VfB
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4 gewinnt!

Den Stuttgartern wird gemeinhin nachgesagt, einem gesetzten Volk anzugehören. Gebruddelt wir gerne, aber sakrisch aufregen kann sich der gemeine Stuttgarter nur über einen Kratzer in seinem Daimler. Mehr Emotionen vermutet man nicht, positive schon gar nicht, schliesslich wurde hier auch der Wutbürger erfunden. Derbe large Vorurteile! Das Stuttgarter Sportpublikum hat 1993 bei der Leichtathletik-WM bewiesen, dass es begeisterungsfähig ist und 2007 nach der Meisterschaft, dass durchaus gerne gefeiert wird, als der gesamte Kessel lahm gelegt wurde. Aber es stimmt schon, der VfB-Fan neigt nicht zur Euphorie, in den letzten Jahren gab es hierzu auch wenig Gelegenheit. Dennoch will der VfB-Fan erobert werden mit guten Leistungen, vor allem auf der Haupttribüne. Dass der Funke einmal überspringt gelingt schon immer wieder mal, aber stets nur vom Feld auf die Tribüne – niemals umgekehrt.

Die Stimmung beim Spiel gegen Mainz ist jedoch nicht so, als ob der VfB Tabellenletzter wäre. Laut und leidenschaftlich geht es zu, auch wenn die Leistungen in dieser Saison nicht zwangsläufig zu Ausgelassenheit führen. Aber es reicht ein klitzekleiner Funke und das Stadion wandelt sich in einen Ort der Emotionen, das erinnert mich fast ein bisschen an Champions League-Abende: Es ist ein Flankenlauf von Filip Kostic, sicher der hundertste in den letzten fünf, sechs Spielen. Sein Ball kommt flach in den Fünfmeterraum, wo Daniel Didavi im letzten Moment geblockt wird. Jener Didavi, den es eigentlich gar nicht mehr geben kann. Schwere Verletzungen führten sogar zu Spekulationen, ob er seine Karriere beenden müsse. Huub Stevens hat vor wenigen Wochen das Saisonende für Didavi ausgerufen. Und jetzt ist es Didavi, auf dem alle Hoffnungen ruhen. Lasst es uns genießen, dass dieser Spieler wieder gesund ist. Es ist nicht zu übesehen, dass er der Unterschied im Abstiegskampf sein kann.

Nummer 18 lebt!
Didavi kann mit seinem linken Fuß Dosen öffnen, mit seinem Ballgefühl kann er Herzen brechen, seine Pässe öffnen Räume und erzählen Geschichten. Er sucht die 1:1-Situationen, um Überzahl zu schaffen und er verteidigt nach hinten auch mal recht trocken. Die Fantastischen Vier haben bereits einen Song über ihn geschrieben, er heisst „Dida“ und der Text geht so:

„Ist es Dida, der das 1:0 schießt?
Und ist es Dida, der dem HSV die Laune vermiest?
Ja, Dida ist der Mann, der den VfB retten kann.“

Didavi neigt dazu, die linke Seite zu überlagern und trifft mit dem unwiderstehlichen Kostic auf einen ebenso spielfreudigen Partner. Kostic, der in seinen besten Momenten an Arjen Robben erinnert, ist auf keinem seiner Flankenläufe aufzuhalten: Schnell, robust im Zweikampf und ein „One-Trick-Pony“ – immer außen vorbei, immer die Schnelligkeitsvorteile ausnutzend.

Mit Daniel Ginczek steht vorne der perfekte Zielspieler: Er kann lange Bälle festmachen, beteiligt sich immer wieder am Kombinationsspiel und steht normalerweise dort, wo er stehen muss. In den letzten beiden Spielen trifft zwar er nicht, ist aber entscheidend an den Toren beteiligt.

Dass der Funke überspringt, ist auch Serey Dié zu verdanken (die Fanta 4 haben auch ihm einen Song gewidmet: „Dié da“): Wie er in Zweikämpfe geht und Bälle erobert, reisst die Zuschauer auf der Haupttribüne teilweise von den Sitzen. Dié macht auch Nebenmann Christian Gentner stark, der sich ohne schlechtes Gewissen überall auf dem Platz herumtreiben darf. An der stabilen Leistung von Daniel Schwaab ist Dié ausnahmsweise nicht beteiligt. Obwohl, wer weiss? Schwaab jedenfalls bleibt fehlerlos und wirkt nicht immer so scheu und unbeholfen. Seine rechte Seite ist defensiv stabil und im Spielaufbau überzeugt er doch wirklich mit dem einen oder anderen konstruktiven Pass. Bekommt Schwaab wie auch die Mannschaft im allerletzten Augenblick die Kurve? Wenn nicht jetzt, wann dann!

Wie gehts weiter?
Der VfB steht nach diesem Spieltag im Spotlight, nachdem er die letzten Spieltage im Dunkeln durch den Tabellenkeller tappte. Es ist zu hoffen, dass der VfB sein Momentum nutzt. Schon einmal wurde ein Sieg als Wendepunkt bezeichnet: das Last-Minute-3:2 gegen Werder Bremen. Danach folgten teils dumme und auf jeden Fall unnötige Niederlagen gegen Augsburg, Wolfsburg und Schalke. Kein Sieg im nächsten Spiel gegen den HSV wäre verheerend. Beide Mannschaften spielen um Alles oder nichts. Sieg oder Sarg. Die Zuschauer werden in diesem Thriller wieder so leidenschaftlich dabei sein und durch das Stadion wird eine Welle der Unterstützung gehen – ganz unabhängig davon, dass in der Vergangenheit in der Vereinspolitik so einiges schief gelaufen ist. Alle haben verstanden, dass es absolut keine reinigende Wirkung hat, in die zweite Liga abzusteigen (auch wenn es sich hier und hier ganz logisch liest). Dass mit Bruno Labbadia ein ehemaliger Trainer nach Stuttgart kommt, wird die Zuschauer sicher auch nicht beruhigen. Sie werden dem schönen Bruno auf jeden Fall die Hölle heiß machen.

Was sagt Oli Schulz zu Daniel Didavi?
Er hatte schöne traurige Augen,
das machte viele Mädchen schwach.
Er war der Star in diesem Team,
von dem gerade jeder sprach.

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1 Kommentare

  1. Sehr schön – nicht nur in der Niederlage kreativ. Hoffnung ist geschöpft – und wann hatte man es schonmal, dass es der Tabellenletzte zwei Spieltage vor Schluss noch aus _eigener_ Kraft schaffen kann – und dazu gewillt scheint!!!

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