergie auf der Mitgliederversammlung mit unverblümter Kritik konfrontiert. Die Redebeiträge waren immer sachlich, oft emotional, aber nie unter der Gürtellinie. Unter der Last der vielen Argumente ist …

Mitgliederversammlung: Was wir wissen und was nicht

Per Definition ist die Mitgliederversammlung: Oberstes Organ des Vereins ist die Mitgliederversammlung (§ 32 BGB), in der Praxis teilweise auch als (Jahres-)Hauptversammlung bezeichnet. Sie entscheidet in allen Vereinsangelegenheiten, die nicht vom Vorstand oder einem anderen in der Satzung bestimmten Organ zu besorgen sind. Insbesondere bestellt die Mitgliederversammlung den Vereinsvorstand und beruft diesen ab (§ 27 BGB), soweit die Satzung diese Zuständigkeit nicht einem anderen Organ zuweist. Morgen wird das oberste Organ des VfB Stuttgart 1893 e.V. also nicht nur entscheiden, wer den freien Platz im Präsidium einnimmt, sondern auch darüber, ob die Amtszeit von Wolfgang Dietrich vorzeitig endet. Eigentlich kein großes Ding, sollte man meinen. Zumal die Hürde für eine Abwahl mit 75 % sehr hoch ist. Also hingehen, Knöpfchen drücken, Ergebnis zu Kenntnis nehmen und akzeptieren. Sollte man meinen. Stattdessen herrschen in der Woche vor der Mitgliederversammlung Zustände wie im amerikanischen Wahlkampf um das Präsidenten-Amt. Nur ohne russische Beteiligung. Aber wer weiß? Wundern würde einen auch das nicht mehr wirklich. Aber der Reihe nach: Schon seit längerer Zeit finden sich im Netz ausführliche Texte, …

Alles nur Krakeeler?

„Und das Votum, dem sich der Präsident zu stellen habe, seien nicht krakeelende Fans, sondern die Mitgliederversammlung.“ So sah Wolfgang Dietrich laut dem Artikel „Dietrichs Ansichten: Viel Rauch um nichts“ (Artikel hinter der Paywall) die Dinge am 24. April. Und selbstverständlich hat er Recht, denn schließlich stimmen alle anwesenden Mitglieder am kommenden Sonntag gleich doppelt über ihn ab. Zum einen, ob er entlastet wird und zum anderen, ob er weiterhin der Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V. bleibt. Und genau hier liegt er mit seiner Einschätzung vermutlich nicht ganz richtig, wenn er denkt, nur die lautstarken Teile des Neckarstadions wünschen sich eine Zukunft ohne ihn als Präsidenten. Unter dem Twitter-Account „@uberdietrich“ positionieren sich seit zwei Tagen VfB-Mitglieder, die verschiedener nicht sein könnten: Kurvensteher, Tribünenhocker, Familienblocksitzer, Ur-Schwaben, Neig’schmeckte, Alte, Junge, Männer, Frauen. Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: Ihr Herz schlägt für den VfB Stuttgart – und sie werden am Sonntag ihre Stimme für eine Abwahl von Wolfgang Dietrich abgeben. In ihren Statements begründen sie, warum – hier ein kleiner Auszug: Ich stehe in der CK in …

It’s a kind of Mittelfinger

Es muss schon einiges gegeben haben, was Christian Gentner beim VfB Stuttgart auf den Sack gegangen ist. Natürlich, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Aber es muss noch mehr sein. Denn was Andreas Beck und Dennis Aogo geschafft haben, gelang Gentner nicht: Sich ordentlich zu verabschieden. Ein paar Worte, die seine Verbundenheit mit dem VfB unterstreichen, schließlich war er ja auch ein paar Jahre hier, schließlich ist der VfB „sein Verein“– oder war es. Denn stattdessen: Schweigen. Beleidigtes Schweigen. Dass Gentner jetzt zu Union Berlin wechselt, gegen die der VfB die Relegation versemmelt hat, empfinden viele als Verrat. Ein „ausgerechnet“-Move. Aber ganz klar: Nachdem die Zeit beim VfB für den ehemaligen Kapitän zu Ende ging, kann er überall hin wechseln. Okay, vielleicht nicht zum KSC, das wäre dann doch etwas zu viel. Trotzdem wirkt es ein bisschen wie Nachtreten und wie den Mittelfinger zeigen gegenüber dem VfB und den Entscheidern Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat. Darüber hinaus ist es schon paradox, dass Gentner, der so etwas wie das Gesicht der Dauerkrise des VfB und auch …

Bonne chance, Benschamäh!

In seinem letzten Heimspiel gegen Union ging Benjamin Pavard nach Spielende zögernd auf die Cannstatter Kurve zu. Jeder merkte: Da will sich einer verabschieden, da will einer Danke sagen für den Support und sich auch seinen Applaus abholen. Nur nach dem 2:2 im Relegationshinspiel war niemandem mehr nach Beifall zumute. Der Weltmeister hat den Absteiger nun durch die Hintertür verlassen. Auch wenn Pavard eine alles andere als gute Saison gespielt hat, wäre ihm (wie auch Christian Gentner übrigens) eine würdigerer Abschied zu wünschen gewesen. So gibts keine offizielle Verabschiedung, keinen Blumenstrauß im Mittelkreis und kein Best-of-Video. Schade, zumal Pavard mit den 35 Millionen der Rekord-Transfer in der Geschichte des VfB ist und genau diese Millionen dem VfB auch den nötigen finanziellen Spielraum nach dem Abstieg geben. Aber vielleicht wollte man in der Mercedesstraße nicht zurück schauen, sondern sich voll auf die neue Saison konzentrieren. Das Kapitel Pavard ist Vergangenheit und die möchte der VfB aus nachvollziehbaren Gründen hinter sich lassen. Natürlich hat Pavard auch seinen Anteil am Abstieg. Es gab Spiele, da konnten alle in …

Der schlaue Herr Reschke

Es ist eigentlich keine große Sache, dass „Rookie of the year“ Ozan Kabak den VfB verlässt. Niedrige Ausstiegsklausel (15 Millionen), ambitionierter Spieler, große Karriere in Aussicht. So einer will nicht in der zweiten Liga spielen, verständlich. Dass seine Wahl auf den FC Schalke 04 fällt, überrascht dann doch etwas, nachdem ganz andere Hausnummern (Mailand, Bayern, England) im Raum standen. Womöglich haben nicht nur sportliche Gründe entschieden. Soll ja angeblich mal vorkommen im Profifußball. Dass es Schalke wird, schmerzt außerdem sehr. Schließlich ist dort der ehemalige VfB-Vorstand Michael Reschke nun tätig und angelt sich den Spieler, den er selbst im Winter zum VfB holte – obwohl der abstiegsbedrohte Club viel dringender einen Stürmer benötigt hätte. Besonders absurd ist, dass Reschke von seiner eigenen Unfähigkeit profitiert. Erst führt seine völlig misslungene Kaderplanung zum Abstieg des VfB und dann angelt er sich aus seinem Trümmerhaufen für derzeitige Marktverhältnisse äußerst günstig den einzigen wirklichen Volltreffer, den er nach Marc-Oliver Kempf in Stuttgart gelandet hat. Reschkes Kabak-Coup: Von langer Hand geplant!😉 pic.twitter.com/4GcmY45j1s — FussballTransfers (@FT_Redaktion) 27. Juni 2019 Das ist …

Das Ende von LeGente …

373 Pflichtspiele für den VfB, Meister 2007, Zweitligameister 2017, zwei Abstiege, unzählige Abstiegskämpfe: Manche sprechen bei Christian Gentner von einer Vereins-Ikone. Eine Ikone ist laut Definition ein Kult- oder Heiligenbild und beides trifft auf den langjährigen Kapitän eher nicht zu. Er ist weder Kultspieler und alles andere als ein Heiliger, viele sehen in ihm sogar das Gesicht des Stuttgarter Niedergangs. Seit er 2013 Kapitän wurde, ging es sportlich bergab. Es nur an ihm fest zu machen, ist allerdings unfair, unsachlich und wird ihm nicht gerecht. Gentner hat beim VfB Spuren hinterlassen. Er war eine Identifikationsfigur, einer, der sich mit dem VfB identifizierte und mit dem sich viele Fans identifizieren konnten. Aber auch einer, der Politik nach innen machte und der stets kritisch gesehen wurde, wenn es sportlich einmal nicht so lief. Kurz: Christian Gentners Rolle beim VfB war ambivalent. Er war einer, der stets seine Knochen (und sein Gesicht!) hingehalten hat. Er hat auch gespielt, als kurz zuvor sein Vater verstorben ist. Er war auf dem Feld stets ein Mannschaftspieler und alles andere als ein …

Der Märchen-Präsident

Baron Hieronymus Wolfgang Freiherr von Dietrich ist ein deutscher Sport-Funktionär und Finanzinvestor. Im Moment ist er noch Präsident des VfB Stuttgart e.V., Aufsichtsratsvorsitzender der VfB 1893 AG und war beteiligt an verschiedenen Unternehmen (u.a. der Quattrex Finance GmbH), die sich in der Finanzierung von Profi-Fußball-Clubs engagieren. Freiherr von Dietrich ist ein spannender Geschichtenerzähler, der gerne Freunde, Untergebene und Medien mit gebeugten Wahrheiten und sehr selbstbezogenen Einschätzungen unterhält, das Ganze an einer opulenten Tafel sitzend, die gedeckt ist mit Ausreden, Phrasen und Märchen. So hören sich seine Ausführungen zu seinen Finanzbeteiligungen ganz harmlos an und die schlechteste Saison seines Vereins trotz der höchsten Investitionen ist für ihn nur eine kleine sportliche Delle. In Wirklichkeit hat er den VfB auf einer Kanonenkugel reitend in die zweite Liga katapultiert. Aber das macht Dietrich nichts, denn seine größte Stärke ist, dass er unbeirr- und unbelehrbar ist und seine tollkühnen Geschichten selbst glaubt. Dietrich interpretiert das „Ehrenamt“ des VfB-Präsidenten auf seine ganz eigene Art. Das Amt ist ihm wichtig, es mit Ehre auszufüllen dagegen anscheinend weniger. Manche seiner Zuhörer bekommen …

Beim zweiten Mal tut’s nicht mehr so weh

Die Mannschaft hat uns bis zum Schluss gequält. Denn sie gab uns irgendwie noch Hoffnung, dass der zweite Abstieg in drei Jahren doch noch verhindert werden könnte. Eine Einzel- oder Willensleistung in der 85. Minute, ein Zufallstor in der Nachspielspielzeit? Nein, das zweite Relegationsspiel war ein Abbild der gesamten Saison: Die Mannschaft kann es nicht und man hat den Eindruck, als ob sie nur so tut, als würde sie sich einsetzen, kämpfen und alles versuchen. Nach 2:2 und 0:0 in den Relegationsspielen gegen Union Berlin steht am Ende ein absolut verdienter Bundesligaabstieg. Wer so eine verheerende Saison spielt mit drei Trainern, lediglich 28 Punkten und nur 32 Tore erzielt, der muss einfach runter. Auch wenn der VfB noch die Chance erhielt, in zwei Spielen alles zu retten: Es ist ein Abstieg, auf den wir uns einstellen konnten und der seit Wochen absehbar war. Spielerisch unter aller Sau, defensiv vielfach lächerlich und von der Mentalität durfte man beim VfB noch nie viel erwarten. im august gegen eine hasentruppe null plan und raus im pokal. fast ein …

It ain’t over til it’s over

Ich wartete nach dem Spiel neben einem Getränkestand. Ich muss wohl einen recht erbämlichen Eindruck gemacht haben. Jedenfalls kam ein Fan im langärmeligen, roten Canon-Shirt (wo gibts denn die?) auf mich zu und sagte: „Hätte auch schlimmer werden können ohne die überragenden Paraden Zielers“. Einer mit 3 Würsten in der einen Hand, klopfte mir mit der anderen auf die Schulter, dass ich mir ein wenig Sorgen machte, dass er mir Senfflecken auf mein Frottesana-Trikot macht, er sagte: „Die packen das in Berlin … vielleicht“. Ich weiss nicht, was mein Gesicht gemacht hat, ich sehe es ja so selten, aber nach dem Spiel fragte ich durchaus gefasst: „Hat jemand etwas anderes erwartet?“ Das erste Relegationsspiel spiegelt die jeweilige Saison der beiden Mannschaften wieder: Der VfB zaghaft, unsicher und fehlerhaft. Union cool, abgezockt und mit besserer Spielanlage. Die Berliner spielten, ja man muss es so sagen, wie ein Bundesligist. Und der VfB wie ein Abstiegskandidat, der nicht so recht an sich selbst glaubt. Ich habe 55000 Signalspieler gesehen. Hat jemand die 11 Signalspieler auf dem Platz gesehen? …