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VfB-Transfers: zum Glück gescheitert

Versetzen wir uns kurz in die Lage von Sebastian Hoeneß. Er dürfte deutlich zufriedener aus diesem Transferfenster gehen als vor einem Jahr. 2025 verließ nicht nur Enzo Millot den VfB, auch Nick Woltemade ging und ein kurzfristiger Ersatz fand sich nicht. Diesmal bleibt die Mannschaft weitgehend zusammen. Allerdings nicht unbedingt, weil das der große sport-strategische Plan des Clubs gewesen wäre.

Der VfB wollte verkaufen.

Die StZ meinte zwar, dass “der VfB das Geld im Hier und Jetzt nicht zwingend benötigt“. Und weiter: “Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben wäre in diesem Sommer verkraftbar“. Aber Sky, kicker und ZVW vermuteten, dass Transfererlöse in diesem Sommer notwendig sein würden. Alex Wehrle sagte im Sport im Dritten: „Wir sind auch ein Stück weit auf Transfererlöse angewiesen.“ Das klang eher nach kaufmännischer Grundregel als nach Verkaufsalarm. Aber gegen Ende der Transferphase entstand der Eindruck: Hauptsache, es kommt Geld rein. Irgendwie.

Bilal El Khannouss, Ermedin Demirović und Jamie Leweling wollten jedoch nicht weg, obwohl sie anderswo mehr hätten verdienen können. Romantik ist es trotzdem nicht. Transferentscheidungen von Fußballern sind keine Liebeserklärungen.

Josha Vagnoman wäre gegangen, aber das Angebot war dem VfB zu niedrig. Und so wurde aus dem Versuch, einen möglichst lukrativen Leistungsträger abzugeben, am Ende der Verkauf von Chema an Brighton. Von den rund 25 Millionen Euro bleiben dem VfB wegen der Vereinbarung mit Real Madrid immerhin etwa 16 Millionen.

Nicht, dass 16 Millionen für einen jungen Spieler schlecht wären.

Aber der Transfer zeigt, wie sehr der VfB in diesem Sommer offenbar verkaufen wollte und wie wenig sportliche Überlegungen dabei noch eine Rolle spielten. Hauptsache Einnahmen. Egal für wen. Das erinnert ein Naouirou Ahamada, der im Winter 2023 auch plötzlich zu Geld gemacht werden musste.

Und: Warum eigentlich Leo Sauer kaufen, wenn man dafür einen Leistungsträger und Unterschiedspieler wie Leweling verkaufen muss?

Das wäre kein besonders guter Tausch gewesen. Sauer plus Leweling ist sportlich interessant. Sauer statt Leweling dagegen eher eine Wette auf die Zukunft und eine unnötige Baustelle in der Gegenwart.

Diese Transferphase ist deshalb nicht unbedingt das Ergebnis einer strategisch-sportlichen Entscheidung des Clubs. Der VfB wurde zu seinem Glück gezwungen.

Natürlich hat der VfB Geld verdient. Mit Chema, Jovanovic und Milosevic sogar mehr als 30 Millionen Euro. Gute Deals. Natürlich muss der VfB wirtschaftlich arbeiten. Aber seine Kaderplanung sollte ein ambitionierter Bundesligist wie der VfB nicht am Deadline Day ausrichten, um auf den allerletzten Drücker die Transferbilanz auszugleichen.

Vielleicht war es deshalb das Beste, dass nichts so funktioniert hat, wie es offenbar „geplant“ war:

Der VfB wollte Demirovic verkaufen. Oder El Khannouss, für den der VfB auf den letzten Drücker ein 40-Millionen-Angebot von Al Ittihad angenommen hätte. Oder Leweling. Oder Vagnoman. Oder … Am Ende ging nur Chema. So blieb eine Mannschaft zusammen, die von den meisten Experten unter den ersten fünf gesehen wird. Der sogar mehr zugetraut wird. Die also beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison hat. Wahrscheinlich so gute Voraussetzungen wie seit … ja, seit wann eigentlich? Seit 2007?

Ob das allerdings ein gutes Omen wäre?

Zum Weiterlesen:
Wiedersehen mit Borna! Der Ex-VfB’ler wechselt auf Leihbasis zum 1. FC Köln und könnte am Freitag erstmals für die Geissböcke auflaufen – im Neckarstadion!

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Werbefuzzi, Blogger, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra

12 Kommentare

  1. Pitchblack sagt

    Alles richtig.
    Aber sollten wir nicht der Realität ins Auge sehen und den heutzutage ja fast schon romantischen Begriff “Verein” weglassen? Die Planungen und Entscheidungen zur Mannschaft hätte/hat die Geschäftsführung, also der CEO zusammen mit dem Sportvorstand getroffen.

    Nicht der Verein.

    • Du hast völlig recht. Es ist der Club, die AG, … das ist aus “alter Gewohnheit” reingerutscht, auch, um nicht immer “VfB” zu schreiben. Habs geändert!

  2. bacardihardy sagt

    Super Analyse, zeigt , dass noch nicht alles rund läuft beim VfB. Aber bester Kader ever, wenn ich mir die Offensive anschaue. In der Defensive hat er meiner Meinung nach nicht ganz die Qualität, welche erforderlich wäre. Zagadou Verlängerung war geringes Risiko, aber für die Katz. Rechts hinten und im zentral defensiven Mittelfeld sehe ich auch Schwächen. Jetzt muss man mal die ersten Spiele abwarten wie der VfB und seine Defensive reinkommt. An der Kondition fehlts am Anfang der Runde auch immer, vielleicht reissts die Offensive ja immer raus.

  3. Divina sagt

    Mich würde die Meinung von SH zum Last-Minute Abgang von Chema interessieren.

    Chema hat offenbar sportlich in England die besseren Perspektiven für sich gesehen um irgendwann ein ganz Großer zu werden – er bat ja um Freigabe. Das hat er ja immer betont, dass er gerne wieder nach Madrid wollte. Ich weiß nicht was das bedeutet in der Kabine, innerhalb einer Mannschaft, wenn ein Spieler „auf gepackten Koffern“ sitzt?
    Aber einen 21-jährigen 6er ohne Not abgeben, mit der CL vor der Brust?

    Bei Jovanovic tut es mir leid. Was ich in der Vorbereitung gesehen habe hat mich begeistert. Stark im 1:1, Zug zum Tor, Pässe in die Schnittstelle. Aber auch hier die Frage, wie er menschlich in das Team gepasst hat. Die Kritik war soweit ich mich erinnern kann, dass er zu eigensinnig gespielt hat. Aber links Führich, rechts Jovanovic und im Mittelfeld Chema… Man durfte ja träumen.

    Leweling gab in der Vergangenheit auch nicht gerade Liebeserklärungen ab. Aber wer weiß welchen Einfluss Kloppo hatte.

    Jetzt bin ich gespannt auf die Zugänge und auf Prömel, einen 31-jährigen Spieler, den man immerhin ablösefrei geholt hat – und da lacht ja das Schwabenherz.

    Herr Wehrles Aufgabe ist Gelder zu akquirieren. Wenn ich unsere Sponsoringeinnahmen ansehe ist noch viel Luft nach oben…

    Nach Hauptsponsoren:
    1. FC Lederhosen 62 Mio
    2. RB Dosen 35 Mio
    3. Borussen 30 Mio
    4. Bankfurt 13 Mio
    6. Bayer04Pillen 9 Mio
    7. VfB 8.5 Mio

    https://fussball-geld.de/einnahmetabelle-sponsoring/

  4. Jochen sagt

    Da sind Spielerberater, andere Vereine, hohe Summenund viele Versprechungen im Spiel. Wissen wir ganz genau was der VfB geplant hat? Ich denke da ist der VfB ein Teil des Spiels. Heute liest man , dass Dortmund an Leweling dran war. Dog eat dog. Und der VfB ist nicht an der Spitze der Nahrungsmittel und muss deshalb fit bleiben. Jetzt haben wir einen guten Kader und ich bin gespannt.

  5. Hobbycamper sagt

    Ein dickes Lob von mir, einer eurer (deiner) besten Artikel, ich kann jeden Satz unterschreiben !
    Quo vadis VfB ? Wollen wir national sowie international wieder sportlich Boden gut machen nach all der Sch… der zurückliegenden Jahre ? Die Voraussetzungen dafür sind mit dem aktuellen Kader so gut wie schon lange nicht mehr.
    Oder ist der wirtschaftliche Aspekt jetzt plötzlich das Zünglein an der Waage und das Allerwichtigste um was es geht ? Anders kann man eigentlich diesen Aktionismus des VfB in den letzten Tagen nicht deuten.
    Andere Vereine in der Liga kaufen auf Teufel komm raus ein (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) und der schwäbische Verein schaut lieber auf die Transferbilanz und versucht sein Tafelsilber an den Mann zu bringen. Und dabei ist jedes Mittel (oder soll ich sagen jeder Spieler) recht, Hauptsache die Taler fließen ins Geldbeutele.
    Es kann mir doch keiner erzählen dass wir nach den Einnahmen durch die Verkäufe von Woltemade und Millot (zusammen über 100 Mio.), den zu erwartenden Mehreinnahmen durch die CL dermaßen am “Hungertuch” nagen dass man sogar wenn es sein muss seine Leistungsträger verramscht.
    Als Fan und Mitglied fühle ich mich dabei irgendwie veralbert.

    • Ronny sagt

      Korrekt, und weil ich mich als Mitglied hintergangen fühle, habe ich soeben meine Mitgliedschaft gekündigt !

  6. Fritz sagt

    Ja, der Kader ist weitgehend zusammengeblieben. Das heisst aber auch, dass es in der Abwehr keine Verstärkungen gab. Und ich hätte lieber Karazor als Chema verkauft…

  7. Divina sagt

    Nach den Abgängen jetzt:

    „Bei der Wahl des neuen Vize-Kapitäns setzte die Mannschaft auf Erfahrung: Denn der Hoffenheim-Neuzugang Grischa Prömel, 31, wurde zum zweiten Mann hinter Undav gewählt.“

    Wie kann das sein?
    Muss Prömel sich beim VfB nicht erst einmal beweisen. 80% verlorene Zweikämpfe gegen die Lederhosen…
    CL-Erfahrung?

    Versteh wer will. Hoffentlich schlägt das nicht auf das Mannschaftsklima.

  8. Ronny sagt

    Der VfB wollte einen Transferüberschuss, hat es allerdings nicht geschafft, aber wer sagt denn, dass der Ausverkauf jetzt nicht nur aufgeschoben ist. Das Chema lieber Confernce League spielt als CL ist sehr schwer zu glauben, aber die Story mit der Trennung von seiner Freundin haben die Verantwortlichen geschickt ausgenutzt, um wenigstens mit “nur” 17 Millionen ins Minus gehen müssen, laut Sebastian Hoeneß war die Mannschaft von der Vorgehensweise am Deadline Day irritiert. Dann hoffen wir mal, das diese Irritationen keine Auswirkungen auf das Spiel gegen Köln haben werden.
    Danke noch an das Vertikalpass Team, der Artikel ist absolute Spitze !

  9. Jochen sagt

    Wir haben den teuersten Kader aller Zeiten und die VfB Gemeinde spricht von Ausverkauf 😂offensichtlich läuft alles super. Wieviel Nationalspieler haben wir gerade in der Truppe? Also ich erinnere mich gerade an 2008-2010 wo wir auch immer gemeint haben, wir lösen die Bayern ab. Eine Unterbesetzung der Defensive mit Mittelstädt, Hendricks, Chabot, Jeltsch, Vagnoman, Assignon, Stergiou, Nartey, al Dakhil , Jaquez hätten 16 von 18 Bundesligisten gerne. Hab ich was verpasst?

  10. Konny sagt

    Ich war jetzt ja nie erklärter Ata Fan, aber ihn so abzusägen und Prömel vor die Nase zu setzen klingt für mich schwierig… Chema sah sich zu 90% auf der Bank sitzen und will spielen. Das kann man ihm doch nicht verübeln. Das Kovac Leweling wollte hab ich auch grade gelesen. Mit Dortmund bin ich persönlich eh durch…. bei uns hätten A&G bereits einen Titel, in DO wird das eh nix mehr mit Titel. Bei Woltemade muss man sagen, dass er besser noch ein/zwei Jahre geblieben wäre, so richtig glücklich ist er nicht geworden. Was auch für viele andere gilt. Chema hatte keine Chance hinter Stiller, Prömel, Ata – ich kann ihn verstehen. Sogesehen ist es wahrscheinlich auch für Spieler nicht ganz leicht für sich selbst eine sportlich “sichere” Entscheidung zu treffen. Es gibt zwei richtig super top gute Trainer in Deutschland und das sind Hoeneß und Kompany. Es macht schon Sinn da nicht weg zu gehen. Das Hoeneß sich ärgert gehört auch dazu, aber es waren jetzt ehrlich nicht die Top Leistungsträger. Ich hoffe nur, dass er mit Vize Prömel / Ata keinen Fehler gemacht hat… das muss schon ziemlich hart sein für Ata und tut mir für ihn leid. Fairerweise muss ich noch sagen, dass mich Prömel noch nicht so vom Hocker gehauen hat. Vielleicht ja heute und Mittwoch Abend ?

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