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Vollgasfußball oder Abstiegskampf?

Marco Reus

Was erwartet uns in der Rückrunde der Bundesliga? Nachdem wir uns hier die Top-Teams der Liga vorgenommen haben, werfen wir einen Blick auf die restlichen Mannschaften.

Eintracht Frankfurt, 1. FC Kön, 1899 Hoffenheim, Hannover 96, FC Augsburg:Was sollen wir dazu sagen? Woher sollen wir wissen, auf welchem Platz die landen? Zwischen 6 und 10 eben. Mittelmaß. Aber Spaß machen die alle: Jörg Schmadtke managt Kön vom Karnelsverein zum spaßbefreiten, soliden Club, Thomas Schaaf bringt den Spektakelfussball an den Main, Tayfun Korkut trägt enge Anzüge und holt aus der Mannschaft weit mehr heraus als vor der Saison gedacht, Markus Gisdol hat in Hoffenheim eine erkennbare Spielidee und führt die Kraichgauer in die Euro League mit Spielen gegen Dnipropetrowsk, Limassol und EA Guingamp. Provinz trifft Provinz, also. Oder spielt Augsburg international? Wundern würde uns nichts mehr, Wundertrainer Weinzierl. Er ist als Nachfolger von Pep im Gespräch.

VfB Stuttgart
Beim VfB hat man fast den Eindruck, es wäre ein neuer Verein. Er hat sich scheinbar komplett neu aufgestellt. Neuer Sport-Vorstand Dutt, neuer Finanzchef Heim, Marketingmann Röttgermann wird Vorstand, Bernd Wahler gibt den Visionär und liebt weiterhin Alleingänge, wie man an der geplanten Stevens-Verlängerung sieht. Es gibt so etwas wie Vorfreude auf die Rückrunde.

Nur die Mannschaft bleibt fast unverändert. Jetzt wird schon im dritten Jahr gesagt, dass sie besser sei als der Tabellenplatz. Aus meiner Sicht eine Fehleinschätzung. Nicht nur aus meiner.

Wer braucht schon Vestergaard? Der VfB lässt Worten endlich Mal Taten folgen und setzt anstatt auf mittelmäßige Neueinkäufe auf den Nachwuchs mit Timo Baumgartl und Mart Ristl. Das ist zumindest konsequent und glaubwürdig. Und nachdem die Rangelei zwischen Ibisevic und Harnik, das Straftraining von Leitner und ein verschobenes Testspiel gegen Laci von Huub Stevens souverän wegmoderiert wurden, bin ich optimistisch.

Prognose:
Nach einer harten ersten englischen Spielwoche (Gladbach, Köln, Bayern) befreit sich der VfB dank Neuzugang Serey Die früh von den Abstiegsrängen und landet auf Platz 11.

Hamburger SV
Beim HSV hat man fast den Eindruck, es wäre ein neuer Verein. Nur positive Nachrichten, ein warmer Geldregen fällt auf den hochverschuldeten Dino. Es gibt fast so etwas wie Vorfreude auf die Rückrunde.

Die Verpflichtungen von Olic oder Guerrero sind natürlich romantische Fan-Träume wie die der Stuttgarter, dass Gomez oder Kuranyi zum VfB zurückkehren. Aber es wird tatsächlich eine Rosamunde Plicher-artige Romanze: Olic kehrt zurück, echt, Digger! Die HSV-Mannschaft bleibt trotzdem so gut wie unverändert, denn Olic ersetzt lediglich einen dauerverletzten Lasogga. Und der Chilene Diaz ersetzt Behrami, der scheinbar nicht mehr für den HSV spielen wird. Ein langsamer van der Vaart und ein unerfahrener Trainer lassen sich jedoch nicht wegdiskutieren.

Prognose:
Der HSV wird bis zum Schluss gegen den Abstieg kämpfen, Mäzen Kühne wird schmollen und Trainer Zinnbauer entlassen. Der Dino geht in die Relegation und hält die Klasse gegen RB Leipzig nach einem 1:0 in der Nachspielzeit von Westermann. Ganz Deutschland liebt den HSV dafür. Wir auch. Ein bisschen.

FSV Mainz
Die sind normal geworden. Mit Thomas Tuchel umwehte den Verein noch etwas revolutionäres, unverschämtes oder zumindest freches. Trainer Kasper Hjulmand wirkt manchmal wie ein unausgelasteter Finanzbeamter, das Team spielt immer öfter uninspiriert. Wie allerdings Shinji Okazaki so viele Tore schießen kann, fragen wir uns ins Stuttgart ernsthaft.

Prognose:
20 Okazaki-Tore reichen so gerade, um die Abwehrpatzer zu kompensieren und den Abstieg knapp zu verhindern.

SC Freiburg
Es wird brenzlig im Breisgau und Trainer Christian Streich spricht immer schneller und immer mehr Dialekt. Im Training erhält er einen Simultanübersetzer, seine Interviews bekommen bei Sky Untertitel. Der Winterneuzugang Mats Möller-Daehli (19) ist lernbegierig, spricht schnell Streichs Sprache und erweist sich mit 10 Treffern als Garant für den Klassenerhalt. Nach der Saison wechselt er zu Bayern München und spielt zusammen mit Joshua Kimmich und Gianluca Gaudino in der zweiten Mannschaft. Aber er spielt bei Bayern.

Prognose:
Schwierig. Wenn Nils Petersen etwas besser einschlägt als Mike Hanke könnte es was werden mit dem Klassenerhalt.

Werder Bremen
Trainer Viktor Skripnik revolutioniert den Fussball: Er lässt nur Standards trainieren und verwirrt die Gegner mit immer neuen Varianten. Selbst der Versuch „der stolpernde Müller“ führt zum Erfolg. Nach 22 Spieltagen wird Skripniks System allerdings entlarvt, es hagelt Niederlagen. Der Verein trifft die einfache und logische Entscheidung, drei erfahrene Ex-Werderaner zu reaktivieren: Skripnik, Co-Trainer Thorsten Frings und Präsident Marco Bode kehren auf den Platz zurück, Otto Rehagel wird Teamchef und Tim Wiese Krafttrainer.

Prognose:
Bremen rettet sich am letzten Spieltag in Dortmund – durch den eingewechselten Ailton, der nicht lange überredet werden musste, aber fünf Wochen benötigte, um 15 Minuten durchzuhalten. Nach dem Spiel sagt er: „Totale Konzentration auf Fußball. Ohne Sex, ohne Bumbum. Orgasmus gibt es nur, wenn ich ein Tor schieße. Tor. Bumbum. Ailton ist wieder da”. Christian Streich ist begeistert von Ailtons Sprachtalent und engagiert ihn für die neue Saison.

SC Paderborn
Das Paderborner ist ein Bier, von dem man Kopfschmerzen bekommt. Mit geht das jedenfalls so. Nach der begeisternden Hinrunde hat der SCP einen Kater und die Ostwestfalen kommen da an, wo sie jeder vorher vermutet hat: am Tabellenende. Schade drum, sie sind ein Vorbild für alle, was man mit Ideen, Begeisterung und Teamspirit erreichen kann.

Prognose:
Paderborn muss zwar runter, freut sich aber auf heiße A33-Derbys gegen Arminia Bielefeld.

Hertha BSC Berlin
Seit einem Jahr geht es bergab in der Hauptstadt und Manager Michael Preetz schaut immer unsicherer durch seine Hipsterbrille. Trainer Luhukay bleibt auch dann noch ruhig, als die alte Dame auf dem vorletzten Platz liegt.

Prognose:
Luhukay coacht die Hertha in aller Ruhe in die zweite Liga. Daran ändern auch die 16 Saisontore von Julian Schieber nichts.

Borussia Dortmund
Dem Vizemeister von 2014 fehlte in der Hinrunde so einiges: Punkte, Führerscheine, gesunde Spieler und dann auch noch der Respekt der Gegner. Die Vorbereitung lief alles andere als rund, Jürgen Klopp wird zunehmend dünnhäutig und unsouverän. Immerhin findet er die perfekte Position für Kevin Großkreutz: Er wird Fahrer vom Marco Reus.

Prognose:
Das Horror-Szenario Abstieg wird es entgegen einiger Prognosen nicht geben, aber eine Champions League-Quali ist unrealistisch. Die Borussia wird auf Platz 9 landen und Marco Reus wird Spieler der Rückrunde. Er ist in der Bundesligageschichte der einzige Spieler, der in einer Saison genauso viele Punkte in Flensburg hat wie er ins Tor traf . Sein kongenialer Partner ist Kevin Kampl, beide sind Zwillinge und wurden bei Geburt getrennt, jetzt haben sie die gleichen Frisuren (oder was man so nennt) und einer von beiden hoffentlich einen Führerschein. Oder sie lassen sich von Kevin Großkreutz fahren.

Titelbild: Vlad1988 / Shutterstock.com

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