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Always Look on the Bright Side of Life

Ja, ich weiß, viele können das “Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen” Gelaber nicht mehr hören. Aber manchmal kann man gar nicht anders, als in den Rückspiegel zu schauen:

Denn vor ziemlich genau drei Jahren spielte der VfB Stuttgart ebenfalls gegen den VfL Wolfsburg – und das Team von Bruno Labbadia verlor 0:1. Wer sich das Elend inklusive Tor von Omar Marmoush, einem nicht gegebenen Handelfmeter für den VfB in der 86. Minute und den Absturz auf Platz 18 noch mal antun möchte, bitte sehr.

Drei Jahre später sind die Rollen getauscht: Der VfB mit besten Chancen, sich in den Top 4 festzusetzen und Druck auf Hoffenheim zu machen, die Wolfsburger im tiefsten Abstiegskampf, den man diesmal nichtmal durch teure Paniktransfers in der Winterpause entkommen konnte.

Zwei der vielleicht wichtigsten Gründe für diese Trendwende beim VfB Stuttgart konnten wir vor bzw. während des Spiels feiern: Es war das 100. Bundesligaspiel für Sebastian Hoeneß als VfB-Coach. Beim ersten, das nur drei Wochen nach der eingangs erwähnten Niederlage gegen Wolfsburg stattfand, feierte der VfB unter Hoeneß einen 3:2 Sieg in Bochum. In der Startelf damals wie heute übrigens Chris Führich und Atakan Karazor. Im Sturm stand damals ein Spieler, über den heute trotz seiner 28 Saisontore in der Saison 2023/2024 kaum noch jemand in Stuttgart spricht. Der Grund dafür erzielte heute seinen 14. Saisontreffer und seinen 50. Treffer im Trikot mit dem Brustring: Deniz Undav!

Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg war das Heimspiel, das wir uns nach der Niederlage gegen Sankt Pauli, dem Unentschieden in Heidenheim und der Heimniederlage gegen Celtic Glasgow alle erhofft hatten. Ein Spiel, in dem der VfB seine Potenziale endlich mal wieder komplett ausschöpft. Ein Spiel, in dem Sebastian Hoeneß seinen Widersacher überrascht und sein Team die Effizienz zeigt, die wir im Rückspiel gegen Celtic Glasgow vermisst haben.

Und viel besser kann ein Plan gar nicht aufgehen als der von Sebastian Hoeneß gegen Wolfsburg. Zum ersten Mal seit dem 14. Spieltag (damals ein 4:0 gegen Bremen) schickte er sein Team mit einer Dreierkette auf das Feld und ließ das Spiel breit machen. Damit kam das Team von Daniel Bauer überhaupt nicht klar und vor allem Chris Führich konnte immer wieder gefährliche Situationen kreieren.

Schaut man sich die Statistiken des Spiels an, sieht man große Ähnlichkeiten zum Spiel gegen Glasgow, denn wieder hatte der VfB über zwei Drittel Ballbesitz und wieder über 24 Torschüsse. Der große Unterschied zum 0:1 am Donnerstag: Aus drei zu erwartenden Toren machten Undav, Leweling und Nartey vier Treffer. Und Wolfsburg ließ im Gegensatz zu den Schotten die einzig nennenwerte Torchance kurz vor der Halbzeitpause liegen.

Und so holt der VfB Stuttgart an einem frühlingshaften Sonntagnachmittag im 12. Heimspiel der Saison seinen neunten Sieg. Und diesen so ungefährdet, dass das Team die zweite Halbzeit im Energiesparmodus absolvieren konte. Das 4:0 sorgt dafür, dass wir hoffen können. Hoffen, dass das Team von Sebastian Hoeneß wieder in die Champions League einzieht. Und hoffen, dass der VfL Wolfsburg endlich aus der Bundesliga verschwindet.

Das nächste Spiel findet tatsächlich erst am kommenden Samstag statt. Dann gibt’s ein Wiedersehen mit Silas und Mainz und hoffentlich den nächsten Auswärtssieg!

Aber noch mal kurz zum Beginn des Textes: Vor drei Jahren setzte es nach dem Spiel Pfiffe aus der Cannstatter Kurve für das eigene Team. Diesmal waren es die handgezählten 650 Wolfsburg-Fans, die in der zweiten Halbzeit das Gleiche machten, wie ihr Team: Sie stellten die Arbeit ein.

Und die VfB-Fans? Die packten schon in der ersten Halbzeit den Monty Python Klassiker aus, den man zuletzt im Celtic Park gesungen hatte, und der die letzten 36 Monate der VfB-Fans nicht besser beschreiben könnte.

When you′re chewing on life’s gristle
Don′t grumble, give a whistle
And this’ll help things turn out for the best


(Photos by Sebastian Widmann/Getty Images)

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18 Kommentare

  1. fritzo62 sagt

    Was gibt‘s an einem sonnigen Sonntag schöneres als so ein Spiel im ReLive zu sehen, vorzuspulen zu können und sich einfach nur entspannen.
    Führich at its best – der Typ ist echt der Hammer momentan

    • @abiszet sagt

      Ich hab’s genauso gemacht, :-) Was Nartey in seinen wenigen Minuten gezaubert hat, auch beeindruckend, Führich und Leweling sowieso.

  2. Hobbycamper sagt

    Nach diesem Spiel ist das VfB-Herz vor Freude gesprungen, es hat alles gepasst, das Wetter, die Kulisse, das Ergebnis, VfB-Herz was willst Du mehr… :-)

    Ich habe überhaupt nichts gegen eine Fortsetzung und kann nur sagen, Jungs, weiter so !

    An dieser Stelle auch mal ein herzliches Danke und Gratulation an Sebastian Hoeness für 100 Spiele als Trainer des Brustring-Teams. Wenn mir auch manchmal seine Entscheidungen Rätsel aufgeben und evtl. die “Zornesfalten” ins Gesicht treiben, am Ende des Tages hat er doch vieles richtig gemacht.

  3. Divina33 sagt

    Jetzt kann man nur hoffen, dass wir die CL erreichen und nächsten Sommer keinen Ausverkauf erleben (unmoralische Angebote)

    • @abiszet sagt

      Ich finde es generell interessant, dass bei einem Remis viele meinungsfreudig sind und vieles beanstanden. Bei souveränen Siegen fällt wohl es wohl schwer, Respekt zu zollen (zB für coole 3er Kette von Hoeneß, starke Form von Führich, Leweling) und Freude auszudrücken (wie Fritz).

      Bei einem klaren Sieg, Platz 4 und besten Aussichten an einen Ausverkauf zu denken, ist allerdings nochmal ne Stufe höher. Am besten, der VfB spielt … ja, wie eigentlich … damit ihm die Spieler nicht weggekauft werden …????

      • Hobbycamper sagt

        @abiszet, ähm, aber meinen Beitrag weiter oben hast Du schon zur Kenntnis genommen ?

  4. Ronny sagt

    Das war ein herrlicher Sieg, vor allem die ersten 45 Minuten waren eine Demonstration, natürlich auch dem unprofessionellen System der Wolfsburger geschuldet. Die Mitte wurde extrem verdichtet, wodurch Führich und Leweling soviel Platz hatten wie schon lange nicht mehr. In der zweiten Hälfte hat Bauer dann mit 5er Kette dagegen gesteuert. Nach dem 0 : 1 gegen Glasgow gab der VfB genau die richtige Antwort, leider hatte El Khannouss zum Ende seine Emotionen nicht im Griff und ist deshalb gegen Mainz gesperrt, aber das werden wir hoffentlich im Kollektiv bewältigen.

  5. Divina33 sagt

    @abiszet

    Da hast du mich wohl falsch verstanden:

    1. Ich hoffe, dass wir die CL erreichen, damit wir Argumente haben unsere Spieler zu halten und wir in der nächsten Saison ein eingespieltes Team haben.

    2. Von den Verantwortlichen hoffe ich, dass sie nicht schwach werden, wenn Scheichclubs mit Pedrodollars weddeln.

    3. Jetzt bin ich vor allem gespannt auf die Spiele gegen Porto – eine internationale Benchmark.

    • @abiszet sagt

      @Divina
      Alles klar ;-)

      @Hobbycamper
      Ja logisch, sorry, hatte Dich nicht erwähnt.

      Aber es ist schon entlarvend, wenn die Lust am Kritisieren (Aus/Einwechslungen, Spielsystem “dechiffriert”, Chancentod usw) größer ist als die Freude am Sieg mit schönen Toren an einem herrlichen Tag (bisher Kommentierende ausgenommen)

      • Jochen sagt

        Sorry Wolfsburg war kein Gegner sondern ein Opfer. Warten wir doch mal ab was jetzt in den entscheidenden Wochen passiert. Ich hoffe Eure große Euphorie bewahrheitet sich. Ich habe ja nichts gegen VfB Siege. Wenn das alles so kommt wie ihr es glaubt. Prima! Ich melde mich dann wieder!

      • Olli Wezel aka debutanker sagt

        @abiszet
        Moment! Wir sind doch alles Schwaben und da gilt eben: “Nix gschwätzt, isch gnuag globt!” :-)

        • @abiszet sagt

          @Olli
          Das mag sein und ist auch ok.

          Nur bei einer Niederlage wird es stets unsachlich und es wird der Untergang des VfB prophezeit aufgrund von Unfähigkeit (keine Sechser, kein großer IV. Es fehlt ein bulliger UND schneller Neuner, Hoeneß Taktik fürn Arsch) und das ist ziemlich ermüdend (und langweilig).

          • Olli Wezel aka debutanker sagt

            @abiszet
            War auch eher ironisch gemeint und ich bin da absolut bei dir (meine Kommentare lassen hoffentlich darauf schließen, dass ich stets versuche die Dinge nüchtern, positiv und objektiv anzugehen).
            Es gab definitiv schon genug andere Zeiten, in denen der Untergang und die Unfähigkeit wahrscheinlich zurecht angeprangert wurden – aktuell sollte es dazu doch wirklich ziemlich wenig (bzw. gar keinen) Anlass dazu geben.
            Der gesamte VfB lässt mich momentan wohl eine der schönsten Zeiten in meinem bisherigen Fan-Dasein erleben und dies genieße ich in vollen Zügen!!

  6. Divina33 sagt

    @abiszet … ne Stufe höher…

    Da hast du mich wohl falsch verstanden:

    1. Ich hoffe, dass wir die CL erreichen bzw. den Platz stabilisieren , damit wir Argumente haben unsere Spieler zu halten und wir in der nächsten Saison ein eingespieltes Team haben und uns auch SH erhalten bleibt.

    2. Von den Verantwortlichen hoffe ich, dass sie nicht schwach werden, wenn Scheichclubs mit Pedrodollars weddeln.

    3. Derzeit spielt der VfB historische Spielzeiten – meist erfolgte in der Vergangenheit der Abverkauf.

    Für mich ist die spannende Frage ob wir uns unter den ersten vier etablieren können. Sorry, dass ich nicht in die vier euphorischen Beiträge gleich einstimme, wenn wir gegen die Betriebsmannschaft VW gewinnen.

    Am 30. Spieltag müssen wir zu den Lederhosen und am 32. Spieltag zu SAP.

    4. Jetzt bin ich vor allem gespannt auf die Spiele gegen Porto – eine internationale Benchmark.

    • @abiszet sagt

      Ganz klar, es ist nichts erreicht, Divina.
      Und in der Tat kommen die Klopper alle noch.

      Aber anders rum ist es genau so richtig:
      Wenn Remis gespielt wird oder gar verloren wird, wird so getan, als ob alles vorbei wäre. Wir sind am Anfang der Saison schon abgestiegen “nur HSV und HDH schlechter”, Undav ist kein Torjäger, Medo ein Rumpelfüßler, es fehlt wahlweise ein bulliger und schneller Stürmer, ein Sechser, ein 2-Meter-Innenverteidiger oder gar ein Torwart, Hoeneß wechselt falsch und sein System ist falsch, nur quer zurück, Ballbesitz als Selbstzweck … Du kennst die üblichen Kommentare. Die wieder kommen werden, wenn der VfB nicht 3:0 in Mainz gewinnt (“hab’s immer gesagt”).

      • Hobbycamper sagt

        @Andreas, super, es ist also wie immer, die Wahrheit liegt bekanntermaßen auf dem Platz, die Mannschaft hat’s also in der Hand, nein, besser in den Füßen.

        Es muß ja nicht gleich ein 3:0 in Mainz sein (wobei, wenn ich es recht überlege, doch…nehme ich auch), so kleine 3 Pünktchen täte ich mir schon wünschen, gell… 😉👍

  7. Ronny sagt

    Du meldest dich dann wieder wenn wir ein Spiel nicht gewonnen haben, ganz toll deine Einstellung. Wir haben jetzt schon, 10 Spieltage vor Ende der Saison das internationale Geschäft zu 90% in der Tasche, ich denke mal das gab es noch nicht so oft.

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