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„Cavaaaniiiiiiiiiii“

Eine wunderbare WM bisher: Das Wetter perfekt, jeden Tag grillen, drei Tore im Schnitt pro Spiel und Italien ist raus* – was will man mehr?  

Ich weiss, ich mache es mir sehr einfach, aber ich bin extrem genervt. Von der Schreierei bei den Spielen. Nicht von den Zuschauern, von den Kommentatoren.
„Roobbeeeeeeeen“
„Neymar, Neeeymaar, Neeeymaaaaaaar“
„Klooseeeeeeee“
„Cavaaaniiiiiiiiiii“
Und nicht weil ein Tor fällt oder ein mitreissender Spielzug beschrieben wird, sondern weil Robben ins Aus dribbelt, Klose den Strafraum in Ballnähe betritt und Cavani eine Flanke ins Nirgendwo schlägt. Das ist unerträglich. Steffen Simon, Bela Rethy, Tom Bartels und Oliver Schmidt sind hysterisch, ziehen Worte nervtötend in die Länge. Jemand hat ihnen wohl gesagt, dass Fussball ein emotionales Spiel ist und sie nicht zu distanziert sein sollen. Sie wollen Emotionen jedoch vermitteln, ohne Emotionen zu haben. Sie sind wie schlechte Schauspieler, denen man ihre Rolle nicht abnimmt, das ist so glaubwürdig wie ein schlecht vorgetäuschter Orgasmus.

Oder soll die gespielte Erregung die fehlende Fussballkompetenz überdecken? Die öffentlich-rechtlichen Kommentatoren sprechen sonst über Leichtathletik, Skispringen, Biathlon oder Radrennen. Die Namen der Spieler kennen sie immerhin alle und sie können sie auch aussprechen (Chapeau!), aber sie können kein Spiel lesen und keinen Spielverlauf interpretieren, sie vermitteln selten wirklich Substanzielles oder gar Neues.

Die Routiniers Thomas Wark und Wolf-Dieter Poschmann spielen weniger die Marktschreier, denn sie haben noch bei Adi Furler gelernt. Die gespielten Kunstpausen, das Betonen der Vokale und das Erheben der Stimme am Ende des Satzes, um dann die „Pointe“ zu bringen – das alles ist so 80er Jahre, das es fast schon wieder amüsant ist. 90 Minuten allerdings machen keinen Spaß mehr.

Ich halte nicht alle TV-Kommentatoren für Pfeifen. Die Jungs von Sky machen das ganze Jahr nichts anderes, als Fussball zu kommentieren, sie kennen dazu international alles und jeden aus der Champions League. Ihre Sprache ist meist abwechslungsreich, sie wissen, wovon sie sprechen. Kurz: Sie sind qualifiziert für die Aufgabe durch Ihr Wissen und Ihre Erfahrung und nicht durch ihre hierarchische Position, wie zB Steffen Simon (Sportchef des WDR) oder Oliver Schmidt (Redaktionsleiter „Aktuelles Sportstudio“).

Aber auch bei Sky ist es mir manchmal zu geschwätzig. Gute Kommentatoren sollten während des Spiels auch schweigen. Am besten sie halten sich an die Tor-Quote der WM 2014: Mindestens drei Mal pro Spiel einfach die Klappe halten.

 

* Spaaaaß! Ihr wisst doch: Ich liebe Italien und nicht nur wegen der Beißattacke hätte ich Pirlo, Buffon und Balotelli lieber im Achtelfinale gesehen.

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