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Wohlgemuth bittet weiter zu Tisch

„He’s cooking“ oder „Let him cook“ kommt aus der amerikanischen Hip-Hop-Szene, ein Lil Irgendwas hat das mal gerapt, um den Swag aufzudrehen und das hat sich in den sozialen Medien verselbständigt. Schließlich wurde das englische „Let him cook“ eins zu eins ins Deutsche übersetzt und ist durch tausendfache Memes als „der kocht“ in der deutschen (Jugend-)Sprache etabliert. Im Sinne: Lass’ den mal machen, der macht das gut. Genauso ist es beim VfB: Fabian Wohlgemuth kocht. Der Aufsichtsrat ist auch der Meinung, bei Wohlgemuth ist alles in Butter: der Chefkoch darf weiter an seinem Pass stehen, sein neuer Vertrag läuft jetzt bis 2029. Das ist beim VfB durchaus bemerkenswert. Kontinuität auf der Position des Sport-Chefs kannte man in Bad Cannstatt lange nicht. Dutt, Schindelmeiser, Reschke, Hitzlsperger, Mislintat – bei allen konnte man nach kurzer Zeit den Braten nicht mehr riechen. Im Gegensatz zu Wohlgemuth. Absolute Perfektion auf jedem einzelnen Transferlöffel zu präsentieren, um das schwierige Umfeld zu überzeugen, das ist Wohlgemuth auch noch nicht gelungen. Was aber auch Kitchen Impossible ist im The Länd of Fußballexperten. …

How to Frauen-Bundesliga

Gerade mal fünf Jahre nach Gründung der Abteilung und gut vier Jahre nach der ersten Trainingseinheit stehen die VfB Stuttgart Frauen kurz vor ihrem ersten Spiel in der Fußball-Bundesliga. Ein wilder Ritt von der Oberliga Baden-Württemberg bis in die oberste Spielklasse des deutschen Fußballs, die mittlerweile ausschließlich mit Teams besetzt ist, deren Männer-Vertretungen in der ersten oder zweiten Liga spielen. Wer sich bislang wenig für das Team von Nico Schneck interessiert hat: Jetzt wird es höchste Zeit! Und deswegen gibt es hier den Frauen-Bundesliga-Crashkurs!   Wo wird gespielt? Nach der Hafenbahnstraße in Obertürkheim, dem Platz 1 in der Mercedesstraße, dem Platz des PSV Stuttgart und dem Neckarstadion bekommen die Frauen in der kommenden Saison ihre fünfte Heimspielstätte: Das Gazi-Stadion auf der Waldau. Die maximale Auslastung liegt bei knapp 12.000 Zuschauer*innen. Beim VfB Stuttgart kalkuliert man laut Alex Wehrle mit einer Auslastung von 2.000, möchte aber insgeheim den Zuschauerschnitt der Stuttgarter Kickers von 4.000 knacken. Sollte das nicht klappen, liegt es sicherlich nicht an den Eintrittspreisen. Die Dauerkarte für alle 13 Heimspiele kostet zwischen 80 und …

Die nebulösen Infrastrukturprojekte des VfB

Nick Woltemade für 75+x Mio verkauft, der mit Jeremy Arevalo weder inhaltlich noch finanziell ersetzt wurde. Champions League erreicht mit um die 60 Millionen Mehr-Einnahmen 2026/2027, dazu Finanzrekorde im zurückliegenden Geschäftsjahr. Und trotzdem braucht der VfB Transfereinnahmen und steht angeblich sogar „unter Verkaufsdruck“? Mit großen Buchstaben wird vermeldet, der VfB-Aufsichtsrat habe „die Kohle für Leo Sauer und Dženan Pejčinović“ zwar freigegeben, verbunden aber mit der Vorgabe, durch Spielerverkäufe „viel Geld“ zu erzielen. Während der Boulevard wie immer nur an der Oberfläche kratzt und das einfach so stehen lässt, begründet ZVW die verlangten hohen Transfereinnahmen, ja sogar einen Transfer-Überschuss, mit „Infrastrukturprojekten“. Der Kauf des Carl Benz Centers soll sich dagegen laut Stuttgarter Zeitung selbst tragen und keinen Einfluss auf die Personalplanung des Profi-Kaders haben. Nebulös schreibt ZVW weiter vom „Umbau“ der Geschäftsstelle, ohne dezidiert (Zeit-)Pläne oder Zahlen zu nennen. Weitere Infrastrukturprojekte werden nicht aufgeführt, die sich auf die Kaderplanung auswirken sollen. Es bleibt unkonkret mit “die Strukturen des Klubs müssen wachsen“ bei der rasanten sportlichen Entwicklung. Schließlich wird der Verkauf von Bilal El Khannouss ins Spiel …

Die Goldgräber aus Cannstatt

Irgendwo im Wilden Süden. Der Neckar nicht weit. Feinstaub liegt in der Luft. Vier Männer reiten langsam auf die VfB-Geschäftsstelle zu. Alex “Goldfinger” Wehrle vorneweg. Natürlich. Dicht hinter ihm „Greenhorn” Petry, „Dusty” Röschl und “Old Digger” Allgaier. Es ist wieder diese Zeit des Jahres. Die Zeit, in der ein neues Ausweichtrikot her muss. Im Vorstandsbüro legt Greenhorn Petry einen Stapel Entwürfe auf den Tisch. „Alex, das sind unsere Ideen.” Goldfinger Wehrle blättert. Rot. Schwarz. Anthrazit. Ein Farbverlauf Irgendetwas mit Carbon. Er hebt kurz die Augenbraue. Dann schiebt Wehrle den Stapel von sich. „Grabt weiter.” Drei Tage später. Greenhorn Petry hat wieder Trikot-Designs dabei. „Wir hätten da etwas mit Camouflage.” „Grabt weiter.” “Wir könnten was mit ner Brezel machen!” „Grabt weiter.” Dusty Röschl übernimmt. „Wie wäre es mit schwarz und silbernen Blitzen?” „Grabt weiter.” „Oder ganz fancy: neon?“ Wehrle wütend: „Grabt weiter.” Goldfinger gibt bei seiner Marketingabteilung für alle Fälle ein Plakat in Auftrag: Wanted: Dead or alive! Ideen fürs Ausweichtrikot gesucht! Die Männer graben. Am Neckarufer. Im Schlossgarten. Unter dem Wasen. Zwischen Mercedes-Benz-Museum und Kursaal. …

Mario Gomez nannte ihn „El Commandante“

2006, nach einer verheerenden Saison mit Giovanni Trapattoni, die Armin Veh mehr schlecht als recht über die Bühne brachte, war die Stimmung endgültig am Boden, als Zvonimor Soldo seine Karriere beendete. Der langjährige Kapitän hatte zwar den Aktionsradius eines Bierdeckels, aber eine riesige Autorität. Ersetzen sollte ihn ein Mexikaner namens Pavel Pardo, den Jung-Manager Host Heldt zusammen mit Ricardo Osorio verpflichtete. “Nie gehört” war die Reaktion der meisten VfB-Fans, obwohl der Mittelfeldstratege noch kurz zuvor bei der WM in Deutschland spielte. Die Zweifel, ob Heldt den Sprung vom Spielfeld zum Manager schafft, waren eben groß. Auch wenn er als „Beckenbauer Mexikos“ bezeichnet wurde, die Ausstrahlung und den Einfluss Soldos wurden ihm nicht zugetraut. Dabei beanspruchte Pardo von Anfang an eine Führungsrolle im Team vom Armin Veh. Bei seiner Ankunft mit Landmann Osorio machte er klar: „Er ist noch jung und ich bin der Chef!“ Ein sonniges Gemüt zeichnete Pardo aus, er kam schnell an, integrierte sich, suchte den Austausch mit Trainern und Mitspielern, redete mit Händen und vor allem mit Füßen, mit Pässen und Laufwegen. …

Das neue VfB-Trikot: läuft!

Wir kennen das mittlerweile von Jako und dem VfB: Beim Design der Trikots wird immer nach Verbindungen zur Club-, Kultur- und Stadt-Geschichte gesucht. Legacy heisst das im Business- und Fashion-Sprech. Manchmal ist das kreativ, manchmal aber auch arg verzwungen. Dieses Mal ist der Link das Mineralwasservorkommen von Bad Cannstatt, angeblich das zweitgrößte Ausschüttungsvolumen Europas. Die Storyteller vom VfB und von Jako sind eben mit allen (Mineral-)Wassern gewaschen. Wir alle saßen in der Front Row als das Trikot mit unscharfen Aufnahmen vom Foto-Shooting am Klösterlebrunnen geleakt wurde. Der Aufschrei groß, dabei ist eigentlich egal, wie das Trikot aussieht, manchen gefällt es, anderen nicht, einigen ist es egal. Wir haben es uns genau angeschaut. Eine Stilkritik. Der weiße Grundton des neuen Heimtrikots wirkt clean, minimalistisch und fast schon Scandinavian Chic. Die roten Ärmel liefern den nötigen Color Pop. Besonders spannend ist der Dot-Dive-Look an den Schultern. Offiziell sollen die Punkte an aufsteigende Mineralwasserperlen erinnern. Wir sehen darin eine elegante Neuinterpretation von Batik, Hippie-Ästhetik und Festival-Vibes der Siebziger. Unser erstes Fazit: Das Trikot schreit nicht. Es perlt. 5 …