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Die Mannschaft hat Charakter gezeigt

Bodenlos weiter. Deniz Undav hat’s auf den Punkt gebracht, so wie er punktgenau zur Stelle war beim 1:0 in der 90. Minute.

Das war also die Reaktion auf die peinliche Niederlage gegen Gladbach? Sebastian Hoeneß hatte von einem großen Warnschuss gesprochen, Einstellung und Haltung angemahnt. Und dann beginnt der VfB in Paderborn, als wäre das alles nicht gesagt worden.

Ohne Selbstvertrauen, geschenkt. Auch die Verunsicherung nach der vergangenen Woche ist nachvollziehbar. Aber ohne Widerstand? Der VfB ließ sich in den ersten 15 Minuten vom Aufsteiger herspielen, ohne dessen Flow auch nur ansatzweise brechen zu können. Dass es nicht schon früh ein, zwei, drei Gegentore setzte, lag vor allem an der mangelnden Qualität des SCP im Abschluss.

Die dämliche rote Karte dann natürlich der Gamechanger. Nur: Selbst die Überzahl gegen eine B-Elf des Aufsteigers gab dem VfB kaum Sicherheit und Souveränität. Erst als das Spiel immer länger dauerte, sich hundertprozentige Chancen ergaben, stellte sich so etwas ähnliches wie eine Selbstverständlichkeit im Spiel des VfB heraus.

Die Verteidigung der weiten Bälle: zu oft unbeholfen.
Paderborn schlug die Dinger hoch und weit nach vorne und stellte den VfB damit vor erstaunlich große Probleme. In den direkten Duellen fehlte häufig die Durchsetzungskraft, bei den zweiten Bällen stimmten die Positionierungen nicht. Die Abstände zwischen den Spielern waren zu groß, die Abstimmung zu schlecht. Was gegen einen Aufsteiger schon unangenehm aussieht, dürfte gegen stärkere Gegner schnell richtig teuer werden. Ein Glück agieren die weniger mit hohen Bällen.

Das zentrale Mittelfeld: zu löchrig.
Angelo Stiller und Grischa Prömel haben sich noch nicht gefunden. Prömels Stärken als laufstarker Box-to-Box-Player und als unangenehmer Gegenspieler kommen überhaupt nicht zur Geltung. Wo ist der Union- und Hoffenheim-Spieler, den man lieber in der eigenen als in der gegnerischen Mannschaft hat?

Die Angriffe über außen: viel zu isoliert.
Chris Führich wie auch Jamie Leweling hatten oft auf Außen den Ball am Fuß und trotz Unterzahl verteidigte Paderborn dies mindestens mit zwei Spielern, wenn nicht sogar drei. Dies gelang nur, weil zu wenig Unterstützung kam: Die Mitspieler standen herum, statt entgegenzukommen, Räume zu öffnen oder sich als Anspielstation anzubieten, um sich auf Außen durchzukombinieren.

Sebastian Hoeneß meinte, seine Mannschaft habe Charakter gezeigt. Aber bis zur roten Karte sah der Charakter so aus, dass sich das Team kaum wehrte, viel zu wenig Spannung hatte, der Eindruck entstand: Die haben es nicht begriffen.

Zum Spielende zeigte die Mannschaft allerdings den Charakter, das entscheidende Tor noch vor der Verlängerung schießen zu wollen. Unbedingt die Entscheidung erzwingen zu wollen. Ein Mindset, das man von ihr ab der ersten Minute erwarten darf. Und muss.

Also Hauptsache weiter, egal wie?
Einerseits ja. Beim Achtelfinal-Spiel fragt niemand, wie der VfB weiter gekommen ist. Pokal ist Pokal und Undavs Treffer ersparte der Mannschaft weitere 30 Minuten, die nach diesem Auftritt niemand gebraucht hätte. Die Auswärtsfans sangen völlig zurecht: „Wir woll’n nach Hause fahr’n!”

Andererseits: Das Spiel gibt kaum Hoffnung auf Besserung. Viel zu lange machte der VfB dort weiter, wo er gegen Gladbach aufgehört hatte.

Zum Weiterlesen:
Rund um den Brustring sieht das Positive: zu Null gespielt, dreckig gesiegt, weiter gekommen. Fordert aber auch, dass sich die Mannchaft massiv steigern muss, um gegen Leverkusen, Istanbul und Bremen bestehen zu können.

Bild: Christof Koepsel/Getty Images

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2 Kommentare

  1. Divina sagt

    Wo sind eigentlich unsere scouts?

    Keisuke Gotō gewann fast im Alleingang einmal per wuchtigen Kopfball und dann per feinem Heber das Spiel für Freiburg.

    Wechselte für 10Mio diese Saison zum SC. …

    Ich dachte wir hätten gut Connections nach Japan durch Diego…aber offenbar war es in der Vergangenheit wichtiger unsere Sponsorenautos zu präsentieren.
    Was ist mit Ito los? Rückholaktion?

    Zumindest hatten wir mit den Japanern bisher keine Motivationsprobleme.

  2. Ben G. sagt

    Boah, das Spiel lässt einen echt ratlos zurück. Als hätten sie nichts, aber auch wirklich gar nichts verstanden.

    Ich war auch fast froh, dass Ange mal nicht zurück aus Feld kam. Allerdings dachte ich an Leistungsgründe, nicht an eine Verletzung.

    Es laufen halt im Moment derart viele neben der Spur, dass man es nicht begreifen kann.

    Hoffentlich gelingt es uns aus dieser Situation zu befreien.

    Allerdings ist das momentan eher Hoffnung denn Überzeugung.

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