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Wenn sich nichts ändert, ändert sich nichts

Glanzlos. Schmucklos. Pflichtsieg. Arbeitssieg. Die Fußballsprache hat einiges zu bieten für einen Sieg wie den des VfB gegen Slovan Bratislava.

Wobei: So richtig gearbeitet haben außer Josha Vagnoman nicht viele. Bilal El Khannouss zum Beispiel. Nach seinem obligatorischen Fehlpass in die eigene Abwehr versuchte er, alles mit der Sohle, der Hacke und tänzelnden Schritten zu lösen. Das ist selbst gegen eine Mannschaft, die noch nicht einmal den Marktwert von Angelo Stiller besitzt, zu wenig. Aber was sollen wir dem Spiel den Mittelfinger zeigen, das macht es auch nicht besser. Und dass man gegen scheinbar unterlegene Gegner nicht ohne weiteres gewinnt, können Bayern München und Borussia Dortmund bestätigen. Beide wären froh, hätten sie sechs Punkte wie der VfB. Denn beide haben zwei Siege fest eingeplant. Wie der VfB. Der steht auf Platz 4 der Champions League-Tabelle. Nur eine Momentaufnahme, trotzdem sehr schön.

Trotzdem.

Es wiederholt sich zu viel als das es nicht bedenklich wäre. Bei allen vier Siegen in dieser Saison gegen Köln, Paderborn, Stavanger und Bratislava verlor der VfB nach der Halbzeit die Spielkontrolle. Bei Slovan kam der VfB zudem auch überhaupt nicht ins Spiel rein.

Wenn der VfB sich teilweise von einer maximal mediokren Truppe wie Slovan beherrschen lässt, wenn selbst Teams mit sehr begrenzten Mitteln gegen den VfB zu Großchancen kommen, wenn der VfB die Hilfe des VAR benötigt, dann sollte klar sein: Es stimmt etwas nicht. Und das bei einem Team, dass mit dem der Vorsaison weitgehend identisch ist.

Die Ergebnisse gegen vermeintlich schwächere Team stimmen zwar, die Spielweise jedoch nicht. Das sieht hölzern aus, unkoordiniert defensiv wie offensiv, manchmal ohne Spannung, manchmal fast schon orientierungslos. Das, was den Hoeneß-Ball bisher auszeichnete, war ein Fluss. Klare Abläufe. Klare Muster. Klare Raumaufteilung. Das ist im Moment nur mit viel Phantasie und wenn überhaupt, dann nur in einzelnen Spielphasen zu sehen.

Grischa Prömel rückte wieder für Atakan Karazor in die Startelf. Sagen wir mal so: Stabiler wurde das Mittelfeld dadurch nicht.

Grischa Prömel rückte wieder für Atakan Karazor in die Startelf. Sagen wir mal so: Stabiler wurde das Mittelfeld dadurch nicht.

Die Ergebnisse werden erzielt durch individuelle Qualität. Mal von El Khannouss, mal von Ermedin Demirovic, mal von Chris Führich, mal von Deniz Undav. Aber das muss sich ändern, denn gegen gut strukturierte Teams und gegen Teams mit höherer Qualität wird das nicht reichen. Wenn ich die Spieler richtig verstehe, sind sie mit dem Ergebnis ebenso zufrieden wie mit ihrer eigenen Leistung. Hier wünsche ich mir eine realistischere Selbsteinschätzung. Ebenso würde ich mir wünschen, diese Selbstsicherheit der Spieler auch im Spiel zu sehen. Nicht als Arroganz, sondern als Selbstverständlichkeit. Denn genau die fehlt im Spiel des VfB. Wie auch die Stabilität. Der VfB lässt sich zu oft und ohne große Gegenwehr selbst von schwächeren Teams dominieren. Das muss sich ändern, sonst wird es eine schwierige Saison.

Die letzten beiden Siege geben Sicherheit, bringen Ruhe und wenn der VfB siegend zurück zu seiner Spielweise findet: Mir soll’s recht sein.

Zum Weiterlesen:
Rund um den Brustring spricht von einem verdienten Sieg, meint aber:
„Die Pha­sen der Sorg- und Gedan­ken­lo­sig­keit müs­sen uns aber zu den­ken geben.“

Christof Kneer schreibt mal wieder einen sehr schönen Text in der Süddeutschen Zeitung. Ich glaube, er findet Deniz Undav genauso gut wie ich. Kneer meint, dass sich “noch immer (…) kleinere Störgefühle in die Auftritte des VfB“ mischen und fragt sich: „Noch ist nicht richtig erkennbar, ob die Elf von ihrer Eingespieltheit auch wirklich profitiert – oder ob sie es sich in ihren vertrauten Automatismen manchmal etwas zu behaglich einrichtet.”

Bilder: Christian Bruna/Getty Images

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Werbefuzzi, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra.

8 Kommentare

  1. Divina sagt

    Die englische Kommentatorin meinte, der VfB hätte seine Aufgabe professionell gelöst – so unterschiedlich kann man das Spiel beurteilen. Bratislava hatte keinen Druck, der VfB hatte enormen Druck zu performen.

    Für mich war interessant, wie Führich beim Verteidigen hinten links ein ums andere abkochen ließ. Das war bei Sauer viel besser. Sie gingen gegen ihn nicht in die 1:1.

    Assignons butterweiche zum 3:0 wat wunderbar.

    Der Lattenkracher von Vagn‘o‘mann ebenso.

    ——-

    Generell:

    Beim zweitteuersten Zugang der VfB-Geschichte läuft es noch gar nicht…Tresoldi der zu Club Brügge wechselte trifft und trifft für kleines Transfergeld. Kann der VfB mit Geld umgehen? Und was macht das mit den anderen Spielern, wenn man einen U21 Spieler für 25 Mio (!) holt. Dann hört man auf der anderen Seite, dass man dringend andere verkaufen muss…

    Dann ist Undav nach wochenlangem Transferpoker zum Rekordverdiener aufgestiegen und zum Kapitän befördert worden. Keine Ahnung ob dies einen Einfluss auf das Team hat?

    Und wie kann man den anderen Neuzugang von direkten Konkurrenten gleich zum Vizekapitän machen? Hier liegt für mich – aber vielleicht nur für mich – eventuell ein Problem.

  2. Konny sagt

    Wow – ich bin überrascht von Deinen eher genervten Worten zum CL Spieltach.

    Wenn das Tor vom Gastgeber gezählt hätte, wäre es zäh geworden. Im Grund hätte man in HZ 1 den Deckel draufmachen können.

    Undav als Kapitän und Prömel als Vize seh ich eher auch kritisch. Undav als Gute Laune Onkel ja, als Kapitän eher nein. Prömel sowieso nicht, ihm fehlt wie Herr Ex-Wolfsburg noch komplett die Spielbindung.

    3:0 ist aber vom Ergebnis top, früher haben wir ja oft gesagt schön spielen und verlieren ist auch nix.

    Man sieht an DO und Bayern (und uns), dass der Flow, die Leichtigkeit insgesamt fehlt und es zäh werden könnte.

    Der gegnerische Trainer meinte, der VfB sei in allen Belangen besser gewesen 🤷🏼‍♀️.

    Ich fand das Spiel jetzt nicht so ganz schlimm, ich hätte nur deutlich früher Demirovic gebracht. Die Tordifferenz ist nicht ganz unwichtig.

  3. Marcus Fichter sagt

    Naja, diese Draufdrescherei bringt ja auch nix. Pejinovic wirkte tatsächlich wie ein Fremdkörper. Aber das der was kann, hatte er ja schon gezeigt. Das wird schon kommen. Ich würde jetzt da noch nicht das Fallbeil sausen lassen.

    Die Kapitänsfrage allerdings sehe ich ähnlich wie ihr. Das Undav in die engere Wahl gehörte war klar, aber das der Prömel ( Hoeneß kannte ihn glaub noch von früher ) gleich so aufsteigt…hmmm…fragwürdig. Vor allem hat sich ja Karazor im Grunde nix vorzuwerfen.
    Unsere rechte Seite scheint sich jetzt langsam echt zur Alternative zu linken Seite zu entwickeln, Vagnoman stark und auch Assingon. El Khanouss nervt mich ein bisschen, der könnte viel mehr wenn er verbindlicher spielen würde. Diese Hacke, Spitze 123…damit kann ich wenig anfangen.

    Jetzt HSV und dann Atletico, zwei , ich sag mal Standortbestimmungen…

  4. Marcus Fichter sagt

    Da fällt mir noch ein, was mich aber zur Zeit noch wundert ist, das grad alle Stürmer, also Demirovic, Pejcinovic Leweling und Undav ( Führich mal ausgenommen ) irgendwie nicht richtig aus den Puschen kommen. Sie könnens ja alle besser.

      • Marcus Fichter sagt

        Naja, ich meinte ja nicht nur die CL, sondern generell. Aber warten wir mal ab, vielleicht klappt das ja am Samstag schon wieder besser.

  5. Hobbycamper sagt

    Nach 2 CL-Spieltagen mit 6 Punkten auf Platz 4 stehend müsste man eigentlich zufrieden sein und sagen besser geht aus VfB-Sicht nicht. Den maximal möglichen Ertrag eingefahren, im Augenblick bester deutsche Mannschaft, spitze !
    Nun ja, jetzt kommen andere Kaliber auf die Mannschaft zu und es wird sich zeigen wo der VfB am Ende landet. Genau aus diesem Grund sind die erreichten Punkte zwar Spitzenwert, aber die Chancenverwertung macht mir von Spiel zu Spiel mehr Sorge. Auch gestern hätte man wieder etwas für’s Torkonto machen können, nein müssen. Das i-Tüpfelchen war das Scheitern von Leweling im 1:1 mit dem gegnerischen Torwart (auch wenn es Abseits gewesen wäre).
    Insofern kann ich mich mit der Überschrift “wenn sich nichts ändert, ändert sich nichts” sehr gut identifizieren.

  6. Bacardihardy sagt

    Bin super zufrieden mit dem Ergebnis.
    Hatte schon Schlimmes befürchtet.
    Da der VfB nicht die Vorbereitung und Fitnesss des SC Freiburg hat, benötigt er jetzt diese Aufbauspiele mit Spielglück, dann kommt auch der Flow wieder, um grössere Teams zu besiegen.
    Top Ergebnis, top Platzierung, müssen wir geniessen.

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