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Herzlich willkommen, Neuanfang!

Wie es ist, ohne die drei Keyplayer Borna Sosa, Sasa Kalajdzic und Orel Mangala zu spielen, ohne den Signature-Move „Flanke Sosa, Kopfball Kalajdzic“, das haben wir in Dresden gesehen. Das Ergebnis: Eine Runde weiter im Pokal. Die Erkenntnis: Der VfB zeigt einen anderen Spielstil und mit ein bisschen mehr Glück und Konsequenz wäre es ein lockerer Pokalauftritt gewesen. Voraussetzung: bessere Entscheidungen in der Offensive.

Ich fragte mich vor dem Spiel: Wird es ein Desaster wie in der Zweitliga-Saison 2016? Oder ein Freakspiel und eine Aufholjagd mit Happy-End wie 2017? Es wird schließlich eine ähnliche Nummer wie am 29. Spieltag der Saison 2019/2020, als der VfB 2:0 in Dresden gewann, nach Toren von Hamadi Al Ghaddioui und Darko Churlinov. Der Nord-Mazedonier erneut treffsicher, er spielt eine Art Hybridrolle, einerseits als zweite Sturmspitze neben Tiago Tomas, aber oft auch eher hinter ihm, um sich am Kombinationsspiel zu beteiligen. Für Churlinov ist es ein Neuanfang nach seiner Leihe zu Schalke 04. Sein Wert für die Mannschaft ist deutlich höher nach seiner Rückkehr aus dem Kohlenpott. Dadurch, dass er viele Positionen spielen kann, ist er nahe an die Startelf gerückt.

Erst seriös und solide, dann mit merkwürdigem Spannungsabfall und einem Mann weniger, zum Schluss eine enge Kiste. Der VfB macht es unnötig spannend, auch wenn es in erster Linie die gelb-rote Karte für Waldemar Anton ist, die dem Spiel eine andere Richtung gibt. Ein völlig berechtigter Platzverweis. Aber er passte nicht so richtig zur Linie von Florian Badstübner, der einige taktische Fouls nicht mal mit einer Verwarnung ahndete. Wie sich Anton die erste gelbe Karte holt? Mit einer völlig überflüssen Aktion, aber der Innenverteidiger wird selbst wissen, dass das nicht besonders clever war. Auch wenn man zugeben muss, dass nicht viele Schiris das mit Gelb bestrafen.

Das Spiel ist ein anderes als sonst beim VfB. Veränderung braucht einen klaren Kopf und den hat der VfB von Anfang an. Ein guter Plan ist mehr als eine Idee: Dynamo steht tief und der VfB kombiniert sich flüssig durch die Abwehrketten, ist auch griffig in den Szenen, in denen sich Umschaltmöglichkeiten bieten. Aber irgendwas ist immer: Der erste Kontakt von Silas unsauber, Chris Führich verdaddelt den Ball, ein Pass wird nachlässig und ungenau gespielt, ein Laufweg stimmt nicht oder Aluminium verhindert den Treffer, wie beim Schuss von Tomas in der 38. Minute. Da steht es schon 0:1, nachdem Josh Vagnoman in der Mitte Churlinov bedient hatte. Der Neuzugang aus Hamburg hat mir sowieso gut gefallen, er macht viele Tiefenläufe, auch wenn er oft übersehen wird. Und er ist einer, der sich nichts gefallen lässt und eine gewisse Körperlichkeit reinbringt, das brauchen wir beim VfB.

So wie es für die Mannschaft hinsichtlich des Spielstils ein Neuanfang ist, so ist es auch einer für Naouirou Ahamada. Vor zwei Jahren von Juve gekommen, oft und lange verletztt, scheint es so, als ob der junge Franzose endlich angekommen ist. Er zeigt eine solide Partie in Dresden, natürlich ein ganz anderer Spieler als Mangala, weniger strategisch, aggressiver im Auftreten, mit mehr Präsenz rund um den gegnerischen Strafraum, wenn auch noch längst sich so auffällig wie in den Testspielen in der Vorbereitung.

In der Schlussphase steht bei Pascal Stenzel und Enzo Millot zwei Mal das Aluminium einem Treffer im Weg. Deshalb machte ich mir noch Sorgen, dass es wieder Manuel Schäffler ist, der dem VfB eine einschenkt. Denn darin hat er Erfahrung, er schoss drei Tore bei den 2:1 Siegen von Wehen Wiesbaden gegen den VfB in der Zweitligasaison 2019/2020. Dresden jedoch im gesamten Spiel nur mit einer wirklichen Chance kurz vor der Halbzeit, als in einem Durcheinander nach einem Eckball Michael Akoto aus drei Metern schießt, Anton aber den Ball blocken kann. In der Schlussphase mit einem Mann mehr zeigt sich dann wie limitiert Dynamo ist. Trotz verstärktem Druck fehlen den Sachsen letztlich die Mittel, das VfB-Tor wirklich in Gefahr zu bringen.

Fazit: Keine lockere erste Runde wie letztes Jahr, weil sich der VfB selbst in Schwierigkeiten brachte. Trotzdem ein guter Pflichtspiel-Auftakt gegen Dresden. Ein Auftritt, der gegen Leipzig allerdings zu nichts Zählbarem führen wird. Gegen den Pokalsieger kann sich der VfB keine Nachlässigkeiten erlauben, er darf in keiner Phase des Spiels zurückstecken, was gegen Dynamo noch ohne Folgen blieb. Pellegrino Matarazzo hat gesehen, wo es noch Verbesserungspotential gibt. Mit 90 konzentrierten Minuten klappt es nächsten Sonntag vielleicht mit dem ersten Tor gegen Leipzig. Und womöglich auch zu mehr. Es wird spannend, wie sich der VfB gegebenenfalls ohne Kalajdzic gegen die bullige Abwehr von Leipzig schlagen wird. Ich freue mich schon auf das Duell zwischen Juan Perea und Willy Orban. Der Kolumbianer wird dem Leipziger Kapitän mächtig auf den Sack gehen.

Der Trainer selbst zeigte sich durchaus unzufrieden mit der Leistung seines Teams in der zweiten Halbzeit:

Zum Weiterlesen:
Stuttgart.International bescheinigt dem VfB, den Härtetest bestanden zu haben, weist aber auch darauf hin, dass das dritte Jahr in der Bundesliga nicht leichter werden wird als das zweite.

Bild: Thomas Eisenhuth/Getty Images

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11 Kommentare

  1. Fritz sagt

    Kann nicht ganz nachvollziehen, wo die positiven Bewertungen des Spiels herkommen. Das Spiel reiht sich nahtlos an die uninspirierten Auftritte der letzten Saison ein. Kaum offensive Ideen, selbst gegen einen Drittligisten, wenig Kreativität, Unmengen technischer Fehler, Dribblings die hängenbleiben, etc etc. Ich sehe leider gar nicht, was sich hier positiv verändert haben soll – und jetzt bitte nicht die üblichen Entschuldigungen, a la der Pokal hat eigene Gesetze oder es war ja nur das erste Spiel…

    • Ronny sagt

      Wir hatten so wenig Kreativität, dass es noch 3 Pfosten bzw. Lattenkracher gab ! Leverkusen und Köln, welche international vertreten sind, sind rausgeflogen, also hat der Pokal doch seine eigenen Gesetze !

    • neckarrebell sagt

      Das ist deine Sicht der Dinge. Wenn man es positiv sehen will, kann man auch feststellen, dass wir nicht erst ein Gegentor bekommen mussten um ins Spiel zu finden. Und mal ehrlich: bis zum Platzverweis war auch keine ernsthafte Gefahr da sich eins zu fangen. Die defensive Stabilität war zu erkennen – auch ohne Sosa und Mangala.

      Und vorne sollte man nicht vergessen, dass mit Führich der älteste Spieler gerade mal 24 ist. Und wenn der bereits auf dem Niveau von Sasa kicken würde – ja dann wäre er im September kein Spieler mehr im Brustring ;-)
      Potential ist da, Erfahrung fehlt. Eins von beidem ist leichter zu entwickeln.

    • Megerle Alois sagt

      Ich bin voll bei dir!
      Auch habe nicht diese rosarote Brille auf, wie manche Kommentare.
      Bei Führich sehe ich immer wieder, diese Ballverluste, nach Dribblings.
      Einige Spieler sind kleine Ich AG’s, sehen nicht besser positionierte Mitspieler. Besonders unsere Stürmer. Aber ich lass mich überraschen, wie sich die Saison entwickelt.

  2. Konny sagt

    Völlig nüchtern betrachtet, hätten “wir” Dresden an die Wand spielen können, wenn wir zwei Halbzeiten mit der gleichen Konstanz und Intensität gespielt hätten.

    Was mich im letzten Jahr schon ziemlich genervt hat und vor dem ich “warnen” möchte, ist die Spielbewertung “danach” von Sven Mislintat. Super Spiel, super Fight, scheiß Schiri Fehlentscheidung in Sachen Anton.

    Er tut Anton und seiner Mannschaft keinen Gefallen, wenn er dem Schiri die Schuld für die Ampel gibt. Genau aus diesem Grund standen “wir ” im letzten Jahr in einer laufenden Abwärtsspirale, weil die “Mannschaft” immer super, super, super gespielt hat und immer jemand anderer (Schiedsrichter im Besonderen) schuld an einer der vielen Niederlagen war.

    Anton hat sich unprofessionell / unsportlich verhalten und zurecht gelb rot gesehen, unabhängig wie vorher gepfiffen wurden. Wir wissen außerdem nicht, wie oft der Schiri vorher schon alle Augen zugedrückt hat. Genau diese individuellen Fehler haben uns in der letzten Saison einige Punkte gekostet und sollten dringend angesprochen und abgestellt und nicht schon wieder schöngeredet werden. Rino hat das nicht getan, was mich hoffen lässt…

  3. fritzo62 sagt

    Sehe ich alles wie meine 4 Vorschreiber. Die 2. HZ wat der Käse der letzten Saison – kein Pass kam mehr an, ziemlich uninspiriert. Besser hingegen ist die Tiefe das Kaders, und ich hoffe dass dieser Fakt uns vor dem Abstieg rettet.

  4. neckarrebell sagt

    In dem Spiel war mal wieder alles drin was der VfB zu bieten hat. Die erste Halbzeit lässt durchaus hoffnungsvoll auf die neue Spielzeit blicken. Der VfB hat schnell die Kontrolle auf dem Feld übernommen und durchaus ansehnliche Ansätze in der Offensive gezeigt. Schön zu sehen, dass Silas wieder auf einem guten Weg ist. Auch hat man die Ausfälle von Sosa, Mangala und Kalajdzic weniger gespürt als ich es befürchtet hatte – klar es ging “nur” gegen einen Drittligisten. Kann mir vorstellen, dass in der Bundesliga da zunächst der Qualitätsverlust deutlicher zu spüren ist.

    Die Gelb-Rote ist ohne Frage richtig dumm gewesen. Weiß nicht was Anton da geritten hat. Kurzeitig hatte ich Flashbacks an Badstuber und Kempf. Unnötiger als die Aktion selbst war eigentlich nur, dass das Foul gar nicht im gefährlichen Raum stattgefunden hat und genügend Verteidiger zur Stelle waren. Ich kann aber auch die Sicht von Mislintat verstehen – die Bewertung der Aktion des Schiedsrichters passt nicht zu seiner restlichen Linie.

    Was danach passiert ist kann ich mir nach wie vor kaum erklären. Obwohl der VfB durch Stenzel sofort wieder defensiv sortiert war, hat man die Spielkontrolle aufgegeben. Warum? War die Angst vor dem Verlieren wieder größer als die Lust zu gewinnen? Ich erwarte keinesfalls dass eine junge Mannschaft zu zehnt den Gegner an die Wand spielt. Eine Trotzreaktion war aber so gar nicht zu erkennen. Hier kann Rino noch nachjustieren. Vielleicht muss er das auch. Der psychologische Aspekt scheint mir hier der Knackpunkt zu sein. Wenn die Mannschaft in der Bundesliga nach einem Rückschlag so einknickt sind Punkte nicht drin.

    Die Chancenverwertung ist nach wie vor problematisch. Wenn man sich das Alter der Spieler und ihre Erfahrung mal anschaut bin ich aber fein damit. Das ist nur der Ist-Zustand. Ich knann mir vorstellen, dass im laufe der Saison bei dem einen oder anderen noch der Knoten aufgeht. Perea braucht vielleicht noch eine “Übergangssaison” – Führrich und Tomas haben mir schon richtig gut gefallen.

  5. Clemens sagt

    Die Bewertung fällt gewohnt überkritisch aus. Die 1. HZ hat der VfB eine wirklich gute Leistung abgeliefert. Laufwege passten, man konnte eine Spielidee erkennen. Man könnte natürlich einen gewissen Übermut hineininterpretieren, wenn man sich einige Abschlussversuche im Nachhinein anschaut. Aber geht der Schlenzer von Silas oder der Lattenkracher von Tomas rein, sprechen alle von einer souveränen Vorstellung der Schwaben.

    Ärgerlich war der Spannungsabfall in der 2. HZ. Aber Matarazzo hat in einem Interview nach Spielende mit einem Schmunzeln auf beharrliche Nachfrage geantwortet, dass bei einigen Spielern offensichtlich die Kräfte nachließen und sich somit Ungenauigkeiten im Passspiel ergaben und die Spritzigkeit im Antritt nachließ. Das halte ich so kurz nach dem Trainingslager als Begründung für durchaus plausibel. Hauptsache am kommenden Sonntag ist die Mannschaft auch kräftemäßig voll auf der Höhe. Der Platzverweis von Anton war natürlich dämlich (zumindest die erste Gelbe wegen Zeitspiels). Aber aus der Verfehlung eines einzelnen das große Ganze schon wieder in Zweifel zu ziehen, gehört wohl beim VfB ganz einfach dazu.

  6. Konrad sagt

    Mir zumindest geht es absolut nicht darum “alles” in Frage zu stellen. Ich finde viele Schritte sehr positiv und bin überzeugt, dass einiges neu sortiert und neu umgesetzt wird. Cool wäre der neue Innenverteidiger, der gerade durch die Medien schwebt.

    Es geht nur darum nicht schon wieder Ausreden (scheiß Schiri, mangelnde Fitness kurz nach Trainingslager…) zu suchen. Es geht darum Lösungen zu finden, dass man taktische Fouls sinnvoll dosiert und die Grundspannung über 90 min hält. Genau das war ja das Problem der letzten Saison. Hat Rino aber selbst gesagt, dass er darüber extrem enttäuscht war und das gegen Leipzig nicht geht.

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