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Anspruch und Wirklichkeit

„Sind wir schon im Alarmmodus?“, fragte Sport-Vorstand Fabian Wohlgemuth nach dem 1:2 auf St. Pauli. Angesichts der Zahlen total berechtigt: In 2026 sind sogar Dortmund (16) und Hoffenheim (15) besser als der VfB, der lediglich 13 Punkte (vier Siege und je ein Remis und eine Niederlage) erspielte – genau so viele wie Abstiegskandidat Mainz 05! Was stimmt denn nicht mit dem VfB?

Der Anspruch des VfB muss sein:
Alle Spiele zu gewinnen. Und nicht nur irgendwie, sondern überzeugend. Am besten deutlich. Vor allem gegen Clubs, die am Boden liegen wie St. Pauli. Die sind quasi mit dem letzten Aufgebot angetreten. Mit Jackson Irvine, der 90 Minuten verletzt spielte und wenn man genau hinsah, eigentlich nur humpelte. In 90 Minuten machte er mehr Meter als Bilal El Khannouss („Jungstar angezählt!“), der gerade mal ein paar Spiele vom Afrika-Cup in den Beinen hatte und das Ding nicht mal gewinnen konnte. An Irvine sollten sich die VfB-Spieler ein Beispiel nehmen. Der breite Kader ist eine Wohlfühloase!

Die Wirklichkeit ist:
Der VfB hat nur vier von sechs Bundesligaspielen in 2026 gewonnen! Nicht übersehen darf man zudem, dass der VfB diese vier Siege nur mit Glück erzielte: der Siegtreffer gegen Freiburg in der 90. Minute, das 3:2 gegen Frankfurt in der 87. Minute, zuvor hatte die Eintracht die Führung auf dem Fuß. Das 3:0 in Gladbach entstand nur, weil Haris Tabakovic es schaffte, selbst gegen Alex Nübel einen Elfmeter zu verschießen und sich die Fohlen die Tore selbst einschenkten. Und das 4:1 in Leverkusen? Wir alle sehen, welch desolaten Eindruck der Werksclub in 2026 macht. Keine große Kunst, da zu gewinnen!

Jetzt kommt Köln:
Mit Jungstar Said El Mala, der traf noch nicht in diesem Jahr, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es ihm gegen den VfB gelingt. Ob das die VfB-Abwehr weiß? Und mit Spitzen-Trainer Lukas Kwasniok, bekannt für seine taktischen Kniffe. Da wird sich Sebastian Hoeneß umschauen müssen. Immer dasselbe zu machen, wird nicht reichen. Immer nur quer und zurück und 70 Prozent lahmarschiger Ballbesitz, das wird Kwasniok locker auscoachen.

Zu viel oder zu wenig rotieren wird kein Konzept sein. Immer spät und dazu noch falsch zu wechseln ebenfalls nicht. Das Spiel gegen Köln, das ähnlich energetisch spielt wie St. Pauli dürfte eine unlösbare Aufgabe werden, wenn Hoeneß sein Team so weiterspielen lässt wie bisher. Denn was bringt das schon? Also abgesehen von der zweitbesten Punkteausbeute in der Vereinsgeschichte nach 20 Spieltagen?

Ich lege mich fest: Wenn Hoeneß weiter keine Lernfähigkeit zeigt, steigt das Team ab. Der VfB hat schließlich erst 39 Punkte!

Und dann die Transfers:
Den Abgang von Nick Woltemade nicht ersetzt, auf den Wechsel von Enzo Millot nicht reagiert und dafür mit Tiago Tomas und Badredine Bouanani überteuerte Flügelspieler geholt. Tiago immer verletzt, Bouanani ohne Scorer in der Liga. In Worten: Null! Der VfB braucht doch einen schnellen und spielstarken Sechser und einen erfahrenen, großen und bulligen Neuner mit herausragenden Sprintwerten. Anstatt dessen kommt im Winter mit Jeremy Arevalo ein 1,80-Meter-kleiner Stürmer aus der zweiten spanischen Liga, der vor kurzem erst volljährig wurde. Dazu wurde Silas verschenkt – an einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf! Was hat Wohlgemuth da gekocht? So etwas wäre nicht einmal Robin Dutt passiert!

Verstärkung aus dem NLZ? Fehlanzeige! Dabei sieht doch jeder, dass der 18-jährige Catovic schon längst auf dem Niveau von Atakan Karazor ist – mindestens! Warum würde RB Salzburg sonst so viel Geld auf den Tisch legen?

Schließlich die Schwächen vor dem Tor:
Kein Fortschritt zu sehen! Da werden von Spiel zu Spiel Chancen verballert noch und nöcher. Mit Ermedin Demirovic spielt der VfB nur zu zehnt, Deniz Undav ist in den Interviews besser als vor dem Tor. Er lässt sich sogar Screenshots von obskuren Statistiken machen, die ihn auf einer Stufe mit Kylian Mbappé sehen. Hat er sich schonmal die Liste seiner Fehlschüsse angeschaut? Die sprengt jede Excel-Tabelle. Was nützt es, dass er alle 115 Minuten trifft, wenn er alle 10 Minuten eine Großchance auslässt!

Vor dem Spiel gegen Köln hat Trainer Hoeneß den Spielern auch noch zwei Tage freigeben. Was ist denn das für ein Zeichen nach einer Niederlage? Ich sage, es hilft derzeit nur Zirkeltraining, Kopfballpendel, Torschusstraining, Waldläufe, Arschbolzen.

Aber auf mich hört ja keiner!

Foto: Selim Sudheimer/Getty Images

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24 Kommentare

  1. Olli Wezel aka debutanker sagt

    @abiszet
    Bisher fand ich deine Beiträge ja echt immer fundiert, sachlich kritisch und konstruktiv.
    Aber das hier ist mir echt zu viel Schönmalerei!😉😜

    • Ich kann mich noch an das Hinrundenspiel in Köln erinnern. Da war ich zugegen. Nur 1:0. Das war unterirdisch.

      Ohne Treppensprints und Gewichtswesten wird es nichts mit der Relegation.

      Ansonsten kann ich Dir in Deiner Analyse der Lage nur zustimmen.

      “Kommt Friehling. Kommt VfB.” (Otto B.)

  2. Johannes sagt

    So geht´s ja nun nicht!
    Du kannst doch nicht total ernst gemeinte Hinweise und Einordnungen zur Arbeit von Trainerstab und Management, die unter dem letzten Artikel gepostet wurden, mirnixdirnix in einen weiteren Artikel verarbeiten. Und diesen dann auch noch ohne klare Ironie-Kennzeichnung und ohne Quellenangabe veröffentlichen!

    Mich hat es nach so manchem Kommentar unter “Return of the Aufbaugegner” in den Fingern gejuckt etwas zu schreiben, das hätte ich aber nicht so hinbekommen wie Du.

    Dankeschön!

  3. Pitchblack sagt

    “[…] Ich sage, es hilft derzeit nur Zirkeltraining, Kopfballpendel, Torschusstraining, Waldläufe, Arschbolzen.”

    Medizinbälle! Was ist mit Medizinbällen?!?!?

  4. Jochen sagt

    Respekt! Offensichtlich habe ich hier einige auf die Palme gebracht! Erstaunlich. Vielleicht bin ich ja tatsächlich nur der blinde Dauernörgler, der seit 50 Jahren in masochistischer Hassliebe sich jedes Wochenende freut oder zu Tote ärgert. Wer diese Zeit seit Sundermann voll mitgemacht hat, kann gar nicht anders oder er ist Bayernfan geworden. Also sorry ihr habt recht und es beginnt eine neue goldene Zeit. 😉 Wir werden sehen, ob die Kritik völlig blind war. Oder vielleicht auch nicht? Melde mich dann wieder wenn Demirovic und Tomas gemeinsam auf 10 Tore gekommen sind. Ich wünsche ein erfolgreiches Jahr 2026!

    • Volker Rückle sagt

      Hi Jochen,
      Schätze mal wir sind ungefähr im selben Alter. Auch ich verfolge den VfB seit Sundermann recht intensiv.
      Allerdings habe ich mir das Powerbruddeln mittlerweile weitgehend abgewöhnt. Wenn man mal ganz nüchtern auf die Wehrle-Wohlgemuth-Höness- Zeit blickt, fallen mir in den vergangenen 50 Jahren wenige, nein eigentlich gar keine Zeiten ein, in denen dass Spitzenpersonal mir wesentlich mehr Vertrauen eingeflößt hat. Was uns von der absoluten nationalen europäischen Spitze trennt, sind vor allem finanzielle Möglichkeiten, wie sie in der Liga eigentlich nur der FCB und mit deutlichen Abstrichen der BVB hat. Theoretisch könnte auch der RB-Obermotz noch mehr Kohle aufschütten, als er es eh tut.
      Ansonsten arbeiten die möglichen CL-Kandidaten, zu denen ich uns auch zähle, alle so ziemlich am oberen Limit ihres Potentials. Und unser Spitzenpersonal schlägt sich mE absolut wacker in diesem Umfeld. Klar wünschen wir uns alle, dass der VfB mal wieder Meister wird! Wäre komplett geil! Aber gerade der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt doch, wieviel außergewöhnliche Voraussetzungen, Spieler, Trainer es braucht und welche Menge Dusel für Clubs wie den VfB dazugehört, sowas zu erreichen!
      Warum haben wir uns dermaßen über den Pokalsieg gefreut? Weil wir es verstanden haben, die Gunst der Stunde cool auszunutzen! Jederzeit hätte uns zwischendurch zB der FCB zugelost werden können, oder St Pauli auswärts mit Wetter wie letzten Samstag…wer weiß wie das gelaufen wäre – ist aber nicht passiert.
      Gottseidank! Deshalb plädiere ich auf Abregen, entspannen und diese Phase insgesamt zu genießen.
      Denn, Jochen: wer so lange dabei ist wie wir, dem ist doch klar: Jederzeit kann das alles wieder wegbrechen, und die harten Zeiten kommen wieder.
      Möge es noch lange dauern, am besten unendlich lange.
      Mein Gefühl sagt mir, dass mit Geduld, Klugheit und Weitblick die Möglichkeit besteht, das unser Verein sich wirklich dauerhaft in den TOP 4 etabliert.
      Die Voraussetzungen sind da.
      Gruß
      Frottesana77

      • Jochen sagt

        Hach ich danke. Frottesana 77. suche da ein Trikot, nirgends erhältlich. Beflockung mit Holcer. obwohl es schon damals einen Höness beim VfB gab. Sowas.

        • @abiszet sagt

          @Jochen
          Die sachliche Kritik habe ich erwartet, dass Du bei zwei Spielern auf 10 Tore wartest, die wochenlang verletzt waren (beide stehen über alle Wettbewerbe im Moment bei 12). Ich finde, auch Nübel hat viel zu wenig Tore geschossen. Da fragt man sich: Was trainieren die eigentlich!

          Flock von Holcer? Wirst Du eher keinen finden, gabs vor 50 Jahren noch nicht. Zuletzt ist mir ein Frottesana-Trikot mit der 11 auf Insta begegnet, soll Hitzfeld getragen haben. Ansonsten: Copa hat vor ein paar Jahren ein Retro-Frottesana-Trikot herausgebracht. Wirst Du auf den einschlägigen Seiten sicher finden.

          Bis Du fündig wirst ;-)
          https://vertikalpass.de/dragan-holcer/

          • Jochen sagt

            Copa ist ausverkauft. Habe dort bestellt, dann kam die Absage.

      • Ronny sagt

        So isses, die Zeit genießen, der nächste Einbruch kommt bestimmt, wir kennen ja unseren VfB. Ein sehr schöner Kommentar von Volker, hat mir sehr gut gefallen !

        • Olli Wezel aka debutanker sagt

          Definitiv ein treffender Kommentar von Volker!
          So etwas kommt dann wahrscheinlich zustande, wenn Altersgelassenheit und Alterweisheit den Bruddler “überholt” haben…

  5. Dentrassi sagt

    Das Leverkusen-Spiel kommt mir hier noch viel zu gut weg. Da war schon die zweite Halbzeit gar nichts… 😠😠

  6. bacardihardy sagt

    Diese Mehrfachbelastung , die Torschwäche, der fehlende grosse Mittelstürmer, das zu langsame Mittelfeld, wo sind die Freistossspezialisten etc etc alles Punkte die gegen den VfB sprechen.
    Warum steht der VfB da wo er steht ?
    Die andern sind doch stärker, mal ehrlich, mit Bayer , BvB , Leipzig, mit Bayern so oder so nicht, können wir nicht mithalten.
    Wo ist der VfB besser , ja klar , als Team im Zusammenhalt, in immer wieder wechselnden Leistungsträger, in der Ausgeglichenheit, heute Leweling morgen Führich, mal Undav mal Demi,
    erst Hendricks dann Jeltsch, etc etc
    oder Chabot oder Jaquez oder oder oder
    ach wie Breit ist der Kader vom VfB,
    je Breiter wir werden
    umso erfolgreicher werden wir
    wir haben noch viele Trümpfe in der Hinterhand
    zB Tomas, Arevalo, Bouanani, El Khanouss , Chema, Nartey, Jovanovic, Catovic etc etc
    Kein Spieler der stänkert
    super Gruppenverhalten
    klar sind einige junge Spieler
    vielleicht weniger zufrieden ( Jovanovic, Catovic)
    aber der Kern mit Trainer Hoeness ist gesund wie ein leckerer Apfel
    und der Kern will Erfolge, Titel und zur WM
    es gab schon schlechtere Zeiten

  7. Johannes sagt

    Herrlich der Text!
    Und er hilft mir irgendwie besser in die Balance zu kommen wenn ich z.B. vor einem Spiel wie gegen St. Pauli auf die Idee komme wir schlagen die locker mit 3 Toren Differenz. Vergesse dabei aber völlig, das da 8 Spiele in 4 Wochen vorher waren mit vier langen Auswärtsreisen usw. und die Jungs gerade dabei sind sich daran zu gewöhnen, dass sie guten aber aufwändigen Fußball alle 3-4 Tage auf enorm hohen Niveau spielen.
    Anders betrachtet:
    Es war gesund das Spiel gegen Pauli zu verlieren.
    Liebe Grüße aus Wien 😘

  8. Dip T Jones sagt

    Was soll diese Schönfärberei der aktuellen Lage beim VfB ? Als Realist sollte man doch anfangen, für die 2. Liga zu planen! Inklusive Rückbau des Neckarstadions auf max. 8000 Stehplätze ( Betriebskosten! ), Kaderplanung auch anpassen, die Grossverdiener (Jeltsch, Nartey, Andres etc) ablösefrei abgeben. Und ja, leider hat Sebastian Hoeneß seinen Zenit überschritten….Herr Wehrle, Herr Wohlgemuth: es wird höchste Zeit, Herrn Labbadia anzurufen, um ein weiteres Abrutschen des Vereins ( 3. Liga) zu gewährleisten.

  9. Eberhard Steeg sagt

    Ich verstehe es nicht mehr! Was passiert hier? Ich bin 70 Jahre alt und VFB Mitglied und Anhänger seit Kindesbeinen. Ich habe Günter Sawitzki spielen sehen, Geiger, Schillbär und was was ich wen über Jahrzehnte…
    Ich sehe: keine Frage, der VFB unter Hoeness spielt meistens attraktiven Fussball, der Verein hat sich stabilisiert in allen Bereichen, es ist weitgehend Ruhe eingekehrt und mit der Ruhe auch Erfolg…
    Ich frage: darf man deshalb keine Kritik mehr üben? Ist man immer gleich ein Nörgler und Möchtegern-Bundestrainer? Wir alle sind nur Menschen – übrigens auch Sebastian Hoeness! Er macht einen super Job summa summarum – aber auch er hat so seine Eigenarten und Marotten und auch er mach seine Fehler….
    Ich dachte, der Vertikalpass ist ein schönes Diskussionsforum. Der komplett überdrehte Ironiebeitrag von abiszet lässt mich daran zweifeln.

      • RaiWo sagt

        … natürlich darf man kritisieren, aber auch die Kritiker müssen sich Kritik an ihrer Kritik gefallen lassen. Die Würde des Kritikers ist nicht unkritisierbar.

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