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Kein Karneval in Cannstatt

Das Topspiel gegen Köln war für den VfB die perfekte Gelegenheit, nach der überraschenden Niederlage gegen St. Pauli Wiedergutachung zu betreiben und sich rechtzeitig für das Auswärtsspiel gegen Celtic Glasgow in Form zu schießen. Außerdem waren drei Punkte nötig, um sich weiterhin als Kandidat für Champions League Plätze zu positionieren. Und die Kölner schienen mit gerade mal zwei Auswärtssiegen am ersten und sechsten Spieltag dafür der perfekte Gegner zu sein, das sagte auch diese schöne Statistik: In den vergangenen 26 Jahren konnte Köln am Karnevalswochenende ganze drei Mal gewinnen. Und gegen Stuttgart waren sie ohnehin seit sechs Spielen sieglos.

Apropos Karneval: Der VfB Stuttgart muss sich mittlerweile nicht mehr als Top-Team der Liga verkleiden, sondern ist schlichtweg eins. Das zeigte auch die Aufstellung: Der kränkelnde Stiller wurde geschont, Assignon ersetzte Vagnoman, Leweling rotierte für El Khannouss in die Startelf und Abwehr-Jeff Chabot spielte statt Ramon Hendriks von Begionn an.

Auch der 1. FC Köln hatte ein Personalproblem: Es fehlten 700 Anhänger, denen bereits am Samstagmorgen auf einer Raststätte an der A3 bei Siegburg die Weiterfahrt nach Stuttgart von der Polizei untersagt worden wurde. Offizielle Begründung: “Zur Verhinderung von Straftaten.” Naja.

Für den dennoch mit Clowns, Bienen, Kühen und Pommes gut gefüllten Gästeblock hätte Deniz Undav eigentlich schon nach 70 Sekunden den Partycrasher spielen müssen. Aber man hätte fast vermuten können, dass er sich in seinem 100. Spiel für den VfB ein besonders hübschen Abschluss vorgenommen hatte. Das dachte sich wahrscheinlich auch der Kölner Keeper, blieb lange stehen und verhinderte das frühe 1:0. Wie es konsequenter geht, zeigte uns Undavs Sturmkollege Demirovic eindrucksvoll in der der 15. Minute: Langer Ball von Führich, Ablage von Leweling, Tor Medo. Wunderschöner schwäbischer One-Touch-Football mit Tempo, aber ohne Schnörkel.

Natürlich müsste man eigentlich auch ausführlich über das Handspiel von Sebulonsen im Kölner Strafraum diskutieren. Eine Szene, die durchaus vergleichbar war mit dem Handspiel von Chris Führich in der vergangenen Woche. Aber Robert Hartmanns Definition von einem strafwürdigem Handspiel unterscheidet sich offenbar von der seiner Kollegen. Da kann man nichts machen.

Nach der Führung ließ Köln nicht locker und auch wenn es in der ersten Halbzeit keine zwingenden Torchancen mehr gab, war klar: Diese drei Punkte hatte der VfB noch lange nicht sicher. Offensiv tat sich in der zweiten Halbzeit lange Zeit gar nichts und die Kölner bemühten sich nach Kräften, um den Ausgleich zu erzielen. Dass das in der 79. Minute gelang, lag natürlich vor allem an dem katastrophalen Pass von dem Spieler, der sich in dieser Szene offenbar als Jeff Chabot verkleidet hatte, denn der würde so einen Ball nie spielen.

Aber der VfB wollte sich davon offenbar nicht den Abend versauen lassen und intensivierte endlich wieder seine Offensivbemühungen. Der spät(!) eingewechselte El Khannouss leitete wunderbar mit der Hacke weiter zum noch später(!!) eingewechselten Hendriks, der seinen inneren Führich entdeckte, zur Grundlinie sprintete und eine scharfe halbhohe Flanke in den Strafraum brachte, die man ihm so vielleicht nicht zugetraut hätte. Ermedin Demirovic hingegen hatte fest daran geglaubt und zeigte erneut seine Vollstrecker-Qualitäten im Strafraum. Das sah auch der Kölner Trainer so: “Glückwunsch an den VfB, dass sie diese Jungs verpflichtet haben. Das muss man auch mal anerkennen. Da sieht man die Qualität.”

Danach war der Kölner Widerstand gebrochen: Kater statt Karneval. Erst recht, weil Jubilar Deniz Undav in der Nachspielzeit seinen 48. Treffer im hundertsten Spiel erzielte. Und das auch noch in typischer Undav-Manier. Bruddler werden sagen, es hätte mindestens das 50. Tor sein müssen.

Was bleibt? Das gute Gefühl, dass der VfB Stuttgart im Jahr 2026 weiterhin liefert. Wettbewerbsübergreifen zehn Partien gespielt und sieben davon gewonnen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Und die am Donnerstag in Glasgow gerne ausgebaut werden darf.

Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

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4 Kommentare

  1. fritzo62 sagt

    Undav gehört mit seinen Tricks eigentlich in die Charts als Entertainer. Ein Lied mit ihm hätte ich schon: wie heißt die Mutter von Deniz Undav? Mama Undav, Mama Undav!
    Mehr Hits? Bitte Vorschläge!

  2. Achim Herzblutfan sagt

    Ja, das Ergebnis gegen Köln hat mich sehr gefreut und damit bleiben wir in der Spitzengruppe.
    Chapeau!
    Aber: Als Vorbereitung für das Hinspiel EL gegen Celtic vollkommen ungeeignet.
    Habe mir paar Highlights von Celtic angeschaut. Alter Schwede!
    Stärken Celtic: hohes Pressing und früher Druck auf den Gegner, temporeiches Flügelspiel und absoluter Einsatzwille.
    Hart im Austeilen und hart im Nehmen.
    Frei nach “Highlander”: Es kann nur Einen geben.
    Players to watch: Abwehr Nr.22 Araujo, Mittelfeld Nr.8 Nygren und Nr.27 Engels,
    Angriff die Aseaten Nr.13 Yang und Nr.38 Maeda.
    Schwächen Celtic: bei schnellem Umschaltspiel des Gegners ( also das,was der VfB gerade nicht kann, also Nübels minutenlang Überlegungen zur Spieleröffnung) und sie scheinen beim Elferschiessen schwach. Könnte im Rückspiegel relevant werden.
    Torwart Schmeichel ist 39,also kurz vor scheintot,aber immer noch ein toller Keeper.
    Wie sollte der VfB spielen?
    1. Schnelle geradlinige Spieleröffnungen,evtl.mit langen Bällen hinter die ersten Kettensäge
    2. Laufduelle auf den Aussenbahnen gewinnen. Viel kommt bei Celtic über links,also Leweling und Vagnoman/Assignon Hallowach!
    3. Die wenigen Torchancen,die sich bieten werden, verwandeln. Hallo Deniz,hallo Jamie.
    4. Das Spiel hat 90 Minuten plus Nachspielzeit. Volle Konzentration über 90+5 !!!!!! Ein Rumdümpeln wie gegen St.Pauli wird der Playoff-Killer.
    Ich fiebere Donnerstag schon entgegen.
    Ich brauche wahrscheinlich viel Süsses für mein Nervenkostüm.soviel zum Thema Karneval.
    Mein Tip : 1:2. 😏

  3. Ronny sagt

    Alarmmodus wieder aus, aber Undav hat mich in der ersten Hälfte mit seinen Spielereien zur Weißglut gebracht, so etwas kann Punkte kosten, aber zum Glück haben wir dennoch den 3er eingefahren. Jetzt fehlen uns noch 16-18 Zähler und wir sind sicher in der Europa League, alles darüber hinaus wäre ein fetter Bonus. Nun bin ich auch sehr gespannt, wie wir im Hexenkessel von Glasgow zurecht kommen.

  4. Rainer Vogt sagt

    Oh wie schön, bin immernoch im Köln-Rausch. ab der 86. Minute wie damals mit Legendo. Die letzten Heim-Spiele bieten Spektakel pur gegen Schlusspfiff hin.
    Bei Handspiel im Strafraum, ganz besonders für Aktionen ohne direkten Torschuß, wünsche ich mir einen Systemschiedsrichter im Videokeller. Gleiche Strafe für gleiche Vergehen! Ohne das Führichhandspiel hätte es für ein Unentschieden gegen St. Pauli gereicht!

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