Autor: @abiszet

Fehlstart!

Champions League Starter, Europa League Starter, von der Quali ermatteter Conference League Starter und zwei Aufsteiger. Die ersten fünf Spiele boten ein abwechslungsreiches Auftaktprogramm, an dessen Ende nun vier Punkte stehen. Deutlich zu wenig, wenn man die Spiele nochmal Paroli passieren lässt. Viel zu wenig, wenn man an die nächsten Aufgaben gegen München, Frankfurt, Wolfsburg und Union Berlin denkt. Ein klassischer Fehlstart, nach neun Spielen könnte der VfB sogar immer noch bei vier Punkten stehen. Gegen Schalke 04 musste der VfB froh sein, immerhin noch einen Punkt gerettet zu haben. Aufgrund von Dummheit, Planlosigkeit und mangelnder Präzision in allen Mannschaftsteilen ist das Remis sogar noch schmeichelhaft gegen einen Aufsteiger, der vor einer Woche noch zuhause ein 1:6 auf die Mütze bekam und nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzte. Doch Schalke wurde im Verlauf des Spiels immer sicherer und überlegener, auch schon vor dem Platzverweis von Josha Vagnoman. Dem VfB fehlte vor allem im Zentrum der Zugriff, Borna Sosa wurde von Schalke gedoppelt und aus dem Spiel genommen, Wataru Endo zugestellt. Das Spiel war insgesamt zu langsam, …

Love hurts

Zu glauben, dass Spieler ihre ganze Profi-Karriere beim VfB bleiben wie Helmut Roleder oder Hermann Ohlicher, ist romantisch und naiv. Der Fußball hat sich verändert. Wie die gesamte Gesellschaft. Früher hat man beim Daimler eine Lehre gemacht und arbeitete dann ein ganzes Leben beim Unternehmen mit dem Stern. Heute ist ein Job-Wechsel an der Tagesordnung und im Fußball soll das anders sein? Wir sollten uns die Romantik natürlich erhalten, denn es ist schön, in einen Spieler verliebt zu sein. Bei mir ist es bekanntlich Borna Sosa. Seine Augen, sein Lächeln, sein linker Fuß, seine gebutterten und gezuckerten Flanken, seine Surfer-Attitüde haben mich eben voll erwischt. Den Rest gegeben haben mir seine Jubelszenen nach dem Klassenerhalt, als er nur noch in Shorts bekleidet das Spielfeld verließ. Bin ich froh, dass sein Transfer zu Atalanta Bergamo nicht geklappt hat? Natürlich, denn ich wünsche ihm einen Verein der Kategorie Mailand, Chelsea, City oder Madrid. Dass er den VfB jetzt nicht verlässt – obwohl er sich angeblich mit Atalanta einig war – freut mich natürlich. Schon in der Winterpause …

Auseinandergehen ist schwer …

… jeder beim VfB weiß das zu sehr. Auseinandergehn tut weh. Obwohl man zuletzt den Eindruck in der Causa Kalajdzic gewinnen konnte, dass der Trennungsschmerz von keiner Seite mehr ausging. Sven Mislintat war genervt, die Fans entsetzt und enttäuscht. Und Sasa Kalajdzic? Bei allem sympathischen Auftreten in der Vergangenheit, er ist zu sehr abgezockter Profi. Aber kann man ihm vorwerfen, dass er Falco nacheifert? “Der Mensch, der mir am nächsten ist, bin ich, ich bin ein Egoist“. Tja, so ist er nun mal, der Profifußball. In diesem Sommer ist Kalajdzic schon zu so gut wie jedem Verein gewechselt. Bei Bayern München hat er sich angeboten, mit Borussia Dortmund hat er geliebäugelt, es gab Gerüchte um die Mailänder Vereine und um fast alle englische Vereine. Zuletzt Leeds und Manchester United, wobei man ihm einen Wechsel zur größten Lachnummer Europas nicht wünschen sollte. Geworden sind es für um die 20 Millionen Euro die Wolverhampton Wanderers, letztes Jahr Tabellenzehnter der Premier League. Ich hätte ihm und dem VfB einen Club in einem oberem Regal gewünscht, er und vor …

Gemischte Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann

Der 1. FC Köln wird immer mit uns verbunden sein. Wie Cottbus und Manchester United. Immer wenn ich Köln höre, erinnere ich mich an den Nachmittag des 14. Mai, als das gesamte Stadion beschlossen hatte, gemeinsam das entscheidende Tor zum Klassenerhalt zu schießen. Danke Wataru, für den Kopfball und die Tränen, ich träume heute noch davon. Vom Feeling her hatte ich gleich ein gutes Gefühl beim Spiel in Köln. Der VfB, Klasse eingestellt von Pellegrino Matarazzo, sofort im Spiel, will eventuelle Kraftverluste und Müdigkeit der Kölner vom Spiel unter der Woche in der Conference League ausnutzen, will überhaupt keine Euphorie aufkommen lassen bei den Domstädtern. Das gelingt hervorragend, aber es entwickelt sich dann fast dasselbe Spiel wie am 34. Spieltag der letzten Saison. VfB gegen Marvin Schwäbe. Scheiterten zuletzt Endo, Tiago Tomas, Dinos Mavropanos und Sasa Kalajdzic, ist es jetzt Silas. Silas gegen Schwäbe, mit dem besseren Ende für den Kölner Keeper. Zwei Mal läuft der Stuttgarter Stürmer alleine auf den Schlussmann zu, zwei Mal scheitert er an Schwäbe. Zwei hundertprozentige Torchancen, nach tollen Vertikalpässen …

Ich wäre so gerne Optimist

Der VfB hat 1:0 gegen Freiburg verloren und Sportdirektor Sven Mislintat ist zufrieden: “Wir haben ein extrem gutes Spiel gemacht. Je länger das Spiel dauerte, desto dominanter wurden wir.“ Denn der VfB verlor nicht wegen fehlender eigener Leistung, sondern wegen Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der einen glasklaren Elfmeter verweigert. Wegen Freiburgs Trainer Christian Streich, der den Schiri beeinflusste und wegen des Standings von Freiburg als Europapokalteilnehmer. An der Leistung des VfB lag es nicht. Das Tor in der 11.Minute fällt nach einer Flanke aus dem Halbfeld von Kiliann Sildillia, nicht weil der VfB fast schon traditionell vergesslich am zweiten Pfosten ist, sondern wegen der hohen individuellen Qualität von Vincenzo Grifo. War auch schwer, unbehelligt von Dinos Mavropanos und Josh Vagnoman den Ball aus zwei Metern über die Linie zu drücken. Gegentore verhindert der überragende Freiburger Mark Flekken, der nahezu unhaltbare Kopfbälle von Mavropanos und Sasa Kalajdzic aus der Ecke fischt und einen Schuss von Borna Sosa nach einem Konter abwehrt, der ungedeckte Vagnoman in der Mitte hätte den Ball sowieso nicht versenkt. Der VfB hat …

Zu früh gefreut

Ich stehe Werder Bremen schon immer wohlwollend gegenüber, Völler, Le Chef Micoud, Diego, Klose und mein Opa kam aus der Nähe, aus der Sarah Connor-Stadt Delmenhorst. Er auch ein Werder-Fan, aber gelassen, unaufgeregt, so wie heute der Trainer Ole Werner wirkt. Und mit Werder gab’s immer Spektakel und Drama. Muss ich hier nicht ausführen, kennt Ihr alles von 1984, über das Einwurfeigentor von Borna Sosa und Ron-Robert Zieler 2018 bis zum Trödeltor von Silas 2020. Vor dem Spiel dachte ich: Macht’s wie früher, das war viel geiler, mit vielen Toren, Spannung und so weiter. So wie früher, das war so krass. Am Ende hat’s halt nicht sollen sein, kann nicht immer die Sonne scheinen. Das Unentschieden ist kein Weltuntergang aber es sind genau diese Spiele die darüber entscheiden werden ob wir eine ruhigere Saison haben und früher ans Ziel kommen werden. Bremen will bis auf die Anfangsphase garnix, viele solche Teams kriegst nicht. Schade, weiter geht’s. #VfB — Kuranyi sei Oma (@KuranyiSeiOma) August 13, 2022 Ich wollte es Vintage, ich wollte es Retro, den Anfang …

Es ist schön, Dich zu sehen, Love, …

… hab Dich vermisst. Ich hab fast vergessen, wie ich mag, wie Du bist. Kenn’ Dich schon seit dem ich klein war, wir hingen immer zusammen. Über Dich lernte ich viele neue Leute kennen, wir lachen meistens, wenn wir uns sehn’. Am Sonntag können wir lachen und müssen leiden. Tolle Stimmung, leidenschaftliches Spiel, aber ein drückend überlegener Gegner. Nur in der ersten Halbzeit gibt es rund 25 Minuten, in denen der VfB sich vom Druck befreit und den Gegner in Schwierigkeiten bringt. In dieser Phase fällt der Ausgleich durch Naouirou Ahamada, nachdem Sasa Kalajdzic einen Ball an der Strafraumgrenze klatschen lässt. Sogar die Führung ist drin, nach einem dieser hammerharten Dino Mavropanos-Solos, wahrscheinlich hat der Grieche zu Hause ein Lucio-Plakat über dem Bett hängen. Oder wie die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Mavropanos erzielt Tore mit dem Kopf, mit rechts, mit links und nach grimmigen Sololäufen, er schießt diese Tore nicht, weil er es kann, sondern weil er es will“. Am Wille liegt es nicht, Mavropanos steht der Pfosten kurz vor dem Halbzeitpfiff im Weg. Was schon …

Ich mag Mangala.

Sehr sogar. Ich habe das Regenbogen-Trikot mit seinem Flock. Ich werde es weiter mit Stolz tragen, auch wenn Mangala nun für kolportierte 13 Millionen Euro plus Gedöns zu Aufsteiger Nottingham Forrest wechselt. Er reiht sich dort ein in eine Liste von legendären Spielern wie Peter Shilton, Viv Anderson, Tony Woodcock, Jürgen Röber und Trevor Francis. Natürlich ist es schade, dass Orel Mangala den VfB verlässt, er hat außergewöhnliche Fähigkeiten: Seine Ballsicherheit und Technik waren im VfB-Kader einzigartig. Gegner schüttelt er geradezu ab, er liebt es, in Pressingsituationen zu kommen und sich dank seiner feinen Technik daraus zu befreien. Oft gegen zwei, drei Gegenspieler. Das sah nie so aus, als ob es anstrengend für Mangala ist, vielmehr mühelos, elegant und geschmeidig, manchmal sogar lässig. Man könnte Mangala mitten in der Cannstatter Kurve anspielen und er würde sich ohne Ballverlust durch die Kurve zurück aufs Spielfeld dribbeln. Er ist nicht besonders schnell, aber sehr fix im Kopf. Er erkennt in engen Situationen, wo die Lücken für Dribblings und Steckpässe sind, er sieht Räume, die er bespielen kann, …

Herzlich willkommen, Neuanfang!

Wie es ist, ohne die drei Keyplayer Borna Sosa, Sasa Kalajdzic und Orel Mangala zu spielen, ohne den Signature-Move „Flanke Sosa, Kopfball Kalajdzic“, das haben wir in Dresden gesehen. Das Ergebnis: Eine Runde weiter im Pokal. Die Erkenntnis: Der VfB zeigt einen anderen Spielstil und mit ein bisschen mehr Glück und Konsequenz wäre es ein lockerer Pokalauftritt gewesen. Voraussetzung: bessere Entscheidungen in der Offensive. Ich fragte mich vor dem Spiel: Wird es ein Desaster wie in der Zweitliga-Saison 2016? Oder ein Freakspiel und eine Aufholjagd mit Happy-End wie 2017? Es wird schließlich eine ähnliche Nummer wie am 29. Spieltag der Saison 2019/2020, als der VfB 2:0 in Dresden gewann, nach Toren von Hamadi Al Ghaddioui und Darko Churlinov. Der Nord-Mazedonier erneut treffsicher, er spielt eine Art Hybridrolle, einerseits als zweite Sturmspitze neben Tiago Tomas, aber oft auch eher hinter ihm, um sich am Kombinationsspiel zu beteiligen. Für Churlinov ist es ein Neuanfang nach seiner Leihe zu Schalke 04. Sein Wert für die Mannschaft ist deutlich höher nach seiner Rückkehr aus dem Kohlenpott. Dadurch, dass er …

Pelle, der Baumeister

Der 5:2 Testspielsieg gegen den FC Valencia gibt einen guten Vorgeschmack, wie Pellegrino Matarazzo nächste Saison spielen möchte und wie es auf und außerhalb des Spielfelds aussieht. Es ist schon einiges anders an diesem Samstag Nachmittag: Zunächst ist der Fritz-Walter-Weg hinter der Untertürkheimerstraße gesperrt, so dass ein Zugang zum PSV über die Mercedes Straße nicht möglich ist, hoffentlich bleibt das nicht so im ersten Heimspiel gegen Leipzig. Die Eingänge vor der gesamten Haupttribüne sind nicht im Einsatz, nur eine schmale Gasse neben dem Carl-Benz-Center dient gegen Valencia als Zutrittsmöglichkeit. Schon ziemlich verwirrend, so dass selbst der erfahrene kicker-Reporter Goerge Moissidis ein bisschen orientierungslos den Medieneingang sucht und schließlich an einem Art Klohäusle landete, an dem er einchecken musste. Im Stadion bin ich schockiert von diesem Anblick, das müssen wir uns grob anderhalb Jahre anschauen, denn die Erneuerung der Haupttribüne soll erst Ende November 2023 und damit ein halbes Jahr vor EM-Beginn abgeschlossen sein. Das Loch in der Haupttribüne ist wie eine offene Wunde. Es schmerzt dort hinzusehen und ich befürchte, die Baustelle wird in dieser …