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Ein Sieg wie unter Korkut und Kramny

Die Geschichte VfB gegen Werder Bremen ist reich an spektakulären Spielen. Da ist 2015 der 3:2-Sieg mit einem Last-Minute-Tor von Daniel Ginczek nach Vertikalpass von Serey Dié, drei wichtige Punkte für den damaligen Klassenerhalt. Natürlich das 6:0 in der Saison 2010/2011 unter Jens Keller, einem der wenigen überzeugenden Spiele unter ihm. Das 6:3 mit einem Hattrick von Mario Gomez 2008 nicht zu vergessen, selbstverständlich das 4:1 in der Meistersaison, als Ludovic Magnin mit rechts (!) ein Tor gelang. Und natürlich das unvergessene 4:4 als Marcelo Bordon 2004 gleich drei Tore erzielte. Das 1:0 am 27. Spieltag der Saison 2020/2021? Es wird in den Fußballgeschichtsbüchern stehen, weil der VfB damit seinen 750. Bundesligasieg errang. Aber mehr nicht, die Herzen hat dieser Sieg nicht erreicht. Aber er steht für die Erkenntnis, dass der VfB auch dreckig kann, mit Kacktor und ohne großes Spektakel. Gegen Hertha und Wolfsburg hatte der VfB diese Saison schon so ein Dreckstor bekommen, eins haben wir also noch gut. Ein Sprint von Gonzalo Castro bringt die Entscheidung. Ja, richtig gelesen. Der Kapitän holt …

Die Büffel gezähmt

Bei den letzten Duellen gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 2018/2019 wurde der VfB von der sogenannten Büffelherde überrannt. Unter der Wucht von Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastian Haller sind die Stuttgarter regelrecht zusammen gebrochen. In der Saison 2020/2021 zeigt sich der VfB widerstandsfähiger: Im Hinspiel ein 2:2 nach 2:0-Führung, am 24. Spieltag ein 1:1 nach 1:0-Führung. Der VfB hat die Büffelherde 2.0 gezähmt. Zugegeben, die Frankfurter Büffel haben nicht mehr ganz die Wucht wie vor zwei Jahren. Aber mit dem zurückgekehrten Jovic, dem Portugiesen André Silva, dem wuseligen Amin Younes und einem gewissen Filip Kostic verfügt die Eintracht immer noch über eine furchterregende Offensive. Dieser Kostic: Über ihn schrieben wir einst, er sei der George Best des Balkans, bezeichneten ihn als serbische Rennmaus und meinten, er bräuchte lediglich eine Lücke so groß wie der Hintern von Kim Kardashian, um sich Platz für seine ausufernden Flügelläufe zu verschaffen. Gegen den VfB schaffte er es, zwei identische Tore zu schießen, was sonst in der Bundesliga nur Wataru Endo beherrscht. Ein Tor kassierte ein Glück der …

Kobel, du bist so ein Gott, Junge!

Erstaunlich: Der VfB am 23. Spieltag im Gleichschritt mit Bayern München. Beide mit einem 5:1, beide mit schwierigen Phasen, in denen der Gegner die Wende hätte schaffen können. Beide nur in der ersten Hälfte souverän, beide mit Joker-Toren, beide mit Siegen, die letztlich zu hoch ausfielen. Aber beide erledigten ihre Pflichtaufgabe, das war besonders beim VfB schon ganz anders, Stichwort „Aufbaugegner“. Schalke 04 kam mit einem Trainer ins Neckarstadion, der beim VfB durchaus Spuren hinterlassen hat: Als Nachfolger von Markus Babbel kam Christian Gross im Winter 2009, in 19 Spielen unter dem Schweizer gelangen 14 Siege und drei Unentschieden. Nur gegen Vizemeister FC Schalke 04 und den HSV gab es Niederlagen. Keine Mannschaft spielte in dieser Saison eine so erfolgreiche Rückrunde wie der VfB. Das Highlight war sicher das Champions League-Hinspiel gegen Barcelona, als der VfB die Katalanen am Rande einer Niederlage hatte. Gross forderte stets absoluten Einsatz: „Ich verlange von meinen Spielern immer volle Leidenschaft“. Er galt als hart, aber herzlich und legte großen Wert auf Disziplin. Es ist traurig anzusehen, wie der Schalker …

All you need is love

Abseits des Platzes ist es aufregend genug, so dass ein Spiel wie gegen den 1. FC Köln ganz wohltuend ist. Vor dem Fernseher dösen, nur bei zwei Aufregern aufwachen: Die Ruhrnachrichten berichteten davon, dass Sven Mislintat 2022 als Nachfolger von Michael Zorc bei Borussia Dortmund im Gespräch ist und dann das Tor des Tages von Sasa Kalajdzic nach einer wie immer bornösen Freistoß-Flanke von Sosa. Letzte Woche noch kassierte der VfB gegen Hertha BSC den späten Ausgleich, so hatte Köln lediglich zwei Torchancen durch Emmanuel Dennis und Salih Özcan. Wobei der Lerneffekt aus dem Berlin-Spiel nicht allzu groß war: Auch wenn die Kölner sich insgesamt ziemlich harmlos präsentierten, wurde es gegen Ende doch noch knapp, auch weil Umschaltmomente nicht konsequent genug ausgespielt wurden und die Abwehr ein bisschen zu tief und sorglos stand. So eine Gurke wie von Berlin letzte Woche bekamen die Geißböcke aber zum Glück nicht hin. Aber einem schwachen Gegner wie Köln, auf den man mit einem Sieg den Vorsprung auf acht Punkte ausbauen kann, sollte man keine Gelegenheit für einen Glückstreffer …

Wieso, weshalb, varum?

Die fünf Tore hat kein Schiedsrichter oder Video-Schiri zu varantworten, sondern sind auf gravierende Abwehrmängel und individuelle Fehler zurück zu führen. Aber varum werden Handelfmeter nicht für den VfB gepfiffen, meine Frage! Das var keine gute Leistung des VfB, keine Frage. Vor allem in der ersten Halbzeit var das gar nichts gegen einen Gegner, der alles andere als in Form var, der vier der letzten fünf Spieler verlor und zuletzt erstaunliche Probleme hatte, ein Tor zu schießen. Haken wir gleich die erste Halbzeit ab, oder? Denn wie der VfB im zweiten Abschnitt begann, var durchaus respektabel: griffiger, zielstrebiger, durchschlagskräftiger. Belohnung der Anschlusstreffer von Sasa Kaljdzic, der sich nicht vom Ball trennen ließ und dann mit einem Drahdiwaberl im Fußgelenk zum 2:1 traf. Leverkusen var merklich angeknockt und dann die Szene in der 56. Minute: Kalajdzic schießt aus einem Meter Timothy Fosuh-Mensa an die Hand, die er nicht vor sein Gesicht hielt (wie Kerem Demirbay nach dem Spiel meinte), sondern über der Schulter. Nach aktueller Regel ist das ein elfmeterwürdiges Handspiel. Anstatt dessen läuft der Konter …

Zu viel kann, zu wenig muss

Es sind kleine Szenen, die solche enge Spiele entscheiden: Daniel Didavi steht beim vermeintlichen 2:0 einen Fuß breit im Abseits, Fabian Bredlow rutscht vor dem 1:2 unglücklich aus, beim nicht ganz so eindeutigen Handspiel von Stefan Lainer in der Nachspielzeit können sich weder Schiri noch VAR zu einer Elfmeterentscheidung oder zumindest einem Review der Szene durchringen. Um gegen Borussia Mönchengladbach zu bestehen, muss aber alles passen. Da reicht ein weiteres unwiderstehliches Solo von Silas nicht. Ja, Silas ist beim VfB der Mann der Woche. „Wir haben über Restverteidigung gesprochen“, sagte Gladbach-Trainer Marco Rose nach dem Spiel. Aber diesen Rest ließ Silas kümmerlich aussehen, wie Zuschauer wirkten sie bei seinem Tor in der 3. Minute. Wahrscheinlich wollen sie das Tor aus nächster Nähe genießen. Nicht mal der mitgelaufene Nico Gonzalez konnte da sauer sein, weil Super-Silas nicht abspielte. Aber eine herausragende Silas-Szene ist leider zu wenig gegen einen Champions League Kandidaten. Gegen die in 2021 noch ungeschlagenen Gladbacher müssen die Chancen von eben Didavi (1. Halbzeit) und Sasa Kalajdzic (2. Halbzeit) genutzt werden. We call him …

Die Chancen-Sünder von der Alm

„Die SpVgg Greuther Fürth hat ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt und den VfB Stuttgart vor heimischem Publikum verdient mit 2:0 besiegt. Während die Gäste aus dem Schwabenland optisch tonangebend waren, aber aus ihrem Ballbesitz viel zu wenig machten, arbeitete sich das Kleeblatt in die Partie hinein und zwang den VfB schlussendlich mit der clevereren Spielanlage in die Knie.“ Das schrieb der kicker zur Niederlage am 25. Spieltag in der letzten Saison und könnte so etwas ähnliches auch nach dem 17. Spieltag der Bundesligasaison 2020/2021 schreiben. Zweite Liga, das liegt dem VfB einfach nicht. Der Gegner überlässt den Stuttgartern den Ball, ständig wird mit langen Bällen die eigene Pressinglinie überspielt, in der Offensive gibt es keine Räume. Man muss es so klar sagen: Auch in der zweiten Liga wird mangelnde Spannung bestraft, wie gegen Bielefeld die Weigerung zu verteidigen von Borna Sosa beim 2:0 und Philipp Klement beim 3:0. Das war lediglich Begleitservice der beiden, es hätte nur noch gefehlt, dass sie Ritsu Doan ein Getränk angeboten hätten („Kaffee oder Tee?“). Die Niederlage gegen Arminia Bielefeld fühlte …

Sie geben einfach nicht auf

Wie gegen Hoffenheim und Union Berlin schafft der VfB in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Interessant: Immer waren der Kopf oder die Füße von Sasa Kalajdzic beteiligt. Er ist der Mann für die Crunchtime, so etwas wie die laufende Zweimeter-Brechstange, wenn Spiele noch einmal gedreht werden sollen. Der VfB ist wie Borna Sosa: Es gelingt nicht alles, es passieren Fehler, aber von Rückschlägen lässt sich der Kroate nicht entmutigen. In der 34. Minute begeht Sosa ein selten dämliches Foul an Stefan Lainer, das zu einem Strafstoß und zum 0:1-Rückstand führt. Aber Sosa lässt den Kopf nicht hängen, ist vor allem in der zweiten Halbzeit auf seiner linken Seite offensiv deutlich aktiver und gefährlicher als Kollege Silas auf rechts. Sosa geht weiter mutig ins Dribbling, schlägt viele Flanken in den Strafraum und ist defensiv nicht etwa zaghaft und unsicher, sondern solide und ernsthaft. Dass man das einmal über den 22-jährigen sagen würde, war vor einem halben Jahr wirklich nicht abzusehen. Borna und ernsthaft? Das schien sich bis vor kurzem noch auszuschließen. Für das 3.000 Bundesligator des …

Sie wollen einfach nur spielen

Angstgegner? Trainerkiller? In dieser Saison ist so vieles anders beim VfB. Eine Mischung aus Widerstandsfähigkeit und Spielfreude bringt dem in grün spielenden VfB nach dem Sieg beim FC Augsburg Platz 1 in der Auswärtstabelle. Auf den Spielzug in der 29. Minute ist sogar Usain Bolt neidisch: Einem Traumpass von Marc-Oliver Kempf folgt ein unwiderstehlicher Sturmlauf von Borna Sosa und ein wunderbares Zuspiel des Kroaten auf Silas, der cool zum 0:2 einschiebt. 11 Sekunden dauerte das, schneller ist nur der jamaikanische Olympiasieger – ohne Ball wohlgemerkt. Eine schnörkellose Kombination, die symbolisch für den VfB in der Saison 2020/2021 steht. Schnell, direkt, selbstbewusst. Ich würde den Pass von Kempf gern heiraten. — Philipp Maisel (@philmaisel) January 10, 2021 Bis auf ein paar Situationen seriös in der Abwehr mit einem einmal mehr überzeugenden Waldemar Anton und offensiv heißt das Motto beim VfB „Ich geb’ Gas, ich will Spaß!“. Es ist die reine Spielfreude, die dann letztlich auch weitere Tore verhindert. Manchmal hat man den Eindruck, der VfB spiele extra-schön für die Fans, die nicht im Stadion sind, um …

Kobels Energieleistung reicht nicht

„Wichtig ist auf dem Platz“, sagte Otto Rehhagel oder Karlheinz Feldkamp oder ein anderer Fußball-Philosoph aus einer anderen Zeit. Wenn kurz vor Anpfiff Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt via Twitter so etwas wie eine klitzekleine Annäherung beziehungsweise Gesprächsbereitschaft andeuten, dann wird das Geschehen auf dem Platz trotzdem kurzfristig zweitrangig. Was vielleicht auch am Gegner liegen könnte. Er hieß RB Leipzig und für viele ist die Partie gegen den Brause-Club reine Energieverschwendung. Der Rasen sieht aus als ob Vogt und Hitz ihre Schlammschlacht der vergangenen Tage da drauf ausgetragen haben 🤔#VfB #VfBRBL — FörsterGoat (@vfbtom) January 2, 2021 Die prickelnde Energieleistung von Gregor Kobel hat leider nicht gereicht, um gegen Leipzig zu punkten. Seine artistische Parade beim Elfmeter von Emil Forsberg war nur die spektakulärste Aktion. Bereits in der dritten Minute verhinderte er einen Rückstand. Den Schuss von Angelinho hätte wohl kein VfB-Torhüter der letzten Jahre gehalten. Nicht Zieler, nicht Langerak, erst recht nicht Tyton und Ulreich, selbst Lehmann wäre in seinem fortgeschrittenen Alter nicht mehr so schnell ins Eck geflogen. Kobel hielt den VfB lange …