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Es ist schön, Dich zu sehen, Love, …

… hab Dich vermisst. Ich hab fast vergessen, wie ich mag, wie Du bist. Kenn’ Dich schon seit dem ich klein war, wir hingen immer zusammen. Über Dich lernte ich viele neue Leute kennen, wir lachen meistens, wenn wir uns sehn’.

Am Sonntag können wir lachen und müssen leiden. Tolle Stimmung, leidenschaftliches Spiel, aber ein drückend überlegener Gegner. Nur in der ersten Halbzeit gibt es rund 25 Minuten, in denen der VfB sich vom Druck befreit und den Gegner in Schwierigkeiten bringt. In dieser Phase fällt der Ausgleich durch Naouirou Ahamada, nachdem Sasa Kalajdzic einen Ball an der Strafraumgrenze klatschen lässt. Sogar die Führung ist drin, nach einem dieser hammerharten Dino Mavropanos-Solos, wahrscheinlich hat der Grieche zu Hause ein Lucio-Plakat über dem Bett hängen. Oder wie die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Mavropanos erzielt Tore mit dem Kopf, mit rechts, mit links und nach grimmigen Sololäufen, er schießt diese Tore nicht, weil er es kann, sondern weil er es will“. Am Wille liegt es nicht, Mavropanos steht der Pfosten kurz vor dem Halbzeitpfiff im Weg.

Was schon in der ersten Halbzeit das Problem war, ist es auch in den zweiten 45 Minuten: Der VfB steht sehr tief, der Raum vor der Abwehr ist oft unbesetzt und der Gegner kann kombinieren wie er will. Steht sogar 18 Meter zentral vor dem Tor auf dem Ball, um sich zu orientieren, wohin der nächste Pass gespielt werden kann. Immerhin kommt der VfB besser in die Zweikämpfe als am Anfang des Spiels, als die gegnerischen Spieler stets elegant und mit Tempo den Duellen aus dem Weg gehen.

Der Druck des Gegners in der zweiten Halbzeit lässt sich auch an den Zahlen ablesen: 78 Prozent gegnerischer Ballbesitz, 6:0 Ecken, 6:0 Torschüsse, 295 Pässe (251 angekommen) im Gegensatz zum VfB mit 88 Pässen, wovon 49 angekommen sind. Aber der VfB wirft wirklich alles rein: den Kopf von Mavropanos, das Bein von Waldemar Anton, die Hüfte von Hiroki Ito, den Oberschenkel von Silas und natürlich Hand und Fuß und Oberkörper von Florian Müller.

Der VfB hat es also seiner Leidensfähigkeit und seinem Torhüter zu verdanken, dass kein weiteres Tor fällt. Müller holt mehrfach Dinger raus, die mindestens das halbe Stadion schon drin gesehen hat. Hinter mir ruft sogar jemand bei jeder seiner Paraden (und es waren viele) „Neuer auf die Bank, Neuer auf die Bank!“. Stadion ist Emotion. Stadion ist Euphorie.

Und es ist schön, wieder hier zu sein, Love, auch wenn die Baustelle mächtig nervt. Sollte da nicht eine Abdeckung die Wunden des Stadions überdecken? Wäre das nicht ein idealer Platz für großflächige Werbung? Mit der Karawane vor dem Spiel startet der Nachmittag mit genau der Leidenschaft, die der VfB im Spiel zeigen wird und die sich auf den Rängen fortsetzt. Schön, dass ich wieder da war, wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Es werden dann gleich 96 aufregende Minuten. Jede Minute im Neckarstadion hat sich gelohnt.

Alles gesagt.

Was fiel personell auf am Sonntag?
Vor allem in der ersten Halbzeit lässt sich Mavropanos immer wieder rausziehen – oder er rückt etwas übermotiviert vor – und hinterlässt so Lücken in der Defensive, in der ansonsten Anton und vor allem Ito einen wachen Eindruck machen. Silas bringt Dynamik ins Spiel, aber ist oft hektisch, macht zu wenig aus dem bissen Raum, den er hat. Tiago Thomas ist ein bisschen hibbelig und schnell unzufrieden, Kalajdzic sieht müde aus und Chris Führich wie immer mit guten Ansätzen, aber dabei bleibt es leider viel zu oft. Ahamada kommt ein bisschen schwer ins Spiel, zeigt aber dann mit seinem energischen Auftreten, dass er Mangala durchaus ersetzen kann, wenn auch sein Spiel ganz anders ist. Und dass Wataru Endo einmal Krämpfe bekommt, das hätte ich niemals gedacht. Schiri Tobias Stieler da dann mit seiner besten Szene, als er Endo den Krampf löst.

Der VfB und wir alle können mit dem Auftakt zufrieden sein: Ein unerwarteter Punkt, das erste Tor gegen diesen Gegner aus dem Spiel (aber in neun Duellen immer noch sieglos) und in der ewigen Tabelle der Bundesliga den HSV überholt – jetzt auf Platz vier (von hinten kommt allerdings Gladbach).

Zum Weiterlesen:

Das VertikaGIF zum Spiel gibt’s hier.

Unsere Saisonprognose, bei der wir wohl nur beim ersten Spiel nicht richtig liegen.

Thomas Hitzlsperger macht im kicker einen auf Mischael Reschke: „Der VfB hat mit dem Abstieg nichts zu tun”

Darf gerne geteilt werden:

30 Kommentare

  1. Fritz sagt

    In der Tat ein ordentliches, aber kein überzeugendes Spiel. Immerhin macht Müller endlich das, wofür er bezahlt wird.

    Frage an die Foristen: ist es angebracht, Karazor spielen zu lassen? Natürlich gilt die Unschuldsvermutung, aber das heisst ja noch nicht, dass es sportlich und moralisch sinnvoll ist, ihn einzusetzen. Wäre es besser für alle Beteiligten, ihn aus der Schusslinie zu nehmen, bis die Vorwürfe geklärt sind?

    • @abiszet sagt

      Karazor, schwieriges Thema, möchte ich nicht vertiefen, zu vielschichtig. Aber dass er gleich im Kader stand (obwohl sicher nicht spielfit), hat mich auch sehr überrascht.

      • Joachim sagt

        Es ist kein schwieriges Thema, solange er noch nicht einmal angeklagt ist. Und selbst bei Anklage gilt die Unschuldsvermutung bis zum ausgesprochenen Urteil, und selbst gegen das Urteil kann man noch Widerspruch einlegen. Deshalb ist es für mich selbstverständlich, dass ein Karazor zur Mannschaft gehört. Und ich bin Materazzo wirklich dankbar, dass er ihn gerade beim ersten Heimspiel eingesetzt hatte und somit ein Zeichen gesetzt hatte.

    • Alexander sagt

      Ich würde sagen spielen lassen Ja, da Unschuldsvermutung und noch keine Anklage erhoben (meines Wissens). Sobald Anklage erhoben würde, wenn auch noch nicht verurteilt, fände ich Einsätze schwierig.

  2. Spaetzle1893 sagt

    Wegen Karazor war das doch ein schlauer Schachzug. Daheim kurz vor Schluss gegen Torschützen einzuwechseln. Wie Sven sagt es gilt die Unschuldsvermutung und er ist nicht mal angeklagt, um so laenger Du den draussen laesst umso mehr Fragen. Und in Spanien kann sich das noch ziehen bis er angeklagt wird. Falls er angeklagt ist das eine andere Geschichte.

  3. drheuy sagt

    Wenn Florian Müller diese Leistungssteigerung aufrechterhalten kann, muss ich meine Aussage: “der gewinnt Dir keine Spiele” zurücknehmen. Gestern hat er den Punkt gerettet. Karazor’s Hereinnahme fand ich sportlich fragwürdig, aber ein richtiges und starkes Zeichen zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn die Indizien für eine Anklage ausreichend wären, sieht die Sache anders aus. Das Spiel, auch mit den zu überstehenden Druckphasen von Leipzig kann der Mannschaft helfen ihr mentales Gerüst zu stärken. Es war ein super Start gegen eine TOP3-Mannschaft und macht Lust auf mehr.

    • Joachim sagt

      Was ist denn los mit Euren Erinnerungen? Schon die letzten Saisonspiele gegen Wolfsburg und Bayern hat er die jeweiligen Punktgewinne festgehalten. Er ist ein guter Torhüter, das habe ich schon immer gesagt. Er hat in Mainz sowie in Freiburg schon gezeigt, dass er ein guter Torhüter ist. Und zudem ist er noch relativ jung für ein Torhüter und kann noch dazulernen. Ich bin froh, dass der VfB drei gute Torhüter hat.

  4. Kurze Nachfrage: Woher kommen die 0:6 Torschüsse in der zweiten Halbzeit? Zählt Vagnomans sehr nennenswerte Chance da nicht mit rein? (Geht’s nur um Schüsse aufs Tor? Wurde gar auf Abseits entschieden?)

    Davon ab: Ach, war das schön! Karawane, Stadion, alles.

    • @abiszet sagt

      Hätte ich präzisieren müssen: Schüsse, die aufs Tor gehen und nicht nur in Richtung Tor.

    • @buzze sagt

      Ja, das waren tatsächlich Schüsse, die wirklich auf das Tor gehen. Berücksichtigt man alle Versuche, landet man bei 3:19.

        Shots on target

      0 : 6

        Shots off target

      2 : 4

        Blocked shots

      1 : 9

  5. Konny sagt

    Rino wurde in der PK nach dem Spiel auf Karazor angesprochen. Er hat die Frage so beantwortet, dass er wusste, dass Ata “weiter” ist als er es in der SpieltagsPK gesagt hat. Und hat sich ausdrücklich dafür entschuldigt, dass er in der SpieltagsPK etwas anderes gesagt, als er dann gemacht hat. Original Ton – “ihm fehlte es an defensiven Alternativen im Kader”.

    “Witzig” im Gegenzug war, dass Tedesco zum defensiv Thema sagte, dass er auf der Sechser Position so viele Spieler hat, dass er gar nicht weiß, welchen er nehmen soll.

    Leipzig hat zwar keine Tradition, aber überragende Spieler. Wir können uns wahrscheinlich nicht einen davon leisten. Tradition sorgt natürlich für Emotion und Gefühl. Den Erfolg haben leider andere.

    Trotzdem war der Kampfgeist gestern überragend. Der Punkt eine kleine Sensation. Müller super! Die Freude darüber riesengroß.

    Ich hoffe und bete, dass wir es nun anders als letzte Saison machen und nach einem gefühlten Sieg über Goliath jetzt nicht gegen den direkten Konkurrenten den Schlendrian auspacken.

    • @abiszet sagt

      “Leipzig hat zwar keine Tradition, aber überragende Spieler. ”
      Szoboszlai kommt nur von der Bank (ab seiner Einwechslung war es letztlich ein Spiel auf ein Tor) und Forsberg kommt sogar erst zur 85. Minute. Das ist brutal, und Werner soll auch noch kommen.

  6. Marcel Schmidt sagt

    Bei Karazor habe ich eine klare Meinung,,,,Nicht spielen lassen bevor die schwere Vorwürfe geklärt sind !

    • Joachim sagt

      Du warst im Stadion bestimmt einer der Wenigen, welches bei der Einwechslung gepfiffen hat? Lies weiter oben mein Statement dazu. Ich hatte Gänsehaut als Rino ihn eingewechselt hatte. Ich bin so etwas davon überzeugt, dass er nichts gemacht hat und das er auf eine organisierte Bande reingefallen ist, die sich auf solche kriminelle Taten spezialisiert haben. Hier geht es nur um das Abzocken dieses Spielers bzw. eines Prominenten.
      Aber die Ermittlungen werden zeigen, dass auch der “Verdacht eine sexuellen Nötigung” fallen gelassen wird, denn irgendwann wird die Klägerin entweder entlarvt oder sie zieht die Anzeige zurück. Und bis das Verfahren in der Schwebe ist, gilt für mich sowieso die Unschuldsvermutung. Und da bin ich froh, dass der VfB hinsichtlich dieser Sache ein Zeichen gesetzt hat!

  7. Motzbackenbruddler sagt

    Leipzig hat zwar keine Tradition, aber dafür hat unsere sportliche Führung keinerlei Anstand gegenüber Millionen von Missbrauchsopfern, die darunter zu leiden haben, dass ihre Peiniger*innen ungestraft ihr Leben weiter leben können/dürfen. Natürlich gilt bis zuletzt die Unschuldsvermutung. Natürlich gab/gibt es noch keine Anklage. Es steht einzig und allein der Vorwurf der Vergewaltigung einer 18-jährigen (!) im Raum. Soweit ich weiß, hat Herr Mislintat auch Töchter im Teenageralter; würde mich mal interessieren, wie er reagieren würde, sollte eine dieselben Vorwürfe jemanden gegenüber erheben… Aber das ist nicht, was mir hier besonders aufstößt, auch ist es okay für mich, dass der Verein Karazor nicht einfach fallen lassen will. Aber ich würde mir wünschen, dass man dann einfach die Schnauze zu dem Vorfall hält, bis sie vollständig geklärt ist! Und Karazor solange erstmal freistellt. Mein Sohn ist 13 Jahre alt, hat von der Sache natürlich was mitbekommen und war/ist verwundert, dass Karazor gestern eingewechselt worden ist. Dieser Verein hat auch eine Vorbildfunktion (vor allem durch sein ach so hoch gesetztes Leitbild) und scheint sich dessen nicht bewusst zu sein. Bin maßlos enttäuscht und finde das Verhalten der Verantwortlichen hier wirklich beschämend. Aber die Fussballwelt hat schon vor langem ihre Unschuld verloren; und da regen sich alle über RB auf…

    • Bernd sagt

      Eine Freistellung würde angesichts der zu erwartenden Zeit, bis überhaupt über eine Anklage entschieden wird, effektiv das Karriereende von Karazor bedeuten, das wäre arbeitsrechtlich schon überhaupt nicht durchsetzbar und käme eine Vorverurteilung gleich, weswegen dein Verweis auf die Unschuldsvermutung schon etwas von einem Lippenbekenntnis hat. Ja, die Vorwürfe mögen heftig sein, aber momentan kann doch niemand seriös behaupten, wie sicher diese zutreffen, vermutlich nicht einmal die spanische Justiz.

      Zum Vorfall selbst hat sich der VfB doch gar nicht geäußert (was manche im Übrigen auch wieder bemängeln), von daher verstehe ich deine Kritik überhaupt nicht. Man hat gesagt, dass der Spieler Teil der Mannschaft ist, und wer Teil der Mannschaft ist darf auch im Kader stehen und eingewechselt werden. Ich finde es durchaus vorbildhaft, dass der Verein rechtsstaatliche Grundsätze wirklich lebt, auch wenn der Twitter-Mob mit Fackeln und Mistgabeln kommt. (Zugegeben, das ist einem 13-Jährigen vielleicht schwer zu vermitteln, in seiner Erfahrungswelt treten Lehrer gerne gleichzeitig als Ankläger, Richter und Strafvollstrecker auf.) Ist vielleicht meine Vereinsbrille, aber ich finde die klare Kante vom VfB deutlich besser als das unerträgliche Rumgeeiere des BVB in Sachen Nico Schulz.

  8. Spaetzle1893 sagt

    Der VfB hat gegenüber dem Spieler auch Verantwortung. Wenn man den Spieler freistellt wird der doch wie Freiwild behandelt und was macht das mit einem jungen Menschen. So wird das doch gut gehandhabt bis es hier eine neue Sachlage gibt. Du weisst ja auch nicht was Karazor den VfB Verantwortlichen darueber erzaehlt hat. Das war sicherlich ueberzeugend, sonst waere er am Sonntag nicht eingewechselt worden. Sehr lustig uebrigens dass Du weisst wie Rasenball das haendeln wuerde;-)

  9. Konrad sagt

    Ja.

    Mich hat ebenfalls gestört, dass sowohl Rino in der PK direkt vor dem Spiel, als auch S.M. am vorletzten Sonntag im SWR gesagt hat, dass ein Einsatz frühestens nach der Länderspielpause überhaupt möglich ist. Ich fand den Einsatz unter den gesamten Vorzeichen nicht sehr glücklich und würde bis alles geklärt ist, das so nicht machen. Es ist richtig, wenn eigene Kinder von einer (sexuellen) Gewalt betroffen sind, hat man eine völlig andere Perspektive und es ist recht weit weg von lässig-lustig.

    Allerdings hat es bei Didi Hamann schon keinen gestört. Jetzt noch Nico Schulz.
    Für Kinder, die Vorbilder im Sport haben ist das nicht gut. Da uns aber nicht alles gesagt wird, ist es sehr, sehr schwer sich eine fachlich-sachlich-korrekte Meinung zu bilden.

    Die Kommunikation in dieser Sache und das Handeln ist vom Verein eher weniger gelungen, da es eventuelle Opfer tatsächlich komplett ausschließt und etwas anderes gemacht als gesagt wird.

    RB macht einen guten Job und hat eine gute Führung.

  10. Mathias sagt

    Ich möchte zum Fall Karazor ein Thema aufbringen, was bisher kaum erwähnt wurde. Vorab aber ein Disclaimer: Ich kann und will die Schuldfrage nicht bewerten und bitte darum, alle meine Kommentare entsprechend zu werten.

    Wir leben in einem Rechtsstaat und dort gilt die Unschuldsvermutung. Und diese gilt nicht nur solange keine Anklage erhoben wurde sondern auch während eines möglichen Gerichtsverfahrens bis zur Urteilsverkündung. Das ist ein sehr hohes Gut und unterscheidet uns von Unrechtsstaaten, in denen Menschen ohne Anklage und ohne Beweise für angebliche Taten verurteilt und bestraft werden und sich nicht dagegen wehren können. Das könnte jetzt wunderbar in der Schule aufgegriffen werden. Beispiele für Unrechtsflle gibt es aktuell ja leider zuhauf.

    Ich finde, dass das Argument “wenn das deine Tochter wäre” zu kurz greift und eines solchen Themas nicht gerecht wird. Was wäre denn “wenn das dein Sohn wäre”, der in der Schule eines Deliktes beschuldigt wird, dir deine Unschuld beteuert und trotzdem vom Schulbesuch ausgeschlossen wird und das für womöglich lange Zeit (dazu gleich mehr) und er womöglich deshalb das Schuljahr wiederholen muss?

    Jetzt aber zu meinem Hauptpunkt. Das Hauptproblem, das ich hier sehe, sind völlig überlastete Justizsysteme. Da wird jemand beschuldigt, verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Diese dauert dann mehrere Wochen, in denen offenbar ermittelt und der Vorwurf abgeschwächt wurde (wenn das stimmt was man liest und was uns eigentlich gar nichts angeht!). Dann heißt es, dass es Monate dauern kann, bis entschieden wird, ob Anklage erhoben wird und, sollte es so kommen, wird es nochmals lange dauern, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Und in der ganzen Zeit leiden sowohl das mutmaßliche Opfer wie auch der mutmaßliche Täter. Es wird spekuliert, vorverurteilt, gehetzt, beschützt etc. etc. Das ist doch das Hauptproblem. Und kein spanisches Problem, das wäre in Deutschland vermutlich nicht viel anders.

    Ich bin der Meinung, der VfB geht mit dem Thema richtig um. Im Prinzip kannst du es in solch einer Situation sowieso nur falsch mache, egal was du tust.

  11. Fritz sagt

    Wenn ich die Diskussion hier verfolge, habe ich den Eindruck, dass die Sache sehr gerne – weil sehr bequem – aus einer rein rechtlichen Perspektive bewertet wird. Nun gibt es da aber auch eine ethische Komponente, die nicht ganz unwichtig ist, weil darüber insbesondere das Image und die Reputation des Vereins gesteuert wird.

    Stellen wir uns mal theoretisch vor, die Vorwürfe werden nicht gegen einen VfB Spieler sondern ein Vorstandsmitglied eines deutschen DAX-Unternehmens erhoben. Nimmt das Unternehmen den Vorstand aus der Schusslinie (ich spreche hier selbstverständlich nicht von einer Entlassung), oder lässt man ihn weiterhin in der Oeffentlichkeit stehen und Kunden und Zulieferer besuchen, auf Messen auftreten, Interviews geben, auf Kongressen sprechen, etc?

    Das hat nun gar nichts mit Berufsverboten zu tun, aber sehr viel damit, wie man sich öffentlich darstellen will. Will man einfach Nibelungentreue zeigen, oder steht die Aufklärung der Vorwürfe im Vordergrund? Und die Frage der Fürsorgepflicht für den Angestellten ist auch ein bisschen diffiziler als “es gilt die Unschuldsvermutung”. Vielleicht täte man der Person ja einen grösseren Gefallen, wenn man sie aus der Schusslinie nimmt…

    • @buzze sagt

      Was Image und Reputation angeht, kann man festhalten: Der VfB ist mit der klaren Positionierung zugunsten des Spielers ein gewisses Risiko eingegangen, das sich aus rein kommunikativer Sicht gelohnt hat. Außerhalb der VfB-Bubble spricht vermutlich niemand mehr über die Personalie Karazor. Erst recht nicht, seit den Vorwürfen gegen Nico Schulz.

      Die große Frage ist ja: Wie lange verzichtet man auf den Spieler? Die einfachste und konsequenteste Antwort hat der VfB gegeben: gar nicht. Denn, was macht man, wenn sich das Verfahren noch ewig hinzieht? Wochen- oder monatelang auf einen Spieler verzichten, der zudem noch sportlich wichtig ist?

      Mislintat hat Karazor zum VfB geholt, auch Matarazzo kennt den Spieler schon lange. Und offenbar hatten die Entscheider nach einem persönlichen Gespräch den Eindruck, dass man Karazor trotz des laufenden Verfahrens einsetzen kann.

  12. Konny sagt

    Grundsätzlich ist es nachvollziehbar. Uns fehlen im Kader Defensivkräfte seiner Art und es ging rein sportlich darum den Punkt festzumachen.

    Trotzdem haben sowohl haben M&M öffentlich etwas anderes gesagt, als sie dann getan haben. Ich finde, dass das dem Image nie gut tut.

    Warum stellen Sie sich nicht vor die Kamera und sagen, wir haben mit dem Spieler gesprochen, sind von seiner “Wahrheit” und Sicht der Dinge so überzeugt, dass er wieder spielen kann. Er konnte sich fithalten und ist dahingehend eine Option.

    • Bernd sagt

      Ich glaube aus der Aussage von Rino in der PK vor dem Spiel sollte man ihm keinen Strick drehen, egal wie der Wissensstand zum damaligen Zeitpunkt war. So wurde der Fokus von einem möglichen Comeback Karazors auf das Spiel gelegt, was in der Situation wohl das beste war.

      Ich halte es nach wie vor für das beste, wenn sich der VfB weiterhin inhaltlich aus der Sache komplett raus hält. Jetzt nachdem das Thema Karazor ohnehin erstmal keinen Neuigkeitenwert mehr besitzt ohnehin.

  13. fritzo62 sagt

    O Leute – das ist ein Fussballtalk und kein Liebling Kreuzberg. Ich wünsche mir ein Ende der Debatte – nicht nur hier.
    Zum Spiel: super spannend, und wieder ein Beweis was die Mannschaft gegen ein „besseres“ Team erzielen kann.
    Hat einer ne Übersicht, wie viele Punkte die Torwarte ihrem Team retteten? Am Samstag hat Müller 1 Punkt gerettet, topp.
    Ito herausragend, und keiner wirklich schlecht, selbst die Auswechselspieler haben es ordentlich gemacht.

  14. fritzo62 sagt

    Bernd, danke. Da ist unser Flo Müller nicht nur ein bisschen der schlechteste Torwart der letzten Saison, puh.
    Ich hab 3 Heim- und 2 Auswärtsspiele live gesehen. Da hatte man auch gesehen, wie er die Männer vor sich verunsichert hat, die dann noch defensiver standen, und der Abstand zu den 6ern zu groß wurde.
    Also: jetzt wird alles besser

  15. Clemens sagt

    Das Thema Karazor haben Mathias und Bernd aus meiner Sicht nachvollziehbar bewertet und realistisch eingeschätzt, weshalb ich hierzu nichts Ergänzendes beizusteuern habe.

    Zum Spiel selbst bleibt festzuhalten: Ein unerwarteter und etwas glücklicher Punktgewinn, den wir vor allem einem sehr gut aufgelegtem Flo Müller zu verdanken haben. Die Offensive gefiel mir in diesem Spiel weniger, vor allem auch in der Rückwärtsbewegung (Silas, Tomas) kam einfach zu wenig Unterstützung für die Kollegen. In dieser Partie wurde zudem mal wieder deutlich, wie eng Glück oder Pech den Punkte Ertrag beeinflussen. Geht der Pfostentreffer von Mavropanos in der 1. HZ rein, gewinnst du so ein Match ggf. sogar unverdient. Schlussendlich sollten wir mit diesem Punkt zufrieden sein, aber mit einem weiteren Punkt in Bremen am Samstag unbedingt nachlegen.

    Was mir aber auch auffiel, Tobias Stieler ist und bleibt ein sehr, sehr mäßiger Schiedsrichter. Auch wenn ihm und seinem SR-Team keine eklatanten Fehler unterlaufen sind (kicker-Note 3), so hat er dennoch über das gesamte Spiel hinweg in der Zweikampfbewertung eine deutlich Benachteiligung der Stuttgarter erkennen lassen, während die Leipziger von einer eher großzügigen Linie Stielers profitierten (die zugegebener Maßen auch wirklich immer spektakulär gefallen sind). Auch seine Linienrichter haben ihren Teil dazu beigetragen, wenn sie beispielsweise klare Eckbälle zu Gunsten des VfB nicht gesehen und an Stieler signalisiert haben. Vielleicht ist der VfB in Person von Silas aber auch ein wenig selbst schuld an der negativen Haltung von Stieler gegenüber dem VfB an diesem Sonntag gewesen? Gleich zu Spielbeginn versucht Silas einen Elfmeter zu schinden, welcher ihm zu Recht verwehrt wurde. Allerdings hatte ihn der SR von diesem Moment an kritisch auf der Agenda: Silas Tackling kurz vor der Leipziger Tor-Auslinie wird von einem Leipziger zuletzt berührt – trotzdem Abstoß Leipzig und keine Ecke. Silas setzt sich im Zweikampf regelkonform im Leipziger Strafraum durch – dennoch wird ein Foul gegen den Stuttgarter gepfiffen. Silas und seine Kollegen sollten sich daher zukünftig solche Aktionen besser verkneifen, denn der VAR wird nach Betrachtung der Zeitlupe eine solche Schwalbe sowieso kassieren. Und hast du als Spieler erst einmal bei der SR-Zunft einen Ruf als Schwalben-König, kommst du aus der Nummer vermutlich nur schwer wieder raus.

    • @abiszet sagt

      Bin komplett bei Dir, habe Stieler nicht groß thematisiert, da schlussendlich kein Einfluss aufs Ergebnis. Aber die unterschiedliche Zweikampfbewertung habe ich genau so gesehen. Und die Schwalben von Silas, Tomas und letztes Jahr vermehrt Marmoush gehen mir auch auf die Nerven. Zumal sie so offensichtlich sind und – wie Du vermutest – womöglich die Sicht der Schiris auf den VfB insgesamt negativ beeinflussen.

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