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Mit Vollgas in die Lernkurve

Bei den VfB-Frauen bleibt es historisch: Nach dem ersten Sieg und dem ersten Unentschieden, gab es am vierten Spieltag nun also die erste Niederlage in der Bundesliga und dazu noch das erste Spiel ohne eigenen Treffer. Ein Eintrag in die Historie, auf den wir alle gerne verzichtet hätten. Dass es für das Aufsteigerinnen-Team von Nico Schneck schwer werden würde, gegen die ehemaligen Serienmeisterinnen und Champions League Siegerinnen etwas Zählbares auf der Waldau zu behalten, war zu erwarten. Die Art und Weise, wie das 0:2 zustande kam, war dann aber dennoch höchst lehrreich. Wie schon bei der Saisonpremiere gegen Hoffenheim konnte man sehen, dass Fehler in der höchsten Spielklasse gnadenlos bestraft werden: Vor allem, wenn sie im eigenen Strafraum passieren wie vor dem 0:2 von Reena Wichmann. Man konnte auch sehen, dass jeder verlorene Zweikampf einer zu viel ist wie vor dem frühen 0:1, dem ein fataler Ballverlust von Maxi Rall vorausging. Doch natürlich gab es noch weitere Erkenntnisse. Zum Beispiel die, dass die VfB-Frauen auch gegen die Teams aus der Beletage der Liga mutig spielen …

“Ein richtig gutes Auswärtsspiel“. Wirklich?

Ich verstehe den Hype um das Auswärtsspiel in Sinsheim nicht. Klar, das 18. Heimspiel des VfB, der beeindruckende Take-over der VfB-Fans. Aber gegen Hoffenheim gibt es zwar manchmal spektakuläre Spiele, aber der VfB gewinnt selten: Genau einmal in den letzten neun Begegnungen, das wunderbare 0:3 vor zweieinhalb Jahren, als die TSG schwindelig gespielt wurde. Auf das Spiel in Sinsheim freue ich mich nie, weil die Spiele oft gleich aussehen: der VfB nie schlechter, aber oft zu dumm, um zu gewinnen. Unter „unnötige Niederlage“ stehen im Fußballlexikon die Partien zwischen dem VfB und Hoffenheim ganz oben. Am 3. Spieltag hat sich der VfB gegen Hoffenheim selbst geschlagen. Mit anfängerhaften Fehlern bei den Gegentoren, die beide nach demselben Muster gefallen sind und man sich fragen muss: Wie oft will der VfB solche Tore noch bekommen? Und vorne mit besten Chancen, die leichtfertig vergeben wurden, auch weil Keeper Oliver Baumann gegen den VfB wie immer sein bestes Spiel zeigt (Ausnahme: 32. Spieltag letzte Saison). Fabi Bredlow, Sebastian Hoeneß und Maxi Mittelstädt hatten „ein richtig gutes Auswärtsspiel“ gesehen. Really? …

Der Unterschätzte

„Bin ich hier unerwünscht?“ – die Frage, die sich Ermedin Demirovic während der Sommertransferphase stellte, war nicht unberechtigt. Der VfB wollte ihn unbedingt zu Geld machen, um die Vorgabe aus dem Aufsichtsrat zu erfüllen. Und viele glaubten, er passe nicht zum feinfüßigen Spiel des VfB. Zu grobmotorisch sei er, zu wenig Spielverständnis habe er, so die vorherrschende Meinung. Beim 3:1-Auftakt in der Champions League gegen Viking Stavanger hatte Medo wenig Interesse an dieser Frage. Er machte drei Tore, schaute in die Runde und fragte: „War was?“ Denn es ist nicht die Frage, ob Demirovic zum VfB passt. Es ist die Frage: Wird Demirovic im Spiel des VfB richtig eingesetzt? Gegen die Norweger hat man gesehen: Der VfB und Demirovic, das passt einfach. Emotional tat es das schon immer. Der Mittelstürmer ist ein guter Typ, vertritt den Brustring mit viel Freude und hat ein großes Herz für den VfB. Jetzt passt’s auch spielerisch. Denn man muss wissen: Ermedin Demirovic will den Ball nicht am Fuß haben, er will ihn in den Fuß gespielt haben. Alle drei …

Angekommen!

Bei den VfB-Frauen ist seit der Gründung der Abteilung logischerweise fast alles historisch. Aber das erste Spiel und vor allem das erste Heimspiel in der Bundesliga ragen dennoch heraus. Nach dem etwas überraschenden, aber absolut verdienten Sieg gegen die Hoffenheimerinnen (die übrigens auch ihr zweites Saisonspiel verloren haben) ging es bei bestem Sommerwetter auf der Waldau im ersten Bundesliga-Heimspiel ever gegen den Hamburger Sportverein. VfB gegen den HSV: Das klingt einfach gut. Und nachdem der VfB am ersten Spieltag als vermeintlicher Underdog vielleicht noch das Überraschungmoment auf seiner Seite hatte, war das Team von Nico Schneck gegen einen Gegner gefordert, der vermutlich auf Augenhöhe unterwegs ist. Komplett andere Ausgangslage, aber etwas überraschend eine komplett identische Startelf im Vergleich zum Spiel gegen Hoffenheim. Vielleicht lag es daran, dass der VfB wie schon beim Saisonauftakt in Rückstand geriet. Und das kam so: Von Anpfiff weg agierte der HSV gefährlich und erziele bereits in der zweiten Minute das 0:1 – und das war durchaus sehenswert herausgespielt: Camilla Linberg bediente per Hacke Paulina Bartz, die mit einem perfekt platzierten …

Die nebulösen Infrastrukturprojekte des VfB

Nick Woltemade für 75+x Mio verkauft, der mit Jeremy Arevalo weder inhaltlich noch finanziell ersetzt wurde. Champions League erreicht mit um die 60 Millionen Mehr-Einnahmen 2026/2027, dazu Finanzrekorde im zurückliegenden Geschäftsjahr. Und trotzdem braucht der VfB Transfereinnahmen und steht angeblich sogar „unter Verkaufsdruck“? Mit großen Buchstaben wird vermeldet, der VfB-Aufsichtsrat habe „die Kohle für Leo Sauer und Dženan Pejčinović“ zwar freigegeben, verbunden aber mit der Vorgabe, durch Spielerverkäufe „viel Geld“ zu erzielen. Während der Boulevard wie immer nur an der Oberfläche kratzt und das einfach so stehen lässt, begründet ZVW die verlangten hohen Transfereinnahmen, ja sogar einen Transfer-Überschuss, mit „Infrastrukturprojekten“. Der Kauf des Carl Benz Centers soll sich dagegen laut Stuttgarter Zeitung selbst tragen und keinen Einfluss auf die Personalplanung des Profi-Kaders haben. Nebulös schreibt ZVW weiter vom „Umbau“ der Geschäftsstelle, ohne dezidiert (Zeit-)Pläne oder Zahlen zu nennen. Weitere Infrastrukturprojekte werden nicht aufgeführt, die sich auf die Kaderplanung auswirken sollen. Es bleibt unkonkret mit “die Strukturen des Klubs müssen wachsen“ bei der rasanten sportlichen Entwicklung. Schließlich wird der Verkauf von Bilal El Khannouss ins Spiel …

Mario Gomez nannte ihn „El Commandante“

2006, nach einer verheerenden Saison mit Giovanni Trapattoni, die Armin Veh mehr schlecht als recht über die Bühne brachte, war die Stimmung endgültig am Boden, als Zvonimor Soldo seine Karriere beendete. Der langjährige Kapitän hatte zwar den Aktionsradius eines Bierdeckels, aber eine riesige Autorität. Ersetzen sollte ihn ein Mexikaner namens Pavel Pardo, den Jung-Manager Host Heldt zusammen mit Ricardo Osorio verpflichtete. “Nie gehört” war die Reaktion der meisten VfB-Fans, obwohl der Mittelfeldstratege noch kurz zuvor bei der WM in Deutschland spielte. Die Zweifel, ob Heldt den Sprung vom Spielfeld zum Manager schafft, waren eben groß. Auch wenn er als „Beckenbauer Mexikos“ bezeichnet wurde, die Ausstrahlung und den Einfluss Soldos wurden ihm nicht zugetraut. Dabei beanspruchte Pardo von Anfang an eine Führungsrolle im Team vom Armin Veh. Bei seiner Ankunft mit Landmann Osorio machte er klar: „Er ist noch jung und ich bin der Chef!“ Ein sonniges Gemüt zeichnete Pardo aus, er kam schnell an, integrierte sich, suchte den Austausch mit Trainern und Mitspielern, redete mit Händen und vor allem mit Füßen, mit Pässen und Laufwegen. …