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The Bhoys are back in town!

„Wir wollen nicht mit Ach und Krach weiterkommen“, sagte Sebastian Hoeneß vor dem Spiel gegen Celtic Glasgow. Seine Mannschaft sah das zumindest am Anfang nicht so. Wer nach 28 Sekunden den Ball aus dem Netz holen muss, bei dem stimmt etwas nicht. Mindestens nicht ernst genug nahm das Team die Begegnung bei Anpfiff. Aber es ist nachvollziehbar, wenn der VfB mit einem 4:1 im Rücken aus dem Hinspiel ein wenig sorglos auftritt.

Nach dem Spiel meinte Hoeneß, dass der VfB das Play-Off-Rückspiel „nicht in 100 Jahren verlieren“ dürfe. Wer lange Zeit keine Idee hat, wer zu umständlich vor dem Tor agiert, wer nicht entschlossen den Abschluss sucht, wer den Ball nicht ins Netz bringt, der verliert zurecht. Nicht in 100 Jahren, sondern am 26. Feburar 2026. Auch wenn irgendwelche Statistiken klar für den VfB sprechen, die Anzeigetafel tat es nicht.

Den Schotten tat das Ergebnis gut.
Vieles läuft unrund beim Club und im Team von Martin O’Neill. Auf eins kann man sich verlassen: auf die reisefreudigen Fans von Celtic. Einige kamen schon am Mittwoch und verbreiteten gute Laune. Am Donnerstag feierten sie im Biergarten im Schlossgarten und sie sangen gemeinsam mit VfB-Fans in Straßen- und S-Bahnen. Sie sorgten für eindrückliche Bilder am Königsbau. Sie holten sich einen Sonnenbrand im Paulaner als sie sich über die große Schlachterplatte hermachten. Sie mischten sich unter die Gäste beim Stehausschank von Dinkelacker und beim Palast der Republik. Sie machten aus einem manchmal etwas gemächlichen Nopper-Stuttgart, ja, … Stuttgart International! Und das mit dem „besoffen sehn’“ nahmen die schottischen Fans wirklich sehr ernst, das muss man ihnen lassen. „Schotten dicht“ bekam am Spieltag eine völlig neue Bedeutung.

The Bhoys are back!
Das erinnerte an ihre Gastspiele in Stuttgart zur EM 2024 und natürlich beim UEFA-Cup-Spiel 2003. So sollten internationale Spiele sein: ausgelassene Parties, die gemeinsam gefeiert werden. Fans, die nicht getrennt werden und sich aus dem Weg gehen, sondern sich mit Anerkennung und Respekt begegnen. Die Beziehung zwischen dem VfB und Celtic ist etwas ganz Besonderes. Es ist Zuneigung, wenn nicht sogar Liebe.

Die Schotten jedenfalls mit sehr stabilem Support und einem vollen Gästeblock – bei dem Hinspielergebnis alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sie sahen trotz der frühen Führung eine Mannschaft, die dem VfB unterlegen war und der ab der 60. Minute deutlich die Kraft ausging. Der VfB machte daraus: nichts. Immerhin zwei Abseitstore, einen spektakulären Schuss von Chris Führich und ein paar okaye Abschlüsse von Badredine Bouanani. Das erinnerte ein bisschen an die Heimspiele der Rückrunde in der letzten Saison, bei denen Sebastian Hoeneß sich wohl auch dachte, dass der VfB sie „nicht in 100 Jahren verlieren“ dürfe. Es wurden dann sechs Heimniederlagen am Stück, historisch war das.

Als historisch stuft Hoeneß auch den Einzug ins Achtelfinale ein.
Natürlich zurecht. Nach 13 Jahren steht der VfB wieder im Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs. Wenn wir schon bei historisch sind: Die sportliche Entwicklung seit Hoeneß’ Amtsantritt ist und bleibt die beeindruckendste in der VfB-Geschichte.

Die Niederlage gegen Celtic sollten jedoch alle ernst nehmen:
Trotz VAR-Chaos und einigen fehlenden Stammspielern ist es nach Heidenheim gegen Celtic das zweite Mal hintereinander, dass der VfB Schwierigkeiten gegen einen qualitativ schlechteren Gegner hat. Und am Sonntag kommt mit Wolfsburg der nächste Underdog. Sebastian Hoeneß muss Ideen entwickeln, wie nicht nur „in unserem Stadion von der ersten Minute an konsequent agiert“ werden kann, sondern wie der VfB seine individuelle und spielerische Überlegenheit in Tore umwandelt.

Zum Weiterlesen:
Rund um den Brustring ist enttäuscht und stellt fest: “Auf jeden Fall wirkte die Mannschaft erneut nicht voll auf der Höhe und das gegen einen Gegner, der mit einer fast komplett neuen Startelf antrat und momentan auch nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt.“

Bild: Sebastian Widmann/Getty Images

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2 Kommentare

  1. Jochen sagt

    Fein. Das beste gestern waren die sympathischen Auswärtsfans. Richtig ist auch, dass es der VfB sportlich weit gebracht hat. Dafür gebührt allen Verantwortlichen und der Mannschaft großer Dank. Die Frage ist, was ist jetzt noch möglich? Ich fürchte nicht viel: die Gründe?

    1. Ist der Spielansatz von Sebastian Höness völlig überraschungsfrei und mittlerweile auch für Gegner wie Heidenheim und Celtic gut zu handeln. Das Aufbauspiel ist sehr langsam, geht fast ausnahmslos quer und wenn sich die starken Flügel mit Leweling und Führich mal schnell durchsetzen passt nix zusammen. Wir sind taktisch beweglich wie ein Öltanker.

    2. sind wir im Sturmzentrum schwach besetzt. Wir schlagen über 90 Minuten hohe Flanken, darunter durchaus sehr gute, und gewinnen in der gesamten Spielzeit kein nennenswertes Kopfballduell. Matthäus (der völlig ahnungslose Fußballweltmeister, der so ziemlich alles gewonnen hat) nennt unsere Sturmbemühungen zu verkopft. Wir würden auf der Torlinie den Ball noch quer legen und einen besserpostierten Mitspieler suchen.

    3. Die Breite Kaderqualität gilt sicher nicht für den Angriff. Buoani und Tomas sind Fehleinkäuge über deren Spielverständnis sogar die Mitspieler den Kopf schütteln. Demirovic ist maximal Durchschnitt und steht halt oft im Abseits. Das ist nicht die Schuld des VAR. Undav lässt unglaublich viele 100% Chancen liegen.

    4. Der VfB lullt sich in Sebstzufriedenheit ein. Wer gegen 2x Hamburg und Heidenheim von 9 möglichen Punkten gerade mal einen holt, verspielt seine Möglichkeiten fahrlässig. Keiner da, der da mal den Finger in die Wunde legt. Alles so schön bunt hier…

    Prognose: wir sind den kommenden k.o. Spielen nicht gewachsen und werden in der Bundesliga 6. Das ist natürlich respektabel, wenn man bedenkt wo der VfB herkommt. Es wäre enttäuschend, wenn man sieht was möglich wäre. Aber wir haben ja durchgängig 70 % Ballbesitz. That‘s it. 🥱

    • @abiszet sagt

      Mit schlechtem Spielansatz und schwachem Sturmzentrum, mangelnder Kaderqualität und Selbstzufriedenheit gepaart mit Chancentod Undav auf Platz 6. Echt? Ich finde, Du bist viel zu optimistisch!

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