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Viel schlechter hätte es Nagelsmann auch nicht gemacht

Jürgen Klopp kann gut schwätzen, bei ihm hört sich alles gut an, auch wenn die Ergebnisse eher mau sind. 1:1, 0:1, 2:0, 0:0. „Ich hätte nicht gedacht, dass nach nur zwei Wochen mit der Truppe solch ein Fußball möglich ist.“ Was genau meint er damit? Wie wild rumrennen? Gegen kämpfende Griechen nicht einmal ein Tor schießen? Gegen ein allenfalls mittelmäßiges Griechenland selbst allenfalls mäßig spielen? Gegen hilflose Serben schmucklos mit 2:0 gewinnen? Man könnte auch sagen: Viel schlechter hätte es Julian Nagelsmann auch nicht machen können. Bei Klopp ist alles größer. Der Kader sowieso. Sein Lachen. Seine Gestik. Seine Interviews. Selbst die kleinste positive Regung wird behandelt, als sei gerade eine neue Fußballidee entdeckt worden. Auf dem Platz allerdings sprinten allenfalls mittelmäßige Spieler durch die Gegend. Er nennt das Gegenpressing. Vielleicht ist es aber auch einfach das, was passiert, wenn eine Mannschaft nicht genau weiß, was sie mit dem Ball anfangen soll. Wenn wir keine Spitzenspieler haben, dann sollen die dankbar Nominierten wenigstens rennen können. Laufbereitschaft und Leidenschaft sind die Basics, aber auf keinen Fall …

Ausgerechnet Union!

Das 0:4 gegen Union Berlin war ein harter Reality Check für die VfB-Frauen und uns. Natürlich wussten sowohl Verantwortliche wie auch Fans, dass es solche Spiele geben würde. Aber trotzdem tut das Resultat, das die Anzeigetafel auf der Waldau nach 90 Minuten zeigte, extrem weh. Chef-Trainer Nico Schneck sagte nach dem Spiel: „Wir sind gut in die Partie gekommen und hatten gute Ballbesitzphasen. Zwar nicht so, dass wir sie im letzten Drittel zu Chancen ummünzen konnten, aber wir waren gegen den Ball griffig. Natürlich macht das was mit der Mannschaft, wenn du dann so ein Gegentor kriegst.” Aber kam sein Team wirklich gut in die Partie? Die ersten 15 Minuten gehörten eher den Unionerinnen, die den Takt der Partie diktierten. Die VfB-Frauen: sie reagierten. Dass der VfB dann auch im sechsten Bundesligaspiel in Folge das 0:1 kassierte, war folgerichtig, aber dennoch unglücklich: Der xG-Wert des Distanzschusses von Union lag bei gerade mal 2 %. Kurz darauf hatte auch der VfB die ersten relevanten Tor-Annäherungen, doch bereits in der ersten Halbzeit konnte man sehen, woran es …

Noch kein Grund zur Panik. Aber …

Rein von den Zahlen muss man von einem Fehlstart sprechen: vier Spiele, drei Punkte, Platz 15. Wir kennen das zwar aus 2023 und früher, aber das kann mittlerweile nicht mehr der Anspruch des VfB sein. Gleichzeitig hatte der VfB ein schwieriges Auftaktprogramm und spielte gegen den Meister, den Vizemeister und den Fünften der vergangenen Saison. Das lässt Jeff Chabot allerdings nicht gelten: „Genau auf dem Niveau wollen wir uns doch befinden!“ Trotzdem: Gegen diese Gegner kann man verlieren, wenn man nur „okay“ spielt, wie Sebastian Hoeneß es nach dem Dortmund-Spiel formulierte. Nur: Auch wenn Fabian Wohlgemuth sagt, „wir nehmen das ernst“, besteht die Gefahr, dass zu locker mit dem schlechten Saisonstart umgegangen wird. Denn es gibt einige Themen, die dringend bearbeitet werden müssen. Ganz vorne dabei: natürlich die Causa Deniz Undav. Der Club und sein (schwieriges) Umfeld müssen aufpassen. Der VfB ist nicht der VfB Undav, sondern der VfB Stuttgart. Der Club sollte sich von den Diskussionen, die von den Medien immer wieder hineingetragen werden, nicht von den wirklichen Problemfeldern ablenken lassen. Denn davon gibt …

Die Schein-Debatte um Deniz Undav

Der Stuttgarter Boulevard fragte im Anschluss an das Köln-Spiel nach Deniz Undav, sein Kollege wiederholte die Frage vor der Begegnung gegen Viking Stavanger. Beide Male wehrte sich Sebastian Hoeneß vehement gegen falsche und oberflächliche Einschätzungen. Die Folge: Die anderen Medienkollegen nehmen die Schein-Kritik an Undav auf, sei es aus Dankbarkeit, weil es Klicks bringt, sei es aus Einfallslosigkeit. Nach der 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim müssen jedenfalls alle Stuttgarter vor dem Sky-Mikro etwas zu Undav sagen. Fabi Bredlow, Grischa Prömel und natürlich Trainer Hoeneß reagieren sichtlich genervt. Schließlich heißt der Club VfB Stuttgart und nicht VfB Undav. Es entsteht eine Schein-Debatte um Deniz Undav. Denn schon nach dem Champions-League-Spiel gegen Viking Stavanger schrieb der Boulevard: „Undav zeigt’s seinen Kritikern“. Die Kritiker, die genau aus dem Boulevard kommen. Der klassische Fall von: sich selbst eine Vorlage geben und sie dann auch noch verwandeln. Alles ist immer extrem, das Lob wie auch die Kritik, und alle machen mit. Geht’s eigentlich noch? Dass Undav schon besser gespielt hat: geschenkt. Dass er aber mit vier Scorern in fünf Spielen beschissen auftreten …

Mit Vollgas in die Lernkurve

Bei den VfB-Frauen bleibt es historisch: Nach dem ersten Sieg und dem ersten Unentschieden, gab es am vierten Spieltag nun also die erste Niederlage in der Bundesliga und dazu noch das erste Spiel ohne eigenen Treffer. Ein Eintrag in die Historie, auf den wir alle gerne verzichtet hätten. Dass es für das Aufsteigerinnen-Team von Nico Schneck schwer werden würde, gegen die ehemaligen Serienmeisterinnen und Champions League Siegerinnen etwas Zählbares auf der Waldau zu behalten, war zu erwarten. Die Art und Weise, wie das 0:2 zustande kam, war dann aber dennoch höchst lehrreich. Wie schon bei der Saisonpremiere gegen Hoffenheim konnte man sehen, dass Fehler in der höchsten Spielklasse gnadenlos bestraft werden: Vor allem, wenn sie im eigenen Strafraum passieren wie vor dem 0:2 von Reena Wichmann. Man konnte auch sehen, dass jeder verlorene Zweikampf einer zu viel ist wie vor dem frühen 0:1, dem ein fataler Ballverlust von Maxi Rall vorausging. Doch natürlich gab es noch weitere Erkenntnisse. Zum Beispiel die, dass die VfB-Frauen auch gegen die Teams aus der Beletage der Liga mutig spielen …

“Ein richtig gutes Auswärtsspiel“. Wirklich?

Ich verstehe den Hype um das Auswärtsspiel in Sinsheim nicht. Klar, das 18. Heimspiel des VfB, der beeindruckende Take-over der VfB-Fans. Aber gegen Hoffenheim gibt es zwar manchmal spektakuläre Spiele, aber der VfB gewinnt selten: Genau einmal in den letzten neun Begegnungen, das wunderbare 0:3 vor zweieinhalb Jahren, als die TSG schwindelig gespielt wurde. Auf das Spiel in Sinsheim freue ich mich nie, weil die Spiele oft gleich aussehen: der VfB nie schlechter, aber oft zu dumm, um zu gewinnen. Unter „unnötige Niederlage“ stehen im Fußballlexikon die Partien zwischen dem VfB und Hoffenheim ganz oben. Am 3. Spieltag hat sich der VfB gegen Hoffenheim selbst geschlagen. Mit anfängerhaften Fehlern bei den Gegentoren, die beide nach demselben Muster gefallen sind und man sich fragen muss: Wie oft will der VfB solche Tore noch bekommen? Und vorne mit besten Chancen, die leichtfertig vergeben wurden, auch weil Keeper Oliver Baumann gegen den VfB wie immer sein bestes Spiel zeigt (Ausnahme: 32. Spieltag letzte Saison). Fabi Bredlow, Sebastian Hoeneß und Maxi Mittelstädt hatten „ein richtig gutes Auswärtsspiel“ gesehen. Really? …

Der Unterschätzte

„Bin ich hier unerwünscht?“ – die Frage, die sich Ermedin Demirovic während der Sommertransferphase stellte, war nicht unberechtigt. Der VfB wollte ihn unbedingt zu Geld machen, um die Vorgabe aus dem Aufsichtsrat zu erfüllen. Und viele glaubten, er passe nicht zum feinfüßigen Spiel des VfB. Zu grobmotorisch sei er, zu wenig Spielverständnis habe er, so die vorherrschende Meinung. Beim 3:1-Auftakt in der Champions League gegen Viking Stavanger hatte Medo wenig Interesse an dieser Frage. Er machte drei Tore, schaute in die Runde und fragte: „War was?“ Denn es ist nicht die Frage, ob Demirovic zum VfB passt. Es ist die Frage: Wird Demirovic im Spiel des VfB richtig eingesetzt? Gegen die Norweger hat man gesehen: Der VfB und Demirovic, das passt einfach. Emotional tat es das schon immer. Der Mittelstürmer ist ein guter Typ, vertritt den Brustring mit viel Freude und hat ein großes Herz für den VfB. Jetzt passt’s auch spielerisch. Denn man muss wissen: Ermedin Demirovic will den Ball nicht am Fuß haben, er will ihn in den Fuß gespielt haben. Alle drei …