Es gibt Niederlagen, die aus einem unglücklichen Spielverlauf entstehen, aus Pech, falschen Schiedsrichter-Entscheidungen oder individuellen Fehlern. Und es gibt Niederlagen, die etwas über die Mannschaft verraten, die als Verlierer den Platz verlässt.
Das peinliche 2:3 gegen Gladbach gehört zur zweiten Kategorie. Nach fünf Minuten führt der VfB gegen eine verunsicherte Truppe, bei der wenig zusammenläuft. Alles sieht nach einem klaren Sieg aus. Um dann zu verlieren und das völlig verdient. Einen Gegner, der am Boden liegt, wieder ins Spiel zu bringen, braucht schon eine besondere Mischung aus Nachlässigkeit, Selbstüberschätzung und fehlendem Respekt. Gegen den Tabellenletzten kam beim VfB offenbar alles zusammen. Das muss man erst einmal hinkriegen.
Gegen Atlético sorgte der VfB für Aufsehen in ganz Europa, gegen Gladbach wird er zur Lachnummer in Deutschland.
Der Auftritt war respektlos gegenüber allen, die im Stadion waren, und gegenüber den Fans und Mitgliedern, die diesen Club tragen. Nach dem Spiel gegen Atlético am Dienstag waren sich alle einig, dass dieser Auftritt der Maßstab sein müsse. Und dann das. Die Aussagen von Spielern und Verantwortlichen lassen sich kaum mehr ernst nehmen, wenn nur drei Tage später eine Mannschaft auf dem Platz steht, der es an der nötigen Ernsthaftigkeit fehlt.
So ist Fußball.
Faszinierend, wie aus einer überlegenen Mannschaft binnen weniger Minuten eine Ansammlung selbstzufriedener Einzelspieler werden kann. Und aus einer verunsicherten Gladbacher Mannschaft ein Team, das plötzlich an sich glaubt, Fehler gnadenlos ausnutzt und am Ende verdient gewinnt. Der VfB hat Gladbach nicht nur zurück ins Spiel gelassen. Er hat den Gegner dazu eingeladen, die Partie zu übernehmen. „Nehmt Euch das Spiel, ich will mit meiner Protzkarre nach Hause fahren“ … sorry, das war jetzt unnötig, da habe ich mich zu schnell dem Niveau der Mannschaft angepasst.
Es lag nicht an der Rotation von Sebastian Hoeneß.
Auch wenn Dzenan Pejcinovic wie ein Fremdkörper wirkte, Leo Sauer bei Ballannahmen, Passqualität und Laufwegen erstaunlich viele Basics vermissen ließ und Finn Jeltsch Stockfehler unterliefen, die eines Golden Boys unwürdig sind: Diese Mannschaft muss Gladbach schlagen können, wenn sie das Spiel ernsthaft angeht. Stattdessen landeten Pässe im Rücken der Mitspieler, im Aus oder beim Gegner. Nach Ballverlusten fehlte zu oft der Wille zum Rückwärtsgang. Besonders deutlich wurde das beim Slapstick zum 1:3 durch Wael Mohya. Dennis Seimen sah dabei nicht gut aus.Trotzdem hätte das Tor verhindert werden können, wenn Vehemenz und Wille vorhanden gewesen wären.
Obwohl es mir rausgeruscht ist, liegt es auch nicht an den dicken Protzkarren, die manche Spieler fahren. Natürlich ist das ein dankbares Boulevardthema, offensichtlich hat es mich getriggert. Aber mit einem Angeber-Auto verliert man kein Fußballspiel.
Der entscheidende Fehler liegt woanders:
Der VfB behandelt offenbar nicht jeden Gegner mit derselben Ernsthaftigkeit. Gegen Atlético stimmte die Spannung, gegen Gladbach schien es für die Spieler zu genügen, dass es schon irgendwie mit halber Kraft reichen wird. Die Bundesliga als lästige Pflicht zwischen den großen europäischen Abenden.
Nach dem Spiel wurde Sebastian Hoeneß gefragt, was er den Spielern in der Kabine gesagt habe. Das tat er natürlich nicht und meinte lediglich: „Nach so einem Spiel muss man entgegenwirken.“
Genau das! Denn die Probleme waren nicht erst gegen Gladbach zu erkennen. Auch in anderen Bundesligaspielen fehlten dem VfB phasenweise Kontrolle, Konsequenz und die Selbstverständlichkeit, die ihn auszeichnen solltn. Die Niederlage ist deshalb mehr als ein Ausrutscher. Sie wirft die Frage auf, ob in dieser Mannschaft etwas grundsätzlich aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Wahrscheinlich verrät es am allermeisten über diese Mannschaft, wie sie mit dieser Niederlage umgeht. Sebastian Hoeneß kann die richtigen Worte finden, Konsequenzen ziehen, die Fehler ansprechen und taktisch umstellen. Aber den Schalter muss die Mannschaft selbst umlegen. Es braucht Spieler, die sich gegenseitig in die Pflicht nehmen, die korrigierend eingreifen, die Konflikten nicht aus dem Weg gehen und daran erinnern, für was und für wen (Spoiler: nicht nur sich selbst) gespielt wird.
Der VfB braucht nach diesem Spiel nicht nur eine Reaktion.
Er braucht einen anderen Spirit.
Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Werbefuzzi, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra.


Zustimmung: Unverschämtheit. Ursache: Kaputtgecoacht!
Wer ein funktionierendes Kollektiv permanent auseinanderreißt, verliert Struktur, Abläufe, Motivation. Wer eine desolate Mannschaftsleistung nicht bereits in der Halbzeit personell korrigiert, sondern erst wenn es wirklich zu spät ist, dem fehlt Einsicht und Selbstkorrektur. Es ist Herr Höness, der zum Wiederholten Male mit einer auch für die Spieler schwer nachvollziehbaren Startsufstellung (Demirovic/Pejcinovic) schwächt.Das Leistungsprinzip wird mit Füßen getreten, wenn der desolate Stiller immer spielt. Auch wenn er dann mal 43 Grad Fieber und ein gebrochenes Bein hat. Er wird sicher aufgestellt. Die Niederlage erklärt sich in einer Szene. Stiller faltet Assignon zusammen, weil der aus 16 Metern auf das Tor schiesst und den Torwart zu einer Parade zwingt. Stiller bedeutet ihm,, er hätte den Ball querlegen sollen! Assignon hat das nicht verstanden. Wie alle anderen außer Höness und Stiller. Dieses aus Sicht von Herrn Höness alternativloseBallgeschiebe hat fertig! Vor Weihnachten brennt die Hütte. Und das liegt dann nicht am schwierigen Umfeld.🛖
Was für ein fürchterlicher Abend, mit grausamen Begleiterscheinungen, nämlich Schlaflosigkeit. Jetzt brechen wir schon nach einer Viertelstunde ein, gegen ein NoName Team aus Gladbach, den Tabellenletzten der Bundesliga. Da schnautzt ein Stiller den Assignon zusammen weil er fast ein Tor geschossen hat, anstatt sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Und wo ist eigentlich die Drecksack Mentalität von Prömel geblieben, die hat er wahrscheinlich in Hoffenheim vergessen, denn diese Einstellung habe ich nur von Joe Scally gesehen. Sorry, wenn man sich zu Hause ohne Gegenwehr vorführen lässt, habe ich dafür kein Verständnis mehr. Scheinbar ist der Rolls Royes doch wichtiger als kräftig dagegen zu halten. Diese Niederlage kann man so nicht einfach stehen lassen, dieser Vorgang muss schonungslos analysiert werden, ansonsten fliegen wir am Mittwoch aus dem Pokal, und gegen Leverkusen gibt es ein Debakel. Habe fertig !
Wir hatten unabhängig voneinander den gleichen Gedanken zu Stiller! Kein Zufall
Wie ich schon mehrfach hier gesagt habe – in der Mannschaft stimmt es nicht mehr! Die Truppe, die uns so erfreut hat ist tot. Die Saison muss man irgendwie durchkommen und das wird kein Selbstläufer! Nach der Niederlage nächste Woche in Leverkusen wird der Baum lichterloh brennen. Die schoenspieler Undav, Stiller. Pejcinovic usw. Auf die Tribüne und Kämpfer rein, wenn wir so etwas haben.
Abstiegskampf mit der Truppe? Geht das überhaupt?
Traurig, aberder Grund für diese aufkommende Misere liegt im Handeln der verantwortlichen Personen.
Man könnte auch sagen “Sie könnens einfach nicht”
Sie können nicht mit Geld umgehen
Sie können die talentiertesten Eigengewächse wie Catovic nicht integrieren
Sie können keine günstigen Transfers tätigen
Sie können das hohe Gehaltsgefüge nicht handeln
Sie können keine Vorbereitung
Sie können kein Kapitänsamt richtig vergeben
Sie wechseln zu spät
die Liste könnte man locker verlängern
oder man kann ablenken
und über die Spieler diskutieren
viel Spass
der VfB Fan muss leiden diese Saison
und auch in Zukunft
Bruch des VfB-Spiels war in der 16. Minute. Assignon war mit einem ordentlichen Flachschuss am Gladbacher Keeper gescheitert. Eventuell hätte es auch andere Optionen für Assignon gegeben. Aber die Überheblichkeit wie Stiller ihm anschließend einen Vortrag gehalten hat war maßlos übertrieben. Assignon war völlig konsterniert und hat nicht verstanden was Stiller ihm sagen wollte. Anschließend war Assignon extrem verunsichert und hat zwei Tore mit verschuldet.
Eigentlich wollte ich hier schlaue Spielanalysen verfassen, aber ehrlich : Wozu? Ich sitze nach einer stürmischen und verregneten Rückfahrt nach dem Spiel (passend zum VfB) noch übermächtige am Frühstückstisch und frage mich: Habe ich das wirklich erlebt oder war das ein Fiebertraum?
Ich höre hier auf. Wichtig ist mir noch zu sagen: Ich bin STINKSAUER !!!! 😡😡😡😡😡😡😡😡😡
Heute mal selbst abgekotzt … 😉
zurecht natürlich.
Vielleicht sieht man hier ja auch den fehlenden Nübel und einen fehlenden Kapitän Ata? Mir persönlich fehlt der in sich ruhende Nübel extrem. Auch wenn die Seimen Geschichte natürlich romantisch ist.
Nach dem Tor von Medo mal schnell kollektiv Wochenende eingeläutet.
Gladbach hats dann gut gemacht und wir ein Spiel zum xten Mal verschlafen.
Heute ist Platz 17 möglich – war das irgendwie keinem Spieler bewusst?
Perfekt zusammengefasst
Danke für den Kommentar.
Als ich die Aufstellung sah, dachte ich, hoffentlich fällt die dem Hoeness nicht auf die Füsse. Ohne Babo-Chabot habe ich grundsätzlich schon ein weniger gutes Gefühl. Den gegen Atletico starken El Khannouss wieder auf der Bank schicken, fand ich … seltsam. Nun gut, ich bin ja auch kein Trainer, Belastungssteuerung ist ja wohl ganz wichtig und dass Sauer mal von Anfang an ran darf und Undav eine Auszeit bekommt, ist ja auch nachvollziehbar. Dass dann eine, von den Namen her gute Truppe, auf dem Platz steht, die eine gute Anfangsphase durch ihre eigene, wie hier mal so treffend geschrieben wurde, Lommeligkeit und einer teilweise pomadigen Bräsigkeit das Spiel so herschenkt, ist mir unbegreiflich. Und das ja nicht zum ersten Mal! Da fehlt mir dann ein Spieler, der mal die Mitspieler anfaucht, anzündet, aufmuntert und aufweckt, der mal dazwischen grätscht (wie einst Bobic) und zeigt, wer hier im Stadion der Boss ist. In der Pressekonferenz sagte Hoeness ja sinngemäss, dass nun jeder wissen müsse, was gerade Sache ist. Hoffentlich agieren sie demnächst auch so …
[…] Der Vertikalpass nennt den Auftritt gegen Gladbach berechtigterweise Eine Unverschämtheit und kritisiert: “Der Auftritt war respektlos gegenüber allen, die im Stadion […]
Als Mustafi im Stadion stand und Gladbach als Sieger getippt hatte, ahnte man, dass an dem Abend irgendetwas ganz gewaltig schief laufen wird. Dass wir ohne seine Verletzung 2014 wahrscheinlich nicht Weltmeister geworden wären – geschenkt.
Aber wdf, warum steht da nicht ein Ex VFB Grande oder ein verletzer aktueller Spieler der Heimmannschaft am Mikrofon bei einem Heimspiel???
Und dann so ein überheblicher Grottenkick über 76 Minuten (inclusive Nachspielzeit)???
In den bisherigen Buli Spielen haben wir immerhin eine gute Halbzeit hinbekommen. Gegen Leverkusen sind es dann noch 10 gute Minuten?
Ich sehe seit längerer Zeit keine Weiterentwicklung der Mannschaft mehr. Im Gegenteil!! Die Spieler haben hoch dotierte Verträge und sind in der Form nirgendwo gefragt. Also wird man nicht umhin kommen, über einen Trainer Wechsel zu reden.
Kommt mir bitte nicht wieder mit der Leier, wo wir ohne ihn wären und dass man jetzt zusammen halten muss.
Die letzten Transfers waren fast alle Rohkrepierer und einen Chema abzugeben, der jetzt mit Brighton die Premiere in League rockt, das kann mir keiner erklären.
Neben Sebastian wackelt in meinen Augen auch Wohlgemut ganz gewaltig. Der internationale Wettbewerb ist im Moment meilenweit entfernt und dann fliegt uns das Gehaltsgefüge mit Überschallgeschwindigkeit um die Ohren.
Wenn nicht sofort eine Siegesserie gestartet wird, kann es für einige Leute “högscht” unangenehm werden. Die Herren Undav und Co müssen ins Laufen gebracht werden. Gestern waren es 4-5 km weniger als die B Elf des abgeschlagenen Tabellenletzten. Mal sehen, wann Gladbach uns überholen wird, wenn man jetzt nicht sofort wirklich alles hinterfragt und auf den Kopf stellt.
Es war schlichtweg eine Frechheit mit welcher Arroganz man Gladbach gegenüber getreten ist. Der Führungstreffer tat sein Übriges dazu…” hier seht, es läuft doch”…, um dann in den Verwaltungsmodus überzugehen und das Ding locker durchspielen zu wollen.
Das Schlimme ist nicht nur das es innerhalb von 3 Tagen nach einem tollen Atletico-Spiel passiert ist, sondern das dieser Kontrollverlust ja in jedem Spiel mal mehr oder weniger da ist.
Man ergötzt sich am eeigenenBallbesitz, schießt sogar ein Tor um dann aufzuhören mit Fußball spielen.
Spitzenmannschaften spielen da weiter und gewinnen mit 3 – 5 Toren Unterschied, aber der VfB ist davon schon ganz weit weg.
Es ist ja auch nicht nur ein Spieler, die gesamte Truppe hat versagt. Auch der Trainer sollte seine Rotiererei / Belastungssteuerung vielleicht mal lassen. Wenn Spieler in Form bzw. gut drauf sind sollen sie spielen.
Man hat deutlich gesehen, und diese Saison nicht zum ersten Mal, das ein Jeltsch und ein Hendriks einen Chabot neben sich brauchen. Nur dann sehen sie einigermaßen gut aus.
Ein Stiller steht seit Wochen neben den Schuhen, trotzdem spielt er einfach immer. Warum ? Da wär ne Pause auch mal sinnvoll.
Ich glaube ja mittlerweile wirklich, das mit der Kapitänsgeschichte innerhalb der Mannschaft etwas verrutscht ist. Was genau kann ich nicht sagen. Aber S. Hoeneß hat für uns Aussenstehende völlig ohne Not einen gut funktionierenden und anerkannten Kapitän gefühlt ” rasiert”. Warum weiß keiner. Undav zum neuen Kapitän zu machen, ist nachvollziehbar, aber Prömel als Neuzugang noch vor z.B. Stiller oder Chabot zu setzen hat ein ich sag mal ” Geschmäckle. Ich glaube, das dies bei der Truppe nicht gut angekommen ist, auch wenn es keiner sagt.
Mal sehen, wie der Trainer und die Spieler mit der ersten richtigen Krise umgehen. Paderborn und dann Leverkusen…es könnte einfachere Gegner geben. Aber welcher Gegner ist für den VfB gerade einfach ?
Ich hab mich nach Madrid bewusst 💐 mit der Euphorie zurück gehalten, weil das gestern nach HH fast geradezu vorhersehbar war. Deswegen reg ich mich heut auch nicht gar so auf.
Hoeneß hat nach dem Spiel alles klar zusammengefasst, die Frage ist, warum tun die Spieler nicht, was er vorher sagt?
Ich glaube Prömel und sein Fiesta haben einiges durcheinander gebracht. Wenn die Führungsebene schon schriftlich alles ausser Porsche und Mercedes verbietet und hier zu viel Nebengeräusche sieht, ist was geschehen. Und Nübel mit seiner Bierruhe fehlt als sicherer erfahrener Rückhalt definitiv.
Ata ohne Not abzusetzen und Prömel auch ohne Not zum Vize war nicht gut. Der Undav wird mit mega Gehalt, Kapitänsamt und Formkrise auch so seine eigene Themen haben… und möglicherweise trauen die Spieler der Hoenessschen Spielidee selbst nicht mehr – dann wird es ganz kritisch.
Ich meine halt dass man das Spiel besser an die Spieler und nicht an ein starr feststehendes System anpassen sollte. Das System selbst ist vielfach entschlüsselt, selbst von Gladbach, die bisher gar nix auf die Reihe bekamen. 🫣.
Meine W-Fragen nach HH bleiben weiterhin aktuell.
Ich seh 🥬 🐦⬛ ◾️ die Truppe kann keinen Abstiegskampf, ist zerstritten, nicht fit und arrogant. Haben wir genug Mentalitätsspieler außer Demi, Jeff, Zagadou, Jamie, Prömel und Maxi? Das war’s glaube ich ….
Und ein weiteres tatsächliches Problem ist sicher der sehr von sich überzeugte Trainer – ist er lernfähig?
Die Frage die sich für mich aufstellt ist, kann diese Mannschaft Abstiegskampf? Wann hört man: Wir stehen zu 100% hinter dem Trainer? Wann hört man: Wir werden uns mehr dem Trainer zusammensetzen und die Situation bewerten; nur um am nächsten Tag von der Entlassung zu lesen?
Die aktuelle Phase lässt sich aus meiner Sicht auf drei Problemfelder verdichten: eine ungeklärte Hierarchie, die Stagnation wichtiger Leistungsträger und eine Kaderstrategie, die zu wenig neue Reize setzt.
1. Die ungeklärte Hierarchie
Die Verpflichtung von Grischa Prömel sollte dem zentralen Mittelfeld mehr Optionen, Erfahrung und Führungsqualität geben. Der Gedanke war nachvollziehbar: Atakan Karazor spielte am Limit und genügte den gestiegenen Ansprüchen nicht mehr. Hoeneß hielt dennoch lange an ihm fest – womöglich zu lange. Dass Chema bei Brighton, dem Tabellendritten der Premier League, sofort Stammspieler wurde, unterstreicht eine gewisse Fehleinschätzung seitens Hoeneß.
Der Umbruch war also überfällig. Halbherzig blieb er trotzdem: Karazor verlor seine Rolle, blieb aber. Was macht es mit Hierarchie und Teamhygiene, wenn eine langjährige Führungskraft plötzlich in die dritte Reihe rutscht? Gleichzeitig wurde Prömel – flankiert vom allzu oft beschworenen Local-Hero-Narrativ – zum Vizekapitän ernannt, noch bevor er sich sportlich legitimieren konnte. Damit setzte man ihn unnötig unter Druck. Alternativen gab es: Chabot, Stiller oder Mittelstädt – Spieler, deren Führungsrolle aus der Mannschaft heraus gewachsen ist. Bei Stiller bleibt allerdings die Frage, ob seine mitunter negative Körpersprache einer solchen Rolle gerecht wird und ob er dem Team in schwierigen Phasen Halt geben kann.
Das Ergebnis ist eine Führungskonstellation ohne klare Autorität: Der bisherige Kapitän ist degradiert, der neue Kapitän Undav aus verschiedenen Gründen stark mit sich selbst beschäftigt, und Vizekapitän Prömel wirkt noch nicht angekommen. Sein Tor vor der Cannstatter Kurve gegen Köln passte perfekt zum Narrativ vom verlorenen Sohn – im Nachhinein vielleicht zu perfekt. Denn Prömel braucht Zeit. Frei nach Mislintat: Führung lässt sich nicht einfach einkaufen; sie muss im Team wachsen. Zugleich wurde er genau wegen seiner Bundesliga- und Führungserfahrung verpflichtet, um sofort Wirkung zu entfalten – auf und neben dem Platz. In diesem Widerspruch liegt ein Kernproblem.
Es ist gut vorstellbar, dass altgediente Spieler Prömels schnelle Beförderung skeptisch sehen. Die Reaktion der Mitspieler auf Karazors Tor im Test gegen Heidenheim war jedenfalls auffällig. Karazor gilt als loyaler Teamkollege, der den VfB liebt, Hoeneß respektiert und keine Intrigen spinnt. Gerade deshalb hätten Hoeneß und Wohlgemuth ihm im Sommer einen Wechsel mit Nachdruck nahelegen müssen: als klares Signal für eine neue Hierarchie und als würdevollen Abschied für Karazor. Stattdessen bleibt die alte Ordnung sichtbar, während die neue noch keine Autorität besitzt. So verlieren alle.
Hinzu kommt der Abgang von Stenzel und Nübel. Beide waren wichtige Führungsspieler, deren ostwestfälische Nonchalance dem Gesamtsystem guttat. Ihr Verlust wiegt schwerer, als es auf den ersten Blick scheint.
2. Das Leistungsplateau
Bei einigen Spielern könnte eine ernüchternde Erkenntnis gereift sein: Für das ganz große Regal reicht es womöglich nicht mehr. Das betrifft vor allem Teile der Vizemeister-Mannschaft von 2024 – Stiller, Leweling, Vagnoman, Mittelstädt und Führich. Sie wurden regelmäßig mit Topklubs in Verbindung gebracht und hatten mal bessere, mal schlechtere Aussichten im DFB-Team. Nun nähern sie sich dem Ende ihrer Zwanziger und scheinen auf einem Plateau angekommen zu sein.
Dass in Spielen wie gegen Atlético plötzlich noch zehn, zwanzig oder dreißig Prozent mehr möglich sind, verschärft den Eindruck. Solche Abende wecken noch einmal die Hoffnung, einen Topklub – oder Jürgen Klopp – zu überzeugen. Im Ligaalltag fehlt diese letzte Schärfe jedoch zu oft.
3. Eine Kaderstrategie ohne genügend Reibung
Der Kader altert – und erneuert sich zu langsam. Gegen Atlético standen sechs Spieler aus der Vizemeister-Saison und neun aus der Pokalsieger-Saison in der Startelf. Von den Zugängen seit der Fabelsaison haben sich lediglich Chabot, Hendriks, Demirović, Jeltsch und El Khannouss als Stammspieler etabliert.
Hoeneß setzt auf bekannte Strukturen und Loyalität. Eingespieltheit ist ein Vorteil, kann aber auch Bequemlichkeit und Konfliktvermeidung fördern. Neuzugänge sollten ein funktionierendes System nicht nur ergänzen, sondern auch herausfordern. Genau diese Reibung fehlt bislang: Weder Prömel noch Pejčinović oder Sauer erzeugen derzeit einen klar erkennbaren Mehrwert. Letzte Saison genauso wenig mit Bouanani, Tomàs, Assignon.
Was Hoffnung macht
Anders als viele Medien behaupten, ist dies nicht Hoeneß’ erste große Krise. Im Frühjahr 2025 holte der VfB in zehn Ligaspielen nur sechs Punkte. Trotzdem gelang es Hoeneß, die Mannschaft wieder zu straffen: Der VfB schlug Leipzig und gewann dann den DFB-Pokal, auch wenn in der Liga nur Platz neun blieb. Die Hoffnung liegt deshalb erneut in den Pokalwettbewerben. Sie können Erfolgserlebnisse liefern, neue Energie freisetzen – und die Trendwende einleiten.
Der VfB hat nicht erst gegen Gladbach den Faden verloren: Seit Wochen fehlt die Kontrolle, und Hoeneß’ “Entgegenwirken” ist mir zu dünn. Die Spielweise hat sich abgenutzt, und mit ständiger Rotation bekommst du keine Konstanz rein, weil sich keine Abläufe und Laufwege einschleifen. Warum El Khannouss nach so einem Auftritt nicht von Beginn an ran darf, verstehe ich nicht. Ein junger Spieler braucht Spielzeit am Stück, um in einen Flow zu kommen. Dass Sauer blass bleibt, Undav zu behäbig wirkt (schöner, letzter Vertrag und Rolls Royce sichern) und Seimen nicht nur im Aufbau unsicher ist, passt ins Bild, und die Pässe waren schlicht grauenhaft. Hoeneß hat inzwischen einen Kader, bei dem es keine Ausreden mehr gibt, also muss er das auf dem Platz lösen. Zum Saisonende sollte man über eine Runderneuerung nachdenken (Kader und Trainerbank), gerade im Zentrum, denn der 31-jährige Prömel kann nicht die Zukunft sein.