Der VfB-Auftritt im Istanbuler Ali Sami Yen Spor Kompleksi: deutlich besser als gegen Fener, Rom und Porto. Und trotzdem ist der VfB solchen Situationen nicht gewachsen. Diese Gegner sind noch eine Nummer zu groß für das Team.
Eine unnötige Niederlage? Ja, weil Stuttgart mit seinem Auftritt durchaus eine Grundlage für mehr schuf. Ein verdienter Sieg für Galatasaray? Unbedingt. Denn der VfB agierte vor dem Tor zu ineffizient und leistete sich in den entscheidenden Momenten höllische Aussetzer, die auf diesem Niveau schlicht nicht passieren dürfen. Dabei spielte Gala keineswegs überragend. Es reichte den Türken, zwei Chancen eiskalt zu nutzen und ansonsten ihr typisches Spiel aufzuziehen: wild, körperlich, mit vielen Zweikämpfen und geradlinig in der Offensive. Einfach, direkt, unangenehm. Hätte Victor Osimhen nicht einen geradezu höllisch schlechten Tag erwischt, hätte die Niederlage noch deutlicher ausfallen können.
Ein typisches hätte-was-wäre-wenn-Spiel.
Was wäre gewesen, wenn
– Jamie Lewelings Doppelpfostenschuss im Tor gelandet wäre?
– Atakan Karazor nicht so teuflisch langsam gewesen wäre beim 0:2, möglicherweise auch als Folge seiner Verletzung?
– Fabi Bredlow beim 0:2 die Beine rechtzeitig zu bekommen hätte?
– Deniz Undav vor dem vermeintlichen Anschlusstreffer von Chris Führich nicht im Abseits gestanden hätte?
– Dzenan Pejcinovic nicht erneut vergeben hätte, nach erneutem Undav-Weltklassepass?
Sebastian Hoeneß: “Ich hätte gerne gesehen, was passiert wäre, wenn wir ein Tor machen.” Doch Fußball entscheidet sich nicht im Konjunktiv.
Highway to hell!
Nach Lewelings Doppelpfostenschuss wurde der VfB von der Stimmung im Stadion und der Spielweise von Gala erdrückt. Spätestens nach dem 1:0 wurde es zur Hölle und der VfB nahm die Schnellstraße in die Niederlage als er drei Minuten später das zweite Gegentor kassierte. Es folgte eine furchterregende Spielphase, in der man befürchten musste, der VfB bricht ein, er hätte sich jederzeit ein Tor fangen können.
Einfach wow: Yanik Spalt.
Nachdem Karazor früh verletzt vom Platz musste, feierte der 19-jährige Österreicher sein Champions-League-Debüt. Er spielte unbekümmert und frech auf, hatte einige coole Steals, gewann wichtige Zweikämpfe im Mittelfeld. Spalt hielt als schmales Bürschle voll dagegen und blendete die hitzige Atmosphäre offensichtlich aus. Ein bemerkenswerter Einstand auf einer Bühne, die für einen jungen Spieler kaum größer sein könnte.
Es spricht für die Mannschaft, dass sie sich in der zweiten Halbzeit fing und den Gegner teilweise dominierte. Nur: Das allein reicht nicht. Es reicht nicht, in Istanbul eine gute Figur abzugeben oder sich für engagierte 90 Minuten auf die Schulter zu klopfen. Eine gute zweite Halbzeit macht aus einer Niederlage zwar einen Achtungserfolg, aber in der Tabelle sieht man das nicht. Auf diesem Niveau zählen nicht die Phasen, in denen man gut aussieht, sondern die Momente, in denen sich das Spiel entscheidet.
Wer in der Champions League weiterkommen will, darf nicht mit der Erkenntnis nach Hause fahren, dass eigentlich “mehr drin” gewesen wäre. Irgendwann muss aus dem „Wir waren nah dran“ etwas Zählbares werden. Galatasaray Istanbul war definitiv schlagbar für den VfB.
Bild: Ahmad Mora/Getty Images

Werbefuzzi, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra.


Trotzdem muss man auch die Frage stellen, was es mit Sport zu tun hat, wenn bei jedem Ballkontakt der gegnerischen Mannschaft so geisteskrank gepfiffen wird? Fand ich echt ehrlich furchtbar.
Fairerweise muss man anerkennen, das die Gala Mannschaft in einer klaren, blitzschnellen und schnörkellosen Art Konter fährt und extrem effizient/präzise ist.
Ich finde, dass uns in vielen Momenten genau diese Handlungsschnelligkeit fehlt.
Für Ata war es bitter, bei solchen Geschwindigkeiten hat er aber leider Defizite.
Für mich subjektiv liegen einige Probleme im Mittelfeld. Spalt hat es super gemacht. Vielleicht ja bald mit Stiller/Spalt?
Ich würde mich nicht “rausreden” wollen wegen dem irren Gepfeife, das war wohl auch kein Faktor.
Gegen Bremen würde ich gerne Spalt/Nartey sehen. Prömel ist derzeit wirklich keine Hilfe, weder offensiv noch defensiv noch von der Haltung/Mentalität her – und genau deshalb hat man ihn geholt …
Das finde ich auch eine super gute Idee:
Spalt/Nartey – Schade mit Prömel, er passt leider mehr zu spielzerstörenden Teams. 🥺
Nübel fehlt mir auch immer noch 🥹