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Stuttgart ist viel schöner als Berlin

Während der VfB den Einstieg von Daimler als Anker-Investor feiert, der für 11,75 Prozent des Vereins weniger zahlt als Manchester City für Leroy Sané (47 Bundesligaspiele, 11 Tore), geht das Liga-Leben weiter. Und das ist noch spannenender! Schließlich gibt’s in der zweiten Liga den derbsten Aufstiegskampf ever. Also Taschenrechner aus, Tabellenrechner (z.B. hier) an!

Am Montag kann es im Spiel gegen Union Berlin zu einer Vorentscheidung kommen, ein Sieg des VfB Stuttgart vorausgesetzt. Dann wären die Köpenicker vier Spieltage vor Schluss sechs Punkte hinten. Die Stuttgarter könnten die Berliner aus dem Aufstiegskampf vielleicht schon ausgliedern. Drölf Punkte-Spiel also, Aufstieg oder nix, würde Pep Guardiola sagen.

Super-super, um im Pep-Sprech zu bleiben, finden ja alle Union Berlin. Ich übrigens auch, weiß aber gar nicht so recht warum. Vielleicht wegen der wunderbaren und preisgekrönten Blogger-Kollegen textilvergehen.de oder wegen des Stadions „An der alten Försterei“ oder wegen der herausragenden Fans. Aber dass jetzt plötzlich alle den Trainer Jens Keller so sympathisch finden, wundert mich dann schon ein wenig. Haben sich doch die Sorgenfalten aus Schalke-Zeiten tief eingegraben in seinem Gesicht und seinen hilflosen 9-Spiele-Auftritt beim VfB 2010 kann ich auch nicht vergessen. Aber jetzt hat er aus Union Berlin einen Aufstiegskandidaten gemacht und da wollen wir mal schauen, wie die Eisernen im Vergleich zum VfB abschneiden.

Torhüter
Seit dem 23. Spieltag steht Daniel Mesenhöler bei Union im Tor, kicker-Notenschnitt 2,86 und damit besser als Mitch Langerak. Beim Australier weiss ich auch nicht so recht, er streut immer mal wieder einen Bock ein und seine Abschläge erinnern fatal an die von Sven Ulreich.
Unentschieden (weil ich Mesenhöler kaum kenne)

Abwehr
Es gibt nicht wenige VfB-Fans, die wollten vor der Saison Toni Leistner verpflichten. Er hält den Laden zusammen, textilvergehen.de schreibt „Man fällt meist um, wenn man auf Leistner aufläuft“. Er ist der Ankerspieler in der zentralen Defensive, ähnlich wichtig wie Timo Baumgartl, dessen Kollegen Marcin Kaminski, Ben Pavard und Emiliano Insua mit Formschwankungen kämpfen. Bringen alle drei nur Normalform, ist die Abwehr des VfB besser. Aber wann war das schon mal der Fall? Trotzdem:
Vorteil VfB

Mittelfeld
Keller lässt bevorzugt das sogenannte FKK-Mittelfeld auflaufen. Stephan Fürstner, Felix Kroos und Damir Kreilach sorgen dafür, dass die Abwehr nicht nackt aussieht. Kapitän Kroos ist ein bisschen wie süßer Senf, der nicht zu allem passt, eigentlich nur zur Weisswurst. Kroos passt perfekt zur Union, was man von Werder Bremen nicht sagen kann, wo er trotz 70 Ligaspielen nie richtig ernst genommen wurde. In Berlin ist er das Herz der Mannschaft und seine Standards so scharf wie Dijon-Senf.

Auf Stuttgarter Seite ist Alexandru Maxim ein binärer Spieler: Bei ihm gibts nur schwarz oder weiss, grandios oder grottenschlecht. Torlos oder 40-Meter-Treffer. Wie kaum einem anderen gönnt man ihm, dass er im Aufstiegs-Endspurt den Unterschied macht. Der Auftritt auf der Alm lässt hoffen. Käptn Gentner sehe ich weniger auf der 10, aber ich bin ja nicht der Trainer. Ebbo Ofori würde ich mir mutiger wünschen, er kann das Spiel nicht nur strukturieren, sondern könnte es auch vertikal machen. Und vertikal ist immer gut.
Remis

Offensive
Alle Augen auf den Büffel-Battle: Sebastian Polter gegen Simon Terodde. Aber am gefährlichsten bei Union ist immer noch Steven Skrzybski, 8 Tore, 5 Assists, er ist der DJ Koze der Berliner: von Fachleuten geschätzt, vom Mainstream weitgehend übersehen. Und mit Philipp Hosiner steht ein Joker bereit, der viel erlebt hat (Nierentumor, Lungenkollaps) und positive Energie verbreitet.

Die Optionen in der Offensive sind beim VfB bekannt enorm: Brekalo, Green, Werner, Asano, Ginczek, wobei keiner von denen momentan in Bestform ist, so dass die gesamte Verantwortung auf Terodde liegt. Aber der ist ein Monster. Deshalb:
Leichter Vorteil VfB

Trainer
Jung, wild, modern, empathisch gegen einen Mann, der schon viel Leid, aber auch die Champions League gesehen hat: VfB, Köln, 1860, Eintracht Frankfurt, Wolfsburg, die ständige Unruhe auf dem Schalker Schleudersitz. Was soll man da sagen? Erfahrung schlägt Greenhorn? Mit Sympathie-Vorsprung für Wolf:
Hauchdünner Vorteil VfB

Fans
Auf beiden Seiten die besten der Liga, keine Frage.
Ein Unentschieden der allerfeinsten Sorte

Trend
is the their friend: Beide scheinen sich gefangen zu haben nach einer Durststrecke.
Ebenfalls Remis

Stimmung
Union Berlin blieb lange locker, will aber jetzt in die Bundesliga, denn die Chancen waren noch nie so gut. Dort wollen sie anders sein. Denn das St. Pauli des Ostens sind sie nicht. Aber vielleicht das Darmstadt – nur in hip? Beim VfB hingegen sehen sich alle als Erstliga-Schwergewicht und das macht Druck. Der Aufstieg ist – wie man hier so schön sagt – alternativlos. Alles andere wäre eine Katastrophe.
Vorteil Union

Fazit
Die erwartet enge Kiste! VfB- und Union-Fans brauchen am Montag gute Nerven. Ob Stuttgart wirklich schöner ist als Berlin (wie seit dem Spiel um Patz 3 der WM 2006 kolportiert wird), werden wir auch nach Abpfiff nicht wissen. Aber immerhin, ob Cannstatt erfolgreicher ist als Köpenick. Wir hoffen es!

6 Kommentare

  1. Pingback: Stuttgart ist nicht der VfB Terodde | ***textilvergehen***

  2. Bad Cannstatt sagt

    Selten so einen dummdämlichen Artikel ohne jeden Sachverstand gelesen. Hab vorher nie was von vertikalpass.de gehört und jetzt weiß ich auch wieso.

    • @buzze sagt

      Aber schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast, um trotzdem einen Kommentar zu schreiben! ?

    • Allein unter Westfalen sagt

      Dem widerspreche ich heftig. Diese, doch sehr plumpe Kritik, ist völlig unangebracht. Vertikalpass.de ist ein Blog der Spitzenklasse. Intelligent recherchiert, humorvoll rübergebracht, professionell im Layout und weit über dem Niveau, das man sonst zum Thema Fußball im Netz antrifft. Ich freue mich über jeden neuen Artikel. Man muss ihn nicht lesen, wenn man mit dieser Art der Darstellung seine Probleme hat, sollte aber beim Kritisieren sachlich bleiben. Denn manchmal sagt Kritik mehr über den Kritiker, als den Kritisierten aus. ;-)

  3. distefano sagt

    Tja, Im Nachhinein ist man immer schlauer :-)

    Tor: Riesenklopps von Mesenhöler: Vorteil VfB
    Abwehr: Klopps von Baumgartl und Monster Aussetzer von Leistner: Vorteil VfB
    Mittelfeld: Ofori – Gentner – Maxim Lichtjahre vor den Berlinern: nur der VfB
    Sturm: Polter verschenkt das 1:0, Terrode und Ginczek treffen, Brekalo verschenkt 3: Vorteil VfB
    Trainer: Wolf wechselt den dritten Treffer ein und Keller schimpft nach Schlusspfiff öffentlich über seine Mannschaft: Vorteil VfB

    Auch wenn ich 10 min ein mulmiges Gefühl hatte, deutlicher haben wir dieses Jahr selten ein Spiel kontrolliert.

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