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Der Endonator

Er ist der König im Mittelfeld des VfB Stuttgart, der Dominator der Defensive, der Initiator von Offensivaktionen, der Großmeister des Diagonal- und vor allem des Vertikalpasses und seit dem Schalke-Spiel auch noch Torschütze. Bitte erheben sie sich für den Endonator im VfB-Spiel: Wataru Endo.

Der Mann, der immer wieder für die Ausschüttung von Glückshormonen bei den VfB-Fans sorgt, den sogenannten Endophinen (sorry, aber das ist noch lange nicht alles).

Die defensiven Mittelfeldspieler, sie sind ein bisschen zum Hype geworden in den letzten Jahren. Angefangen mit Claude Makelele, dem Klavierträger bei Real Madrid, über den scheinbar unsichtbaren Sergio Busquets bei Barcelona bis hin zu Joshua Kimmich, weil er so schön brüllen und aus dem Halbfeld flanken kann. Wataru Endo war beim VfB ab seinem ersten Spiel gegen den KSC ein Spektakel. Er gewann jedes Kopfballduell gegen zwei Köpfe größere Gegenspieler und deutete dies seinen Mitspielern vorher mit weit ausgestreckten Armen an: „Überlasst ihn mir, ich kann das!“.

Tatsächlich kann er eigentlich alles. Dieses Derby, wir schrieben damals nach dem 3:0-Sieg „Endo, der neue Soldo“, war der Beginn der großen Endokratie beim VfB. „Einer muss nun mal das Klavier tragen“, sagt ein brasilianisches Sprichwort. Endo trägt im Spiel des VfB nicht nur das Klavier, er spielt auch die erste Geige und ist zugleich der Dirigent des Brustring-Ensembles. Gegen den Ball ist der Japaner sehr clever und mit dem Ball sehr leidenschaftlich, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Und er hat ein riesengroßes Herz, durch seinen Fleiß und seine endolose Lauf- und Opferbereitschaft ist er unersetzlich für den Erfolg der Mannschaft.

Der Vierbeinige
Endo ist immer anspielbar, wovon seine Mitspieler reichlich Gebrauch machen – aber es manchmal auch übertreiben und den 178 Zentimeter großen Japaner so in Schwierigkeiten bringen. Aber meist befreit er sich aus diesen gefährlichen Situationen. Typischerweise kippt er dabei seinen Oberkörper leicht nach vorne und tänzelt mit kleinen Schritten an den gegnerischen Beinen vorbei und um sie herum. Die Beine sind so eine Sache bei ihm. Er muss vier davon haben, in Defensivzweikämpfen ist immer eins dem Gegner im Weg. Er ist äußerst versiert in der Balleroberung, es müsste ein YouTube-Filmchen geben über sein Geschick, dem Gegner die Bälle vom Fuß zu stehlen. Dabei werden seine Beine zu scharfen japanischen Messern, die chirurgisch genau den Gegner vom Ball trennen, meist ohne dabei ein Foul zu begehen.

Es ist spektakulär, welche unspektakuläre Sicherheit Endo ausstrahlt. Er weiß, wo er hinlaufen muss, er weiß, wohin er spielen muss, er weiß, wann er sich fallen lassen und wann er aufdrehen kann. Man hat oft das Gefühl, die Nummer 3 des VfB hat ein eingebautes Radar, denn anders lässt sich Endos 360°-Übersicht nicht erklären. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er zuhause gleich vier quirlige Kids zu bändigen hat. Das Mittelfeld in einer Bundesliga-Partie zu kontrollieren ist dagegen vermutlich ein Kinderspiel.

Er wird mit den einfachen Dingen zum Endotainer im Mittelfeld. Sein Gespür für die Situation hilft seinen Mitspielern und macht sie besser. Er ist eine Inspiration für seinen Mittelfeld-Partner Orel Mangala, der mit Ball immer mutiger wird und deutlich an Stabilität gewonnen hat.

Als Ersatzkapitän von Gonzo Castro ist Endo ein leiser Leader, er führt nicht mit Worten, sondern mit Taten. Er stand in allen Bundesligaspielen auf dem Platz, ein clean sheet vermasselte ihm nur Trainer Matarazzo, weil er ihn beim 4:1 in Augsburg in der 90. Minute auswechselte! Dass er im Zentrum des VfB-Spiels steht, dokumentiert, dass er die meisten Fouls beging und am häufigsten gefoult wurde im VfB-Team. Typisch für ihn, sein erstes deutsches Wort hieß schließlich „Zweikampf“ und der Mundschutz, mit dem er stets aufläuft, ist kein modisches Accessoire.

Ernst und entschlossen schaut Endo immer, als ob er sich seiner großen Bedeutung für das junge Team stets bewusst ist. Er begeistert mit Spielintelligenz, Disziplin und Verlässlichkeit und macht die Spielfreude der Kollegen oft erst möglich. Ihr Lachen ist sein Erfolg: Happy Endo.

Unbedingt lesen:
Buchautor und Edelfeder Bernd Sautter nennt ihn den superdryen Superman und japanischen Ballverteilomat.

Interessante taktische Gedanken zu Endo notiert Konzeptfußball Berlin.
Hier wird das Spielsystem des VfB als 4-Endo-3-2 bezeichnet

Wataru Endo im Portrait in „Stadion aktuell“

Bild: imago

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3 Kommentare

  1. drhuey sagt

    Ich verbeuge mich vor Eurer Verbeugung vor ENDO. Grosse Klasse! Ich stelle mir vor: Du stehst auf dem Platz und sollst das Spiel Deiner Mannschaft in die nächste Zone tragen… und dann steht er vor Dir und der Raum, der soeben noch da war, zieht sich zusammen.

  2. Itsaname sagt

    “Interessante taktische Gedanken zu Endo notiert Konzeptfußball Berlin.
    Hier wird das Spielsystem des VfB als 4-Endo-3-2 bezeichnet“

    Viel richtiges aber genau die Bezeichnung ist falsch da wir nicht mit 4er Kette spielen

    • @abiszet sagt

      Ja, das kommt drauf an ;-) Gegen den Ball macht oft Sosa die Dreierkette zur Viererkette.

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