featured
Kommentare 7

Der Typ hat ne Meise, aber Rückenwind

Am Ende spielte der VfB das Stadion leer. Verständlich, dass die Gladbacher Fans flüchteten, ihre harmlose Trümmertruppe anschauen zu müssen, tat weh.

„Ein schlechtes Spiel“ bescheinigte sich Jamie Leweling dagegen selbst, wobei seine Bilanz ausgeglichen war: Elfmeter verschuldet, Führung erzielt. Schlecht spielte der VfB wirklich nicht, trat aber fast ein bisschen zu locker auf. Gerade am Anfang stimmte die Spannung nicht, auch das Spiel nach vorne wirkte häufig uninspiriert. Aber letztlich machte es Gladbach dem VfB einfach, quasi mit halber Kraft einen 3:0-Auswärtssieg einzufahren. Zwei von drei Toren schoss die Borussia mehr oder weniger selbst.

Ein Spiel, über das man nicht lange reden wird. Zu unspektakulär, zu klar, zu groß der Klassenunterschied. Wenigstens sorgte Deniz Undav für ein bisschen Gesprächsstoff.

Der Stuttgarter Stürmer ist sensibel. Vor allem bei öffentlicher Kritik reagiert er manchmal eingeschnappt. Nachdem er unglaubliche 235 Minuten ohne Torbeteiligung blieb und einige hochkarätige Chancen vergab, nutzen dies einige Medien, um für Klicks sorgen. Sie stellten „Undav ins Zentrum der Kritik“ oder gaben dem “DFB-Star die Note 6“. Nichts Ungewöhnliches also, so sind die Mechanismen der Branche, dazu grummelten ein paar Fans in den sozialen Medien.

Undav störte sich daran, er will geliebt werden, denn viel zu lange fristete er ein Schattendasein in den Niederungen des Fußballs. Einerseits verständlich, andererseits sollte er sich dies nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Das Gute ist: Er lässt sich Ungerechtigkeiten nicht bieten und spricht sie öffentlich an. Sowieso ist er ein ungewöhnlicher, wenn nicht einmaliger Spieler. Was seine Fähigkeiten anbelangt, aber auch wegen seines erfrischenden und ehrlichen Auftretens außerhalb des Platzes. Man muss ihn jedenfalls lieben, ich bin ein ausgewiesener Deniz-Fanboy.

Wer Angriffsfläche bietet – und sei es mit so lächerlichen und bunten Themen wie Döner oder einem Rolls-Royce SUV – wer sich auch sportlich in den Mittelpunkt stellt, muss damit rechnen, beim kleinsten Anlass kritisiert zu werden. Die alte Boulevard-Geschichte: „Wir fahren mit dir den Aufzug hoch. Aber du fährst ihn mit uns auch wieder runter“. Jetzt nutze Undav den Rückenwind seines Treffers und überhaupt seiner insgesamt sehr überzeugenden Performance seit seiner Verletzung, um Medien und Umfeld die Meinung zu geigen. Was wiederum für Klicks und die nächste Fallhöhe sorgt. Ein ewiger Kreislauf also …

Nachdem Undav nicht kritisiert werden konnte, wer ist jetzt dran? Ermedin Demirovic natürlich.

Eigentlich schon von Anfang an: zu teuer, zu langsam, technisch zu limitiert sei er. Und es stimmt schon, ein fluides Kombinationsspiel ist mit ihm (noch) nicht möglich. Er ist ein one-touch-Angreifer, ein Vollstrecker, der Strafraum ist sein Revier. Sebastian Hoeneß hat es noch nicht geschafft, ihn richtig zu integrieren und seine Stärken zu nutzen. Dass er weiß, wo das Tor steht und einen Riecher für gefährliche Situationen hat, sahen wir zuletzt gegen Frankfurt.

Drei Auswärtssiege mit 4:0, 4:1 und 3:0 hintereinander, zehn Punkte in vier Bundesligaspielen 2026: You can call it a Lauf.

Zur Wahrheit gehört auch, dass mit Ausnahme von Union Berlin und AS Rom die letzten Gegner nicht unbedingt ihr Prime Game auf den Platz brachten. Aber das so auszunutzen ist auch eine Qualität. Eine Qualität, die vor Hoeneß kaum vorhanden war. Stichwort Aufbaugegner, langjährige Fans kennen das. Wie lange diese Qualität anhalten wird entscheidet über das Abschneiden des VfB in der Saison 2025/2026.

Zum Weiterlesen:
Unser VertikalGIF „Fohlen versohlen“ stellt fest: Wenn die Regel besagt, dass Jamie ein strafwürdiges Handspiel begangen hat, dann ist die Regel scheiße.

Rund um den Brustring sah ein Spiel, dass der VfB “fast wie von selbst” gewann.

Darf gerne geteilt werden:

7 Kommentare

  1. fritzo62 sagt

    Man musste ja nicht konzentriert zugucken. Hatte nur bei diesem ewig langen 0:1 Angst, dass wir diese erschreckend schwachen Borussen wieder ins Spiel bringen.
    Ich hatte auch irgendwo Undav kritisiert, aber weniger ihn, sondern die Aufstellung: ein Medo( oder Milosevic, oder Sankoh, Darwich, whatever ) als 9er und Undav dahinter – das wäre mein Wunsch, und da bin ich ja nicht alleine.
    Das ist keine Kritik an Undav per se.
    Ansonsten gewinnen wir diese MustWins inzwischen, gut so.

    • @abiszet sagt

      Ja, man kann nicht aus seiner Haut ;-) ging mir ähnlich: Das 1:0 zu wenig.
      Irgendeine Schusseligkeit (siehe Elfer) kann immer passieren. Aber letztlich Gladbach unglaublich schlecht.

  2. Ronny sagt

    Gladbach hat gar nicht mal so schlecht angefangen, aber der gehaltene Elfmeter war ein Schock, danach gab es auf beiden Seiten viele Fehlpässe bis wir durch einen riesigen Bock in Führung gegangen sind. In der zweiten Halbzeit war der VfB dann zwei Klassen besser als die Gladbacher welche um die Tore förmlich gebettelt haben. So kann es gerne weitergehen, dann sind wir wieder in Europa mit dabei.

  3. Konny sagt

    Es steht mir nicht zu, wahrlich nicht, aber ich halte Gladbachs Trainer für den falschen Mann für den instabilen Moment und konnte damals schon nicht nachvollziehen, warum sie Mainz mit Fischer nicht zuvorgekommen sind.

    Hoeneß hat es als junger Mann geschafft uns Leben und System einzuhauchen, dem Himmel sei Dank.

    Aber er hatte zuvor auch schon BL Erfahrung und war schon Cheftrainer.

    Egal, trotzdem allergrössten Respekt:
    Nübel-Nübel-Nübel
    Und für die bessere Einstellung und Laufleistung trotz Rom und vor Bern. Und trotz Frust wegen der Play Offs.
    Dafür muss man wirklich extrem viel Lob aussprechen, auch wenn Gladbach nicht oder nur 20 min auf Augenhöhe war.

    Ach Dennis, es waren halt 100 Prozenter dabei – und es war halt maximal ärgerlich, nimms doch sachlich / sportlich und nicht persönlich.

    Das Klapperschlangending nach dem Tor hat schon was recht trotziges und möglicherweise erzielt es nicht die erhoffte Wirkung. Ich fands blöd 😬.

    • @buzze sagt

      Ich vermute, bei Deniz Jubel ging es weniger um die berechtigte Kritik an den vergebenen Großchancen als vielmehr um die völlig überzogene Generaldebatte, die der Boulevard aufmachen wollte, weil es sich gut klickt.

  4. Marcus Fichter sagt

    Meiner Meinung nach ist Undav in der Beziehung ein bisschen dünnhäutig.
    Klar muss man ihm jetzt nicht gleich Untauglichkeit oder sonst was unterstellen, gleichzeitig darf man aber doch nachfragen, wenn er bei sieben 100%igen eben kein Tor macht.
    Mit Kane (der daraus wahrscheinlich 6-7 Tore) will ich gar nicht auf eine Stufe stellen, aber bei seinem Anspruch an sich selbst und bei seiner Qualität und seinem Gehalt darf bei diesen Chancen 2-4 Tore auch erwarten.

    Für mich einer der Spieler 2026, der vorher schon gut war und jetzt nochmal nen Schritt gemacht hat ist Ramon Hendriks. Eine absolute Zweikampfmaschine !

    Mit Nartey und Stiller war auch wieder Ordnung und Struktur im Spielaufbau.

    Nübel scheint sich 2026 auch anbieten zu wollen, wem auch immer. Hat dieses Jahr bisher nur starke Spiele gezeigt.

    Jetzt bitte nicht das Spiel gegen Bern her schenken, sondern sich ne gute Basis schaffen und dann haben wir mal wieder ein Derby. Freiburg wird auch nicht einfach.

    • @abiszet sagt

      Das ist ja gerade er Punkt, Marcus:
      Ihm wurde Untauglichkeit unterstellt. Es gab keinerlei Differenzierung, … aber hey, das können wir nicht (mehr) erwarten, wenn selbst die StZ “Undav im Zentrum der Kritik” headlined (aber im Text differenziert).

      Wie ich geschrieben habe:
      Erst in den Himmel loben, dann in den Boden stampfen. Plus – es waren keine sieben 100Prozenter. Die beiden gegen Rom nicht und bei Frankfurt waren welche dabei, die eben nicht so trivial sind, wie es sich die Sofa-Bundesligaspieler so vorstellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.