Autor: @buzze

Zocker mit Vision

Wataru Endo kann alles: Zweikämpfe, Kopfbälle, Vertikalpässe, Tore.  Vielleicht ist er sogar dafür verantwortlich, dass der VfB aktuell dort steht, wo er ist. Rückblende in den Mai 2020: Für den VfB Stuttgart lief es im Aufstiegsrennen eher schlecht als recht. Trotzdem wurde der Vertrag mit Pellegrino Matarazzo vorzeitig verlängert. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger damals: „Mit der seit mehreren Wochen geplanten Vertragsverlängerung möchten wir deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir Kontinuität leben wollen. Nach der bisherigen Zusammenarbeit mit Pellegrino Matarazzo sind wir der festen Überzeugung, dass er alle fachlichen und persönlichen Fähigkeiten in sich trägt, die eine lange Zusammenarbeit möglich machen.“ Nicht wenige von frühzeitigen Vertragsverlängerungen traumatisierte VfB-Fans hielten diesen Move für unnötige Symbolpolitik und sahen sich nur einen Tag später bestätigt, als der VfB im vorentscheidenden Spiel gegen den HSV zur Halbzeit mit 0:2 zurücklag. Das Projekt „Mislintatarazzo-VfB“ schien gescheitert. Aber wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Endo her. So auch in diesem Spiel, als der Japaner gleich nach der Pause den Anschluss-Treffer erzielte – sein einziges Tor in dieser Saison. …

Niemals war mehr Anfang als jetzt

An Ende einer fast zehnstündigen Mitgliederversammlung wurde Claus Vogt mit 92,25 % Ja-Stimmen im Amt bestätigt. Klingt überragend, war aber das schwächste Ergebnis im Präsidium. Rainer Adrion erhielt 95 % Ja-Stimmen, Christian Riethmüller 96 %. Das ist nicht das von ZEIT online mühsam herbeigeschriebene „Vogt-Land“. Das ist Vogtopia. Und dort gab es nicht nur bestes Sommerwetter, sondern auch 100 %ig gute Stimmung. Von 11 bis 20:45 Uhr wurde ein einziges Mal gebuht und gepfiffen. Ansonsten herrschte eine für VfB-Mitglieder ungewohnte Harmonie. Bester Beweis: Die Aussprache mit 17 Rednerinnen und Rednern wurde nicht vorzeitig beendet – nicht mal vom Verein selbst wie früher regelmäßig geschehen. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben? Vielleicht freuten sich die knapp 2.000 Menschen einfach darüber, endlich mal wieder im Stadion zu sein und waren deswegen so tiefenentspannt und freundlich. Vielleicht lag es auch daran, dass es keine Mitmacherplätze und Zweiklassen-Gesellschaft gab. Es hätte sich auch niemand gewundert, wenn die Anwesenden den Wahlhelferinnen und Wahlhelfern eine Pause gegönnt hätten und stattdessen selbst mit den Tablets durch die Reihen gegangen wären …

Die Kandidaten für den Vereinsbeirat im Überblick

Alle reden über die Wahl des VfB-Präsidenten am kommenden Sonntag. Die Neubesetzung des Vereinsbeirats kommt da leider etwas zu kurz. Dabei haben uns vor allem die letzten Monate gezeigt, welche wichtige Funktion dieses Gremium einnimmt. Deswegen haben wir uns die sechs Kandidaten für den Bereich „Sport und Verein“ noch einmal angeguckt und ihnen drei Fragen (aus Fairnessgründen stets die gleichen) geschickt. Die Antworten von Kai Engler, Werner Gass, Gerhard Grieger, Dr. Marc Nicolai Schlecht, Roland Schmid und Kai Simon lest ihr hier. Die Kandidaten für den Bereich „Wirtschaft/Gesellschaft findet ihr bei der Nachspielzeit, „Fans und Mitglieder“ gibt’s bei Rund um den Brustring! Bitte stellen Sie sich kurz vor: Warum kandidieren Sie für den Vereinsbeirat und welche Expertise bringen sie in Bezug auf die Gruppe, in der sie kandidieren, in den Vereinsbeirat ein? Mein Name ist Kai Engler, ich bin 45 Jahre alt und wurde in Stuttgart, Bad Cannstatt geboren. Ich arbeite in einem mittelständischen Familienunternehmen mit rund 200 Mitarbeitern und bin dort als Einkäufer und Produktionsplaner tätig. Ich kandidiere in der Säule „Sport & Verein“. …

VertikalGIF #VfBFCSG: Ali G. regelt

Irgendwie wäre es schön, wenn man St. Gallen als Bielefeld der Schweiz bezeichnen könnte, um den Bogen zum letzten „echten“ Heimspiel zu spannen. Aber die Stadt unweit des südlichen Bodenseeufers hat gerade mal 75.000 Einwohner. Andererseits hat die Schweiz auch nur halb so viele Einwohner wie Nordrhein-Westfalen. Ach, worum es eigentlich geht: Erstmals seit Ende März spielte der VfB Stuttgart mal wieder vor vollem Haus! Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Sind wir ehrlich: Das Spiel war den meisten erstmal egal. Viel wichtiger war es, zum ersten Mal seit ewigen Zeiten wieder gemeinsam den VfB kicken zu sehen. Bei bestem Sommerwetter im Robert-Schlienz-Stadion, mit einem Hofbräu in der Hand – und mit Menschen, die man schon ewig schon nicht mehr gesehen hatte. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Aber kommen wir zum Sportlichen: Die Abwehrreihe des VfB bestand aus Mavropanos, Anton, Ito und Mola. Im Mittelfeld tummelten sich u.a. Förster, Ahamada und Beyaz, ganz vorne wirbelte Mo Sankoh. Das …

Die Wahlphase ist tot. Lang lebe der Wahlkampf!

Am 11. November 2019 fand in der Soccer Lounge im Neckarstadion eine Auflage der „Dunkelroten Tische“ statt. Damals stellten sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Christian Riethmüller und Claus Vogt den 300 anwesenden Mitgliedern vor. Fast forward zum 24. Juni 2021: Vogt wurde am 15.12.2019 zum VfB-Präsidenten gewählt, hat die zweite Liga, die Geisterspiel-Saison und den Datenskandal inkl. Machtkampf überstanden und wirbt vor 100 getesteten, geimpften oder genesenen Zuschauern für das Vertrauen für eine weitere, diesmal vollständige Amtszeit. Sein „Widersacher“ von 2019, der längst keiner mehr ist, steht auch auf der Bühne – quasi als Vorprogramm: Christian Riethmüller kandidiert im direkten Duell gegen Hubert Deutsch um einen Platz im verwaisten Präsidium. Das gleiche gilt für Rainer Adrion, der gegen Markus Scheurer, Vorstandsmitglied des Freundeskreises, antritt. Die Stimmung in der Soccer-Lounge bestätigt das Bauchgefühl: Auf Deutsch und Scheurer würden nur beinharte Glücksritter wetten. Weitaus interessanter ist da das präsidiale Duell zwischen Amtsinhaber Vogt und Herausforderer Steiger. Denn schnell wird deutlich, dass die ausgerufene Wahlphase mittlerweile ein Wahlkampf ist – endlich! Wo bleibt denn auch der Spaß, wenn beide …

11Freunde live: Ticketverlosung!

Die Inzidenzen sinken, die Stadien füllen sich – zumindest bei der EM. Aktuell sieht es fast so aus, als könne dieser Sommer doch noch ein guter werden. Der VfB startet bereits am 2. Juli in die Saisonvorbereitung und ebenso groß wie die Sorge, dass neben Gregor Kobel noch weitere Leistungs- und Sympathieträger nicht aus dem Sommerurlaub zurückkehren, ist die Vorfreude, endlich wieder ins Stadion zu dürfen. Und das nicht erst am 18. Juli, wenn bei einer vermutlich episch langen Mitgliederversammlung zum ersten Mal seit dem 3. Oktober 2020 wieder Fans im Neckarstadion sein werden. Denn schon am 10. Juli testet der VfB gegen den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen, am 15. Juli spielt man gegen Darmstadt 98. Beide Begegnungen werden im Robert-Schlienz-Stadion ausgetragen – hoffentlich vor Fans. Damit ihr nach monatelanger Einsamkeit keinen Schock bekommt, wenn ihr wieder unter Menschen seid, haben wir etwas für euch. Quasi ein Schonprogramm, um langsam wieder reinzukommen. Wie wäre es mit einer fußballlastigen Open Air Veranstaltung in Sichtweite des Neckarstadions? Achja: Die Tickets könnt ihr auch noch gewinnen! Worum …

Silas bleibt Silas

Silas hatte den Traum vor Augen, in Europa Profi-Fußballer zu werden. Wollte aus seinem prekären Umfeld fliehen. Wollte als Profifußballer in Europa für seine Familie sorgen können. Eine einmalige Chance. Um seinen Traum wahr werden zu lassen, hat er seinem Berater vertraut. Sich sogar abhängig gemacht von ihm. So weit, dass er bereit war, seine Identität zu ändern, um die Chance seines Lebens nicht verstreichen zu lassen. Ein Fehler. Vermutlich sogar eine Straftat. In Anbetracht seines jungen Alters und seiner mangelnden Lebenserfahrung jedoch nachvollziehbar, zumal er von seinem Berater offenbar unter Druck gesetzt wurde. Silas hatte zeitweise keinen Zugriff auf seinen Reisepass und sein Bankkonto, war komplett abhängig von seinem damaligen Berater. Vermutlich kein Einzelfall, sondern die Regel. Das Transferbusiness im Fußball ist skrupellos. Junge Spieler werden oft nicht als Menschen betrachtet, sondern als Kapitalanlage. Sven Mislintat sagte dazu in einer Presserunde: „Er wurde unter falschen Versprechungen nach Frankreich gelockt und dort wurde ihm gesagt, dass es nur weitergehen könne, wenn er seinen Namen ändere und dann entsprechende Dokumente bekommen würde. Silas lebte im Haus …

Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Ob Sven Mislintat von Wolfgang Dietrich oder doch von Thomas Hitzlsperger zum VfB Stuttgart geholt, wurde, variiert je nach nach Erzählung und Erzähler. Nach zwei Spielzeiten kann man festhalten: Hauptsache, er ist da! In Bad Cannstatt wurde viel zu lange nach Gutsherren-Art gehandelt: Schnell wechselnde Sportdirektoren holten Spieler, mit denen die noch schneller wechselnden Trainer viel zu oft nichts anfangen konnten. Entwicklung? Nachhaltigkeit? Keine Chance. Das änderte sich mit Sven Mislintat. Vom Sportvorstand Hitzlsperger mit allen Freiheiten ausgestattet, hat er es sich zum Projekt gemacht, den neuen VfB zu bauen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass der nice Dude nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckt. Für Andreas Beck, Dennis Aogo, Christian Gentner und Holger Badstuber war kein Platz auf Mislintats Baustelle. Für Tim Walter auch nicht. Riskante Entscheidungen, die belohnt wurden. Sven Mislintat ist ein Zocker: Er wettete darauf, dass der unbekannte Matarazzo der richtige Coach sei, um das junge Team in der zweiten Liga weiterzuentwickeln und gleichzeitig aufzusteigen. Er gewann diese Wette denkbar knapp. Man denke da nur an seinen Auftritt bei SWR Sport nach …

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Was spaltet die VfB-Fans am meisten? Wolfgang Dietrich? Hitz vs. Vogt? Linsen vs. Spätzle? Nein, es ist natürlich Philipp Förster! Die einen halten ihn nach wie vor für nicht bundesligatauglich, die anderen feiern seine Laufstärke, sein Pressingverhalten und den vorletzten Pass vor dem Torabschluss. Klar ist: Philipp Förster hat sich im Windschatten von Überfliegern wie Silas, Sosa und Sasa heimlich, still und leise von einem unauffälligen Zweitliga-Kicker zu einem Spieler entwickelt, der zweifelsohne Bundesliga-Startelf-Potenzial hat. 24 Spiele, 3 Tore und 200 Laufkilometer stehen für den Mann zubuche, der schon früh vom KSC in die Stuttgarter Jugend flüchtete wechselte und über die Stationen Waldhof Mannheim, Nürnberg und Sandhausen wieder dort gelandet ist, wo er schon von 2010 bis 2014 für die U17 und U19 spielte. Förster ist kein Mittelfeldstratege wie Endo und Mangala, kein Spektakelspieler wie Silas, kein Vollstrecker wie Sasa Kalajdzic. Philipp Förster ist genau der Spieler, der in Matarazzos Ensemble noch fehlt: Ein fleißiger Arbeiter, der die taktischen Anweisungen des Trainers zuverlässig umsetzt. Sind Endo und Mangala die Kommandozentrale, ist Förster der Maschinenraum. An …

Pellegrino Matarazzo: Der Pate

Hand aufs Herz: Wer hätte nach der Derby-Niederlage von nicht mal einem Jahr geglaubt, dass Pellegrino Matarazzo der erste Coach seit Bruno Labbadia sein würde, der eine komplette Saison auf dem VfB-Chefsessel übersteht? Trotz der symbolischen Vertragsverlängerung vor dem Spitzenspiel gegen Hamburg sah es überhaupt nicht so aus, als ob der US-Italiener derjenige sein würde, der den Aus-Schalter des VfB-Trainer-Karussells findet. Zu uninspiriert waren die Auftritte seiner Mannschaft in der zweiten Liga, zu schwer tat sich die Mannschaft gegen weitaus schwächere Gegner wie Wiesbaden und Osnabrück. Rückblickend lässt sich sagen, dass die Verantwortlichen damals den Spagat wagten: Einerseits aufsteigen, andererseits eine Mannschaft entwickeln, die nach dem Aufstieg auch in der Bundesliga bestehen kann. Eine Mission, die fast scheiterte. Aber eben nur fast. Mit atemberaubenden Spielen gegen Sandhausen und Nürnberg ballerte sich der VfB Stuttgart in die erste Liga. Während wir uns in der Sommerpause fragten, wer beim VfB eigentlich die Tore schießen soll, formte Pellegrino Matarazzo in aller Ruhe sein Team. Mit Spielern wie Klimowicz und Coulibaly, die in der Saison kaum Zweitligaspielzeit bekommen hatten, …