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Ein Pflicht-Dreier

So schnell kann‘s gehen: Am Donnerstag und Freitag schien die VfB-Welt wegen des Wechsels von Wataru Endo nach Liverpool unterzugehen, am Samstag dann alle in weiß, Riesen-Stimmung, 5:0-Sieg und Tabellenführer.

Wobei man sagen muss:
Der Sieg gegen Bochum war nichts anderes als ein Pflichtsieg. Wer eine stabile Saison spielen will, muss gegen den Club aus dem Ruhrpott gewinnen. Euphorie ist also total unangebracht.

Nicht nur weil der VfL an diesem Spieltag kein ernst zu nehmender Gegner war, sondern weil bis zum Ende der Wechselperiode noch reichlich Bewegung in den Kader kommen wird. Und es ist zu befürchten, dass sich die Qualität der Mannschaft nicht erhöhen wird, auch weil für Transfers nicht das entsprechende Budget bereit gestellt wird. Es gibt dazu widersprüchliche Aussagen von Alex Wehrle und Fabian Wohlgemuth. Der kicker schreibt von der irrwitzigen Zahl von 45 Millionen Transferüberschuss, die der VfB erzielen will oder muss. Kann aber auch sein, dass Umsatz und Überschuss verwechselt wurde. Kann vorkommen bei einem Medium, das in der hochgeschobenen Hose von Enzo Millot ein Zeichen mangelnder Disziplin sieht.

Der kicker wird deshalb wohl überrascht gewesen sein, dass Enzo seine Rolle als Endo-Ersatz gegen Bochum sehr diszipliniert (sic!) ausfüllte. Er spielte seinen Part högscht seriös, hielt seine Position, besetzte klug Zwischenräume und zeigte sich engagiert und lauffreudig (11,2 Kilometer). Für Sebastian Hoeneß ist Millot als Endo-Ersatz durchaus ein Modell für die Zukunft, auch wenn der 21-jährige dabei seine offensiven Stärken nicht komplett entfalten kann. Zuletzt spielte er eine Mischung aus Zehner und hängende Spitze, glänzte als Vorbereiter und Torschütze.

Von den Neuzugängen starteten Alex Nübel und Woo-yeong Jeong, sie stehen symbolisch für das Analyse-Ziel „mehr Effizienz“ in den Strafräumen. Hinten hat das gut geklappt, Nübel wurde zwar nur ein halbes Mal gefordert, strahlte aber bei hohen Bällen eine Sicherheit aus, die viele Fans in der jüngeren Vergangenheit vermissten. Jeong hingegen konnte die Effizienz noch nicht nachweisen und ließ zwei riesige Chancen aus.

Gut, dass andere treffsicherer sind:
Serhou Guirassy verwertete gleich seine erste Chance. Er katapultierte die Retro-Kugel regelrecht ins Tor, nachdem ihm Hiroki Ito den Ball perfekt in den Lauf gespielt hatte. Der mächtige Dan-Axel Zagadou nickte eine sehr gute Ecke von Chris Führich ein und Silas überzeugte zwei Mal mit Coolness vor dem Tor, nachdem er sich zuvor zwar sehr engagiert zeigte, sich aber immer wieder verhaspelte.

Zwei Assists auf Silas und auf Guirassy zum 5:0-Endstand kamen von wem?
Pascal Stenzel. Der schon immer und ewig hohe Wertschätzung im Club genießt, vor allem seine integrative Rolle in der Kabine ist nicht zu unterschätzen. Jetzt kann er endlich auch einmal auf dem Rasen zeigen, was er kann. Er ist nicht unbedingt der Schnellste, was gegen Bochum überhaupt nicht auffiel, überzeugt allerdings mit seiner Spielintelligenz und seiner soliden Technik. Standardsituationen sollte er aber lieber anderen überlassen.

Zeitweise machte das Spiel den Eindruck einer Erstrundenpartie im DFB-Pokal.
Bundesligist gegen Amateure.
Das Spiel ist also kein Gradmesser für die Form des VfB. Die Viererkette hatte bis auf ganz wenige Ausnahmen einen gemütlichen Nachmittag, offensiv hatte der VfB stets genug Zeit und viel Platz, um sich in den Strafraum zu kombinieren. Das wird so nicht mehr oft vorkommen. Aber der VfB muss so eine Aufgabe auch erst einmal ernsthaft und sachlich bewältigen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so, wenn die Mannschaft vor dem Spiel schon den Eindruck hatte, dass es gegen einen Gegner geht, dem man „eigentlich“ überlegen ist. Die Mannschaft spielte jedoch die Partie mit aller Konsequenz zu Ende, ging noch auf weitere Tore und feierte im ausverkauften Neckarstadion einen stimmungsvollen Saisonauftakt. Nicht ganz vergessen sollten wir, dass das Spiel evtl. eine ganz andere Richtung hätte nehmen können, wenn die Bochumer Zagadous Blackout in der zweiten Minute ausgenutzt hätten. Aber man kann ja auch einfach mal Glück haben.

Das Spiel am Freitag gegen Leipzig wird dann zur echten Standortbestimmung. Bis dahin wird Dinos Mavropanos zu West Ham United gewechselt sein und womöglich ist Borna Sosa nach Sevilla weiter gezogen. Bei beiden sind ihre Wechselgedanken schon lange (öffentlich) bekannt. Der VfB würde zwei weitere Spieler verlieren, die den Unterschied ausmachen können. Und er verliert Sympathieträger, die den VfB in den letzten Jahren geprägt haben (Sosa wäre fünf Jahre in Stuttgart) und mit denen sich viele identifizieren konnten. Aber beide wollen sich sportlich und finanziell weiter entwickeln. Das ist für den VfB nicht zu verhindern, dafür bietet er ambitionierten Spielern zu wenig Perspektive.

Zum Weiterlesen:
In unserem VertikalGIF “Der perfekte Start“ wird nicht nur beschrieben, wie Serhou mal wieder das 1:0 guirasiert hat.

Unsere Würdigung von Wataru Endo, der als Unbekannter kam und als Legende ging: Unbezahlbar. Unersetzlich. Unvergessen.

Die Süddeutsche Zeitung stellt fest, dass VfB „ohne Widerstand an die Tabellenspitze“ stürmte.

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18 Kommentare

  1. Clemens sagt

    Dieser Saisonauftakt ist ein bisschen Streicheleinheit für die geschundene Seele – die Enttäuschung aufgrund des Endo-Abgangs sitzt noch immer tief. Ich habe aber Anton und Ito in der Abwehr fighten gesehen, Stenzel hat in der 2. HZ überraschend als Vorbereiter geglänzt und vorne hat Guirassy Guirassy-Sachen gemacht. Ito und Millot haben sehr diszipliniert die neuen taktischen Positionen gehalten, was für ihre mannschaftsdienliche Einstellung und taktische Flexibilität spricht. Sofern Wohlgemuth kein überraschendes Transfer Ass aus dem Ärmel zieht, wäre Ito mit seiner Zweikampf Härte, Passsicherheit und seiner Spielübersicht ggf. auch für das ZDM prädestiniert.

    Jeong hat mich jetzt nicht wirklich enttäuscht, aber sich irgendwie auch nahtlos in die Reihe von Spielern eingereiht, die gute Ansätze liefern, aber im entscheidenden Moment die Bude nicht machen. Ihm sollte man aber Zeit zugestehen. Daxo mit Licht und Schatten. Laufduell und Zweikampf gegen Hoffmann verloren, später Kopfballduell gegen Hoffmann beim 2:0 gewonnen. Hoffentlich bekommt er seine Aussetzer in den Griff, dann kann er eine verlässliche Größe werden.

    Wenn wir kommenden Freitag 22:30 Uhr noch eine positive Tordifferenz haben, bin ich zufrieden. Denn dann haben wir nach den Ausschlägen in punkto Gegnerstärke beide Extreme durch. Gegen Freiburg zeigt sich dann, in welche Richtung der VfB schauen muss.

  2. soundzecke sagt

    Schöner Auftakt.
    Was besonders gefiel das alles seriös, konzentriert und sachlich gespielt wurde.
    Besonders hervorheben möchte ich trotzdem mehrere Spieler:
    – Nübel, stark heidenei das fühlt sich bei hohen Bällen und dem schnellen Umschalten schon ganz anders an.
    – Ito, dem seine Entwicklung ist atemberaubend der spielt wie ein 30jähriger. Und @Clemens das mit Ito auf die Sechs spuckt mir auch schon lange im Kopf rum.
    – Anton sehr guter Einstand als Käptn und Abräumer.
    – Millot, ich musste dreimal hingucken. Wie diszipliniert der das gespielt hat, Bravo. Der war ja oftmals viel tiefer als Karazor gestanden.
    – Silas freut mich extrem weiter so dein Lachen ist so schön.
    – Jeong sehr guter Einstand, fleissig und schon gut drin.
    – Guirassy ist ein Viech.
    Eigentlich gut das wir gleich nach Leipzig müssen, mal sehen wie wir da bestehen. Ich denke aber nciht das wir abgeschossen werden.
    Und es ist einfach beruhigend wenn man einen schlauen Trainer hat der aber nicht zu verkopft ist.
    Was der in der immer noch kurzen Zeit für eine Spielkultur aufgebaut hat ist schon richtig gut.

  3. Konny sagt

    Man kann unseren Trainer gar nicht genug loben. Er hat einen super Plan gehabt, der voll aufging! Trotz ohne Endo. Glückwunsch!
    In Nübel bin ich (frei nach Tuchel) schockverliebt. So ein sympathischer Kerl mit guter Präsenz.

  4. Roland K. sagt

    Guter Auftakt der neuen Runde.
    Mit einem Tabellenplatz,der ruhig so bleiben könnte (ja,ja, ich weiß…).

    Die Mannschaft zeigte sich als diszipliniert spielende Einheit ohne Ausfälle.
    Jeong fiel nicht auf, spielte,als sei er schon immer dabei . Müsste aber ZWEI (ja,wirklich) Tore machen. Aber zu Chancen erst mal zu kommen, halte ich für wesentlich.
    Herausragend fand ich Ito,Guirassy,Millot und Führich.

    Der neue Torwart Nübel wurde zwar kaum geprüft, strahlt aber geradezu auffallend etwas aus,was uns sehr lange gefehlt hat: Sicherheit. Hat was,zugegeben.
    Mal sehen,was wird,wenn der Spitzenreiter beim Supercup-Gewinner antritt……
    (kleiner Scherz. Bin nicht größenwahnsinnig geworden,aber Träume sind immer noch erlaubt)

  5. Neben den von euch aufgeführten Spielern ist mir besonders Karazor aufgefallen. Ich empfand ihn als Chef. Technisch sauber, Kopf oben mit Übersicht, Angriffe eingeleitet und bis zum Sechszehner begleitet, schnell abgespielt, geradezu aufgeblüht. Das ist mir übrigens bei allen in der Devensive aufgefallen, dass die Verweildauer des Balles am Fuß kürzer geworden ist und die Pässe hintenrum mehr Schärfe hatten.

  6. Fritz sagt

    Sehe ich 100% genauso.
    Wr erinnern uns noch alle daran, dass der VfB vor 2 Jahren am ersten Spieltag Tabellenführer war und am Ende nur haarscharf am Abstieg vorbeischrammte.
    Also: kein Grund, übermütig zu werden, in der Tat ein Pflichtsieg, aber trotzdem überzeugend abgeliefert – und dann darf man sich auch mal für einen Moment freuen…

    • Der Groundhopper sagt

      Und wieder geht es am zweiten Spieltag nach Leipzig.
      Und wieder an einem Freitag Abend!
      Mehr Parallelen zu 21/22 brauche ich jetzt aber wirklich nicht…

  7. Marcus Fichter sagt

    Ich möchte auch noch was anmerken ( es ist aber erst ein Spiel gespielt, deshalb nicht zu früh in Euphorie geraten ):

    1. Ich hatte es damals schön geschrieben, Nübel ist für gleichzustellen mit dem Lehmann-Deal damals. Diese Sicherheit und Ruhe bei den Flanken ist toll.

    2. Ich bin bei Eurem hervorheben von Spielerleistungen grundsätzlich ja voll dabei, allerdings kommt mir einer viel zu kurz, der Kilometer abgerissen hat, Löcher zugelaufen hat, das Spiel mit aufgebaut hat und sich in Zweikämpfen sehr oft durchsetzt hat:

    Atakan Karazor !!!

    3. Die Offensivleistung macht Hoffnung und Lust auf mehr.

    Aber wie schon gesagt, nach zehn Spieltagen können wir langsam mal beurteilen, wohin dieses Jahr die Reise geht !

  8. Hobbycamper sagt

    Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ihr alle habt die positiven Aspekte bereits dargestellt, ich muß das nicht wiederholen, gehe mit euch konform.

    (Etwas) negativ aufgefallen ist mir Zagadou im Defensivverhalten, da stehe ich manchmal kurz vor dem Infarkt (z.B. gleich nach Spielbeginn). Da fehlt mir manchmal noch die letzte Konzentration, das wirkt für mich manchmal zu lässig.
    Und unser Führich darf gerne (noch) lernen, wann der geeignete Zeitpunkt für ein Abspiel ist, hie und da macht er halt immer noch einen Haken zuviel und dann ist die Chance wieder mal vertan.

    Das Auftaktspiel macht Lust auf mehr, natürlich war Bochum am Samstag kein gleichwertiger Gegner, es bleibt deshalb abzuwarten.
    Der VP hat den 1. Spieltag schön zusammengefasst, mein Wunsch wäre am Freitag aus Leipzig 1 Punkt zu entführen, vielleicht klappt es ja.

  9. Konrad sagt

    Es fühlt sich schon cool an von Tabellenplatz 1 zu grüssen. Nichtsdestotrotz kennt ja jeder die Vita von unserem VfB… unser jetziger Trainer gibt mir (anders als Sven Mislintat damals…) aber nicht das Gefühl, dass er es falsch einordnet.
    Was mir an unserem jetzigen Trainer gefällt ist, dass er gegen jeden Gegner einen klaren Plan hatte, der immer zu 90% aufging. Auch reagiert er mit Wechseln sinnig und bedacht. Die gute Nachricht ist, dass unser persönlicher Killer Szoboszlai nicht mehr bei Leipzig spielt, die Schlechte, dass es tolle Spieler sind, die qualitativ natürlich im Regal über uns sind. Das wird der echte Gradmesser, die 5 Tore tun auf jeden Fall mal gut… ein Unentschieden wäre was… hoffentlich gehen wir nicht baden…

      • Bernd sagt

        Im VfB-Forum auf transfermarkt.de haben in den letzten Tagen drei verschiedene User berichtet, dass sich der Porsche-Einstieg verzögert, weil Porsche ein Problem mit Vogt hat. Mindestens einer der User ist schon viele Jahre dabei und hatte in der Vergangenheit immer mal wieder zutreffende Informationen aus der Geschäftsstelle. Die geschilderten Forderungen von Porsche reichten dabei von einer Beschränkung von Vogts Einfluss bis hin zu Rücktrittsforderungen.

        • @buzze sagt

          Und Porsche hat nach der PK auf einmal gemerkt, dass Vogt der Aufsichtsratsvorsitzende ist? Und jetzt wollen sie seinen in der Satzung bzw. Geschäftsordnung verankerten Einfluss beschränken oder den von der Mitgliederversammlung gewählten Präsidenten zum Rücktritt bewegen? Das klingt ja lustig.

          • Bernd sagt

            Keine Ahnung, ich werde da auch nicht recht schlau draus. Im Bereich NLZ-Sponsoring und Namenssponsoring des Stadions hatte Porsche ja nicht mit Vogt zu tun, und ich meine auch aufgeschnappt zu haben dass Vogt für die PK erst recht spät ins Boot geholt wurde. Von daher könnte es schon sein, dass sich die Probleme erst im Nachgang der PK ergeben haben. Wären ja nicht die ersten, die an einer Zusammenarbeit mit Vogt gescheitert sind.

            Es gibt ja Abwahlanträge auf der MV, und wenn an den Gerüchten was dran ist, dann wird sicher bis dahin noch was passieren. Wehrle wird sich die 40 Mio. nicht entgehen lassen, da ein Platzen des Deals für ihn persönlich auch ein riesiges Problem wäre.

    • Icke sagt

      wäre mir auch neu, aber wundern täts mich nicht. Ohne genaueres Insider-Wissen bin ich auch der Meinung, dass nicht wegen Wehrle sonders wegen des überaus polyglotten CFO Lutz Meschke dieser sogenannte “Porsche-Deal” zustande gekommen ist. Seit dem IPO (und selbstredend auch vorher schon) rockt Porsche einfach die Szene. Wäre ich verantwortlich bei den Zuffenhäusenern, würde ich garantiert nicht diesen altbackenen Präsidenten akzeptieren. Ole Vfb

      • Konrad sagt

        Na ja, Lutz Meschke, der Borussia Fan, spricht mich jetzt auch nicht wirklich an 😬 nicht weil er Borussia Fan ist, sondern mir einfach nicht sympathisch. Ist jetzt kein V-W upgrade…

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