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Einfach meisterhaft

Von Platz 18 zum Vizemeister, einen Rekord nach dem anderen gebrochen, begeisternder Fußball, fünf Nationalspieler. Der VfB legt eine historische wie surreale Saison hin und wäre mit den 73 Punkten in der letzten Saison Meister geworden. Das geht deshalb so ans Herz, weil es niemand erwartet hatte. Oder wie Sebastian Hoeneß sagt: „Wir spielen Champions League, verdammte Scheisse!“

Crazy in Love
Die Tore stellvertretend für die Saison: Das 1:0 fällt nach einem ungewöhnlichen Doppelpass. Serhou Guirassy macht zehn Meter vor dem Tor ein Zuspiel von Enzo Millot fest. Von Gladbachern umstellt, spielt er zurück auf Millot, der den Ball locker auf den Kopf des zum Fünfmeteraums laufenden Guirassy hebt. Einfach nur Spielfreude. Oder ist es schon Genialität? Das 2:0 eine Einzelaktion von Guirassy gegen teilnahmslos wirkende Gladbacher, sein 28. Tor. Beim 3:0 umdribbelt Deniz Undav die halbe Gladbacher Mannschaft, schickt den eingewechselten Silas steil, der den eingewechselten Woo-Yeong Jeong bedient. Das 4:0 dann eine Energieleistung von Silas. Er ließ sich wie die Mannschaft in der gesamten Saison von niemandem aufhalten, ein Tor für jeden Saisonrückblick.

Dass sich jemand beim VfB hängen lassen könnte im letzten Saisonspiel. Dass sich die Nationalspieler schonen würden, um sich nicht zu verletzten: Das hatte niemand erwartet, oder? Dafür hat Sebastian Hoeneß den Spielern die verbleibenden Ziele zu eindrücklich aufgezeigt. Und dafür zocken die Jungs auch zu gerne. Die Gladbacher machten es dem VfB leicht, standen nicht zu tief, spielten ein bisschen mit, ließen aber in erster Linie den VfB sein Spiel spielen: Ballbesitz, Spielkontrolle. Und sobald sich eine Lücke auftat, schnell nach vorne spielen. Groß gestört wurden sie von den Gladbachern dabei nicht. Alleine in der ersten Halbzeit hätten zwei bis drei weitere Tore fallen müssen: Undav scheiterte mit einem Führich-Schlenzer an Keeper Jonas Omlin, Guirassy und Jamie Leweling stand jeweils die Querlatte im Weg.

Wenn Du mich fragst, wer den schönsten Fußball spielt, dann sage ich zu Dir, das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB. Ja, bissle sehr stark durch die Vereinsbrille geschaut. Aber wen die Mannschaft und ihre Spielweise und ihre Ernsthaftigkeit nicht begeistert, der hat den Fußball nie geliebt!

Am lautesten wurden die Tore in Hoffenheim bejubelt.
In Sinsheim dreht Andrej Kramaric im Alleingang das Spiel gegen Bayern München. Das Ergebnis: Vizemeister, Vizemeister, hey! Es kann also doch für etwas gut sein, dass Hoffenheim in der Bundesliga spielt. Dass der VfB nach dieser crazy Saison überhaupt auf Schützenhilfe angewiesen ist, zeigt dass die Punktausbeute des Rekordmeisters nicht so übel ist. Darüber hinaus stellt Leverkusen mit seinen 90 Punkten alles andere in den Schatten.

Ich will auch so eine Brille! Wann VfB?

Nach dem ganzen Jubel schien nach Spielschluss ein bisschen die Luft raus zu sein. Bis nacheinander Undav, Waldemar Anton, Alex Nübel und Guirassy auf die Zaun stiegen. Ihre After-Show-Performance deutlich besser als die von Schowi, Afrob und Max Herre, die danach das Stadion leer spielten.

Es ist eine Saison, die wir nie vergessen werden.
Es sollte aber auch eine Saison sein, die die Euphorie mit in die nächste Runde nimmt. Dafür müssen natürlich auch die richtigen Personalentschiedungen getroffen werden. Der designierte Sportvorstand Fabian Wohlgmuth steht vor einer schwierigen Aufgabe: Transfererlöse generieren, den Kader zusammen halten, den Kader fit machen für die Dreifachbelastung, ohne in die Champions League-Falle zu treten.

Wollen wir hoffen, dass das von Leweling nach dem Spiel für Meuschi und Angelo Stiller angespielte „Ti Amo“ von Howard Carpendale nicht symptomatisch für die neue Saison steht: “Und ich hab geglaubt, das mit uns geht so weiter. Jetzt bin ich leider gescheitert. Aber ich kann nicht bestreiten. Dass es schön war, so schön war.“ Und auf Guirassy, Chris Führich und Hiroki Ito bezogen: “So geh’ den Weg, du hast ihn selbst gewählt. Wenn dich hier nichts mehr hält. Ich werde leben, auch ohne dich leben”

Zum Weiterlesen:
„Ich will noch nicht nach Hause“: Warum ich nicht will, dass die Saison zu Ende geht.

Gerry Wörn geht in Ruhestand: Unsere Würdigung der VfB-Legende.

Ebenfalls laut bejubelt wurde der Aufstieg der zweiten Mannschaft: Mit einem 2:0 gegen Hoffenheim II (der Club ist wirklich für etwas gut) fingen die VfB-Talente noch die Stuttgarter Kickers ab, die 3:0 in Homburg verloren und den Aufstieg damit wegwarfen.

Bilder: Alexander Hassenstein/Getty Images

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3 Kommentare

  1. paule1893 sagt

    Einfach mal einen Riesen Dank an @abiszet, für die meisterlichen Kommentare zum VfB, die wir hier wie gewohnt Woche für Woche genießen durften. Die mindestens so an-(leserlich) sehnlich waren, wir der Fußball der auf dem Platz gespielt wurde, von unserem VfB. DANKE! Hör bitte nie auf…

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