Autor: @abiszet

Der VfB macht mich fertig. Deshalb liebe ich ihn.

Verein für Herzinfarkt. Ich habe immer noch Puls. Und wahrscheinlich wird sich mein Herzschlag erst Mitte der Woche wieder normalisieren. Deshalb wurde Fußball erfunden, deshalb ist das Neckarstadion stets ausverkauft, deshalb bewegt Fußball die Menschen. Denn wie oft war das Spiel gegen Borussia Dortmund gelaufen? Beim 0:2 durch Donyell Malen? Bei der gelb-roten Karte von Dinos Mavropanos? Beim 2:3 von Giovanni Reyna in der Nachspielzeit? Der VfB mit einem surrelaen Comeback. Und mit noch einem in der 97. Minute, einem noch viel größerem. Das Spiel steht in einer Reihe der spektakulären Dortmund-Spiele mit dem 4:4 (2012) und dem 5:1 (2020) – und das in Unterzahl. Weil die Mannschaft an sich geglaubt hat und nicht uneins ist, wie uns viele Stimmen glauben machen wollen. Weil die Mannschaft nicht zum ersten Mal Kampfgeist zeigte, der ihr regelmäßig unter anderem vom kicker abgesprochen wird. Weil die Mannschaft nicht aufgegeben hat und besser ist als viele denken – unter anderem manche Entscheider in der Mercdesstraße. Dabei spielte sie lange so, wie man es ihr unterstellt: nett und naiv. Der …

Der VfB kann leiden

Dass die Stuttgarter Fans leiden können (und es leider in den letzten zwei Jahren auch mussten), das war klar. Aber auch die Mannschaft zeigt ihre Leidensfähigkeit beim 3:2-Sieg in Bochum. So sieht dann ein Trainereffekt aus: Zwei Spiele, zwei Siege unter Sebastian Hoeneß. Tief im Westen ist Showtime am Ostersonntag. In einem hitzigen Spiel holt der VfB drei wichtige Punkte, die noch big werden können. In der gesamten Labbadia-Zeit wurde uns erzählt, dass es in der Mannschaft nicht stimmen soll, geglaubt habe ich das selten. Aber es passte so gut zu den Klagen von Bruno Labbadia, warum sein Fußball nicht funktioniert, und zu Alex Wehrles Story, die Mannschaft sei nicht gut genug (zusammengestellt), obwohl er sie mit verantwortet. Das Gegenteil haben wir in Nürnberg und Bochum erlebt, alleine wie die Ersatzspieler die Treffer von Serhou Guirassy und Josh Vagnoman gefeiert haben, spricht eine andere Sprache. “Ich habe in der Mannschaft einen überragenden Fighting Spirit gesehen”, hat auch Hoeneß erkannt und fordert: „Das ist der Weg, das ist auch die Marschroute für die kommenden Wochen.“ Im …

Bissle Aufbruchstimmung

Spiele gegen den 1. FC Nürnberg sind immer etwas Besonderes. Nicht nur, weil sie oft von großer Bedeutung sind oder der VfB meist beim Club gewinnt, sondern weil dort die enorme Kraft der Fans sicht- und spürbar wird (wer im Max-Morlock-Stadion war, wird das bestätigen). Wer die VfB-Fans beim Pokalviertelfinale in Nürnberg erlebt hat, der versteht wie sie ticken. Trotz der sportlichen Situation ist die Südkurve voll und das am frühen Abend mitten in der Woche. Der (manchmal flammende) Support ist beeindruckend, er ist laut, er ist stark, er gibt Rückhalt. Aber gleichzeitig sind die Fans kritisch (ok, manchmal auch schwierig), aber das ist auch gut so bei den aktuellen Entwicklungen auf Vereins- und AG-Ebene. Und gleich nach dem Apfiff das vorbereitete Banner „Am Sonntag Bochum schlagen“ zu präsentieren, zeigt die Sensibilität der Supporter: Jetzt nicht nachlassen, wie es die Mannschaft gerne einmal macht. Nachdem die Fans zuletzt ihrem Unmut zum Ausdruck brachten wegen der Leistungen gegen Wolfsburg und Union, wurde gemeinsam mit der Mannschaft der Einzug ins Pokal-Halbfinale gefeiert. Wohlwissend: Nur gemeinsam geht’s. Womöglich …

Labbadias Scheitern ist Wehrles Scheitern

Der VfB mit einem ordentlichen Spiel gegen Union Berlin und trotzdem trennt man sich von Bruno Labbadia. Am Auftritt der Mannschaft (vor allem in der ersten Halbzeit) kann es nicht gelegen haben und „keiner kann behaupten, sie wäre nicht gut eingestellt gewesen“ (Labbadia). Wenn die Leistung gegen Union nicht unbedingt der Grund für die Trennung ist: Warum hat dann Alexander Wehrle nicht schon vor zwei Wochen reagiert? Ein unverantwortlicher Fehler, nicht schon früher gehandelt zu haben. Ebenso, überhaupt Labbadia unter großem Getöse und Weltuntergangsszenarien eingestellt und mit einem Vertrag bis 2025 ausgestattet zu haben. Im Grunde seit September, seit der Vorstellung von Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner, geht es nur in eine Richtung: nach unten – sportlich, kommunikativ, atmosphärisch. Labbadias Scheitern ist ein Scheitern mit Ansage: Man musste kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass der Trainer nicht zum Team passt. Sowohl was seine antiquierte Ansprache und seine Methoden angeht als auch was seine Spielweise betrifft. Vorstands-Boss Wehrle, dessen Personalie Labbadia ist, muss das wissen, denn Labbadia ist kein Unbekannter. Wer Labbadia einstellt, …

Schuld sind immer die anderen

Gegen einen Champions League-Kandidaten zu verlieren, ist keine große Sache. Aber es ist Union Berlin! Das tut besonders weh. Die Köpeniker ließen den VfB 2019 hinter sich, stiegen auf und deren Weg verläuft anders als bei den Stuttgartern: Immer weiter nach oben, während in Stuttgart dem tiefsten Tiefpunkt kurz darauf ein noch tieferer Tiefstpunkt folgt. Dazu kam man durchaus die im Dezember von Alexander Wehrle erfolgte Verpflichtung von Bruno Labbadia zählen. Elf Bundesligaspiele, sechs Punkte, keiner war jemals schlechter. Aber der Trainer ist nach wie vor von sich überzeugt, obwohl er weder überzeugende Argumente noch überzeugende Spiele liefert. Von überzeugenden Aufstellungen wollen wir gar nicht sprechen. Dass Bruno Labbadia sein alternativloses 4-3-3 nicht ändert, war klar, als er selbstgewiss unter der Woche auf Systemfragen antwortete. Aber im Detail justierte er vor dem Union-Spiel nach: Wataru Endo rückte anstatt Atakan Karazor auf die Sechs, dafür kam der spielstärkere Enzo Millot in die Partie. Im Dreierstrum rotierte der Trainer wieder ordentlich durch. Dieses Mal starteten Juan Perea, Tiago Tomas und Josh Vagnoman. So langsam müsste Labbadia für …

Bruno im Land der Bruddler

Wir befinden uns im Jahre 2023 n. Chr. Ganz Fußball-Deutschland möchte Tore schießen, egal wie. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Schwaben bevölkertes Dorf namens Stuttgart hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Es sieht keine Alternative darin, in erste Linie Tore zu verhindern, was ihr leider zu selten gelingt. Das Leben ist nicht leicht für die Fans. Sie verzweifeln daran, dass es keine Idee gibt, wie Tore geschossen werden können. Sie lieben das schöne Spiel und glauben, genau damit auch ein paar Punkte mehr haben zu können, um nicht Tabellenletzter zu sein. Trainer der Schwaben ist Bruno Labertfix. Vor und nach den Spielen redet der Coach sehr viel über sich und seine Ideen, die leider meistens nicht aufgehen. Man hört ihm gerne zu, er ist ein sympathischer Typ. Aber man wird den Eindruck nicht los, er wäre am Anfang seiner Trainer-Karriere in einen Zaubertrank voller Trainingsmethoden aus den 90er Jahren gefallen. Der Fußball hat sich verändert, Bruno Labertfix jedoch nicht. Alex Verantwortlichfürnix, seit zwölf Monaten Boss der Schwaben, hat mit Sven Diamantix viele Spieler verpflichtet, …

Labbadia coacht den VfB in die zweite Liga

Man muss auch mal was gut finden: Das Beste bei der 0:1 Niederlage gegen den VfL Wolfsburg war das schöne Sondertrikot für Vielfalt. Bei herrlichem Wetter hatten viele Fans ein gutes Gefühl, dass in diesem wegweisenden Spiel ein Sieg gelingen könnte. Was sie zu sehen bekamen war allerdings die Vielfalt der Unfähigkeit. Der Labbadia-Effekt: Tabellenletzter Ich frage mich, woher Bruno Labbadia das Selbstvertrauen nimmt, nach dem Spiel zu sagen „wenn es jemand schafft, dann ich“. Der VfB spielte unter ihm zwar in der Defensive gewohnt „ordentlich“, hatte aber in der Offensive – wie immer unter Labbadia – überhaupt keinen Plan. Geht es unter Labbadia in den folgenden neun Spielen so weiter wie in den bisherigen zehn Partien (6 von 30 Punkten) unter seiner Leitung, holt der VfB noch einen Sieg und steigt chancenlos ab. “Die Frage zum Trainer steht nicht zur Debatte”, sagte Fabian Wohlgemuth nach dem Spiel gewohnt linkisch. Es tut mir leid, aber ich kann Wohlgemuth nicht ernst nehmen, er fiel in seiner Zeit beim VfB bereits mit allerlei hilflosen und schwer nachvollziehbaren …

Die Stimmung ist besser als die Lage

Sechs von 27 möglichen Punkten seit Amtsantritt von Bruno Labbadia sind die Bilanz eines Absteigers und von einem schnellen Wirken der Labbadia-Maßnahmen ist nichts zu sehen. Das hatte sich Alex Wehrle bei der Verpflichtung ganz anders vorgestellt, argumentierte er doch bei der Medienrunde, dass jetzt nur Ergebnisse zählen und ausschließlich ein Mann wie Labbadia diese liefern könne. Trotzdem ist die Stimmung gut: Beim Trainer, der auf viel Gutes hinweist und um Geduld bittet, als sei der Erfolg nur eine Frage der Zeit. Und als hätte der VfB genug Zeit. Beim Sport-Direktor, der meint, dass der VfB sich auf einem guten Weg befindet. Beim Vorstandsvorsitzenden, der gute Ansätze sieht und voll von seiner Entscheidung überzeugt ist. Bei der Mannschaft, die sich bestätigt fühlt nach den ordentlichen Auftritten gegen Bayern und Frankfurt. Bei den Fans, die wie wild Trikots kaufen (das ist aber auch schön) und für ausverkaufte Heimspiele sorgen und unbeirrt zu den Auswärtsspielen reisen, obwohl der VfB dort seit Ewigkeiten nicht mehr gewinnen konnte. Da ihr es vom Auswärtsfahrerfrust hattet: der letzte Auswärtssieg fand noch …

Warum Labbadia vor anderen Herausforderungen steht als bisher

Bruno Labbadia gilt als der Garant für den Klassenerhalt. In Stuttgart, Hamburg, Wolfsburg und Berlin hielt er stets die Klasse, wenn auch zwei Mal über den Umweg Relegation. Aber warum funktionieren er und sein System nicht so richtig bei seiner zweiten Amtszeit beim VfB? Auffällig bei allen erfolgreichen Rettungsmissionen von Labbadia: Stets waren es deutlich höher eingeschätzte Mannschaften, die eigentlich im Abstiegskampf nicht zu suchen hatten. Und denen der erfahrene Trainer mit klaren Maßnahmen Struktur und Stabilität verlieh und ihre wahre Leistungsfähigkeit weckte. Stuttgart, 2010 bis 2013: In seiner ersten VfB-Amtszeit arbeitete Labbadia unter anderem mit Matthieu Delpierre, Serdar Tasci, Christian Gentner, Zdravko Kuzmanovic und Cacau zusammen. Den Klassenerhalt darf man bei diesem Kader erwarten. Später kamen William Kvist, Vedad Ibisevic und Martin Harnik dazu. Unter Labbadia spielte der VfB in der Folge das letzte Mal international und erreichte zudem das Pokalfinale. Hamburger SV 2015 bis 2016: Sechs Spieltage vor Ende der Saison 2014/15 übernahm er den Dino auf dem letzten Tabellenplatz. Er holte zehn von 18 möglichen Punkten mit seinem Kapitän Raffael van der …

Nur ein Punkt gegen die Frankfurter “Trottel”

Eine Mannschaft spielt meistens so wie ihr Trainer ist. Unter Pellegrino Matarazzo agierte der VfB frisch, mutig, aber auch leichtsinnig, fehlerhaft und zweifelnd. Unter Bruno Labbadia spielt das Team immer strukturiert, risikolos und nett. Eben ordentlich. So ordentlich wie ihr Trainer ist. Wie fast immer unter Labbadia war auch in Frankfurt mehr drin als ein Punkt. Aber es reicht eben nicht, nur kompakt zu stehen und Dienst nach Vorschrift zu machen. Ich sehe es kommen, wie Labbadia am 34. Spieltag sagt, dass mehr drin gewesen wäre als der Abstieg, dass man eigentlich immer auf Augenhöhe mit jedem Gegner gewesen wäre. Eintracht-Trainer Oliver Glasner war nicht zufrieden mit seiner seltsam lethargischen Mannschaft. “Wir haben eine fantasische Hinrunde gespielt und stehen im Achtelfinale der Champions-League. Und trotzdem haben wir kein Selbstvertrauen. Wir sind Trottel“, so Glasner selbstkritisch auf der PK. Labbadias typischer „Ja, aber …“-Fußball Der VfB kann aus der Verzagtheit der Hessen keinen Vorteil ziehen. Die Mannschaft arbeitet Fußball mit einer 9-to-5 Mentalität, man kann ihr nicht viel vorwerfen. Sie macht wenig falsch, aber auch nicht …