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Fight for your right to party!

Im Battle of Baden-Württemberg macht Jürgen Kramny seine Spieler zu Beastie Boys: Der VfB hat von der ersten Minute an einen Flow oder wie es Kramny bezeichnet „Jeder hat ja heute gesehen, was los war. Das war von Anfang an eine klare Sache.“ Seit DJ Jürgen beim VfB auflegt, geht wieder was, kann der VfB auch Spaß machen – selbst nach einer Woche, die viele zum Haten veranlaßte. Der VfB ist zwar nicht mehr an der Spitze der Rückrundencharts, aber die Spieler haben den Charakter-Test ebenso bestanden wie Kramny den Coaching-Check-up gegen den hochgejazzten Sinsheimer Trainer Julian Nagelsmann.

Der VfB rockt das Nachbarschaftsduell, in Ballnähe herrscht meist Überzahl, die Zweikämpfe werden beastiger geführt als zuletzt gegen Gladbach. Die Ein-Mann-Büffelherde Serey Dié gibt dabei die Punchlines vor und läuft immer wieder die Schnittstellen zu und sorgt für Ballgewinne. MC Schorsch schnappt sich wie selbstverständlich das Mikrofon und macht die Hoffenheimer short mit seinen beiden Treffern zum 1:0 und 3:0. So früh in Führung zu gehen, kommt dem auf Konter und Geschwindigkeit ausgelegten VfB-Spiel natürlich entgegen. Die TSG ist aber durch die Präsenz des VfB regelrecht eingeschüchtert, kaum etwas gelingt, ein Ballverlust reiht sich an den anderen und da die Abwehr sehr weit aufrückt, entstehen große Konterräume.

Filia Kostic macht mal wieder ein Bling-Bling-Spiel, ihm reicht eine Lücke so groß wie der Hintern von Kim Kardashian, um zu seinen ausufendern Läufen anzusetzen. Hoffenheim bietet ihm dagegen Räume in Doppel-D, wie beim 4:1 zu sehen. Das ist Kostic Freestyle at its best: 50 Meter Sprint, zwei Haken, Tor. Fett! Artem Kravets wirkt an den Turntables allerdings unbeholfen und ist noch kein Killa vor dem Tor.

Props gehen dagegen an Daniel Schwaab, der seine Hood genauso im Griff hat wie Niedermeier. Immer wieder sticht Schwaab aus der Abwehrreihe heraus, stellt Gegenspieler, zwingt sie zu Ballverlusten oder Rückpässen. Das Antizipationsverhalten des VfB ist generell hervorzuheben. So fängt Dié einen Ball vor dem 4:1 ab, ebenso Schwaab vor dem 5:1. Er serviert dann einen Pass in den Strafraum, den Timo Werner auf Ex nimmt und versenkt. Seine erste Chance! Plötzlich scheint alles zu gelingen.

Bei Nagelsmann habe ich den Eindruck, dass er möglichst zum Germanys Next Trainer Wunderkind gehypt werden soll. Da wird sich an Zettelbotschaften aufgegeilt und an drei bis drölf taktischen Umstellungen, Fakt ist aber: Hoffenheim verliert 5:1, auch weil es kaum in die wichtigen Zweikämpfe kommt und zwei Standards tölpelhaft verteidigt. Aber Standards scheinen ein bisschen „iiiiihhh“ zu sein, zu old school das Ding, lieber invers verteidigen und unkonventionell abkippen oder wie das bei den Taktik-Gurus heißt. Die Spielverlagerung beschäftigt sich dann auch in erster Linie mit Hoffenheim (siehe hier), erklärt den Sieg mit „Glück (…) und den beiden Ecken-Treffern“, die FAZ nennt die Hoffenheimer planlos (hier), sieht ein Team, das mit Nagelsmanns Matchplan nicht zurecht kommt, was aus meiner Sicht deutlich treffender ist.

Wie gehts mit dem VfB weiter?
Trotz der zurückliegenden Siegesserie und dem geradezu rauschhaften Erfolg gegen Hoffenheim, möchte ich Bruno Labbadia zitieren (ja!): „Wir müssen wissen, wo wir her kommen!“ Das heißt: Es gibt keinen Grund zum Chillen, wie vor dem Hannover-Spiel. Das Spiel in Ingolstadt ist noch nicht gewonnen. Der Aufsteiger hat viele Bitchmoves drauf, es wird ordentlich Beef geben. Deshalb rufe ich in den Worten der Beastie Boys: „No sleep til‘ Klassenerhalt!“

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3 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Was erlaube VfB?
    Glasklarer Sieg gegen Hoffenheim, überragender Auftritt und dem kommenden Über-Trainer die Grenzen eingebrannt, warum sitze ich jetzt hier und bin nicht wirklich glücklich?
    Weil ich ein Bruddler bin? Weil ich immer nur das Schlechte sehen will?
    Bei meiner Vita mit dem VfB kann das keiner ernsthaft behaupten, dazu habe ich schon viel zu viel mitgemacht. Aber diese Mannschaft, die kann ich nicht verstehen und die will ich nicht mehr verstehen.
    Wie kann man nach solchen Jahren, in denen man den Fans ja schon genug zugemutet hat, solche Leistungen abliefern und denken, dass man damit durchkommt?
    Selbst als angeblich Zorni die Mannschaft überfordert hat oder das „falsche“ System gespielt hat und sich eine Niederlage an die andere gereiht hat, habe ich die Mannschaft verteidigt, ich habe ja zum xten Mal sogar den Aufstand der Mannschaft gegen den Trainer empathisch mitgetragen, ich habe mich sogar trotz meiner Zweifel gedanklich hinter Kramny gestellt, ich habe mir sogar eingeredet, dass die Vereinsführung jetzt die Mannschaft an die Kandare genommen hat und endlich sportliche Führung beweist und mir war wie allen anderen auch klar, dass die Serie glücklich war und irgendwann reißen wird und es war mir egal, ich habe mich über jedes Spiel und jedes Tor und jeden Sieg gefreut und auch die Niederlage gegen Hannover hat mir nichts ausgemacht. Und dann hat die Mannschaft auf Augsburg noch eins draufgesetzt und Gladbach abgeliefert. Die zweite Arbeitsverweigerung in 1 Saison. Selbst das habe ich noch versucht, mir als „psychologisch verständlich“ einzureden, auch wenn ich draufgehauen habe auf die Mannschaft, weil ich nicht mehr schweigen will. Und jetzt dieser Sieg, diese Mega-Leistung, mit Kampf und Einsatz das Glück erzwungen und ich bin stinksauer. Ich sehe die Küsschen von Timo Werner, der mit der ersten Chance ein Tor macht, obwohl er eigentlich mal wieder total falsch läuft und von einem genialen Pass, einem schlafmützigen Verteidiger und einem zögerlichen Torwart profitiert, der nicht nur nicht rauskommt, sondern seine Finger auch um 2mm zu wenig streckt und so den Ball nicht mehr um den Pfosten bringt. Warum gibt der Küsschen? Keiner kann mir einreden, dass der Zeigefinger auf den Lippen bedeuten soll: Psst, sagt’s nicht weiter, so einen Schweinedusel hab ich gehabt, was ja eigentlich angebracht wäre.
    Ich höre das Interview von Didavi mit dem Scheiss-VfB in Gladbach und dem wirklichen VfB gegen Hoffenheim und kann nicht glauben, dass dieser Spieler in beiden Spielen auf dem Platz war und sich traut, so etwas zu sagen. Ja, wer ist denn verantwortlich für die Gladbach-Nicht-Leistung? Der Trainer, der Sportvorstand, die Fans?
    Will mir wirklich jemand ernsthaft einreden, dass Kramny dem Miraculix den Zaubertrank geklaut hat und so oder mit weiss ich nicht welchen Psycho-Tricks die Mannschaft wieder „aufgebaut“ hat?
    Diese Mannschaft, von der ich schon die ganze Saison (und auch die letzten Jahre) sage, dass sie Qualität und Klasse genug hat, um an den Euro-Plätzen zu schnuppern, diese Mannschaft hat keinen Charakter und von dieser Mannschaft erwarte ich nur noch 2 Dinge:
    Sorgt dafür, dass wir mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben und macht Euch nach der Saison vom Acker. Aus.
    Am Samstag ist bei mir etwas zerbrochen.

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