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Viel schlechter hätte es Nagelsmann auch nicht gemacht

Jürgen Klopp kann gut schwätzen, bei ihm hört sich alles gut an, auch wenn die Ergebnisse eher mau sind. 1:1, 0:1, 2:0, 0:0.

„Ich hätte nicht gedacht, dass nach nur zwei Wochen mit der Truppe solch ein Fußball möglich ist.“

Was genau meint er damit? Wie wild rumrennen? Gegen kämpfende Griechen nicht einmal ein Tor schießen? Gegen ein allenfalls mittelmäßiges Griechenland selbst allenfalls mäßig spielen? Gegen hilflose Serben schmucklos mit 2:0 gewinnen? Man könnte auch sagen: Viel schlechter hätte es Julian Nagelsmann auch nicht machen können.

Bei Klopp ist alles größer.
Der Kader sowieso. Sein Lachen. Seine Gestik. Seine Interviews. Selbst die kleinste positive Regung wird behandelt, als sei gerade eine neue Fußballidee entdeckt worden. Auf dem Platz allerdings sprinten allenfalls mittelmäßige Spieler durch die Gegend. Er nennt das Gegenpressing. Vielleicht ist es aber auch einfach das, was passiert, wenn eine Mannschaft nicht genau weiß, was sie mit dem Ball anfangen soll.

Wenn wir keine Spitzenspieler haben, dann sollen die dankbar Nominierten wenigstens rennen können. Laufbereitschaft und Leidenschaft sind die Basics, aber auf keinen Fall eine Spielidee, fragt nach bei Niko Kovac. Der kann sich aber wenigstens auf die überragende individuelle Qualität seiner Spieler verlassen. Das kann Klopp nicht, auch wenn er meint, „dass den Jungs das Talent aus den Ohren läuft“. Da scheint es eine praktikablere Idee zu sein, Serhou Guirassy kurzfristig einzubürgern.

Was nehmen wir und Jürgen Klopp mit nach diesen vier Länderspielen, außer dass von 44 Nominierten, mindestens die Hälfte wohl nicht wiederkommen darf? Neun Akteure durften gar nicht erst vorspielen, wie Finn Jentsch. Andere liefen aufgeregt über den Platz wie Bambasé Conté, der offensichtlich sein Glück kaum fassen konnte, aber dabei reichlich glücklos agierte.

Wir nehmen mit, dass die Ergebnisse genauso sind wie unter Vorgänger Nagelsmann und dass Deutschland gegen Mittelklasse-Teams offensichtlich nicht mehr gewinnen kann. Dass sich jetzt aber alle deutlich besser damit fühlen. Mit weniger zufrieden sind. Kleinste Erfolge hochsterilisiert werden, wie Bruno Labbadia sagen würde.

Ein Fortschritt also in erster Linie bei der Stimmung.

Dazu passt auch, dass sich Klopp überhaupt keiner Kritik ausgesetzt fühlt. Zumindest nicht im Inland. Die ausländischen Medien sind ihm gegenüber nicht ganz so devot:

L’Équipe meint, „Jürgen Klopps Deutschland mangelte es an Fantasie“. Corriere dello Sport stellt fest, dass „Deutschland die Puste ausgeht“. Die spanische „As“ ist enttäuscht: „Die Klopp-Ära kommt nicht in Gang.“

Gute Stimmung, Optimismus, aber auch die klare Haltung von Jürgen Klopp, das können wir gut gebrauchen. Hoffen wir, dass im November davon ein bisschen mehr auf dem Spielfeld zu sehen ist.

Dann vielleicht wieder mit Deniz Undav. Wobei der nicht so wild rumrennt. Der weiss, wohin er will.

Bild:
Alex Grimm/Getty Images

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Werbefuzzi, Blogger, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra

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