Autor: @abiszet

Der DFB präsentiert: Das große Schlagerfest

Ein Gutes hatte die indiskutable Leistung von Daniel Schlager beim 1:2 des VfB gegen Werder Bremen: Nach Abpfiff hatte der Schiri hatte Florian Silbereisen auf seiner Mailbox. Er will Schlager zum nächsten Schlagerfest als Stargast einladen. Geplant ist, einen Einspieler mit Schlagers größten Fehlentscheidungen zu zeigen und mit seinen treuen Entschuldigungen zu untermalen. Drübersingen im Vollplayback soll Andy Borg ein Medley der größten Schlager-Hits von „Adios Nick“ über „Verdammt, ich verpfeif’ Dich“ bis zu „Ein bisschen Platzverweis muss sein“. Was Daniel Schlager am Sonntag im Neckarstadion abgeliefert hat, war jedenfalls keine Schiedsrichterleistung, sondern eine Bühnenshow. In der Hauptrolle: er selbst. In der Nebenrolle: Nick Woltemade, der mit Gelb-Rot runter muss – für ein „Foul”, das selbst in einer Samstagabend-Show namens „ZDF Witzparade“ keine Lacher bekommen hätte. Die schauspielerische Leistung von Mitchell Weiser allerdings durchaus beeindruckend, wenn auch so glaubwürdig und authentisch wie die Songtexte der Flippers. Es war also das erwartete Schlagerspiel zwischen dem VfB und Werder Bremen: Nachdem der Schiedsrichter aus Rastatt den VfB schon gegen Frankfurt (Pokal-Halbfinale 2023), Leverkusen (Pokal-Viertelfinale 2024), Kaiserslautern (Pokal, …

Es gibt keine Gerechtigkeit im Fußball

“Glück und Pech, das gleicht sich aus über die Saison gesehen“, ist eine der vielen Fußballweisheiten. Schiri-Entscheidungen, Eigentor, Latte, Pfosten, VAR, Slapstick-Fehler: Irgendwann verteilt sich das gerecht auf alle Teams. Nur im Fan-Dasein trifft das nicht zu. Natürlich haben nur die Bayern Dusel, es wird stets so lange gespielt, bis Leverkusen sein Tor schießt. Der Glubb ist immer dr’ Depp, der HSV steigt nie auf und als VfB-Fan hat man es sowieso am schwersten. Erst ständig gegen den Abstieg spielen und jetzt völlig überfordert sein, weil der VfB nicht nur in der Champions League gespielt hat, sondern auch noch im Pokalfinale steht, aber trotzdem so viele Heimspiele in Folge verloren hat wie einst unter Jürgen Kramny.  Unangenehme Nebenerscheinung des Erfolgs ist, dass alle daran Teil haben wollen. Alle wollen Champions League sehen, alle wollen ins Finale nach Berlin. Niemand lässt sich absprechen, dass er schon immer ein Herz für den VfB gehabt hat. Wo waren die denn 2016 in der zweiten Liga auswärts an einem kalten Sonntag Nachmittag in Aue oder im Dezember 2012 beim …

Völlig losgelöst!

Wer befürchtet hatte, dass dem VfB nach der magischen Pokalnacht gegen Leipzig im Liga-Alltag Energie und Motivation fehlen würden, wurde eines Besseren belehrt. Ja, auch ich gehörte zu den Bedenkenträgern, schließlich kenne ich meinen VfB, der nach einem Highlight gerne gegen einen vermeintlich schlechteren Gegner einen Gang runter schaltet. Der VfB dagegen mit einem eindrucksvollen Auftritt in Bochum. Erneut standen Spieler im Rampenlicht, denen viele in der Vergangenheit die Qualität abgesprochen hatten: Ermedin Demirovic erstmals mit drei Treffern in einem Pflichtspiel, Atakan Karazor feierte mit zwei Assists ebenfalls eine Premiere in seiner Profi-Karriere. Aber es waren nicht nur die beiden, die auf sich aufmerksam machten. Es zeigte sich die Qualität der Kaderbreite beim 4:0 in Bochum: Hoeneß tauschte seine halbe Anfangsformation aus im Vergleich zur unglaublichen Partie gegen die Leipziger: einerseits aufgrund von Sperren (Angelo Stiller, Maximilian Mittelstädt, Ameen Al-Dakhil), andererseits, um Frische ins Team zu bringen und Spielern aus der zweiten Reihe Spielpraxis zu geben. Oder um ihnen zu zeigen, dass er ihre Trainingsleistungen sehr wohl sieht. Luca Jaquez kam zu seinem Startelf-Debüt in …

Knocking On Hoeneß’ Door

Nur noch ein Spiel und der VfB ist im siebten Himmel. Und wer hat ihn dahin gebracht? Sebastian Hoeneß. Der Trainer rief das „Spiel des Jahres“ aus, erzeugte eine enorme Fallhöhe, vergleichbar mit dem Spiel gegen Paris St. Germain. Es war also unheimlich viel Druck auf dem Spiel. Doch sowohl er als auch seine Mannschaft hielten den Druck aus, benötigten viel Glück und zogen ins DFB-Pokal-Finale ein. Hoeneß ist heute genau zwei Jahre beim VfB und hat Unglaubliches erreicht: von Platz 18 in die Relegation eingezogen und souverän gewonnen, Vizemeisterschaft, Champions-League und jetzt fährt er nach Berlin. Wieder so ein Ziel, zu dem nach all’ der Scheiße gereist werden kann. Der VfB hat in den letzten sieglosen Wochen viele Spiele gemacht, die nicht ganz so schlecht waren, wie sie gemacht wurden. Aber es fehlte immer etwas: mal war es Glück, mal Konsequenz, es gab zu viele individuelle Fehler, die von den Mitspielern nicht ausgebügelt werden konnten. Es wurden auf und außerhalb des Felds falsche Entscheidungen getroffen oder der Spielverlauf meinte es nicht gut mit dem …

Ricardo Osorio: spektakulär unspektakulär

Er ist keiner, der verehrt wird. Niemand hat ein Trikot mit seinem Namen drauf. Er taucht nicht in Bestenlisten auf. Er zählt nicht zu den VfB-Legenden und das zu Unrecht: Ricardo Osorio, der mit dem VfB 2007 Deutscher Meister wurde. „Legenden sind andere, ich bin nur ein einfacher Mann“, sagte er 2022 anlässlich der USA-Reise des VfB. Und das ist Osorio eben: bescheiden. Ein stets untadeliger Sportsmann, der 2006 mit Landsmann UND VfB-Legende Pavel Pardo zum VfB kam. Unauffällig verrichtete er seinen Job auf der rechten Abwehrseite. Er spielte stets spektakulär unspektakulär. Über 100 Mal in vier Jahren trug der Mexikaner das Trikot mit dem Brustring: 73 Bundesligaspiele absolvierte er für den VfB, dazu 13 Pokalspiele und 16 internationale Partieen. Am 22. Spieltag der Saison 2006/2007 erzielte er sein einziges Bundesligator beim 4:0 Sieg … in Frankfurt. Loblieder wurden auf ihn selten gesungen, ausser von Pep Guardiola: “Er ist ein Großer. Mit Talent in der Defensive und Offensive“, das ergänzte der Trainer von Manchester City vor rund 20 Jahren mit allerlei Superlativen. Aber wir kennen …

Wie kommt der VfB aus dem Negativlauf heraus?

Der VfB ist so etwas wie ein Spezialist darin, dass Dinge in Folge immer wieder funktionieren – oder stets misslingen. Man könnte meinen, der VfB hat Serien und Läufe erfunden. Denn der VfB kennt sich aus mit Läufen: Letzte Saison lief es sensationell, alles funktionierte, der VfB zog die 50:50-Spiele und qualifizierte sich als Vizemeister für die Champions League. Diese Saison hat der VfB wieder einen Lauf: einen Negativlauf, nichts funktioniert, die 50:50-Spiele gehen allesamt verloren und derzeit an Europa zu denken, erscheint lächerlich. Der VfB kennt sich vor allem aufgrund seiner Geschichte aus mit Läufen. Einem guten Lauf folgt immer ein schlechter, das gehört zum VfB-sein dazu. Nach einem Erfolg kommt stets der Einbruch. Remember 1992, 2007 und jetzt 2025. Erklären können das wohl nur Peter Reichert und Günther Schäfer. Sie haben alles erlebt, waren immer dabei. Sie wissen: Der VfB ist schon seit je her eine Gefühlsmannschaft. Wenn sie das Gefühl hat, alles zu können und jeden schlagen zu können, dann spielt sie sich in eine Euphorie. Die Spieler reißen einander mit, helfen …

Der treue Herr Hoeneß

Am Samstag hatten VfB-Fans die Wahl: chillen und die Sonne genießen, den gesamten Tag in der Schleyerhalle bei der Mitgliederversammlung verbringen oder doch zur Erotik-Messe im benachbarten Carl-Benz-Center? Die rund 1.600 Mitglieder, die sich für die MV entschieden haben, erfuhren dann als Erste, dass der Vertrag mit Trainer Sebastian Hoeneß bis 2028 verlängert wurde. Eine gute Nachricht. Der clevere Herr Wehrle Für den VfB kommt die Vertragsverlängerung zur besten Zeit: Hoeneß ist wegen der derzeitigen komplizierten Phase nicht mehr der heißeste Scheiss unter den Trainern, zudem gibt es nicht viele Clubs, die bessere Voraussetzungen bieten als der VfB. Bei Bayern wie auch Leverkusen wird sich in der nächsten Saison höchstwahrscheinlich keine Möglichkeit für Hoeneß ergeben. Leipzig hatte Hoeneß zwar auf dem Zettel, was den Stuttgarter Erfolgstrainer wohl nicht überzeugte. Und wer will schon nach Dortmund – außer Waldemar Anton? Die Verhandlungsposition für den Club war also nicht die schlechteste. Die Ausstiegsklausel wurde beim neuen Vertrag gestrichen, auch wenn sie der VfB seinem Trainer abkaufen musste. Die Verlängerung ist ein Zeichen an alle beim VfB: Insbesondere …

Es ist tragisch

Es war das übliche Spektakel, wenn der VfB und Leverkusen die letzten beiden Jahre aufeinander trafen. Es war erneut Werbung für die Bundesliga, der Abwärtstrend des VfB geht allerdings rasend weiter: Fünf von möglichen 24 Punkten in den letzten acht Spielen, die vierte Heimniederlage in Serie. Das ist die Bilanz eines Abstiegskandidaten und erinnert an die Talfahrt, die Sebastian Hoeneß in den letzten Spielen neun Spielen 2022 in Hoffenheim verantwortete und von Platz 4 auf 9 abstürzte. Internationaler Wettbewerb? Können wir vergessen, wenn sogar Augsburg vor dem VfB steht! “Von uns als Mannschaft muss heute was zu sehen sein“, forderte Hoeneß Wiedergutmachung vor dem Spiel angesichts der miserablen Leistung in Kiel. Und er bekam einiges zu sehen. Sein Team hatte die Spielkontrolle, sein Team trat griffig und und motiviert auf, sein Team nutzte die erste Chance zum 1:0. Leverkusen dagegen ohne Florian Wirtz mit vielen langen Bällen. Es lief viel über die Frimpong-Seite. Maxi Mittelstädt lieferte sich dort mitreißende Duelle und versuchte stets schon bei der Ballannahme zu stören, um dem Leverkusener den Raum für …

Immer positiv bleiben

Was gibt die Fußballsprache für ein Spiel wie dem 2:2 des VfB in Kiel her? “Ein Punkt für die Moral”. Eine Standardfloskel im floskelhaften Fußball. Aber was ist das eigentlich, die „Moral“? Es ist die Bereitschaft, sich einzusetzen und eine gefestigte innere Haltung zu zeigen, auch bei widrigen Umständen. Ok, widrigen Umständen musste sich der VfB in der Tat stellen. Schließlich spielte die Manschaft nach der roten Karte gegen Leonidas Stergiou 42 Minuten in Unterzahl und musste sich gegen einen großen Druck des Aufsteigers wehren. Wehrhaft ist sie also, hat alles gegeben, um zumindest einen Punkt mit nach Stuttgart zu nehmen. Das ist doch durchaus positiv, oder? In allem, auch im Negativem, etwas Positives sehen, das ist die Einstellung von Sebastian Hoeneß. Positiv ist, dass der VfB aus wenigen Chancen und einem xG-Wert von 0,71 zwei Tore gemacht hat. Also deutlich mehr Effizienz vor dem gegnerischen Tor zeigte als zuletzt. Dass Ermedin Demirovic getroffen hat und einen frischen Eindruck gemacht hat und auch nach Abpfiff im Handgemenge stabil blieb. Dass 42 Minuten in Unterzahl zumindest …

Schluss mit Kuschelkurs!

Nur ein Sieg in den letzten sieben Spielen. Das vierte Mal in Folge ein Spiel nach einer Führung hergegeben: Beim VfB wird das Wort vermieden, aber der Club befindet sich in einer Krise. Schönreden kann man sich dennoch alles. Und man kann deshalb sagen: Der VfB ist wieder da. Also der, den wir fast seit 1893 kennen. Gegen Bayern alles reinwerfen und eine ordentliche Leistung abliefern. Um dann gegen Kiel zu denken, es läuft von selbst und man müsste nicht alles investieren. Das hat man vor Sebastian Hoeneß unter „VfB sein“ verstanden. Ernüchternd zu sehen, wie der VfB eine Partie angeht, die Sebastian Hoeneß selbst als richtungsweisend bezeichnet hat und die der Startschuss für bessere Leistungen und damit verbunden besseren Ergebnissen sein sollte. Basics wie Aggressivität, Zweikampfhärte und Widerstandskraft suchten die VfB-Fans vergebens. Der VfB hatte mal wieder Probleme, die talentfreien Fähigkeiten zu zeigen. Dabei sind es genau die, die in Kiel gefordert sind. “Energie und Intensität waren nicht auf dem Level, wie sie es sein müssen“, so Hoeneß. Und das sollte ihm in der …