Dass man von Deniz Undav einmal von einem Chancentod sprechen könnte, hätte ich auch nicht gedacht: Drei Mal lief er alleine auf Frankfurts Keeper Kaua Santos zu, drei Mal ließ er die Entscheidung liegen. Nur logisch, dass der Vokal-Weltrekordler Ayoube Amaimouni-Echghouyab zum Ausgleich traf. Zum Held des Spiels wurde schließlich Nikolas Nartey mit dem 3:2. Ein Siegtreffer, den ihm alle gegönnt haben, wahrscheinlich sogar die Frankfurter.
Es war ein mitreißendes Spiel, das unnötig spannend wurde.
Der VfB ab der 20. Minute mit Spielkontrolle, ab dem 1:1 mit Druck und Selbstvertrauen – sowohl in Zweikämpfen, zweiten Bällen, in 1:1-Situationen als auch in teils schwindelerregenden Kombinationen. Die Eintracht wirkte zeitweise völlig überfordert, stand dem Angriffswirbel geradezu hilflos gegenüber.
Wie kam es zu dieser Überlegenheit?
Es waren die Spieler, die zuletzt immer gerne kritisiert wurden:
Chris Führich war eigentlich in jeder Aktion gefährlich, spielte seinem Gegenspieler Rasmus Kristensen in direkten Duellen regelrecht Knoten in die Beine. Auch das Zusammenspiel mit dem erneut starken Maxi Mittelstädt erinnerte manchmal an das fast schon blinde Verständnis aus der Vizemeister-Saison.
Bester Mann auf dem Platz war ohne Frage Atakan Karazor. Raumkontrolleur im zentralen Mittelfeld, an ihm zerschellten viele Angriffe der Frankfurter. Dazu mit vielen tiefen Läufen in die Spitze und nebenher klaute er mit seinen langen Haxen den Gegenspielern die Bälle.
Auch Ermedin Demirovic war stets einer, der in „The Länd of Fußballexperten“ leidenschaftlich kritisiert wurde. Sein Treffer war der Wendepunkt einer engen Partie, nachdem Frankfurts Santos ihm den Ball vor die Füße prallen ließ.
Bei Josha Vagnoman ist das Grummeln stets groß, wenn er in der Startaufstellung steht und wird noch lauter, wenn ihm mal ein Ball verspringt. Beim 0:1 war er zu weit weg von Kristensen, bereitete aber die Treffer zum 2:1 und 3:2 exzellent vor.
Führich, Karazor, Demirovic und Vagnoman: An ihnen arbeiteten sich viele in dieser Saison ab. Wie wertvoll sie sein können, haben wir gegen die SGE gesehen.
Dass Nartey einmal wertvoll für den VfB werden würde, wer hätte das gedacht? Bitte nur ehrliche Antworten. Ich muss zugeben, ich war enttäuscht, als ich ihn nicht in der Startelf sah. Als er in der 60. Minute endlich hereinkam, erhoffte ich mir von ihm entscheidende Akzente. Und das, nachdem er jahrelang verletzt war, er sich schon mit seinem Karriereende beschäftigen musste. Jetzt übernimmt er wie selbstverständlich die Rolle von Bilal El Khannouss und schießt das entscheidende Tor.
Wenn wir schon bei Personalien sind, dann noch kurz zu Alex Nübel:
Mit zwei extrem wichtigen Paraden gegen Arnaud Kalimuendo am Spielende rettete er die drei Punkte. Und er guckte einen Schuss von Ansgar Knauff ans Lattenkreuz und einen Schlenzer von Kristensen neben das Tor.
Wie letztes Jahr startet der VfB hervorragend. In der zurückliegenden Saison waren es sogar vier Siege in Folge, bevor man einbrach. Jetzt kommt es darauf an, aus der negativen Phase 2025 zu lernen. Alle Beteiligten beteuern, dass ihnen so ein Downfall nicht noch einmal passieren würde. Eine echte Prüfung wartet am Sonntag: Union Berlin gehört sicher zu den unangenehmsten Gegnern in der Bundesliga.
Zum Weiterlesen:
Unser vertikalGIF beklagt, dass der VfB die Frankfurter teilweise hergespielt hat und trotzdem beinahe mit nur einem (oder keinem!) Punkt dastand.
Rund um den Brustring sah ein Spiel, das das genaue Gegenteil der Partie gegen Leverkusen war.
Ich konnte nicht alle aufzählen:
Sebastian Hoeneß und ZVW würdigen den “bärenstarken Auftritt“ von Ramon Hendriks.
Bilder: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images




Das Spiel verdient das Prädikat…WOW und der VfB das Prädikat…nahezu perfekt. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann eben den Chancenwucher. Es gibt halt auch solche Tage wo du vorne viel zu viel liegen lässt und plötzlich klingelt es hinten. Aber es ist ja nochmal gutgegangen, das 3:2 einfach Spitze, dieser Aufschrei der durch das Stadion ging…das war Gänsehautfeeling !
Jetzt gilt die Devise, weiter, immer weiter, bitte nicht nachlassen, auch gegen Union klar zeigen dass die Punkte in Stuttgart bleiben, ich freue mich auf dieses Spiel !
@Andreas, Karazor habe ich jetzt nicht ganz so stark gesehen wie Du, für mich war unser Abwehrtank Chabot und gleich dahinter Führich die herausragenden Säulen in diesem Spiel. Kaum war Chabot vom Platz, schon hat Frankfurt den Ausgleich erzielt.
Apropos Chabot, der hat gerade einen tollen Lauf, das freut mich für ihn, auch Führich scheint wieder erstarkt zu sein.
@Hobbycamper
Du hast natürlich völlig Recht mit Chabot. Nachdem er in Leverkusen so gehupt wurde, habe ich es gelassen. Ich hatte Sorge, als er Ebnoutalib abgeräumt hatte wegen einer Rotgen karte (im TV gesehen, er spielt i.e.L den Ball …).
Karazor hat mich wirklich beeindruckt gegen Frankfurt. Er hat sich aus dem Loch aus dem Anfang der Saison herausgekämpft.
Es war knapp, hat aber gereicht ! Wir sind sehr schlecht ins Spiel gekommen und der frühe Rückstand war ein Schlag ins Kontor. Die Frankfurter haben mit einem klaren Plan begonnen, nämlich dem VfB keine Räume zu bieten wie die Pillen. Erst nach dem Aussetzer des Keepers und dem Ausgleich waren die Unsrigen plötzlich voll da und haben das Spiel noch vor der Pause gedreht. In der zweiten Halbzeit hätten wir die Hessen eigentlich abschießen müssen, aber Undav hat das Ding leider nicht zu gemacht. Dann fällt natürlich das 2 : 2 und kurz danach hat die Eintracht sogar den Siegtreffer auf dem Fuß, aber zum Glück geht der Ball knapp am Pfosten vorbei. Kurz danach dann das Happy End durch Nartey, für ihn freut es mich ganz besonders, nach der harten Zeit die er durchmachen musste.
[…] Was ist mit Führich und Karazor los? – Vertikalpass […]
Wir können uns wahrscheinlich darauf einigen, dass aktuell keiner im Team groß abfällt und hier fast jeder genannt werden kann (ich habe meinen Junior z.B. schon während dem Spiel im Stadion auf Hendriks aufmerksam gemacht – überragendes Stellungsspiel, überragende Zweikampfführung, überragend schnell, überragendes Laufpensum).
Darauf können wir uns einigen, Olli.
Ich fand erstaunlich, dass es ausgerechnet die Spieler waren, denen ein nicht gerade kleiner Teil der VfB-Fans die Qualität abgesprochen hat. Wie geschrieben: Das Raunen bei Vagnoman, alleine die Aufstellung Karazors – vor kurzer Zeit wollten alle anstatt dessen Chema sehen und zwar in jedem Spiel. Dasselbe bei Führich – am besten gleich verkaufen! Deshalb ging ich auf die im Text ein. Und der Formanstieg ist allen zu gönnen.
@abiszet
Da bin ich bei dir!
Aber Gott sei Dank muss die Qualität auch unser Trainer einschätzen und nicht unsere “Teilzeit-Social-Media-Experten” 😉😁
Vertrauen in den kompletten Kader zahlt dir der Kader eben auch wieder zurück!
Interessante Analyse auf hessenschau.de:
„Karazor leitete das 3:2 nicht nur mit einem gewonnenen Zweikampf, sondern auch mit rudernden Armen als Signal für die Attacke ein. Stiller war an fast jedem Angriff des VfB beteiligt. Aus dem Zentrum kommt beim VfB die Balance, die der Eintracht komplett abgeht in dieser Spielzeit.“
Karazor mit rudernden Armen – hat er sich da was von AC abgeschaut?
https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/eintracht-frankfurt-nach-der-niederlage-beim-vfb-stuttgart-bedenkliche-zahlen-alarmierende-szenen-v1,sge-analyse-102.html