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Der VfB reißt Dortmund den Arsch auf

Sorry, für die Überschrift, aber das wollte Mats Hummels auch im Interview nach dem Spiel sagen. „Wir haben keine gute erste Halbzeit gespielt, gehen glücklich mit 1:1 in die Pause und dann reißt uns … macht das der VfB richtig gut“ Und ja: Hummels hat Recht. Punkt.

Natürlich erwischt der VfB die Dortmunder in einer guten (aus Stuttgarter Sicht) bzw. schlechten (aus Dortmunder Sicht) Phase. Durch viele Spiele kommen sie auf dem Zahnfleisch daher, unter der Woche noch in St. Petersburg auf dem Platz, die Formkurve am Sinken und Top-Scorer Erling Haaland ist auch noch verletzt. Wie der VfB allerdings den BVB herspielt, ist sensationell. Wenn man die vergebenen Chancen von Matteo Klimowicz dazu zählt, geht das Ding 1:8 aus! Schützenfest! Schützenfest!

Philipp Förster sagte nach dem Spiel: „Wir hatten einfach den besseren Plan“. Pellegrino Matarazzo hat wie gegen Bayern München wieder Tanguy Coulibaly in die Sturmmitte gesetzt. Aber er war nicht nur dort, sondern überall. Und wenn er es nicht mit einem Gegenspieler aufnehmen konnte, dann mit zwei und mit drei. Das ist mir vielfach zu verspielt, einfach spielen kann der junge Franzose nicht, aber sein Tor zum 1:4: Weltklasse! Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass Coulibaly von einem Hummels, der in dieser Szene wirkte wie betrunkener Altherrenkicker am Sonntagmorgen, kaum angegriffen wurde. So gut der VfB war, so schlecht war der BVB. Trotzdem muss der VfB das auch so runter spielen, mit dieser Konsequenz, mit dieser Lust am eigenen Spiel, mit dieser Freude am Kombinieren und einem Zusammenhalt, der einen beim Zuschauen jubeln lässt. Stellvertretend Gregor Kobel nach einer Rettungsaktion von Konstantinos Mavropanos: „Ganz groß, Dino!“

Auffällig: Alle waren gut, es lässt sich kaum jemand herausheben. Auf den Torschützen liegt immer viel Augenmerk, aber Borna Sosa, Orel Mangala, Wataru Endo, Waldemar Anton und Marc-Oliver Kempf waren auch ohne Torerfolg herausragend. Für mich alles Kandidaten für die Elf des Tages beim „kicker“. Oder, wie der CEO es sagt:

Gegen Ende wollte Matarazzo den BVB schonen, in dem er die Torschützen Coulibaly, Förster und Silas auswechselte. Aber das war der einzige Plan, der an diesem denkwürdigen Samstagnachmittag nicht aufging: Zum Schluss traf auch noch der eingewechselte Nicolas Gonzalez, im Sprint eskortiert von zwei Dortmundern, die spürbar übersäuert waren und die mit Kopf unter dem Arm dem Argentinier hinterher liefen.

Bei aller berechtigten Euphorie über diesen VfB, der Spaß macht wie nie: Der Sieg gegen Dortmund ist noch viel mehr wert, wenn auch gegen Union Berlin nächste Woche gepunktet wird. Am liebsten sollte auch den Köpenikern der Arsch aufgerissen werden. Als Wiedergutmachung für die Relegationsspiele 2019. Do it, VfB!

Das VertikalGIF zum Spiel findet ihr hier.

Foto: Imago (Poolfoto Ralf Ibing /firo Sportphoto)

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13 Kommentare

  1. Niels Holgerson sagt

    Jungs … ein Tag für die Geschichtsbücher. Ich tanze auch auf dem Tisch. Aber Nomenklatur … bitte!

  2. BvB kaputt, kann mich aber noch gut an das 0:4 Hinrunde 18/19 nach Weinzierls Antritt erinnern… Eher normal sowas und heute die Ausnahme.

  3. Elmar Amendinger sagt

    Aufgewacht – erst mal ins Netz geschaut, nein, es war kein Traum. Unfassbar geile Freude. Vor allem wenn man als Exil Schwabe im Pott lebt und arbeitet.

  4. Clemens sagt

    Gestern war eine absolute Sternstunde, an die man sich vielleicht in einer zukünftigen Rückbetrachtung zur Entwicklung des VfB Stuttgart erinnern wird. Frei nach dem Motto „Das war der Beginn einer erfolgreichen Ära“. Es kann aber auch der Anfang vom Ende sein, ähnlich wie nach dem 4:1 in München am 12.05.2018. Berauscht von der eigenen vermeintlichen Stärke fand man sich nämlich ein Jahr später in der 2. Liga wieder. Was ich damit sagen möchte, ab sofort hat sich die Fallhöhe für diese junge, aufstrebende Mannschaft verändert, steigen die Erwartungen an das Team. Bereits gegen Union wird die Stabilität dieses Konstrukts auf eine harte Probe gestellt. Union hat nichts zu verlieren, kann dem VfB bei hohen Standards extrem weh tun und ist auch ohne Kruse spielerisch – die gestrige Partie gegen die Bayern hat es gezeigt – eine ernst zu nehmende Mannschaft.

    Die größten Fehler werden zumeist im Erfolg gemacht. In diesem Sinne sollten die Verantwortlichen beim VfB Stuttgart die aktuellen Überflieger ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen und verdeutlichen, dass man bislang noch gar nichts erreicht hat und das Ziel weiterhin der sichere Klassenerhalt sein muss. Gonzalez, Sosa, Coulibaly, Wamangituka, Endo und Mangala haben sich durch ihre Auftritte ins Rampenlicht von Medien sowie Scouts und Beratern europäischer Top Vereine gestellt. Es wird also recht schnell gehen, dass erste Offerten den aufstrebenden Jung-Stars den Kopf verdrehen. Wollen wir hoffen, dass dies nicht zu Lasten des VfB geht und dass der gestrige Nachmittag nur einer von vielen weiteren spektakulären Auftritten ist, die uns für die spielerische Magerkost aus den zurückliegenden Jahre entschädigen.

  5. drhuey sagt

    Was für ein Nachmittag: Während es für meinen Sohn schwierig war, muss ich ungefähr so ungläubig geschaut haben als hätte Salma Hayek gerade zu mir gesagt: „Klar, ich würde es lieben, wenn Du mal Whisky von meinem Bein trinken würdest. Morgen Abend bei mir?“ Diese Mannschaft hat eine grossartige Entwicklung in so kurzer Zeit gemacht, dass, würde sie längerfristig zusammen bleiben, eine grosse Ära prägen könnte. Leider ist das unrealistisch, wenn man VfB ist. Jetzt wünsche ich mir nur noch eines vor Weihnachten: die Revanche gegen Union Berlin. Das wird so ein Bremen-Spiel, eher mit noch weniger Räumen. Ich denke Gonzalez von Beginn an wäre kein grosser Fehler ;)

    • Clemens sagt

      Danke, dass du uns an deinen geheimsten Phantasien mit Salma teilhaben lässt. Durchaus spannende Vorstellung.

      Für deinen Sohn mag die Schwarze-gelbe Vorstellung hart gewesen sein, könnte aber einen wertvollen Beitrag zur fußballerischen Erziehung geleistet haben. Dasselbe musste ich mit meinem Sohn bzgl. des HSV durchmachen, dessen Kindergärtner ihn zunächst auf die dunkle Seite der Macht gezogen hatte. 2007 in Stuttgart, beim späten Siegtreffer durch Mario Gomez gegen die Hamburger, waren seine letzten Wiederstände gebrochen (und wenn auch nur aufgrund der väterlichen Euphorie mit kindlichen Anwandlungen).

      • drhuey sagt

        Man kann Dich nur beglückwünschen, dass Du die Scharte auswetzen konntest. Hier liegt der Fall etwas anders: Mein Sohn hat nicht den Segen einer schwäbischen Herkunft; er ist in der Schweiz geboren und ich hatte die letzten 11 Jahre wenig Argumente. Ein Leben zwischen totaler Verzweiflung, Ankündigungen nun wirklich den Mitgliederausweis zu zerschneiden und doch jedesmal wieder zu hoffen erschien ihm verständlicherweise nicht sehr attraktiv. Aber der Super-Gau einer Bayern-Anhängerschaft musste vermieden werden und insofern ist schwatz-gelb ein erzieherischer Teilerfolg. Deine Story zeigt mir aber, dass der Job noch nicht erledigt ist :).

  6. Armin sagt

    …nur noch 23 Punkte…zum Klassenerhalt….und danach wird jeder weitere gewonnene Punkt zur Fiesta!

  7. Bernd sagt

    Sehe das nicht ganz so optimistisch. Wenn der VAR nicht so einen gnädigen Tag hat und uns nur zwei Elfmeter klaut, dann kann das Spiel ganz anders ausgehen. Kobel weiterhin ohne Torgefahr. Förster ein echtes Kameradenschwein, macht Silas einfach seine Vier-Tore-Serie kaputt. Spricht nicht gerade für eine intakte Mannschaft. Daran hat auch der Trainer seinen Anteil: Coulibaly vor lauter Angst vor der Torjubel-Schelte lässt er im letzten Moment noch das Trikot an. Sieht so moderne Führungskultur aus? Klimowicz erinnert enorm an den Gonzalez von vor zwei Jahren. Und den muss man inzwischen wohl als Fehleinkauf abstempeln, gegen den BVB wieder nicht in die Startelf geschafft.

  8. Clemens sagt

    Womit wir den Fehler vermutlich gefunden haben, nämlich das berufliche Nomadentum der Väter. Dieses ist scheinbar für fußballerisch entwurzelte Söhne verantwortlich. Über 30 Jahre in Hamburg bürgen in meinem Fall für eine hohe Gefahr der falschen Vereinszugehörigkeit. Wenn am Ende trotzdem ein VfB Anhänger dabei herauskommt, spricht das für eine gute soziale Resilienz. In diesem Sinne ein norddeutsches toi, toi, toi für dich und deinen Sohn.

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