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Wir brauchen mehr Schweinerock!

Reus raus und Volland trotzdem nicht mitgenommen. Tragisch? Im Gegenteil! Denn es ist die große Chance, dass sich die deutsche Nationalmannschaft endlich vom Kuschelrock der letzten Jahre (weit kommen, aber nie bis ans Ziel) verabschiedet und wieder schmutzigen Schweinerock spielt.

Aktuell wird über Pfingsten zum 29. und letzten Mal der Nürburgring gerockt. 80.000 zeitweise verwahrloste und verschwitzte Menschen feiern ihre musikalische Helden. Was dabei auffällt: Die Headliner heißen Iron Maiden und Metallica, echte Schlachtrösser der Heavy Metal Geschichte. Okay, der Main-Act am Samstag war Linkin Park, aber auch die gibt es seit knapp 15 Jahren und vor deren Auftritt rockten vier nicht mehr ganz frische Herren aus Stuttgart den Ring, obwohl sie gar keine Rockmusik spielen. Was die Senioren darboten, wird im Metalsprech als „amtlich abliefern“ bezeichnet. Und genau das brauchen wir auch in Brasilien. Spieler, die nicht „performen“, sondern amtlich abliefern. Rock in Rio!

Der Mann im Kader, der diese Qualitäten wie kein anderer verkörpert, ist Miroslav Klose. Auch, wenn er aussieht, als ob er in seiner Jugend im Nordpfälzer Bergland eher Roxette gehört hat: Er ist unser Bruce Dickinson, unser James Hetfield, unser Smudo. Er ist unser Heavy Metal. 69 Tore in 13 Jahren in der Nationalmannschaft und damit mehr als die Legende Gerd Müller. Außerdem ist er der einzige im Kader, der schon auf der Welt war, als Iron Maiden 1980 ihr Debütalbum rausbrachten.

Miroslav Klose hat keinen Twitter- und keinen Facebook-Account. Er trägt weder Beats-Kopfhörer in der Größe von Autoreifen, noch ist er großflächig tätowiert. Trotzdem hat er in der Bundesliga zwei Mal das Double geholt, war Torschützenkönig sowohl in der Bundesliga wie auch bei der WM 2006 und Fußballer der Jahres. Nach seinem Wechsel nach Italien hat er nur wenige Monate gebraucht, um von den Laziali vergöttert zu werden. Miroslav Klose wird morgen 36. Zu alt für gute Leistungen? Vielleicht sollten wir Michael „Nicko“ Henry McBrain fragen. Er ist der Drummer von Iron Maiden und hatte am Tag des Auftritts bei Rock am Ring ebenfalls Geburtstag. Seinen 62.

Zugegeben: Auch Klose hat der Nationalmannschaft noch zu keinem Titel verholfen, sondern scheiterte 2002 und 2008 im Finale. Und obwohl er alt ist, ist er noch nicht so alt, als dass er beim letzten Titel 1996 dabei war. Das Team, das damals den EM-Titel holte, war der pure Metal. Es spielten unter anderem Sammer, Babbel, Helmer, Strunz, Eilts, Ziege und Steffen Freund. Namen, die nach Vokuhila, schalem Bier und verschwitzen T-Shirts klingen.

Den Geist von 1996 brauchen wir auch 2014. In der Nationalmannschaft wird zu wenig gerockt. Roman Weidenfeller steht auf Helene Fischer. Das ist nachvollziehbar, aber der Dortmunder Schlussmann hört auch ihre Musik! Es geht aber noch schlimmer: Toni Kroos ist ein Kumpel von PUR-Frontmann Hartmut Engler und mag auch noch dessen Songs. Ab ins Abenteuerland mit ihm! Götze und Reus hingegen sind bekennende „Belieber“. Da fehlen einem die Worte, schließlich sind die beiden mehr oder weniger erwachsene Menschen. Keine Unterstützung an der Schweinerockfront ist vom Trainerteam zu erwarten: Jogi mag den Belanglos-Rap von CRO, Oliver Bierhoff hört gerne Michael Bublé. Immerhin steht Andy Köpke auf KISS.

Denkbar schlechte Voraussetzungen also für das Turnier. Hoffnung machen da eigentlich nur Per Mertesacker, der auf die Ärzte steht und mit Abstrichen Khedira und Özil, die eine Vorliebe für Aggro-Rap haben. Vor allem aber setzen wir auf Kevin Großkreutz. In Hotel-Lobbys pinkeln und andere Menschen mit fliegenden Dönern verletzen: Das ist so Rock’n Roll, das selbst die Gallagher-Brüder nur anerkennend nicken würden. In diesem Sinne: Up the irons!

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