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Stuttgart International kann man nur besoffen sehn’ …

… oder mit starken Nerven. Oder mit einer Scheiß-Egal-Einstellung.

Dabei sah alles nach einem gelungenen Abschluss der Liga-Phase in der Europa League aus: Erst die überragende Choreo in der Cannstatter Kurver, dann stand es nach acht Minuten bereits 2:0. Zu diesem Zeitpunkt war der VfB als Achter direkt für das Achtelfinale qualifiziert.

Die Mannschaft aber zu schnell zufrieden:
Nach rund 30 Minuten stellte sie das Spielen ein, lief ein paar Schritte weniger und jeder machte sein Ding mit überflüssigen Soli und Schüssen aus lächerlichen Positionen. Fehlte es ihr an Reife oder an der Qualität, dem völlig konfusen Gegner noch ein paar Tore einzuschenken?

Die Qualitätsfrage stellt sich eigentlich nicht, der VfB hat schon oft in dieser Saison bewiesen, wie gut er ist. Aber fehlende Reife ist auch eine Qualitätsfrage. Zumal es nach der Pause nicht besser wurde. Der Höhepunkt dann das Thomas Hitzlsperger-Gedächtsnistor zum 2:2 von Sandro Lauper. Und wenn die Berner mit Alvyn Sanches und dem eingewechselten Sergio Cordova nicht mehrfach so schusselig gewesen wären, wäre der VfB mit einem oder zwei Toren sogar zurück gelegen.

Als Sebastian Hoeneß mit der Einwechslung von Jamie Leweling, Ata Karazor, Ramon Hendriks und Bilal El Khanouss eine Qulitätsoffensive startete, dachten alle: „Jetzt aber!“. Nur: Es verbesserte sich kaum etwas. Badredine Bouanani mit seinem sicher fünften und sechsten und siebten untauglichen Versuch aus der zweiten Reihe, Leweling viel zu eigensinnig und zu lange am Ball. Während die Young Boys gefällig konterten.

Das 3:2 eine Energieleistung von Chema:
Von der eigenen Strafraumgrenze leitet er einen Konter über El Khannouss und Leweling ein, um sich dann mit so etwas ähnlichem wie einem Sprint über das ganze Feld zu schleppen. Gerade rechtzeitig, um aus vier Metern einzuschieben. Gebracht hat es nichts: AS Rom, Genk und Bologna spielten nicht für den VfB, der in der Liga-Tabelle auf Platz 11 landet.

Choreo mal wieder überragend.

Die Begegnung gegen die Schweizer symptomatisch für die Stuttgarter Europa League-Kampagne:
In jedem Heimspiel holte der VfB den Gegner zurück. Celta Vigo wurde dominiert, am Ende wurde es durch den Anschluss zum 2:1 knapp. Rotterdam war dem Führungstreffer eigentlich näher als der VfB, der dann in der Schlussphase doppelt traf. Selbst gegen Tel Aviv kam es zu einem massiven Spannungsabfall, als man dem harmlosen Gegner den Anschlusstreffer gestattete. Abgesehen von den Amateuren aus Deventer war auch in jedem Auswärtsspiel mehr drin für den VfB.

Gegen Celtic Glasgow kommt der VfB in zwei Play-off-Spielen so nicht ins Achtelfinale. Diese Spiele will ich nicht besoffen sehn’. An Qualität fehlt es dem VfB nicht, diese Gegner zu besiegen. Aber es gehört mehr dazu, als individuell besser zu sein, den Ball schön laufen zu lassen und sich am eigenen Spiel zu erfreuen. Trainer Hoeneß betonte zuletzt, dass es nur über die Basics geht. Ich möchte ergänzen: Und nur, wenn diese Basics über die komplette Spielzeit gezeigt werden.

Der VfB ist noch nicht die Spitzenmannschaft, die er gerne wäre. Nach dem Spiel wird gefordert „dass man daraus lernen“ solle, dass man „daran arbeiten“ solle, dass man diese „Nachlässigkeiten schnell abstellen“ müsse. Nicht zum ersten Mal in der Europa League. Will der VfB international weit kommen, dürfen sich Spiele wie in der Liga-Phase nicht wiederholen..

Zum Weiterlesen:
Die UEFA untersagte den Young Boys-Fans den Besuch in Stuttgart und sanktionierte damit vorangeganges Fehlverhalten der Schweizer. Wie die Cannstatter Kurve die Kollektivstrafe umging und für einen kleinen Auswärtsblock sorgte.

Bilder: Alex Grimm/Getty Images, vp

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11 Kommentare

  1. Olli Wezel aka debutanker sagt

    […]Dabei sah alles nach einem gelungenen Abschluss der Liga-Phase in der Europa League aus: Erst die überragende Choreo in der Cannstatter Kurver, dann stand es nach acht Minuten bereits 2:0[…]
    Und genau da fing gestern wohl das Dilemma an:
    Sowohl Zuschauer, als auch die Mannschaft, gingen nach 7 Minuten wohl von einem locker herausgeschossenen Kantersieg aus.
    Kommentare im Stadion wie “das wird ne Sause heute” oder “die schießen wir aus dem Stadion” waren zu hören und auch ich hatte wohl nur noch die Höhe des Sieges im Kopf…
    Ähnliches Gedankengut wird sich wohl auch bei den Spielern im Kopf breitgemacht haben.
    Wahrscheinlich kann man das als menschlich abtun und wir Fans dürfen uns diese Gedanken auch erlauben, aber einer Mannschaft, die immer von Lernprozessen spricht und das nächste Plateau erreichen will, darf so ein Spiel, durch mangelnde “Seriösität im Kopf”, nie und nimmer so entgleiten!
    Bleibt zu hoffen, dass das tatsächlich wieder ein kleiner Fingerzeig in Richtung Mannschaft war, dass jedes höhere Plateau nur durch ein Abstellen von Fehlern und abgeschlossenen (!) Lernprozessen erreicht werden kann.
    PS: trotzdem bin ich aktuell weiterhin ein sehr glücklicher VfB-Fan😉

  2. Divina33 sagt

    Artikel gefällt.

    Undav:

    “Unser Spiel war nach 35 Minuten nicht mehr gut. Eine Spitzenmannschaft gewinnt so ein Spiel auch mal 4:0 oder 5:0. Das haben wir wieder nicht gemacht. Daran müssen wir arbeiten. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen.”

    Warum kann die Mannschaft nicht defensiv? Ein 2:0 gegen so einen großen Gegner wie die Jungen Männer aus Bern mal in die Pause bringen. Sie einfach mal ein bisschen laufen lassen, sie müde spielen…

    Ich finde der VfB ist taktisch zu eindimensional und sollte sein Repertoire erweitern.

  3. Marcus Fichter sagt

    Ich war zur Pause richtig sauer. Wenn Du konsequent weiter spielst, hast Du zur Pause den Bernern 4 oder 5 eingeschenkt. Stattdessen holst Du zum wiederholten Male den Gegner wieder ins Spiel zurück.
    Das kam jetzt schon so oft vor, das man langsam glaubt, das die Mannschaft in diesem Lernfach sich wie ein pubertierendes Kind verhält und einfach nicht lernen will.

    Dabei hast Du doch Leute auf dem Feld ( Undav, Stiller ) die genau dies verhindern sollten. Mal ein Weckruf o.ä. loslassen.

    Das es nicht gänzlich in die Hose ging, hat man der Chancenverwertung der Berner zu verdanken. Und einer Energieleistung von Chema am Ende des Spiels.

    Ich mag es ja, wenn ein Trainer einen Spieler einsetzt um ihn ins Laufen zu bekommen, aber bei Bouanani verlier ich langsam den Glauben daran, das er dem VfB dauerhaft weiterhelfen kann. Auch hier zum wiederholten Male Unkonzentriertheiten, Fehlpässe, falsche Entscheidungen.
    Da muß m. E. langsam mehr kommen bei dem Vertrauen, das er von Hoeneß immer wieder bekommt.

  4. drhuey sagt

    Wenn auf den Rängen fast mehr diskutiert als das Spiel verfolgt wird, ist etwas faul. Dabei fing es so an, wie ich mir das vorgestellt habe. Der VfB hellwach und sofort mit Zug zum Tor. Was eine Manbschaft nach 30 Minuten dazu bringt damit aufzuhören angesichts der Ausgangslage, bleibt wohl ihr Geheimnis. Die Amplituden in der Leistung der Einzelspieler sind einfach zu gross. Ein Assignon kann sehr gut sein, aber er kann auch fragwürdige (oder keine) Laufwege anbieten. Ein Vagnoman kann sehr solide spielen, nur um im nächsten Spiel sich auf seiner Aussenbahn folgenschwer vernaschen zu lassen. Ein Chema zeigt, dass er hervorragend auf one/two Touch und Vertikalität ausgebildet ist und hat gleichzeitig krasse Abspielböcke drin. Lewelings Impact ist quasi jedes Spiel anders. Und so könnte man alle durchgehen. Das kauft man sich wohl mit ein, wenn man junge Talente einbaut und fördert. Aber der VfB hat ein kollektives, mentales Problem mit ‘dem Fuss auf dem Gas lassen’ und das Spiel zu killen. Celtic wird 180 Minuten das Gas durchgedrückt lassen. Das wird spannend.

  5. Divina33 sagt

    Jetzt gehts nach Schottland!
    Toll!
    Zwei Traditionsvereine.
    Bin gespannt wie steil die Lernkurve ist.

    • @abiszet sagt

      @drhuey
      Ja, die Ausschläge sind intereessant, wobei das Gute ist: In jedem Spiel ist es ein anderer, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückt und zum Entscheider wird. Was für die Gegner schwer ausrechenbar ist. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt.

      @Divina
      Absolut, die Lernkurve sollte a bissel steiler sein. Ein toller Gegner – nur: ob er dem vVB liegt? Diese körperlichen und leidenschaftlichen Mannschaften sind normalerweise nix für den VfB.

  6. Divina33 sagt

    @drhuey
    Diese körperlichen und leidenschaftlichen Mannschaften sind normalerweise nix für den VfB.

    Das meine ich ja gerade. Seit der Relegation gegen Union, dient das als Ausrede. Z. B. im Spiel gegen Nordirland hat David Raum nach jedem Foul der Iren ins Publikum gegrinst. Das hatte was…Gut Hendriks und Chabot gehen auch dorthin, wo‘s mal weh tut. Aber gegen YB standen die Torschützen direkt am Strafraum ungedeckt…Unser Abwehrverhalten gibt mir manchmal Rätsel auf (Basel, Rom, Bern) oder liegt das am hohen Pressing?

  7. Achim Herzblutfan sagt

    Tja, halt VfB-like…….
    Bitte im Hinspiel den Schotten den Zahn ziehen und dann im Rückspiegel mit 12 Mann alles klar machen.
    Portugiesen mag ich als Gegner.🤣🤣🤣

  8. Die letzten beiden Bundesliga-Spieltage haben gezeigt, dass Fußball in der Theorie sehr simpel sein kann! Hat man einen guten Matchplan und zieht diesen auch über die komplette Spielzeit durch (Looking at you, VfB), dann kann man sogar als biederer Abstiegskandidat gegen die vermeintlich „besten Bayern aller Zeiten“ ein gutes Ergebnis erzielen. Man lese und staune…

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