VfB
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Alles Kopfsache?

Der schwäbische Patient

Es ist doch erstaunlich: Während der VfB Stuttgart selbst dringend auf jede erstligaverlängernde Maßnahme angewiesen ist, spielt das Team immer wieder den Psychotherapeuten für schwächelnde Gegner.

Ja, hinterher ist man immer schlauer. Aber trotzdem: Es war uns doch allen klar, dass Jan-Klaas Huntelaar gegen den VfB Stuttgart trifft und damit seine Torflaute beendet, die immerhin schlanke 12 Spiele andauerte. Doch warum sind die Stuttgarter immer wieder die Selbsthilfegruppe für psychisch angeknackste Spieler und Mannschaften? André Schürrle macht sein lang erwartetes erstes Saisontor: gegen den VfB. Nils Petersen trifft zum ersten Mal seit langem – und dann gleich doppelt: gegen den VfB. Und am Samstag wird nach Huntelaar auch noch dem Problem-Prince Kevin Boateng zum Torerfolg gezwungen: vom VfB. Diagnose: Akuter Misserfolg.


Es läuft nicht. Überhaupt nicht. Mittlerweile scheint es so zu sein, dass niemand mehr wirklich an den Klassenerhalt glaubt. Viele Fans schon lange nicht mehr und die Spieler anscheinend auch nicht länger. Kein Wunder, wenn man abgesehen vom Last minute Erfolg gegen Bremen Woche für Woche immer wieder Tiefschläge in letzter Sekunde kassieren muss. Immerhin liefert der VfB Stuttgart verlässlich eine gute Show. Das Spiel in Gelsenkirchen hätten andere Mannschaften wahrscheinlich nüchtern mit 2:0 verloren. Die Stuttgarter hingegen drehten die Partie und verließen zwischendurch sogar die Abstiegsränge, nur um nach 90 Minuten und teilweise begeisterndem Spiel wieder dort angelangt zu sein, wo man herkam: Am Ende.


Die letzte Chance: Keine Chance?

Hat der VfB also nicht nur ein Qualitäts- sondern auch ein Mentalitätsproblem? Haben die Spieler so oft gehört, dass das Team besser ist als der Tabellenplatz, dass sie mittlerweile selbst überzeugt davon sind? In einigen Momenten wie z.B. beim Bilderbuchkonter gegen Schalke, der zum Ausgleich führte, könnte man es selbst fast glauben. Aber punktuelle Highlights sind eben zu wenig.

Sehen wir den Tatsachen also ins Auge: Der VfB ist fällig. Kein Glück, kein Können, kein Karma. Während beim Hamburger SV sogar Heiko Westermann aus Versehen ins Tor trifft, und sich die Gegenspieler beim Torversuch ihr Bein zerlegen, bleibt der VfB der Ritter von der traurigen Gestalt: Nicht im Kampf gegen Windmühlen, sondern gegen individuelle Fehler.

„Es war trotz der Niederlage nicht alles schlecht, wir können viele positive Dinge mitnehmen. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt uns jetzt überhaupt nichts“

„Hoffnung macht, dass wir gut spielen.“

„Zumal unsere Spielweise auch auf Schalke wieder ordentlich war – abgesehen von den individuellen Fehlern. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass wir das Saisonfinale positiv für uns gestalten werden.“

Nein. Nein. Nein. 

Natürlich sagen die Spieler und Verantwortlichen im Interview das, was wir alle in dieser Situation sagen würden. Aber es ist doch so: Wenn das Team schon regelmäßig verliert, obwohl es gut spielt, wie will es dann gewinnen, wenn es mal einen schlechten Auftritt hat? Doch das einzi Positive an der verheerenden sportlichen Situation ist: Die Zeit von Phrasen, Hashtags und Durchhalteparolen neigt sich rasant dem Ende entgegen. Denn läuft der 32. Spieltag aus Stuttgarter Sicht ähnlich verheerend wie sein Vorgänger, könnte der VfB bereits mit einer Niederlage gegen Mainz den direkten Abstieg fast sicher eintüten.

Tabelle 32. Spieltag

Deswegen sind 9 Punkte aus 3 Spielen Pflicht und nicht mal das könnte am Ende reichen. Wenn noch irgendetwas Hoffnung macht, dann die Tatsache, dass es kaum noch welche gibt. Bislang war der VfB immer dann gut, wenn das Team mit dem Rücken zur Wand stand, hat aber regelmäßig versagt, wenn sie etwas erreicht hatte, auf dem sie sich ausruhen konnte. Die Spiele gegen Freiburg und Schalke sind nur das Ende einer unrühmlichen Serie. Mehr Rücken und eine größere und härtere Wand als Platz 18 nach 31 Spieltagen wird man kaum finden.

Jetzt oder nie: Ein Sieg gegen Mainz wäre die beste Therapie. Ansonsten droht das Trauma namens zweite Liga. Zumindest Robin Dutt scheint das verstanden zu haben:

„Wir spielen nicht gegen Barça oder Chelsea, wir spielen jetzt gegen Mainz, und deshalb ist meine Erwartungshaltung, dass wir dieses Spiel gewinnen – und deswegen war es das auch noch lange nicht.“

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4 Kommentare

  1. David sagt

    Immer dieses Gejammer, wir schaffen das auch mit Marketing Hashtags die sich der Bernd ausgedacht hat :D
    3 Pubkte gegen Mainz!
    Und Dutt macht bisher alles richtig, ruhiger gelassener Typ, was anderes braucht man nicht.

  2. Tom sagt

    Klar macht Dutt alles richtig vorausgesetzt man will in die 2. Liga. Würdiger Bobic Nachfolger!
    Ansonsten ist wirklich positiv zu sehen, dass die Hashtags und das andere Marketing Geblubber bald aufhören wird.
    Viele Zweitligisten sind online (Website, Social Media, Newsletter) 10x besser aufgestellt als der VfB. Bestes Beispiel RB Leipzig, die ich zwar nicht gut finde aber wovon viele viel lernen könnten. Trotz oder v.a. weil die so viel Gegenwind bekommen.

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