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Wunder gibt es immer wieder

Wir haben uns nur von weitem in der Calwer Straße gesehen. Er im neuen 1992er Remake, ich im Regenbogentrikot. Wir kannten uns nicht, blickten uns von Ferne in die Augen und ballten nur die Fäuste. Der Trottwar-Verkäufer im VfB-Shirt rief mir am Vormittag zu: „Schönes Ding, Bello“ und zeigte auf mein Trikot. Ein Junge ging mit seinem Vater einkaufen, beide im Trikot, und der kleine Sohn gab mir im Vorbeigehen fünf. In der S-Bahn blickte eine junge Frau im Cannstatt-Shirt von ihrem Handy auf, wir sahen uns nur an und nickten. Das alles und noch viel mehr zeigt, was der VfB ist, drückt die Verbundenheit, die Erinnerungen, die Sehnsüchte, die Leidenschaft, die Hingabe, kurz: die Liebe zum Club aus.

Zu hören und zu sehen ist das im Stadion. Vor dem Spiel, während des Spiels, ganz besonders dann, wenn die Spielstände in Dortmund durchgegeben werden. Ja, und natürlich nach den Toren und auch nach dem Spiel. Die Fans stemmen sich merklich gegen die Relegation, entfachen einen Sound, der auf dem Spielfeld als Sturm ankommt. Jede gute Aktion wird gefeiert, bei jedem Sprint erhebt sich das gesamte Stadion, jeder Ballgewinn ist ein Fest, alle arbeiten sich an Steffen Baumgart ab, am Schiedsrichter und an Jonas Hector. Und wir alle werden belohnt. Wir haben den Barcelona-Wahnsinn der Frankfurter erlebt. Nur viel dramatischer, zugespitzer. Der VfB kann nicht ohne Drama und das Spiel und seine Drama-turgie werden wir wohl nie mehr vergessen.

Flo Müller wird es nicht vergessen, nach seiner Flutschfinger-Aktion vor dem 1:1. Das Spiel wird Sasa Kalajdzic wie ein Tattoo immer mit sich tragen. Er weint, als sich die Mannschaft nach dem Platzsturm noch einmal zeigt, weil er weiss, diesen Wahnsinn wird er woanders nicht erleben. Atakan Karazor wird es nicht vergessen, der noch vor dem 2:1 auf der Bank völlig aufgelöst ist und das Team trotzdem von außen mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck antreibt. Pellegrino Matarazzo wird noch viele Trainerstationen haben, aber keine wie beim VfB. Er hat sich nach dem 2:1 völlig vergessen, sprintet aufs Feld, irrt herum und plötzlich liegt Fritzle auf ihm.

Als die Nachricht aus Dortmund kommt, dass Hertha 2:1 zurück liegt, fegt eine Energie durchs Stadion, die alle spüren. Sie kriecht in alle hinein und alle wissen: Jetzt ist die Zeit, in der Helden geboren werden. Es dauert bis zur 92. Minute bis wir wissen, wer es ist. Der Held heisst Wataru Endo, das war er schon immer mit seiner Spielweise, mit seiner Attitüde, niemals aufzugeben und niemals kaputt zu gehen. Und er steht für den VfB in dieser Saison. Bei weitem nicht gut, manchmal überfordert, aber in letzter Sekunde zusammen gerissen und alle mitgerissen. Es kann nur er sein, der in der ersten Halbzeit erst aus vier Metern übers Tor schießt und dann aus drei Metern die Latte trifft.

Auch wenn Köln mit langen Ballbesitzphasen nervt und man bei den 100 Flanken immer befürchten muss, dass eine bei Anthony Modeste landet: Die Mannschaft und das Publikum bleiben immer positiv, es scheint, die Bedeutung des Spiels lähmt nicht wie gegen Hertha und Wolfsburg, sondern treibt die Mannschaft an, motiviert sie und die Fans, alles aus sich heraus zu holen. Nur bei der Chancenverwertung hemmt es offensichtlich. Dinos Mavropanos, Tiago Tomás, Kalajdzic, Endo, die Angst kann im Schussbein sitzen. Im Verlauf der zweiten Halbzeit wird die gesamte Mannschaft dann von der Angst in Besitz genommen, das Momentum scheint vorbei. Aber es kommt wieder, ausgelöst durch Dortmund, ausgelöst von den Rängen.

Wunder gibt es immer wieder. Sie werden noch größer, wenn sie wenige Sekunden vor Ende einer Saison vor der Cannstatter Kurve passieren. Sie erscheinen umso größer, wenn man bedenkt, dass am Anfang der Saison noch Geisterspiele stattfanden. Der Geist jedoch, der gegen Köln im Stadion war, sollte immer bleiben. Denn mit ihm kann der VfB alles schaffen. Zunächst einen nicht für möglich gehaltenen Klassenerhalt, was er in Zukunft kann, werden wir sehen. Aber eins ist sicher: Der Geist ist groß. Oder ist der Geist einfach nur Glück? Egal, das haben wir uns verdient.

Gefeiert und verarbeitet wird das von allen anders: Viele stürmen auf das Spielfeld und holen sich ein Stück Rasen, Pfosten oder Werbebande. Andere bekommen einen Heulkrampf (Du weisst, wen ich meine), brüllen sich heiser oder sitzen einfach nur da und können es nicht glauben. Das alles und noch viel mehr zeigt, was der VfB ist, drückt die Verbundenheit, die Erinnerungen, die Sehnsüchte, die Leidenschaft, die Hingabe, kurz: die Liebe zum Club aus.

Zum Weiterlesen:
Die Süddeutsche Zeitung meint, “dass auch ein massives 60 000-Mann Stadion bedenklich wackeln kann.“

Bild:
Matthias Hangst/Getty Images

Darf gerne geteilt werden:

45 Kommentare

  1. Fritz sagt

    Man fragt sich nur, warum die Mannschaft nicht schon die ganze Saison so auftreten konnte wie in den letzten beiden Spielen…

    Und erste Priorität für die neue Saison ist ein besserer Torwart…

    • Joachim sagt

      Nach dem schönen Bericht von Vertikalpass will man nun die Kommentare lesen und schon der erste Kommentar versaut schon alles… Unfassbar, wieso kann man sich nicht einfach freuen und warum müsst Ihr ständig ein Opfer suchen? Der VfB hat einen sehr guten Torwart, wie ich finde! Und wer was anderes behauptet, der stand entweder selber nie im Tor und oder der hat von Fußball schlicht und einfach keine Ahnung.
      Und natürlich kann man so intensiv nicht die ganze Saison spielen, weil da muss schon einiges zusammenkommen. Man hat gegen Mönchengladbach und Augsburg schon gesehen, dass sie Fußballspielen können! Aber auch da muss wieder gebruddelt und gemotzt werden. Ihr Griemskrämer könnt durch ein paar unstrukturierte Zeilen die Lust am weiterlesen schon verderben.
      Wenn man von der Materie “Fußball” nichts versteht, dann sollte man die Finger von der Tastatur lassen – auch wenn Ihr das mit der Meinungsfreiheit argumentieren wollt.

  2. Alexander sagt

    Unglaublich, unbeschreiblich, verrückt, brutal emotional, ich habe immer noch Pipi in den Augen…

    Ich möchte mich bei der Mannschaft des VfB entschuldigen, weil ich zwischendurch die Hoffnung verloren hatte und sogar am eingeschlagenen Weg Zweifel hegte.

    Ich möchte mich bei verikalpass bedanken, weil die Beiträge und Analysen während der Saison mir immer aus dem Herzen sprachen.

    Und jetzt dürfen wir alle den Moment genießen.

    • @abiszet sagt

      Danke 😍
      Wahnsinn.
      Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn
      Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn
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      Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn Wahnsinn

  3. Fahne sagt

    Wenn man die Jubelbilder sieht könnte man meinen, unser VfB ist deutscher Meister geworden. Und in gewisser Hinsicht stimmt es ja auch – der deutsche Jubelmeister der Saison 2021/2022. Mich macht das so glücklich und demütig. Und, es freut mich für unsere ganze Mannschaft, für jeden einzelnen Spieler, vor allem aber für die Verantwortlichen aus dem sportlichen Bereichs. Vielen Dank, dass ihr Ruhe bewahrt habt und euren Werten treu geblieben seid. Was wurde nicht alles geschrieben und kommentiert. Ja, es gehört auch eine große Portion Glück dazu um das zu erreichen, was der VfB geschafft hat. Aus meiner Sicht in Summe über die ganze Spielzeit mehr als gerecht, wenn man sich diese Seuchensaison anschaut, mit den vielen Ausfällen durch Corona und Verletzungen.

  4. Konrad sagt

    Sowas haben wir gebraucht… der Sieg des Nichtabstiegspokals mit aller Dramaturgie, Emotionalität und intensiven Feierlichkeiten.

    Ich gehöre zu denen, welche nach dem Spiel Rotz und Wasser geheult, dreißigtausendmal
    die Wiederholung der Wiederholung angeschaut haben, um danach laut hupend durch
    die Straße zu fahren.

    Das ist das Gefühl, das uns allen sicher lange Zeit gefehlt hat und nun “endlich” da sein
    durfte. Es gibt wieder diese “Macht des Wir Gefühls und den Glauben an etwas Größeres…” zurück.

    Nach allen Hoch und Tiefs kam der Fußballgott auch wieder nach Stuttgart und hat uns sehr intensive Glücksgefühle geschenkt.

    Als ich gestern Rino gesehen und gehört habe, muss ich mich im Nachhinein “korrigieren”, er hat (obwohl er die leider viel zu selten gezeigt hat) sehr viel Emotionalität und die tat gut.

    Tatsächlich bin ich nach diesem Tag gestern optimistisch. Sven M. hat (mit ein paar Bier intus) im Interview die Schwachstellen, die wir hier so oft angesprochen haben, bestätigt und zugesagt, diese zu verbessern.

    Das lässt mich nun sehr zuversichtlich nach vorn blicken und ja genießen wir zusammen diesen unglaublichen Moment ✌️💖😘😍🤩

  5. fritzo62 sagt

    Ja, Danke, Vertikalpass.
    Analysiert wird nächste Woche – jetzt erst einmal erholt von gestern

  6. Clemens sagt

    Vermutlich hätte auch die Überschrift „Drama, Baby“ gepasst. Aber hatten wir diese Überschrift nicht schon einmal? Wenn es für die gestrige Vorstellung eine Choreografie gebraucht hätte, der Regisseur hätte den Verlauf und die Schlaglöcher auf dem Weg zum Klassenerhalt nicht besser setzten können. In diesem Spiel wurden Gott sei Dank mit Endo und Sasa Helden geboren, ansonsten wäre Flo Müller heute das Gesicht eines möglichen Abstiegs (den Ausgang einer Relegation mal außen vor gelassen) gewesen. Vergessen wären irgendwann all die Protagonisten der vergebenen Groß-Chancen, nur dieser eine Fehlgriff wäre uns in Erinnerung geblieben, wie einst das Abseits von Nico Gonzalez in der Relegation gegen Union Berlin bei Aogo’s Freistoßtor. Dass uns und Flo aber diese Erinnerung erspart geblieben ist, ist das Großartige am Fußball. Die Analysen und das „lesson learned“ kommen in den nächsten Wochen sicherlich auch hier im VP nicht zu kurz, aber jetzt heißt es zunächst einmal durchatmen und genießen.

  7. Chrislintat sagt

    Auch wenn’s natürlich nicht vorherzusagen war, habe ich daran geglaubt, dass die Truppe beisammenhalten klappt.

    Fühlt sich doch mit Rino, Sven und allen anderen gemeinsam 1000000x besser an als mit irgendeinem Magath, Funkel oder wer sonst da gewesen wäre.

    Vertrauen und Demut.

    Diesen VfB liebe ich noch immer und immer wieder mehr.

  8. Jizzlintat sagt

    Was ein Ding!
    Danke an den Vertikalpass für immer gute Analysen und Gedankenanstöße über die ganze Saison hinweg. Das ist wirklich gute Arbeit.

    • Philipp sagt

      Danke für Eure immer kontroverse Sichtweise. Macht Spaß, Eure Beiträge zu lesen.
      Glückwunsch an Mislintat/Materazzo. Sehr viel richtig gemacht und die Ruhe behalten, auch wenn bei uns Fans manchmal die Nerven blank lagen. Jetzt Saisonanalyse ehrlich machen – nicht alles war Verletzung und Corona – und nächste Saison weiter angreifen.

  9. Bacardihardy sagt

    Einfach Wahnsinn
    Unbeschreibliche Spannung bis zur finalen Eruption
    Kein Regisseur hätte das besser machen können
    Unser VfB bleibt erstklassig. Jaaaaaaaaaaaaa
    Und Sven und Pelle behalten ihre Jobs
    Gratulation , meine Kritik ziehe ich zurück
    Darauf kann aufgebaut werden mit ein paar cleveren Transfers und dem Lernprozess aus dieser Saison.
    Irgendwo hat jemand geschrieben
    Dass er bei seiner nächsten Jobbewerbung angibt, dass er VfB Fan ist
    Die VfB Fans sind schliesslich einiges gewöhnt und standfest, gehen durch Krisen um am Ende den Erfolg zu ernten
    Oder wie schrieb jemand
    Endo gut Alles gut
    Jetzt kann entspannt der Transfermarkt beobachtet werden

  10. Der Groundhopper sagt

    24 Stunden pure Freude und Erleichterung liegen grade hinter mir!
    Muss jetzt an den Kommentar von „NieMehrErsteLiga“ nach dem Bochum-Spiel zurück denken – mit einem ganz besonders breiten Grinsen!
    Falls er/sie das hier mitließt: Liebe geht raus!

  11. VDL sagt

    Kurz einen Schluck Wasser in den Wein: Bin ich der Einzige, der sich gestern für Alexander Wehrle geschämt hat?

    Davon abgesehen: danke euch, dass ihr mir eine wirklich schlimme Saison immer wieder halbwegs erträglich gemacht habt. Mit dem Gefühl, mit meiner Niedergeschlagenheit und meinem Frust nicht allein zu sein, mit fein formulierten und sachverständig tollen Beiträgen. Und mit viel Spaß, auch wenn es wenig Anlass dazu gab. Ohne euch hätte ich mit der ganzen Scheiße wohl aufgehört.

    Macht mal schön so weiter.

    • @abiszet sagt

      Danke @fritzo62 und @VDL ☺️ (wir versuchen es)
      Was meinst Du mit Wehrle, @VDL?

      • VDL sagt

        Die Aktion beim Wasserziehr im sky-Interview. Ich fand das fast beängstigend und wirklich peinlich. Das passt für mich nicht zur ruhigen, überlegten, professionellen Art, die Sven und Pellegrino (und zuvor Hitz) vorgelebt haben. Der VfB ist kein Quatsch- oder Karnevalsverein und ich möchte einen Vorstandsvorsitzenden, der sich freut – aber nicht vor den Augen aller wie ein Irrer agiert. (Außerdem: was für eine Opportunistennase musst du sein, wenn du zig Jahre in Köln arbeitest und dann plötzlich gegen Köln so freidrehst?)

        Na egal. Für heute auf jeden Fall. Den gestrigen Tag kann mir niemand nehmen oder trüben.

  12. Konrad sagt

    Das habt Ihr im Stadion wahrscheinlich nicht mitgekriegt. A. Wehrle ist im Sky Interview brüllend an Patrick Wasserzieher dranngehängt, hat Wasserzieher fast jegliche Luft zum Atmen genommen, ihn immer wieder gedrückt und laut und schrill gebrüllt. Das Schlimme an der Aktion war eigentlich, dass es irgendwie ziemlich unauthentisch und nicht so recht von Herzen rüber kam. Und der arme Wasserzieher trotz seiner langjährigen Erfahrung nicht wusste, wie er damit umgehen soll. Im Zeitalter von Corona ist Corona ja immer noch zumindest irgendwo.. So erdrückend hätte ich das als Wasserzieher (trotz aller Freude) nicht gewollt. Hab es mehr als Marketing Platzierung als ein Jubel von Herzen wahrgenommen. Aus Respekt vor Wasserzieher, dann seinem Exclub war es eher semi. Ich hab mal gelernt, dass man beim Exclub moderater jubelt…? In Summe nicht das Beste von Alexander Wehrle. Er mag ein schlaues Köpfchen sein, aber in Sachen Empathie ist er jetzt in manchen Situationen tendenziell eher (ziemlich) daneben gelegen… ist mir auch aufgefallen, aber ich wollte in diesen wunderbaren Momenten nicht schon wieder meckern.

  13. Benny sagt

    Ein Artikel, so schön wie das Erlebnis am Samstag :)
    Hab schon wieder Gänsehaut

  14. drhuey sagt

    “Fussball, Du geile Sau”, sagte Wolf Fuss nach dem Schlusspfiff. Besser kann man das Drama nicht auf den Punkt bringen. Einige Kumpels aus alten Tagen waren im Stadion und so habe ich aus der Ferne wenigstens ein kleines bisschen von dieser Wahnsinns-Atmosphäre mitbekommen. Ich kann mich an nicht mehr viel erinnern vom Spiel und das war nicht irgendwelchen Kaltgetränken geschuldet, sondern der totalen Anspannung während dieser Achterbahnfahrt. Dieses Mal haben sie alles reingeworfen und dabei auch gezeigt, dass in der Mannschaft mehr steckt als sie viel zu oft gezeigt hat. Mein Sohn hatte zuvor sein vorentscheidendes Meisterschaftsspiel knapp verloren. Dementsprechend war seine Laune, aber selbst ihn als Schwatz-Gelben hat es mitgerissen und als ich fassungslos mit Tränen des Glücks in den Augen da stand, meinte er, dass er glaube, dass sein Herz doch auch ein bisschen weiss-rot sei. Das schafft doch wirklich nur der VfB: Fussball, Du geile Sau!

  15. Dirty Harry sagt

    Richtig guter Text von Euch! Das kann man wirklich als wahres Wunder bezeichnen, was wir am Samstag erlebt haben. Gott sei Dank sind wir drin geblieben!

    Mich freut es auch wirklich extrem, dass wir es in dieser Personalkonstellation geschafft haben, auch wenn ich im letzten halben Jahr nicht mit Kritik an SM und PM gespart habe. Die beiden sind wirklich gute Typen und sie am Ende so jubeln zu sehen war echt herzergreifend.

    Ich trau mich ja fast nicht, aber jetzt wo der Puls wieder etwas runtergegangen ist, muss ich noch was loswerden, was mir beim Rückblick auf die Saison bewusst geworden ist:
    Nachdem man die ganze Saison über immer wieder (über-)betont hat, wie viel Pech der VfB hatte, will ich jetzt auch mal darauf eingehen wie viel Glück wir hatten. Wir haben tatsächlich mit nur 33 Punkten den direkten Klassenerhalt geschafft. Das hat in den letzten 10 Jahren nur in Ausnahmefällen zum direkten Klassenerhalt gereicht. Wir hatten dabei vor allem an den letzten Spieltagen wahnsinniges Glück, dass zB der Ausgleichstreffer von Selke gegen Mainz nicht gezählt hat oder dass Dortmund am Samstag den Handelfmeter bekommen hat oder dass Bielefeld gegen Hertha noch in letzter Sekunde den Ausgleich geschafft hat. Sonst wären wir schon lange chancenlos auf den direkten Verbleib gewesen. Von dem her kann man doch das Fazit ziehen, dass sich Glück und Pech über die Saison hinweg die Waage halten und das was der VfB die meiste Zeit über abgeliefert hat, dem entspricht, was die Mannschaft zu leisten im Stande war.

    • @abiszet sagt

      Vielen Dank und völlig richtig. Aber es gab auch beim VfB Situationen, in denen es anders hätte ausgehen können (zB Bochum, Hoffenheim, nicht gegebene Elfer, zB gegen Freiburg). Aber wenn es um solche Nuancen geht, brauchst Du einfach das Glück.

      • Dirty Harry sagt

        Wir hatten definitiv auch sehr viel Pech. Insofern hat das Spiel am Samstag mehr oder weniger die ganze Saison nochmal abgebildet: erst der vergebener Elfmeter, anschließend gehen wir doch in Führung, danach zig vergebene Großchancen und wir legen uns den Ausgleich mehr oder weniger selbst ins Tor und dann kommt die Rettung in allerletzter Sekunde.
        Zwischen Pech und Unvermögen liegen für mich aber ebenfalls nur Nuancen. Dass man gegen Bochum in der Schlussphase so einen Elfmeter verursacht ist für mich mehr Unvermögen als Pech, vor allem weil man vorher auch wieder unzählige Chancen auf die Vorentscheidung hatte. Gleiches gilt für mich auch für das Spiel gegen Hoffenheim. Andererseits hatten wir auch viele fragwürdige (ausgebliebene) VAR Entscheide gegen uns. Da würde ich tatsächlich von Pech sprechen, weil man so etwas kaum beeinflussen kann.

        In meiner Wahrnehmung wurde allerdings zu oft betont, wenn man vermeintliches Pech hatte. Zum Schluss war das Glück definitiv auf unserer Seite und absolut ausschlaggebend.

  16. Peter Schäuble sagt

    Gezerrte Stimmbänder. Granatenmäßiger Tinnitus. Biergeduschtes Fan-Trikot. Jede Menge Gras-Angebote (neiiiin, nicht was ihr denkt !!): “Willsch a Stück ? Isch sogar mit Außalinie”. Unzählige Umarmungen von/mit wildfremden Leuten, denen Gerstensaft und Augen-Pipi übers Gesicht lief. .. Dieses Spiel und die ganze Stimmung drumrum werde ich nie vergessen. War wirklich einmalig, und das in sechs Jahrzehnten VfB-Fan-Dasein.
    1893 hey

  17. Uli sagt

    Über allem steht die Liebe zum VfB, die hier wahrscheinlich alle eint. Und die merkt man euch an. Das ist schön!

    Dass Liebe bisweilen in Besorgnis oder auch Panik umschlagen kann, wissen vor allem junge Eltern – aber eben auch Fans und Blogger des VfB.

    Aus meiner Sicht war diese Saison ein Charaktertest für alle Beteiligten. Spieler, Teamverantwortliche, Fans. Die meisten, so mein Eindruck, haben diesmal einen krisenfesten Charakter bewiesen, den Glauben nicht verloren, das Positive gesehen.

    Ihr beim vertikalpass habt euch aus meiner Sicht im Frühjahr ein bisschen arg zur negativen Sichtweise hinziehen lassen. Da fehlte mir manchmal die Metaperspektive, da klangt ihr öfter mal wie der bruddelnde VfBler früherer Tage, der seinen Frust schreibend verarbeitet. Das fand ich schade, denn zu einem Weg zu stehen ist in so einer Situation schwieriger, aber auch hilfreicher, als auf offensichtliche Defizite hinzuweisen. Offenbar ward ihr davon nicht mehr überzeugt, dass wir es mit dem Kader und dieser Strategie schaffen, was euer gutes Recht ist. Gleichzeitig dürft ihr euch dann aber auch darüber bewusst sein, dass ihr potentiell zu einer Negativ-Spirale beitragt durch das, was ihr so an Kritik loswerdet. Ich finde, es gab im Grunde keine Phase, in der es angesagt war, den Glauben an Trainer und Team zu verlieren. Nicht nach Fürth, nicht nach Hoffenheim, nicht nach Berlin – und auch nicht in der 80. Minute am Samstag.

    Für mich ist eine der größten Errungenschaften dieser Saison, dass genau diese negative Grundhaltung vergangener Jahre im Falle fehlenden Erfolgs sich diese Saison nicht in der Breite durchgesetzt hat. Aus meiner Sicht könnt ihr da gerne noch mal in eine persönliche Saison-Meditation gehen und eure zeitweise Haltung überdenken.

    Dass drei Vereine direkt nach dem letzten Spieltag ihren Trainer wechseln, die über uns stehen, wir aber nicht, zeigt doch einiges. So schlecht war die Saison des VfB nicht. Dazu reicht ein Blick in die zahlreichen Statistiken. Es gab zu viele blöde individuelle Fehler hinten und die Chancenverwertung war schlecht. Der Rest war sehr gut (Zweikämpfe), gut (Pässe) oder gerade so passabel (Laufen/Läufe). Es war eben auch lange viel Pech dabei und sicher waren nicht alle Personalentscheidungen nur Treffer. Trotzdem war aus meiner Sicht zu jedem Zeitpunkt Unterstützung des eingeschlagenen Wegs die gedeihlichste Haltung zum VfB.

    Natürlich hätte es diese Gefühlsexplosion am Samstag nicht gegeben, wenn Endo am Schluss die Latte getroffen hätte und wir wären alle irgendwie bedröppelt aus dem Stadion geschlichen. Aber dieses Team in dieser Konstellation mit Mis und Mat hat eben immer wieder Grund dazu gegeben, dass man wirklich an diesen Weg glauben darf. Und dieser Glaube hat sich bestätigt – was sich für mich am Samstag wie eine Art Gottesbeweis angefühlt hat. Deswegen habe auch ich geweint nach dem Schlusspfiff. Um danach wild zu springen.

    Danke für eure Beiträge, auch wenn ich nicht alle nur gut fand. Die Liebe zu VfB ist immer zu spüren.

    • drhuey sagt

      Ich habe den Gesinnungswechsel beim vp auch festgestellt und fand ihn sehr erfrischend. Schließlich denke ich, ist der vp nicht die PR-Abteilung des VfB und muss keinen neuen Weg verkaufen, sondern tut gut daran diesen neuen Weg kritisch zu begleiten. Trotz aller Liebe. Wenn Deine geliebte Freundin ihr Schmatzen am Tisch nicht in den Griff bekommt, musst Du es ihr auch irgendwann mal sagen. Ich stimme Dir zu, dass dem permanenten Bruddeln etwas Destruktives innewohnt und diese Saison, gerade wegen deren Ausgang, das Zeug hat, die Sicht auf diesen Weg nachhaltig zu verändern. Aber weil es um Emotionen geht und der Fan-Gaul manchmal mit einem durchgeht, ist es in diesem Fall ein Bruddeln aus Liebe. Vielen Dank vp für die wieder einmal sehr guten Impulse und Begleitung dieser Wahnsinns-Saion.

      • @abiszet sagt

        Herzlichen Dank @Uli und @drhuey
        Wir feiern die tollen Dinge (womöglich überschwänglich, weil es nicht so viel davon gibt) und sprechen die Dinge an, die wir nicht gut finden: Aus unserer Sicht waren und sind das Fehler in der Kaderplanung, Fehler im Coaching, Fehler in der Kommunikation. Und genau das gehört auch dazu.

        “Zu einem Weg zu stehen ist in so einer Situation schwieriger, aber auch hilfreicher, als auf offensichtliche Defizite hinzuweisen.”
        Das eine schließt das andere nicht aus. Denn den Weg mitzugehen bedeutet nicht, blind und kritiklos zu sein. Es gibt nicht schwarz und weiss (der Weg ist geil, der Weg ist Quatsch) und diese Sichtweise ist in vielen Dikussionen das Problem: ich kann Mislintat und Matarazzo gut finden und trotzdem (rein subjektiv!) kritisch begleiten.

        • Chrislintat sagt

          Absolut, und gleichzeitig halten sicher weder Kritik und Lob noch Zeitpunkt und Maß ausreichend die Waage.

          Oft genug ist die gesamte Stuttgarter Social Media und Presselandschaft ungeduldig und überwiegend negativ am Kritisieren. Und genau das widerspricht dem Support den die Kurve jeden (sofern Corona es zulässt), zeigt.

          Diesen Support würde ich sehr gerne auch zu teilen stärker in öffentlichen Wortmeldungen sehen ob und nicht das mögliche Scheitern kommunikativ über den möglichen Erfolg stellen.

          In meiner Wahrnehmung macht das die Gesamtheit even genannter Landschaft dann aber leider doch (nicht auf einzelne bezogen).

          Und genau da ist kritisch Begleiten eben weder ausschließlich “Teufel an die Wand malen” noch “Defizitverstärker” spielen. Sondern das nur, wenn auch das Lob und Gratulation sich hier die Hand geben können.

          Support geht über 90 Minuten hinaus.

          @abiszet Fast ausschließlich: weiter so 🙂

          • @abiszet sagt

            Vielen Dank @Chrislintat
            Das fand ich auch am Support am Samstag so beeindruckend: Es wurde nicht zurück geschaut, es wurde nicht nach vorne geschaut (dass zB einige Spieler den VfB verlassen werden), es zählte nur das hier und jetzt. Kein Pfeifen, kein Bruddeln, kein Hadern, es gab nur ein Ziel: 3 Punkte und dieses verdammte 2:1 zu erzielen. Diese Energie war zu spüren und das war das, was die meisten auch als “unbeschreiblich”, “nicht in Worte zu fassen” bezeichneten.

          • Konrad sagt

            Ich denke, dass jeder das Recht auf seine Meinung hat. Wir sind dem Elend kurz vor Torschluss von der Schippe gesprungen und das war ein unfassbar gutes geiles besonderes Gefühl. Ja !

            Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung; den Weg mit nur jungen Talenten zu gehen als extrem risikobehaftet wahrzunehmen.

            Ich liebe den VfB, muss aber nicht zu allem ja und amen sagen. Dieses monatelange Schöngerede von Dingen, die wir hier oft kritisch gesehen haben, wurde zuerst von Herrn Wehrle und dann SM offiziell bestätigt. Dies direkt nach dem Spiel. Wir haben Defizite in… – demnach lagen wir so falsch nicht…

            Natürlich sehen wir betriebswirtschaftlich nicht hinein und nur die Oberfläche. Da waren trotzdem halt Dinge, die sachlich nicht rund liefen und schon irgendwie hausgemacht ungünstig waren…

            Natürlich wird die Mannschaft maximal unterstützt, trotzdem: es sollte ohne Drama eine ehrliche Meinung erlaubt sein.

          • Chrislintat sagt

            @Konrad

            Niemand spricht Meinungsfreiheit ab 🙂

            Ich rede von Zeitpunkt und Gewichtung.
            Viele beginnen “aufzuarbeiten” beim ersten Nackenschlag.

            Das ist kein hilfreicher Zeitpunkt.
            Und vor allem, Perspektive.

            Die naheliegendste Alternative wäre oberflächlich betrachtet die Hertha. Und wenn es eng war, wer möchte da bitte tauschen? 😎

            Mal ne andere Perspektive: Wie krass ist es denn mit diesem Altersdurchschnitt nicht nur die Klasse zu halten sondern auch noch mit Spielglück in der Schlussphase sich zu belohnen wenn keiner an auch nur einen Punkt aus Bayern und Köln geglaubt hat? Chapeau.

        • Clemens sagt

          Ich sehe den VP ebenfalls nicht als VfB Stuttgart Hofberichterstatter, sondern eher als Fan-Sprachrohr mit kommentierender Analyse. Eure Reichweite ist dabei vermutlich nicht zu unterschätzen. Auch auf TM werden gelegentlich Referenzen zum VP gezogen, aus meiner Sicht ein großes Kompliment für Andreas und Sebastian, da auf diesem Portal i.d.R. ein gutes Diskussionsniveau herrscht. Eure gelegentlich kritischen Töne passen meistens gut, weil sie die richtigen Problemfelder in den Fokus rücken und jedweder Polemik entbehren.

          Wenn ich mir indes etwas wünschen dürfte, wäre das gelegentlich etwas mehr Contenance bei dem einen oder anderen Kommentator. Bei allem Frust nach Niederlagen und Enttäuschungen schießen manche Kommentare übers Ziel hinaus. Etwas mehr Vertrauen in die Arbeit der Verantwortlichen und gelegentlich etwas mehr Realitätssinn in Bezug auf die Rahmenbedingungen würde einigen gut tun. Aber im großen und ganzen haben wir hier eine angenehme Diskussionskultur. Dafür ein großes Dankeschön an euch alle.

  18. Bacardihardy sagt

    Alex Wehrle hat gerade den Uli Hoeness souverän gekontert . Das finde ich super von unserem neuen Vorstand
    Uli Hoeness dummer Neidspruch:
    “In Stuttgart denkt man ja, sie haben die Weltmeisterschaft gewonnen. Dabei sind sie nur nicht abgestiegen.“
    Alex Wehrles cooler Konter:
    “Wenn man die Emotionen bei den Feiern der Bayern sieht, denkt man, sie sind gerade 10. geworden – und nicht zum 10. Mal Meister.“

  19. Konrad sagt

    Das fand ich auch klasse… 👍
    Der Ulli hat mal wieder ausgeteilt….
    Wobei sein Bruder ja bei uns im Stadion war.
    😳

  20. Heinzi sagt

    war das ein geiles Wochenende. Danke VfB! Man hat wieder automatisch ein Lächeln im Gesicht, denkt man an den VfB. Lange,lange her bei mir, dass dies so war, 2007! Hoffe, das lässt sich noch eine Weile konservieren. Hoffe auch, dass dieser Urknall am Endo des Spiels der Anfang einer langen guten Phase unseres VfB sein wird.

  21. wrdlbrmft sagt

    Ich erzähle es jedem/jeder, auch wenn es Ihm/ihr völlig egal ist, wie toll das alles am Samstag war. Immer noch. Immer wieder. Und das 2:1 läuft in Dauerschleife. Immer noch. Immer wieder. Kein Stück Rasen, Torstang oder Werbebande mitgenommen, aber fünf Tonnen Glückseligkeit. Alte Liebe wieder neu aufgeflammt. Danke.

    Aber mal ganz nüchtern betrachtet: Könnte man an der unsäglichen Stadionmusik (Guns ‘n’ ACDC) mal was ändern?

  22. Konrad sagt

    @Chrislintat

    Es ist eben so, dass jeder eine andere individuelle Wahrnehmung hat. Was frühzeitig angesprochen wurde, ist heute in der Sache nicht falsch…

    Ich ziehe definitiv auch den Hut für die vier Punkte gegen Bayern und Köln. Hier gehörte ich zu jenen, die das nicht für realistisch hielten. Vielleicht hat unsere Kritik ein jetzt erst Recht Gefühl erzeugt und war somit auch ein Teil des Puzzles.

    Dieses Wir und Sieg Gefühl am Samstag war mega. Trotzdem war es davor mitunter sehr anstrengend und trotzdem ist es am Ende des Tages “nur” das eine Tor mehr.

    Magath war für Hertha sicher die richtige Entscheidung und es war knapper als knapp…
    ich war überglücklich, dass wir erstklassig bleiben dürfen, für Magath tat es mir allerdings auch leid und ich hoffe, dass er es gegen den HSV packt.

  23. Elmar sagt

    Erste gute Zeichen gesetzt mit den Verlängerungen (ATA, Dinos). Und es gab noch keinen Tag seit 5/14/22 an dem Fan sich nicht noch mal diese Explosion rein gezogen hat, in allen Sprachen !

  24. Chrislintat sagt

    @Konrad & @vertikalpass

    Klar, jede Wahrnehmung ist immer subjektiv.

    Und gleichzeitig ist es interessant, dass jeder seine Ausübung zur Kritik verteidigt ohne im Angesicht der Kritik daran ein wenig davon anzunehmen 😎

    Voreilige Kritik können wir leider alle viel zu gut.

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