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Die Bravehearts aus Bad Cannstatt

Another day in Paradise: Don’t think twice, der VfB beeindruckt mit einem 4:1 in Glasgow und einem überragenden Auftritt der Fans mit einer fucking Choreo und dem Ergebnis, dass der Celtic Park schon vor Spielende leer gespielt wurde.

Wir alle kennen wahrscheinlich Nessie, das sagenhafte Ungeheuer von Loch Ness, aber habt ihr schon schon von “droch chleachdadh” gehört? Bedeutet “schlechte Chancenverwertung“ und ist ein mystisches Ungeheuer, das angeblich der zwölfte Mann sein soll im Team des VfB. Sichtungen gab es in dieser Saison verstärkt bei den Europa League-Auswärtsspielen in Bern, Istanbul und Rom.

Ganz anders in Glasgow:
Bilal El Khannouss verwertet die ersten beiden Chancen – auch bedingt durch einen traurigen Kasper Schmeichel, der seine 39 Jahre alten Knochen kaum mehr in Richtung des Balles bewegen kann. Dass er dafür von den Celtic-Fans ausgepfiffen wurde: unwürdig. Bei allen vereinspolitischen Problemen – das sollen die weithin geschätzten schottischen Fans sein? The Celtic Star fragt sich das auch: “The German fans sang like we should have, as our prawn sandwich brigade yawned their way to defeat. Where is the rousing support which had us lauded around Europe for so long?“

Trotz des Fehlers im Aufbau von Alex Nübel und Ata Karazor, ist ein völlig neuer Geist im Team des VfB kaum zu übersehen: “àrd sgioba“, zu deutsch „Spitzenmannschaft. Reif, ruhig, souverän, stets Herr der Lage. Nachdem Jamie Leweling das 3:1 schießt – wieder Schmeichel mit einer mehr als unglücklichen Aktion – ist das Spiel zu. Ermedin Demirovic nach einem genialen Spielzug mit einem Abseitstor, Tiago Tomàs mit dem emotionalen Ende und einer gigantischen Jubeltraube. Geht es noch besser im „Paradise“ von Celtic?

Im Vorfeld wurde gemutmaßt, dass Celtic dem VfB nicht liegen würde.
Zu kämpferisch, zu abgezockt, zu körperlich, zu energetisch deren Stil und dann noch die Zuschauer! Zu sehen und zu spüren war davon im ersten Play-off nichts. The Celtic Star grumpy: “Celtic were poor in all areas across the pitch, from our hapless goalkeeper to our insipid ‘strike force’.”

Die Bravehearts aus Bad Cannstatt lassen Celtic im „Paradise“ keine Chance!

Die Bravehearts aus Bad Cannstatt lassen Celtic im „Paradise“ keine Chance!

Auch bei der erdrückenden Überlegenheit des VfB zeigte sich nie der Geist namens “tuiteam bholtaids“. Kam es sonst bei VfB-Führungen gerne einmal zu einem „Spannungsabfall“, blieb die Mannschaft fokussiert, spielte seriös, erlaubte sich überhaupt keine Nachlässigkeiten. Zugegeben: Celtic machte einen fast schon mitleiderregenden Eindruck, aber auch in der 85. Minute hoch anzulaufen, weiter auf ein Tor zu gehen, ist eine neue Qualität des VfB – vor allem in einem Auswärtsspiel der Europa League. Das Ergebnis ein Abend, von dem noch lange gesprochen wird. Der für immer in den Erinnerungen bleiben wird. Womöglich mit internationalen Highlights wie Manchester United, Barcelona, Juve und den Duellen 2003 gegen Celtic.

Das Achtelfinale ist damit so gut wie sicher. Kaum vorstellbar, dass diese erschütternde schottische Elf den VfB im Neckarstadion mit vier Toren Unterschied besiegt. Am Sonntag wartet mit Heidenheim ein Gegner mit ähnlicher Attitüde. Nicht besonders waghalsig ist die These, dass es dem VfB auf der Ostalb schwerer gemacht wird als in Glasgow.

Zum Weiterlesen:
Derek Rae mit einem schönen Porträt des VfB bei ESPN.

Rund um den Brustring sah eine “rundum gelungen Auswärtsreise mit nicht nur einem sehr guten Ergebnis für das Rückspiel, sondern auch einer Leistung, auf der sich aufbauen lässt.”

Der Celtic Blog beschreibt hier, warum die Zeit von Schmeichel in Glasgow zu Ende gehen sollte.

Bilder: Aufmacher (na ja), Artikelbild (WM Sport Media/Getty Images)

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6 Kommentare

  1. Marcus Fichter sagt

    Mal abgesehen von dem Nübel/Karazor Fehler ne geile Leistung.

    Die Rotationen und Einwechslungen genau richtig, ( aber vielleicht gibts jetzt hier auch wieder jemand, der fragt, warum der oder ein anderer nicht gespielt hat )
    Einstellung hat gepasst.
    Sicherlich hat man auch von den Querelen bei Celtic profitiert, aber das war ein starker, reifer Auftritt !

    Eigentlich kannste jetzt im Rückspiel die Rotationsmaschine anwerfen und dann trotzdem gegen Glasgow weiterkommen und HDH 3 Punkte holen !

    • @abiszet sagt

      Sehe ich genau so: alles spektakulär an dem Auswärtsspiel – Auftritt des Teams inkl. Reiseerfahrung der Fans, so sollten internationale Spiele sein.
      HDH echte Prüfung: der VfB kann da eigentlich gar nicht verlieren, ist aber immer noch der VfB ;-)

  2. bacardihardy sagt

    Ein legendärer Auftritt des VfB,
    da wird man noch lange zurückdenken.
    VfB Fans ebenso legendär.
    Epischer Abend.
    In der stärksten Phase von Celtic hat Jamie Ihnen den Zahn gezogen.
    Unsere Abwehr war super.
    Naja, der alte Schmeichel im Tor der Celtics hatte nicht seinen besten Tag.

  3. Sven E sagt

    Auch in dem Celtic Star Artikel:
    “The trip to Germany for the return leg should prompt the unfortunate, booked-up travelling fans to pack their lederhosen, and find a beer garden; it’s the only joy they are likely to find over in Baden-Württemberg. If you can’t beat em’…”

    Das wird ja noch ein zusätzliches Eigentor, wenn die auch noch alle in Lederhosen antanzen. Man muss wirklich Mitleid mit den Celtic Fans haben. Aber den Torwart auspfeifen ist schon krass, ist ja fast schon Selbstsabotage. Der VfB demonstriert, wie man einen Gegner mitsamt Fans völlig auseinandernimmt. An diesen Abend werden wir denken, wenn es auch mal wieder nicht so läuft.

  4. Ich hab bei Anpfiff mit einem wirklich mulmigen Gefühl vorm Fernseher gesessen – nur um mich in der zweiten Halbzeit beglückt vor der Mattscheibe stehend wiederzufinden. Was die Jungs da abgeliefert haben, war nicht nur seriös, sondern wirklich meisterhaft.

    Ich glaube nicht, dass ich prophetische Fähigkeiten besitze, aber das Gegentor hab ich irgendwie gefühlt. Die Angewohnheit der Celtics, Nübel bei einfach JEDER Ballaufnahme zu attackieren, fand ich anfangs putzig, dachte aber plötzlich, dass wir auf diese Art und Weise bestimmt noch einen eingeschenkt bekommen. Nübel hat anschließend auch fast jeden Ball sofort weit ins Feld getreten. Großartig natürlich die Reaktion. Kurz geschüttelt und eine Minute später wieder vergessen.

    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft enger zusammensteht, als je zuvor. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie das in Interviews ständig betonen – man sieht’s einfach auf dem Platz. Mit so einer Einheit kann’s noch weit gehen, auch wenn ich ehrlicherweise nicht mit Pokalen rechne.

  5. Achim Herzblutfan sagt

    Ich bin auch ganz begeistert von dem 4:1 Sieg gegen die Schotten.
    Aber: Bei aller Euphorie: so ein Bock von Nübel und Ata darf nicht sein. Wenn es das erste Mal wäre, Schwamm drüber.
    Aber das ist das gefühlt sechste Mal dass auf diese Weise ein Gegentor entsteht.
    Sowas will ich nicht mehr sehen.
    Ansonsten alles super!

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