Kennt Ihr das? Vor zehn Jahren wäre man ohne großartig nachzudenken mit dem Bus zu einer Europa League Auswärtspartie bei Dnepr Dnepropetrovsk gefahren. Und heute? Nur noch Heimspiele. Nach Möglichkeit immer im gleichen Block und natürlich nie ohne Sitzkissen. Am besten bleibt man sowieso zu Hause und guckt sich das Spiel im Fernsehen an. Was ist nur mit uns passiert? Die Antwort ist einfach: Das Alter. Ich stelle es an mir selbst fest. Denn auch ich bin immer häufiger der Meinung, dass früher alles besser war. Wie so ein alter Mann. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, aber diese neue Form der Spießigkeit, ist wohl das erste Anzeichen für eine beginnende Midlife Crisis.
Nun gibt es verschiedene Wege, dieser Lebenskrise zu begegnen. Man könnte zum Beispiel rebellieren und doch mal wieder ein Auswärtsspiel besuchen. Oder sich mal wieder in einen anderen Block stellen. Wer klein anfangen möchte, der könnte zumindest das Sitzkissen daheim lassen. Oder überhaupt mal wieder ins Stadion gehen. Alles denkbar. Wer wissen möchte, wie man es ganz bestimmt nicht machen sollte, dem sei ein Buch empfohlen. Denn an dieser Stelle gibt es einen Buchtipp, der nur indirekt mit Fußball zu tun hat: Midlife-Cowboy.
Der Protagonist des Buches heißt Tillmann und stellt mit 39 Jahren fest, dass die Reihenhaus-Idylle mit Gartenteich und sein Job in einer Musterhaussiedlung irgendwie doch nicht das Nonplusultra für ihn sind. Trotz hübscher Frau und den zwei Kindern zweifelt er, ob das Spießerdasein das richtige für ihn ist. Deswegen entschließt er sich, sein Leben zu ändern und nochmal richtig die Sau rauszulassen. Mit verheerenden Folgen. Denn natürlich jagt eine Katastrophe die nächste. Und am Ende ist Tillmann der meistgehasste Mensch auf der Erde.
Das Buch aus dem Verlag Bastei Lübbe stammt aus der Feder von Chris Geletneky. Und wer weiß, dass dieser einer der Autoren der Serie “Pastewka” ist, der ahnt schon, was einen erwartet. Ähnlich wie im TV schafft es Chris Geletneky, in dem viele den neuen Tommy Jaud sehen, auch im Buch, den Absturz seines Antihelden zu zelebrieren. Als Leser weiß man gar nicht, ob Schadenfreude, Fremdscham oder einfach Mitleid die adäquate Reaktion ist. Aber im Endeffekt wartet man dann ungeduldig auf das nächste Fettnäpfchen, in das Tillmann garantiert treten wird. Und zwar mit Anlauf.
Ehrlicherweise hatte ich schon lange keinen Roman mehr in den Händen, aber der Midlife-Cowboy ist trotz der stolzen 400 Seiten eine sehr kurzweilige Angelegenheit. Und was ich bei Büchern sehr mag, weil ich abends meist beim Lesen einschlafe: Man kann es wirklich gut kapitelweise lesen. Ein Kapitel, eine kleine bis große Tragödie für Tillmann. Einmal Durchatmen, weil einem selbst so etwas nie passieren könnte. Hoffentlich …
Achja: Wer sich selbst für einen handsome Midlife-Cowboy hält, sollte beim Gewinnspiel von Bastei Lübbe mitmachen: Ihr habt die Chance auf einen Weber-Grill und eins von zehn Buchpaketen. Lohnt sich also.
Den Beinschuss habe ich mir wohl verdient …
Oh, der Artikel sollte wirklich niemanden im besonderen ansprechen. Aber, wenn das bei Dir doch der Fall ist, solltest Du Dir es auf jeden Fall kaufen. :-)