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Über die Kunst, so ein Spiel nicht zu verlieren

Der VfB gewinnt in Hoffenheim 3:3 und verdient ist das nicht. Bis zur roten Karte von Atakan Karazor zeigte nur ein Team, dass es in die Champions League will. Der VfB war es nicht.

Glück gehabt hat der VfB und Glück gebraucht, denn er fand die richtige Haltung in diesem Spiel erst, als er in Unterzahl spielen musste. Dass Hoffenheim den VfB nicht abschoss, das Spiel nicht 6:2 oder 7:2 gewann, lag an ihrer „Unreife“ (Andrej Kramaric) und an Alex Nübel, der ein überragendes Spiel mit teilweise spektakulären Paraden zeigte.

Wie brachte der VfB es fertig, dieses Spiel nicht zu verlieren?
Weil der Gegner am eigenen Werk scheiterte.

Oliver Baumanns Katastrophenspiel
Mindestens die zwei Tore von Chris Führich und Ermedin Demirovic muss der deutsche Nationaltorhüter halten. Es wäre keine große Kunst gewesen, jeweils das kurze Eck zuzumachen. Wobei man auch zugeben muss, dass bei beiden Treffern jeweils nur ein Pinselstrich Platz war für den Ball.

Hoffenheims katastropale Chancenverwertung
Einweder spielten sie es nicht clever aus oder sie scheiterten an Nübel Nübel Nübel. Der Stuttgarter Torhüter wie ein Restaurator eines beschädigten Bildes namens „VfB-Defensive“. Sebastian Hoeneß sprach nach dem Spiel von “PSG gegen Bayern in klein“. Hätte allerdings die inviduelle Offensivkraft der beiden Halbfinalisten auf dem Feld gestanden, der VfB hätte zehn Tore bekommen.

Der VfB fand nie zu seinem Spiel, war dem Willen und der Wucht der TSG nicht gewachsen. Die Spieler wehrten sich nicht, es fehlte der Biss in den Zweikämpfen und die Energie, gegen die hochmotivierten Kraichgauer zu bestehen. Die Mannschaft und ihr Trainer müssen sich fragen, wie dies in so einem wichtigen Spiel passieren kann. Der glückliche Punkt sollte nicht groß gefeiert werden, sondern es muss analysiert werden, wie es dazu kommen konnte und warum der Fokus in weiten Teilen des Spiels fehlte.

Die Hoffenheimer spielten letztlich wie ein Kunstwerk von Banksy, das sich im Moment seiner größten Wirkung selbst zerstört. Aber was war es, was den VfB außer Glück und dem Versagen der Hoffenheimer im Spiel hielt?

Nach der roten Karte natürlich die Widerstandskraft, die man sich schon ab Minute 1 gewünscht hätte. Bis dahin zeigte eigentlich nur Führich Normalform. Der Rückstand und die rote Karte waren die Auslöser, dass sich die Mannschaft zusammenriss. Dass sie dazu in der Lage ist, spricht unbedingt für das Team. Dass sie diesen Impuls offenbar braucht, bleibt das eigentliche Problem – und ist kein neues, siehe Werder Bremen letzte Woche.

Das Ende dann wie gemalt für Tiago Tomàs:
Zuvor hätte er schon bei einem Kopfball den Ausgleich erzielen müssen, um dann in der 96. Minute einen Abpraller über die Linie zu drücken. Der Portugiese entwickelt sich zum Spezialisten für diese entscheidenden Momente: Ein Spieler, der weiß, wie ein Bild zu vollenden ist.

Und wie sieht das große Bild aus?
Es ist einfach: Der VfB muss nur seine beiden Spiele gegen Leverkusen und in Frankfurt gewinnen und ist sicher in der Champions League.

Sollte es eine Ausstellung geben, wenn der VfB die Königsklasse erreicht, wird dieses 3:3 eine besonderen Platz einnehmen. Das Spektakel in Hoffenheim kann die Sinne schärfen und die Initialzündung sein für den Kampf um den vierten Champions Leage-Platz. Wenn die richtige Schlüsse aus der Partie gezogen werden. Und: Diese Woche werden aber wirklich Standards trainiert, bitte. Defensive und offensive. Danke!

Zum Weiterlesen:
Unser VertikalGIF empfand eine Gefühls-Achterbahn, die im Expresstempo fuhr. Immerhin: Sebastian fuhr mit dem Rad hin und mit einem Punkt zurück.

Die Stuttgarter Zeitung (Plus) kommentiert: “Der Auftritt in den ersten 65 Minuten wirft Fragen auf.”

Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images


Sollte der VfB die Champions League verpassen – das wäre endgültig das Comeback des schwierigen Umfelds, oder?

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6 Kommentare

  1. Jochen sagt

    Gute Analyse. Tomas hervorzuheben ist richtig. Er blockt den Torschuss von Undav, der sicher das 3:3 bedeutet hätte. Er köpft erbärmlich vor dem leeren Tor aus 3 m drüber. Und den Abstauber verwandelt er gerade so, Baumann war noch leicht dran. Wenn er das Tor nicht macht, hätten ihn die Fans vermutlich zum Teufel gewünscht. Das ist echt kein Stürmer. Und was war denn der Plan von Herrn Höness? Berechenbarer Fussball mit 4 km weniger Laufleistung in Halbzeit 1? Arroganz at its best! Die Nibelungentreue zum völlig indisponierten Kapitän und dem völlig überspielten Stiller? Der unbedingte Glaube in Vagnoman? Hohe Flanken auf Undav? Es war wie gegen Bremen schematisiert, arschlangsam und in weiten Teilen ohne Biss und eigentlich auch ohne Mittelfeld. Plan B Fehlanzeige. Die Fans und die Moral sind Champions League. Die Mannschaft und der Trainer sicher nicht. Das ist nicht weiter tragisch, man sollte die Dinge halt nur so einordnen, wie sie sind.

    • Ronny sagt

      Dann erkläre mal wie oft der VfB die letzten 25 Jahre 58 Punkte nach 32 Spieltagen hatte ? So oft kann das nicht gewesen sein, Aber den Trainer kritisieren. 🫣🫣🫣

  2. Ronny sagt

    Die erste Halbzeit war echt eine Katastrophe, selbst Nübel konnte sich die miserable Laufleistung nicht erklären, alles hat ausgesehen wie ein Trainingsspiel, als ginge es um nichts. So etwas darf eigentlich nicht passieren. Nur durch den glücklichen Ausgleich haben wir noch alle Möglichkeiten auf Platz vier. Aber nochmal so einen Aussetzer gegen Leverkusen und die Champions League ist weg.

  3. Fritz sagt

    Natürlich kann man auf die Moral stolz sein – aber die Leistung reicht einfach nicht. In den letzten 10 Spielen (wettbewerbsübergreifend) hat der Gegner 7 Mal das erste Tor geschossen, und wir haben nur 2 Mal zu Null gespielt.

    Ich fürchte mittlerweile, dass wir wieder zunehmend den VfB zu sehen bekommen, den wir doch eigentlich schon hinter uns gelassen haben: eine Mannschaft mit anfälliger Abwehr und vorne entweder wenig Kreativität oder maximal schlechter Chancenverwertung.

    Ich würde gerne mal eine substantielle Aussage von Hoeness dazu hören, wie man das Defizit wieder in den Griff bekommt – anscheinend werden kritische Fragen in den Pressekonferenzen nach den Spielen nicht gestellt :-(

  4. Simon sagt

    „ Es ist einfach: Der VfB muss nur seine beiden Spiele gegen Leverkusen und in Frankfurt gewinnen und ist sicher in der Champions League.“

    Und was ist, wenn Hoffenheim die 4 Tores auf den VfB einholt? So unwahrscheinlich ist das nicht.

    • @buzze sagt

      In dem Fall gewinnt Freiburg die Europa League und die Bayern die Champions League und die Bundesliga bekommt 5 CL-Plätze.

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