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Leichtes Spiel gegen den schönen Bruno

Berlin ist ja sowas wie eine Außenstelle von Stuttgart. Bruno Labbadia, Vedad Ibisevic, Santi Ascacibar, bis vor wenigen Monaten noch Jürgen Klinsmann. Am 4. Spieltag ist Stuttgart das bessere Berlin. Das wussten wir zwar schon vorher, aber die Souveränität des zweiten Auswärtssieges ist schon erstaunlich.

Bruno Labbadia hat in Stuttgart nicht den besten Ruf. Er klagte gerne über die (finanziellen) Umstände, ließ unattraktiven Fußball spielen, hatte meist kein Offensivkonzept und seine ersten Spielerwechsel vollzog er erst ab der 80. Minute, nachdem er sich ewig mit seinen Co Eddy Sözer abgesprochen hatte. Trotzdem ist er der Trainer mit der längsten Amtszeit beim VfB in den letzten zehn Jahren. In Berlin hat er es auch nicht leicht: Hohe Erwartungen, ein spät zusammen gestellter Kader und ein Spieler wie Cunha, der sich selbst für Neymar hält, die einzigen Ähnlichkeiten aber der akkurat gestutzte Bart, die fein gezogenen Augenbrauen und die geschmacklosen Tätowierungen sind.

Er hätte sich ein Beispiel an Tanguy Coulibaly nehmen sollen. Er ist die pain in the ass für die Berliner. Spiel- und lauffreudig, giftig im Zweikampf, er zieht immer wieder Fouls, beschäftigt stets mehrere Gegenspieler. In der zweiten Halbzeit geht ihm dann ein bisschen die Luft aus, aber Coulibaly macht ein starkes Spiel. Ich hatte das nicht erwartet nach den Eindrücken der letzten Saison. Er hat nicht den nächsten Schritt gemacht, er hat gleich zehn Schritte nach vorn gemacht, sehr beeindruckend.

Berlin hat durchaus die höhere individuelle Qualität, aber entwickelt kaum richtige Torgefahr. Ist es wieder das fehlende offensive Spielkonzept von Labbadia? Der VfB dagegen lässt einige Konter liegen, vor allem Daniel Didavi fällt mit verdaddelten Pässen auf. Li Egloff (mit Bundesligadebüt in der Endphase) und Philipp Klement (90 Minuten auf der Bank) können das auch nicht schlechter machen. Die Spielanlage des VfB wirkt insgesamt reifer, was angesichts des Durchschnittsalters von 25,1 Jahren als Widerspruch erscheint. Es wird gemeinsam angelaufen, da werden Räume verdichtet, nicht nur Coulibaly hat Mut im 1:1, auch Silas, Orel Mangala, Wataru Endo und Gonzalo Castro. Der erobert sich vor dem 0:2 in einem Zweikampf an der Mittellinie erst den Ball und zirkelt das Ding dann mathematisch anspruchsvoll ins linke Eck.

Auf der linken defensiven Außenbahn hat der VfB vor allem nach der Halbzeit ein Problem, in der Abwehr allerdings gibt Ata Karazor einen astreinen Libero. Nachdem er in der Anfangsphase beim Rausrücken einen gefährlichen Hertha-Spielzug mit einer beherzten Grätsche verhindert, spielt er stabil, souverän und selbstbewusst in der Abwehrmitte. So souverän, wie der VfB in Berlin gewinnt.

Das ärgert Bruno ungemein und er ist dann ein schlechter Verlierer, als er nach der Partie larmoyant klagt, Hertha hätte einen guten Start gehabt (wie bitte?) und der VfB wäre nicht wirklich die bessere Mannschaft gewesen (WTF?). Eine echte Torchance der Berliner? Gabs nicht. Amateurhafte Fehlpässe im Aufbauspiel? Gabs mehr als Haken und Finten von Coulibaly. Und der zeigte gegen Berlin davon jede Menge. Klar, der schöne Bruno ärgert sich, dass er nicht seinen 100. Bundesligasieg als Trainer feiern konnte. Der VfB dagegen gewinnt seit 2013 wieder bei der Hertha. Die StZ/StN schrieb damals: „Mit einem überragenden Sven Ulreich und einem Kopfballtor von Christian Gentner fügt der VfB Stuttgart der Berliner Hertha die erste Heimniederlage seit 491 Tagen zu und setzt den Aufwärtstrend fort.“ Aufwärtstrend? Das ist die Parallele zu heute, sonst ist alles anders.

Fazit:
Der VfB gewinnt völlig verdient gegen den Big City Club. Der VfB macht Spaß.
Übermütig wird aber deshalb hoffentlich keiner.

Das VertikalGIF zum Spiel findet ihr hier.

Foto: Maja Hitij (Getty Images)

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15 Kommentare

  1. Motzbackenbruddler sagt

    Das war echt schön heute; und irgendwie beruhigend, dass auch andere außer Sasa oder Silas die Tore machen können. Gegen die Hertha muss man zwar eigentlich nicht gewinnen, aber wenn es doch so einfach ist… Muss man eigentlich gegen den effzeh auch nicht gewinnen?

  2. Oliver Künzler sagt

    Jaaaaaaaah der VfBeeeeeeeeeeeeeeh… Heiland Zack, gwonna!
    lalalalalalalaaaaaaah, jaaaaaaaah der VfBeeeeeeeeeeeeeeh!!!

  3. Martin Wolters2 sagt

    So geil unser VfB wie früher wo es das magische Dreieck gab oder 2007 einfach geil so packen wir auch die Bayern

  4. Das Gesamtsystem VfB -innen, nach außen,
    auf dem Platz, von ganz oben bis nach unten – scheint zu stimmen und dann gibt
    es auch plötzlich Erfolge. Und es macht Freude! Bitte weiter so…….
    J. Strobel

  5. Willy Schweigert sagt

    So macht unser VFB wieder richtig Spaß mit Fussball zu Spielen und alle Spieler
    Kämpfen zu 100% so muss es sein um die neue Wilde VFB zu werden, da ware es Stadion immer Ausverkauft wenn die Fans rein gehen dürften 👍👍👍.
    So macht es wieder alle Fans jedes Fussball an zuschauen.

  6. zur geschichte gehört auch, dass die hertha irgendwie neben sich stand. ein glück des spielplans, direkt nach der länderspielpause gegen diese müde truppe anzutreten.
    damit soll die insbesondere kämpferisch starke leistung des VfB keinesfalls geschmälert werden: es macht so gute laune der mannschaft dabei zuzuschauen wie sie den nächsten und übernächsten schritt auf einmal macht!

    und jetzt? +6 punkte und +8 tore auf den relegationsplatz. dort steht unser gegner vom kommenden freitagabend – eine woche später geht’s dann zum vorletzten. nach diesen beiden spielen werden wir etwas mehr darüber wissen, ob der VfB in altbekannte hybris zurückfällt, oder ob der aufschwung nachhaltig sein könnte..

    ich meine: sieht ganz gut aus.

    • @abiszet sagt

      Sehe ich genau so. Der Spielplan meint es gut mit dem VfB: Mainz total im Eimer, Leverkusen noch nicht in der Spur, Hertha nur ein Haufen Einzelspieler, viele ausgelaugt nach der Länderspielreise. Nach Köln und Schalke sehen klarer.

    • Andreas F. sagt

      Dito – viel Glück mit dem Spielplan. Gegen FC ist der VfB zum ersten Mal Favorit – schaun wir mal was er mit dieser Bürde anfängt.

  7. Bernd sagt

    Dass es keine Torchance der Berliner gab stimmt nicht, auch wenn zwei der besten Gelegenheiten (Mangala, Kobel) unter kräftiger Mithilfe des VfB zustande kamen. Boyata hat zudem noch nach einer Ecke nur Zentimeter am Tor vorbeigeköpft, wenn in dieser Phase das 1:1 fällt, dürfen wir uns nicht beschweren. xG laut 538 bei 1,4 : 1,5, das spricht auch gegen „keine Torchance“.

    Die große Frage ist jetzt, wie der VfB mit der erstmaligen Favoritenrolle in den nächsten beiden Spielen umgeht. In Liga 2 hat das ja nicht unbedingt immer geholfen. Aber immerhin kann man sich mal ganz entspannt auf diese Spiele freuen (hoffentlich macht Corona keinen Strich durch die Rechnung), das war ja schon sehr lange nicht mehr der Fall.

  8. Elmar Amendinger sagt

    In den vergangenen Jahren haben wir uns oft gefragt warum bei uns gefühlt immer alle Spieler schlechter werden wenn sie erst mal die Luft am Wasen atmen durften. Jetzt sieht es so aus dass seit langem wieder eine sportliche Führung, ein Trainer mit Team am Werk sind, ausgestattet mit der Fähigkeit, Spieler besser machen zu können.

  9. Mathias sagt

    Es macht Spaß und eine (positive!) Entwicklung ist zu sehen. Der Lackmustest werden jetzt die Spiele gegen Köln und Schalke. Zunächst für die Mannschaft – fallen wir zurück in das alte Muster „Aufbaugegner“ und dann für uns – fangen wir bei der ersten Niederlage an zu bruddeln, dass alles schlecht ist und es einfach nicht reicht, mit solch einer unerfahrenen Mannschaft an den Start zu gehen…

  10. Es ist lange her, so enthusiastische Begeisterung für den VfB zu lesen. Selbst in der Presse sind alle voll des Lobes. Gut so! Zumindest kann unsere Truppe nun die Kölner selbstbewusst optimistisch empfangen. Und doch sollte man bei all dem bisher Geleisteten die Kirche im Dorf lassen. Wir sind noch ganz am Anfang der Saison und haben noch richtige Kaliber vor der Brust. Spiele, in denen es zu punkten weitaus schwerer sein wird. Wie heißt es so schön: immer den Ball flach halten! Zuviel des Wassers im Wein? In Gelsenkirchen kann man ja mal nachfragen. Tolle Hinrunde in 2019/20. Dann der Absturz. Ein königsblaues Wunder, dass die Saison rechtzeitig zu Ende was. Bescheidenheit war dort ein Fremdwort bis der Traum von der CL platzte. Ergo: VfB bitte konzentriert und selbstbewusst arbeiten und sich permanent weiterentwickeln. Dann klappt’s. Mit dem Klassenerhalt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  11. drhuey sagt

    Ganz ehrlich: es ist verdammt lang her, dass man so ein gutes Gefühl hatte, wenn der VfB auftritt und das freut mich wahnsinnig. Bis zum Gefühl „wir sind wieder wer“ ist es allerdings ein langer Weg. Die Gegenwehr war in den bisherigen Spielen überschaubar und auch da gab es in jedem Spiel Phasen, in denen der VfB wenig Zugriff und Kontrolle hatte. Alles normal in der Phase einer so jungen Mannschaft. Just sayin’… Positiv stimmt mich, dass wir ganz offensichtlich einen leistungswilligen Kader haben und ein Führungstrio, das in der jeweiligen Funktion diesen Leistungswillen vorlebt und darüber hinaus seit so vielen Jahren dem VfB wieder eine Kultur einpflanzen können, die mittelfristig trägt. Aufbruch heisst ja nicht, dass es linear nach oben geht, aber mit jedem Erfolg wird diese Mannschaft ein kleines bisschen sicherer. Es fühlt sich neu an und ich möchte mehr sehen von dieser geilen Truppe!

  12. Clemens sagt

    VfB Stuttgart 2020: Leidenschaftlicher Einsatz sowie Spielglück in den richtigen Momenten und eine unbelastete Truppe, in der nicht 10-15 Spieler die Last der vielen Jahre des Abstiegskampfes in den Köpfen und auf ihren Schultern tragen. So frei im Kopf kann man auch mal mit Rückschlägen umgehen. Und mit jedem weiteren Erfolgserlebnis steigt die Sicherheit, das Selbstbewusstsein und der Glaube an die eigene Stärke.

    Die Rückschläge werden kommen, da bin ich Realist genug. Aber nach den Eindrücken der bisherigen Spiele werden Materazzo und das Team auch solche Phasen bewältigen. Der VfB in dieser Saison macht wieder Spaß!

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