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Meine WM-Lieblingsspieler, Folge 7: Michael Owen (1998)

Die WM 1998 hatte mit Frankreich den verdienten Weltmeister. Aber mein Held ist nicht der Straßenköter Fabien Barthez, nicht der Intellektuelle Lauent Blanc und nicht die weisse Katze Zinedine Zidan. Es ist ein 18-jähriger Engländer.    

Wer Diego Simeone als Trainer von Atletico Madrid im Champions League-Finale 2014 erlebt hat, der hat in etwa einen Eindruck, wie er sich als Spieler benahm: Er spielte mit Schaum vor dem Mund, war ein leidenschaftlicher und beinharter Mittelfeldakteur, der alle Mittel ausnutzte, um zum Erfolg zu kommen. Im Achtelfinale der WM 1998 zwischen Argentinien und England provozierte er eine rote Karte für David Beckham. Vor dem Fernseher empfand ich das als extreme Ungerechtigkeit und ich ärgerte mich über die Dummheit Beckhams. Simeone hatte Beckham gefoult und provoziert und der tappte, einfältig wie er war, in die Falle. Wie ein kleines Kind hatte Beckham vor Augen des Schiris am Boden liegend nach Simeone ausgetreten. Ach was, das war eher ein Zucken als ein Treten. Aber Simeone fiel. England rettete sich in Unterzahl in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen – und verlor dieses, logisch.

Seinen großen Moment hatte das Spiel viel früher. Es war die Geburt eines Wunderkinds. England bot im Sturm den 18-jährigen Michael Owen auf. Er rannte wie aufgezogen übers Spielfeld, Immer mit diesem unschuldigen Gesichtsausdruck, die erfahrenen Abwehrspieler Argentiniens lächelten über das Bübchen. Aber nur bis zur 18. Minute. Owen erhält einen Pass kurz hinter der Mittellinie und nimmt ihn im Lauf mit der Außenseite mit. Sein Trikot ist mindestens zwei Nummern zu groß, es schlabbert an seinem zierlichen Körper, er wehrt sich im Sprint gegen den rempelnden und zerrenden Chamot. Owen bleibt am Ball. Am Strafraum weicht er großräumig dem furchterregenden Ayala nach rechts aus und ballert das Ding unter die Latte. Die Welt steht für einen Augenblick still. Der Spielzug ging wie ein Schnitt durch Argentiniens Abwehr, Owens Sprint war so schnell wie unfassbar. Es war bei der WM die bewegendste Szene für mich.

Es blieb Owens größter Auftritt in seiner Karriere. Er wurde Meister, Torschützenkönig, Champions League-Sieger, er schoss im September 2001 drei Tore beim epochalen 5:1-Sieg gegen Deutschland in München, aber dieses Tor wurde zu seinem Markenzeichen. Ich verfolgte seine Karriere bei Liverpool, seinen unglücklichen Transfer zur Real Madrid, drückte ihm bei seinen vielen Verletzungen die Daumen und sah immer dieses Tor.

11 Freunde schrieb zu Owen Karriereende 2013:
„Er ist wie eine kleine, weiße, fußballspielende Version von Muhammad Ali: Er ist schnell wie ein Schmetterling und sticht wie eine Biene.“

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