Der VfB und der SC Freiburg mit völlig verschiedenen Herangehensweisen. Drei Faktoren entschieden das Spiel, nach dem der VfB zwölf Punkte (!) Vorsprung auf Platz sieben hat.
Freiburg ist anstrengend. Der Trainer, die Spieler, die Spielweise. Denn der SC wollte lediglich nicht verlieren und der VfB, der wollte unbedingt gewinnen. Und wurde für diesen Spielansatz spät belohnt.
Passiv, offensiv mutlos und abwartend traten die Breisgauer auf, investierten lediglich defensiv viel ins Spiel: knackige Zweikämpfe, teilweise mit einer Sechserkette in der letzten Linie. Nach vorne gewohnt einfallslos: lange Schläge auf Igor Matanovic, der für zweite Bälle sorgen sollte, in dem er in erster Linie in seine Gegenspieler hineinspang. Das Spielkonzept ging einmal auf, als Derry Scherhant „nach einem Gewusel“ (Sebastian Hoeneß) völlig frei vor Alex Nübel auftauchte. Den muss er machen.
Der VfB arbeitete sich am Gegner ab, spielte immer wieder geduldig in die Spitze, ließ den Ball laufen, ohne dem Gegner etwas anzubieten, wenn er einmal verloren wurde. Außer bei der Hero-Grätsche von Finn Jeltsch, der nach einem 50-Meter-Laufduell mit Yuito Suzuki den Torschuss verhinderte – zuvor hatte Jeltsch durch eine Unsauberkeit für genau diese Situation selbst gesorgt.
Torchancen hatte der VfB genug: Deniz Undav, Nikolas Nartey, Josha Vagnoman, Bilal El Khannouss. Entweder der Torabschluss war nicht sauber genug oder Noah Atubolu verhinderte den Einschlag – ohne allerdings besonders außergewöhnliche Saves zeigen zu müssen.
Drei Faktoren letztlich entscheidend für den verdienten VfB-Sieg:
1. Spielansatz
Auch in der 80. Minute spielte der VfB nach vorne, das sah „teilweise nach Handball aus“ (Hoeneß), mit dem Unentschieden wollte sich keiner aus Cannstatt zufrieden geben. Das Tor entstand aus einer hohen Pressingsituation, weil Maxi Mittelstädt und Chris Führich erst Bruno Ogbus isolieren und ihm dann den Ball wegnahmen. Beruhigend, dass sich Gegner mit ihrer destruktiven Spielweise nicht immer belohnen (wie zuletzt beim Heimspiel gegen Union Berlin).
2. Kader
Hoeneß wechselte erst Mittelstädt und Führich ein, dann Ermedin Demirovic und Chema. Drei der vier entscheidend am goldenen Treffer beteiligt. Wie ab deren Einwechslung sowieso jede gefährliche Situation über die Seite von Mittelstädt und Führich entstand.
3. Individuelle Qualität
Demirovic hat es nicht einfach beim VfB: stets wird gebruddelt über ihn, manche glauben, er könne nichts. Nach seinem Ermüdungsbruch erzielte er in gerade mal 260 Spielminuten drei Treffer. Das entscheidende 1:0 technisch hervoragend mit einem Volleyschuss, nachdem Undav ihm den Ball von links brilliant quer legte. Zuvor Ballan- und -mitnahme von Undav in einer fließenden Bewegung. “Das Auge, was er hat und wie er Spieler in Szene setzen kann, können in der Bundesliga nicht viele.” (Demirovic)
Das Tor einfach phänomenal-medomenal, es ließ die Bank des VfB und das Stadion explodieren, es wäre allerdings ohne Alex Nübel nichts wert gewesen. Nach einem Chipball von Enzo Grifo konnte Ogbus den Ball behaupten, seinen Schuss aus sieben Metern hielt Nübel jedoch mit einem überragenden Reflex. Eine Monster-Parade des VfB-Keepers, die dem VfB erneut Punkte sichert, wie zuletzt die gegen Union.

Auch die VfB-Bank drehte völlig auf nach dem späten 1:0. Demirovic wollte mit seinem Jubel nicht die Freiburger provozieren, sondern suchte auf der Tribüne Familie und Freunde, die zum ersten Geburtstag seiner Tochter zu Besuch waren.
Der SC Freiburg muss sich vorwerfen lassen, es zu wenig versucht zu haben. Der VfB dagegen ließ den Gegner viel zu lange im Spiel. Aber eine neue Qualität des VfB ist es, auch nach Rückschlägen an sich zu glauben und Spiele spät zu entscheiden, wie zuletzt gegen Bern und Frankfurt.
Zum Weiterlesen:
Unser VertikalGIF stellt fest: “Spätgart strikes again!“
Rund um den Brustring spricht beim goldenen Tor von Demirovic von einem „12-Punkte-Schuss“
Bilder: Alex grimm (Getty Images)


Also ich war völlig überrascht, der Freiburger Fußball ist mir mit Offensivpressing in Erinnerung gewesen, stattdessen stellten sie sich hinten rein um auf diese eine Situation zu warten. Dafür wurden die Breisgauer völlig zu Recht abgestraft. Wir hätten zur Halbzeit natürlich schon mit 2 : 0 in Führung liegen müssen, aber was solls, der Lucky Punch hat es auch getan. 😂
Klasse Ergebnis, bin immer noch heiser.
Vorher gingen wir wie auch gegen Bern etwas zu lässig mit unseren Chancen um.
Im Vergleich zur Vorrunde haben wir bereits 4 Punkte mehr. Solche Siege sind wirklich viel wert. Sollten die Beiern ernsthaft kriseln -w as ich nicht wirklich glaube – dann werden wir Meister.
Träume sind erlaubt!
Union und SC ist das schlimmste in der Saison – geschafft mit 4 von möglichen 12 Punkten.
Anschauungsmaterial gibt es genug, speziell Jeltsch und Nartey werden im Fokus stehen.
Glaubt ihr dass Medo länger spielen wird wenn 100% fit? Ich finde Undav als Wand und Medo als Knipser einfach am besten…
Absolut. Als Undav und Demirovic im Sommer 24 verpflichtet wurden, hatte ich genau solche Bilder wie gestern im Kopf, blindes Verständnis, komplementäre skills. Bislang haben sie gerade mal 9 Buli Spiele seit 24 gemeinsam gestartet. Rotation hin oder her, mit Medo vorne drin, Undav hängend, Leweling über links und El Khannouss auf rechts abkippend (so wie gestern) hätten wir ein Magisches Viereck!
Sehe ich auch so. Medo braucht jemand wie Deniz neben/vor sich.
12 Punkte auf Platz 7 ist in der Tat schon ein Holz. Das heisst Freiburg oder Frankfurt müssen im Schnitt pro Spieltag fast einen Punkt mehr holen als der VfB, um einen sicheren Europokalplatz vor dem VfB zu erreichen.
Gleichzeitig könnte nach den DFB-Pokal Viertelfinals die Situation enstehen, dass 3 von 4 Halbfinalisten in der aktuellen TOP 6 sind. Damit wäre die Wahrscheinlichkeit von Platz 6 = Europa League (statt Conference League) und Platz 7 = Conference League um ein vielfaches größer. Und für Europa generell müssten Freiburg UND Frankfurt im Schnitt in etwa 1 Punkt pro Spieltag auf den VfB gut machen.
Natürlich gibt es für mich im Moment ein optimales Szenario: Platz 3 und DFB-Pokal gewinnen… (und damit Freiburg/Frankfurt/Union einen Gefallen tun).
Alles Spekulation, aber macht halt schon Spaß zu sehen, wie stark der VfB diese Saison unterwegs ist und wie großartig die Tabellensituation zur Zeit ist.
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