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Meine WM-Lieblingsspieler, Folge 3: Marco Tardelli (1982)

Es gibt diese WM-Spiele, an die man sich sein Leben erinnert. Nach zwei dieser Spiele bei der WM 1982 wurde ich Italien-Fan. 

Ich konnte es 1982 kaum erwarten, bis die WM endlich anfing. Deutschland hatte eine Bombenmannschaft mit Rummenigge, Stielike, Littbarski, Schumacher und Breitner und ich freute mich, meine drei VfB-Spieler Karl-Heinz und Bernd Förster sowie Hansi Müller zu erleben. Leider wurde es eine zähe Angelegenheit, nach einer Auftaktniederlage gegen Algerien (TV-Experte Hennes Weisweiler spach immer von „Alscherien“) kam es zum Skandalspiel und Nichtangriffspakt gegen Österreich.

In der Zwischenrunde hatte ich Deutschland abgeschrieben und schaute vor allem auf die „Hammer-Gruppe“ mit Brasilien, Titelverteidiger Argentinien und Italien. Italien hatte sich mit sparsamen Auftritten in die Zwischenrunde gemogelt und galt als Kanonenfutter für die beiden Südamerikaner. Als ich das Spiel Argentinien gegen Italien allerdings sah, traute ich meinen Augen nicht. Italien spielte aggressiv – soweit war das keine Überraschung, vor allem Maradona wurden von Claudio Gentile die Socken poliert – aber entwickelte nach vorne eine ungewöhnliche Griffigkeit. Es gab hochkarätige Chancen durch Graziani, Collovati und Rossi, aber auch von Argentiniens Passarella und Kempes, Maradona traf mit einem Freistoss an die Latte. Das Spiel hatte für mich ein so hohes Tempo, dass ich atemlos etwa einen Meter vor dem Fernseher saß und mit dem vermeintlichen Underdog Italien fieberte. Auffällig war Marco Tardelli von Juventus Turin, er war dominanter im italienischen Spiel als der eigentliche Regisseur Antognoni. Er summte wie eine Biene durch das Mittelfeld, holte sich die Bälle tief in der eigenen Hälfte, sprintete oft in die Spitze, stand immer richtig im wichtigen Spielraum, war das, was man heute einen Box-to-Box-Player nennt. Er hatte eine Ausstrahlung, die mich körperlich vor dem Fernseher erfasste. Als Tardelli zum 1:0 traf, fühlte ich mich so, als ob ich es geschossen hätte. Ich schaute ungläubig auf meinen linken Fuss, der eindeutig der schlechtere meiner beiden war. Nachdem Cabrini einen tubulenten Angriff zum 2:0 abschloss, war ich naßgeschwitzt und sicher, bei einem historischen Ereignis dabei gewesen zu sein: Italien kann Fussball spielen und nicht nur mauern.

Im Entscheidungspiel gegen Brasilien war es noch dramatischer. Zweimal führte Italien, zweimal glich Brasilien aus. Socrates machte sein bestes WM-Spiel, aber Paolo Rossi machte das Spiel seines Lebens und drei Tore zum 3:2. Brasiliens Selecao von 1982 wird noch heute als die beste aller Zeiten bezeichnet, aber Italien mit Umschalter Tardelli (im Bild mit Brasiliens Zico) entzauberte sie und wurde schließlich Weltmeister mit einem 3:1 gegen Deutschland. Das 1:0 durch Rossi ermöglichte Tardelli durch die schnelle Ausführung eines Freistosses, sein Jubellauf nach seinem 2:0 wurde weltberühmt. Ich schrieb dem italienischen Verband einen Brief (auf deutsch!) und fragte nach einem Mannschaftsposter. Monate später kam eine Autogrammkarte mit Unterschriften aller Spieler. Wo sie heute ist, habe ich vergessen. Unvergesslich für mich sind dagegen die beiden Spiele Italiens gegen Argentinien und Brasilien.

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