Mini-Feature, VfB
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Fehler 404: Unrechtsbewusstsein nicht gefunden?

In der Mercedesstraße zählt man vermutlich schon die Stunden bis zum Anpfiff gegen Bayer Leverkusen. Denn im Idealfall überdeckt ein sportlicher Erfolg jegliche unschönen Nebengeräusche und zum anderen wäre auch eine 0:4 Schlappe einfacher zu erklären als die Weitergabe vom Mitgliederdaten an Facebook.

Aber was sagt es über den VfB Stuttgart aus, wenn man „noch vor zehn Tagen davon ausging, dass kein öffentliches Interesse an einer Berichterstattung über diesen Vorgang besteht“ wie es in der heutigen Ausgabe des kickers zu lesen ist? Klar, einerseits verständlich, dass niemand, der offensichtlich massiv Mist gebaut hat, daran interessiert ist, dass die Angelegenheit komplett aufgearbeitet wird. Andererseits:

Empfindet der VfB es als Petitesse, dass er seine Mitglieder mit Füßen getreten hat? Dass er im Rahmen der Ausgliederungskampagne und danach versucht hat, sie zu manipulieren und ja, sagen wir wie es ist: sie zu verarschen? Ist das beim VfB am Ende womöglich ganz normal?

Mit Thomas Hitzlsperger („Wir nehmen das sehr ernst.“) und Claus Vogt („Ich bin ich über die Informationen des kicker überrascht und bestürzt.“) haben sich jetzt die obersten Verantwortlichen von AG und e.V. eingeschaltet. Man kann nur hoffen, dass ihren Worten auch entsprechende Taten folgen und der eingesetzte „Lenkungsausschuss“ zur Aufklärung des Datendebakels nicht nur ein Feigenblatt ist, um Zeit zu gewinnen, bis Gras über die Sache gewachsen ist.

Die Aufklärung der womöglich unerlaubten Weitergaben von über 200.000 Datensätzen mit persönlichen Daten von Mitgliedern und Forumsteilnehmern hat laut Claus Vogt am Montag begonnen. Wie energisch das jedoch betrieben wird, darüber kann man nach der Aussage im kicker durchaus geteilter Meinung sein. Womöglich existiert(e) beim VfB überhaupt kein gesteigertes Unrechtsbewusstsein? Die oft proklamierten Aussagen von Transparenz und Glaubwürdigkeit, von offener Kommunikation mit Fans und Mitgliedern, wären in diesem Kontext dann nur schöne Worte, deren Inhalt aber nach wie vor nicht wirklich gelebt wird.

Nachvollziehbar, dass nach einem ordentlichen sportlichen Start versucht wird, wieder Ruhe rein zu bekommen, dass das Bemühen um sportlichen Erfolg im Mittelpunkt steht. Aber damit der VfB „wieder eine Familie wird“ (Vogt) darf die lückenlose Aufklärung nicht als lästige Pflicht angesehen werden, sondern muss mit allem Nachdruck betrieben werden. Dabei sollten nicht nur die vom kicker genannten Namen Oliver Schraft und Uwe Fischer im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Frage, wer in der Mercedesstraße noch von diesem Vorgehen gewusst hat: Vorstandsmitglieder? Aufsichtsräte? Weitere Führungskräfte wie Rainer Mutschler, damals quasi Projektleiter Ausgliederung, heute Präsidiumsmitglied des VfB e.V. und NLZ-Direktor? Hilfreich könnte es auch sein, wenn sich der Vereinsbeirat bei der Untersuchung der kicker-Recherchen aktiv einbringen würde.

VfB-Fans sind es gewohnt, dass es im Herbst traditionell heiß hergeht. Dass es diesmal nicht der Trainer ist, der um seinen Posten bangen muss, ist allerdings ein Novum.

Montage: imago images / Sportfoto Rudel & Adobe Stock.

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5 Kommentare

  1. Bernd sagt

    Ich denke, es dürfte inzwischen klar sein, dass es in der Angelegenheit „den“ VfB nicht gibt, sondern vor allem involvierte Personen und nichtinvolvierte Personen. Riky Palm hat da auf Twitter ja deswegen auch schon zurückrudern müssen. Anonyme Antwort via Rechtsanwalt klingt jetzt nicht gerade nach Hitz oder Vogt, auch wenn die beiden wie ich gestern schon schrieb durchaus ein Interesse an der Berichterstattung über die Vorfälle haben könnten.

    • @buzze sagt

      Interesse an der Aufklärung haben sie garantiert. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch fragen, wie weit sie damit kommen. Schließlich sind sie die einzigen, die damals noch nicht da waren. Es wird daher vermutlich nicht wenige geben, die nur bedingt an einer vollumfänglichen Aufarbeitung interessiert sind.

      • Bernd sagt

        Naja, dass Hitz damals noch nicht da war, stimmt auch nicht so ganz. Zum Zeitpunkt der Datenweitergabe 2018 war er Mitglied des Präsidiums, genau wie Gaiser. Letzterer hat ja immerhin den Präsidiumsbeschluss zur externen Aufklärung mitgetragen, wenn man mal davon ausgeht, dass Mutschler was dagegen hatte. Zumindest auf eV-Seite scheint das ja zu funktionieren. Wie es in der AG aussieht, ist da schon unübersichtlicher. Ist Röttgermann auch aktuell beurlaubt? Wahrscheinlich nicht, würde auch das auffallende Detail erklären, warum der Vorstand der AG sich bisher gar nicht geäußert hat und wenn es nur Zustimmung zum Vorgehen des eVs ist.

        • @buzze sagt

          Dass im Jahr 2018 auch nochmal Daten verschickt wurden, ist sowieso seltsam, oder? Zu welchem Zweck? Einfach nur, um effektiver Werbung schalten zu können? Oder hatte man schon die nächsten Pläne in der Schublade?

  2. Throge sagt

    Der fisch stinkt immer vom Kopf aus und viel zu viele alte „Kaderleute“ sitzen wohl noch beim VfB in den oberen Etagen…..

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