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Seriös. Sauber. Souverän.

So muss man das machen. Ein ungefährdeter Sieg, locker runter gespielt, kaum Gefahr fürs eigene Tor, außer eine paar Anlaufschwierigkeiten eine sehr souveräne Leistung. Das Fußallvokabular hat dafür einen Begriff: Pflichtsieg. Schön auch deshalb, weil der VfB nach guten Leistungen im darauf folgenden Spiel gerne mal seine „Pflichten“ vergisst.

Aue heisst für mich Christian Tiffert heisst für mich Aua. „Tiffi“ absolvierte für Erzgebirge Aue nach dem VfB Stuttgart seine zweitmeisten Pflichtspiele, er war einer der Spielertypen, die man nicht unbedingt mag, wenn sie beim Gegner spielen, aber dafür umso mehr, wenn man sie im eigenen Team hat. So sagt man es auch den Veilchen nach: eklig, fies zu bespielen, aber auch diszipliniert und geradlinig, was nicht unbedingt die erste Attribute wären, die einem zu Tiffert einfallen. Er genoss stets das Leben und das machte ihn so sympathisch. Er war trendy, er war funk und Stammkunde im „abseits“ am Schloßplatz. Hier ein Zigarettchen (Spitzname: Tifferette), dort ein Bierchen zu viel und auch mal nur wenige Stunden Schlaf vor einem Spiel. Er hatte eine außerordentliche Begabung, erstaunlich jedoch, dass ihm seine strengen Trainer Felix Magath, Matthias Sammer und Giovanni Trapattoni die Schlampigkeit nicht austreiben konnten. Manche sprachen sogar in Zusammenhang mit seinem Namen Anfang der 2000er von Nationalmannschaft. In unserem Vertikalbuch schreibe ich zu ihm: „Wenn es ein Auswahlteam für Leichtfüße und Lebemänner gäbe, dann wäre „Tiffi“ dort Kapitän und Rekordnationalspieler.“

Aue spielt das, was man von ihnen erwartet hatte: hinten eine aufmerksame Sechserkette, nach vorne schnell und unprätentiös. Aber gefährlich ist das sehr selten, weil es auch an individueller Qualität fehlt. Die gibt es beim VfB im Überfluss. Zum Beispiel Silas Wamangituka mit seinen unberechenbaren Läufen. Es gibt nur ein Problem: Der Gegner weiss nicht, was Silas als Nächstes tut – die Mitspieler allerdings auch nicht. Silas bringt Überraschungselemente ins Spiel, die dem VfB lange fehlen. Denn es gibt kaum Läufe in die Tiefe, keine Positionswechsel, es fehlt auch der Mut, zwischen die Linien zu spielen und es fehlt Intensität. Das einzige Feuer bringt der Schiedsrichter hinein mit vielen schwer nachvollziehbaren Entscheidungen.

Ein Standard öffnet das Spiel, kurz danach steht am Ende eines schönen Spielzugs das 2:0. Vorausgegangen war einer der wilden Sprints von Silas, am Ende netzt Daniel Didavi mit seinem linken Samtfuß ein nach einer federleichten Flanke von Philipp Förster. Didavi hat bis dahin sein Spiel verändert: Anfangs als falsche Neun kaum ins Spiel eingebunden, lässt er sich ins Mittelfeld fallen, versucht Bälle zu verteilen und das Spiel zu strukturieren. Didavi ist auch deshalb dazu gezwungen, sein Spiel zu ändern, da Gonzalo Castro kaum etwas gelingt und Orel Mangala irgendwie mit angezogener Handbremse spielt. Erst gegen Ende sieht man die für ihn typische Art, sich aus einer engen Spielszene mit mehreren Gegenspielern mittels einer Körperbewegung zu befreien und damit freien Raum zu öffnen.

Die zweite Halbzeit nur ein langweiliger Trainingskick: Beide Teams sind mit dem 2:0 zufrieden, die Traumkombination zum Endstand von Philipp Förster und Hamadi Al Ghaddoui und Mario Gomez versöhnt dann ein wenig. Pellegrino Matarazzo hat die erste intensive Phase überstanden: Vier Spiele in elf Tagen, zwei Siege, ein Remis und ein mehr als respektabler Auftritt im Pokal bei Leverkusen. Seine Handschrift wird erkennbar: Er denkt weniger an sich, sondern richtet sich stets am Gegner aus. Unübersehbar sein Willen, die „Jungen Wilden“ ein- und aufzubauen, es gibt zudem eine deutlich bessere Konterabsicherung. Defensiv ist das trotz vieler Umstellungen und Verletzungen deutlich stabiler als in der Hinrunde. Auch dank eines Wataru Endo, der überall einsetzbar ist und überall gleich wichtig ist mit seiner Kopfballstärke, seiner Zweikampfhärte und seiner Spielintelligenz. Nach vorne gibt es zeitweise noch ermüdende Ballstaffetten, aber das Bemühen ist unübersehbar, mehr Vertikalität ins Offensivspiel zu bringen.

Ohne überheblich zu klingen: Aue war kein wirklicher Gegner. So wie die meisten Gegner in der zweiten Liga nicht auf einer Augenhöhe mit dem VfB sind. Aber das Ding musst Du dann einfach seriös runter spielen (Jogi Löw-Voice). Das sollte dem VfB jetzt auch mal wieder auswärts gelingen. Nächste Chance: VFL Bochum. Da muss ich an Thomas Stickroth und Simon Terodde denken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unser VertikalGIF zum Spiel findet ihr hier.

(Foto Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

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3 Kommentare

  1. drhuey sagt

    Schon die Aussage von Matarazzo auf der PK „wir brauchen Angebote hinter der Linie“ hat mir sehr gefallen, da wir jetzt einen Trainer haben, der eine tiefstehende gegnerische Mannschaft nicht als Entschuldigung gelten lässt (und dies dann mit Demut verwechselt), sondern der Mannschaft Lösungswege aufzeigt und einfordert. Dabei setzt er sehr viel Wert auf Kontrolle ohne Ballbesitz. Sein Vorgänger hingegen hat seine eigene Devise regelmässig konterkariert, indem er durch die Positionswechsel bei Ballverlust die komplette Kontrolle verlor und insofern genau die Kernkompetenz eines ansonsten eher biederen Gegners bediente – Kontern. Es wird wohl noch einige Spiele brauchen bis vor allem die Jungen mehr Mut aufbringen, der ihnen unter Walter abgewöhnt wurde. Aber so langsam kann man wieder Hoffnung schöpfen, dass der Aufstieg gelingen kann.

  2. Richard K. sagt

    (rk) Dank einer vor allem in der 1. Halbzeit äußerst effizienten Chancenverwertung konnten wir unserer Favoritenrolle gerecht werden und gegen Aue einen verdienten Heimsieg erzielen. Mit diesem gelang es uns darüber hinaus auch, den tabellarischen Abstand zum Verfolger aus dem Erzgebirge zu vergrößern. Für mich war die Tatsache überraschend, dass Aue zu Beginn des Spiel, bei welchem der VfB mit einer 3er-Formation als Abwehrreihe begannen, tatsächlich nicht die Maurer-Taktik auf den Rasen legte, sondern echtes Interesse hatte, das Spiel mitzugestalten. Hier gelang es den in violett gekleideten Gästen auch immer wieder, insbesondere über unsere rechte Abwehrseite, den Ansatz von Chancen zu kreieren. Offensichtlich war dies auch für Trainer Matarazzo sichtbar, so dass es zu einer Veränderung kam und die Mannschaft mit dem roten Brustring personell sowie temporär die Veränderung auf die klassische Variante, nämlich die Viererkette, vornahm. Unter anderem war diese Umstellung dann auch dafür verantwortlich, dass Aue immer weniger Gefahr ausstrahlen konnte. Ganz vorbei war es dann mit dem Gegner als wir dank einer überaus effizienten Chancenverwertung aus heiterem Himmel heraus mit 2:0 in Führung lagen. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, dass die Gäste nur noch auf Schadenbegrenzung aus waren. Zumindest ab da an gab es Seitens Aue keinerlei Spielbeteiligung mehr, was unser Spiel zwar dominanter, aber nicht zwingend besser machte. Entgegen zum Pokalspiel in Leverkusen unter der Woche lag die Spielgestaltung gestern wieder auf unserer Seite, was uns, wie in vielen Spielen zuvor auch schon erkennbar, deutlich Probleme bereitet. Unter der neuen sportlichen Leitung ist zwar festzustellen, dass unsere Mannschaft weniger häufiger den Querpass wählt und gerne einen über ein Direktpassspiel einen schnellen Ball in die Spitze spielt bzw. spielen möchte. Dass dieser dort allerdings einen Abnehmer findet, setzt ein viel stärker ausgeprägtes Laufspiel ohne Ball sowie eine Risikobereitschaft voraus. Zweiteres mag derzeit (noch) nicht vorhanden sein, da die Mannschaft derzeit, aufgrund der dauerhaft positiven Resultate, welche die Konkurrenten aus Bielefeld und Hamburg erzielen, gezwungen ist, ebenfalls die Spiele zu gewinnen. Wie und in welcher Höhe die Ergebnisse erreicht werden, ist derzeit nun wirklich völlig belanglos. Hauptsache ist, dass am Spielende der, unser VfB gewonnen hat. Die zweite Halbzeit stand gestern unter dem Motto „Hoffentlich verletzt sich der Didavi nicht“ und „Bin mal gespannt, ob der Gomez heute auch wieder trifft“. Und siehe da, bei beiden Mottos ging unter Mitwirkung des Fußball-Gotts „die Rechnung auf“. Beides erfreut mich insbesondere deshalb, weil Didavi eine echter „Unterschiedspieler“ ist und Mario Gomez in Stuttgart, bei unserem VfB nach wie vor sehr große Sympathiewerte genießt. Eine sehr gute Leitung zeigte für mich gestern der sehr unauffällig agierende Endo, der sehr viele Zweikämpfe für sich bestreiten konnte und insbesondere durch sehr kluges Stellungsspiel die sich im Ansatz ergebende Möglichkeiten der Erzgebirgler nicht zur finalen Entfaltung kommen ließ. Als Fazit bleibt fest zu halten: Verdienter Heimsieg, Verfolger abgeschüttelt, Mund abwischen und weiter machen. Mit dem VfL Bochum wartet am Montag in einer Woche ein Gegner auf uns, dessen Hauptsponsor an diesem Abend dann mit Sicherheit HeidelbergCement AG heißen dürfte #vfbkaempfenundsiegen

  3. Pingback: Weil wir's können!

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