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Generation Hrubesch

Unseren letzten großen Titel holte die U21: Sie wurde 2009 Europameister. Ein Jahr, in dem Wolfsburg Meister wurde und Borussia Dortmund noch mit Hajnal, Valdez und Alexander Frei spielte.    

Mit neun oder zehn Jahren fing ich an, Fussballberichte zu schreiben. Keine echten, sondern fiktive. Dort ließ ich meine VfB-Lieblingsspieler die tollsten Kunststücke vollführen. Bernd Martin traf aus über 30 Metern in den Winkel, Hansi Müller umspielte fünf Gegner, Walter Kelsch gelangen regelmäßig Hattricks. Lieblingsgegner meines fiktiven VfBs war der fiktive HSV. Felix Magath, Kevin Keegan, Manni Kaltz oder Horst Hrubesch gelang meistens nichts in meinen Berichten. Außer einem Ehrentor vielleicht. Ich gab meine Berichte stolz meiner Mutter zum Lesen, die natürlich auch die Fehler anstrich. Wo ich meine Mutter allerdings korrigierte, war der Name Hrubesch. Sie war der Meinung, ich müsse das Kopfballungeheuer ohne H schreiben. Spätestens nach Hrubeschs zwei Toren im EM-Finale 1980 und seinem entscheidenden Elfer im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich kannte meine Mutter ihn.

„Manni Flanke, ich Kopf, Tor“. Dieser Satz von Horst Hrubesch prägt heute noch mein Bild von ihm. Man könnte ihn für einfältig halten, könnte glauben, die vielen Kopfbälle in seiner Karriere hätten ihm nachhaltig geschadet. Dabei ist Hrubesch der wahre Erneuerer des deutschen Fussballs, ohne ihn wäre Jogi Löw nichts. Als U21-Trainer ließ er als Erster in Deutschland mit der falschen Neun spielen. Hrubesch war der Erste, der Jerome Boateng konsequent in der Innenverteidung einsetzte, er erkannte als Erster, dass Sami Khedira der geborene Leader ist.

Hrubesch ist ein Pragmatiker („Ich weiß nicht, ob man Fussball neu erfinden kann, aber ich hatte noch nie Angst vor etwas Neuem“) und er hat vor allem ein gutes Gefühl fürs Timing (durch sein jahrelanges Kopfball-Training?) und ein Gefühl für Menschen. Vor der U21-EM 2009 warf Hrubesch den heutigen ghanaischen Nationalspieler Kevin-Prince Boateng aus dem Kader, weil er ihm zu stark, zu exzentrisch war, ihm sein Einfluß mit der „Berliner Gang“ Patrick Ebert, Ashkan Dejagah (heute iranischer Nationalspieler) und Änis Ben-Hatira (heute tunesischer Nationalspieler) zu groß auf das Team war. Hrubesch hat auch ein Gespür, wann er von seinem Plan abweichen muss: Im U21-Finale brachte er überraschend Hummels auf der Sechs und ließ Wagner als klassischen Stoßstürmer ran. Dieser Wagner, der in in den Folgejahren in Duisburg, Lautern und bei Hertha scheiterte, schoß zwei Tore und entschied das Finale 2009. Wer macht am Sonntag den Wagner?

Heute spielt Hrubeschs U21 eine prägende Rolle in der deutschen Nationalmannschaft, die um den WM-Titel spielt. In der aktuellen deutschen Start-Elf stehen:
Manuel Neuer
Benedikt Höwedes
Mats Hummels
Sami Khedira
Mesut Özil
(U21-Stammspieler Marcel Schmelzer wurde vor dem WM kurzfristig aus dem Kader gestrichen)

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