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Der VfB spielt nur gegen sich selbst

Der VfB kann (praktisch) nicht mehr direkt absteigen. Er kann nur gewinnen gegen Köln. Das Spiel und womöglich dadurch den Klassenerhalt, sogar ohne Relegation. Das ist die Ausgangssituation vom dem 34. Spieltag.

Der VfB kann also Vollgas geben. Kann ohne Rücksicht auf Sieg spielen, denn die Relegation ist schon sicher, wenn wir nicht von einer hohen Niederlage gegen Köln und gleichzeitig einem Kantersieg der Bielefelder gegen Leipzig ausgehen. Auch wenn Steffen Baumgart den 1. FC Köln wiederbelebt hat und die Rheinländer auf eine ausgezeichnete Saison blicken: Der VfB spielt im letzten Spiel der regulären Saison nur gegen sich selbst. Gegen seine Lethargie, gegen seine Angst, gegen die eigene Selbstzufriedenheit, gegen seine Wundertütenhaftigkeit und gegen seine DNA, dass nach einem guten Spiel nicht selten ein schlechtes folgt.

Die Geißböcke überzeugen in dieser Saison zwar durch Laufstärke, Engagement, Zweikampfstärke, Emotionalität und Offensivgeist. Der Tabellensiebte ist in der Lage, fast jede Bundesliga-Mannschaft auseinander zu spielen, mit Vollgas-Fußball und mit Risikobereitschaft. Dennoch besitzt der VfB genug Qualitäten, um gegen Köln zu gewinnen. Die Frage wird sein: Wer will es mehr?

Wenn die Mannschaft so viel will wie gegen Bayern, dann wird es ein spannendes, ein offenes Spiel, nichts für schwache Nerven. Wenn der VfB wieder so verzagt, verkopft und lahmarschig auftritt wie gegen Wolfsburg, Mainz und Hertha, dann geht es in die Relegation. Womöglich gegen einen HSV mit dann fünf Siegen in Folge im Gepäck.

Natürlich muss bei allem positiven Denken auch immer Borussia Dortmund in der Partie gegen Hertha BSC mitspielen. Aber der VfB tut gut daran, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Gerade rechtzeitig zeigt die Formkurve nach oben bei Sasa Kalajdzic, Tiago Tomás und Orel Mangala, die ebenfalls nur gegen sich selbst spielen: Alle drei verfügen über Qualitäten, ein Spiel mit einer Aktion entscheiden zu können. Und das wissen sie auch. Leider war davon vor dem Bayern-Spiel viel zu wenig auf den Platz zu sehen. Nur mit Unterschied-Spielern in Top-Form, zu denen auch Borna Sosa und Dinos Mavropanos gehören, hat der VfB eine Sieg-Chance gegen Köln.

Der VfB spielt gegen sich selbst, denn er wird gegen Köln die Bereitschaft zum Leiden mitbringen müssen, etwas, was nicht gerade zur Trademark der Cannstatter zählt. Der VfB ist seit jeher ein Feelgood-Team, das von der Euphorie eigener Aktionen und des Publikums lebt. Da ist die Mannschaft wie ich: Ich brauche auch nur ein kleines Zeichen – wie der Auftritt in München – um sofort den Glauben zurück zu gewinnen. Allerdings liegen dem Team Gegenwehr und Körperlichkeit, knackige Zweikämpfe und viele Spielunterbrechungen nicht unbedingt. Das Baumgart-Team läuft viel, ist aggressiv im Gegenpressing und bringt die berühmte Intensität nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten auf den Platz. Das Spiel wird eine Herausforderung für den VfB – wie auch für mich.

Alex, bitte sprich’ mit Anthony Modeste!
Nach den beiden Spielen gegen Köln in dieser Saison hieß es Anthony Modeste 3, VfB 0, und das war nicht gut so. Der VfB-CEO Alexander Wehrle hat eine besondere Beziehung zu Modeste. Als Verantwortlicher in Köln transferierte er den Torjäger erst für 29 Millionen nach China und holte ihn zum Nulltarif zurück, nachdem die Gehaltszahlungen aus dem Reich der Mitte ausblieben. Wehrles Rückholaktion von Modeste blieb nicht ohne Kritik – der Franzose wurde zwischendrin sogar nach St. Etienne ausgeliehen. Der 34-jährige ist jetzt der Held bei den Kölnern, schoss sie mit 19 Toren ins internationale Geschäft und erlebt zum Ende seiner Karriere seine womöglich beste Phase. Modeste ist Wehrle also etwas schuldig, oder? Für den Showdown gegen Köln wünschen sich alle VfB-Fans jedenfalls ganz fest: Nicht schon wieder Anthony Modeste! (Rey Bucanero-Voice)

Meine Stimmung schwankt zwischen Vorfreude und Angst: Vorfreude, weil es in großer Tag mit vielen positiven Emotionen werden kann. Weil eine verkorkste Saison mit einem Highlight gerettet werden kann. Angst, weil ein erneuter Rückschlag auch nicht unwahrscheinlich ist und der VfB damit angeknockt in die Relegation gehen würde. Auf ein Gegentor muss ich mich auf jeden Fall einstellen. Der VfB kassierte in jedem der bisherigen 16 Heimspiele mindestens eins.

Zum Weiterlesen:
Der kicker titelt “Wehrle lässt Zukunft von Mislintat und Matarazzo offen“, auch wenn die Aussagen von Alexander Wehrle kein großes Ding sind. Aber eine Medienrunde zu diesem Zeitpunkt? Wohl eher nicht seine beste Idee.

Die Süddeutsche Zeitung meint, „beim VfB beginnen sie jetzt, sich die Dinge schön zu denken: Ja, eine direkte Rettung ist wieder möglich“. Desweiteren “taugt zur Stimmungsaufhellung (…) auch die fabelhafte Leistung des zuletzt umstrittenen Torhüters Florian Müller“, über dessen Beurteilung in den sozialen Medien sich Sven Mislintat beschwerte und sich einer Wortwahl bediente, die eben dort gepflegt wird: „Das ging mir ziemlich auf den Sack!”

Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

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17 Kommentare

  1. Benny sagt

    Bei aller Vorfreude und Zuversicht. Die Kölner liegen uns einfach nicht. Erst recht nicht zuhause. Daher habe ich eher ein mulmiges Gefühl.

    Anders bezüglich Relegation. Nach München glaube ich wieder fest daran, es über den Umweg zu packen. Das würde auch zu dieser verrückten Saison passen.

    Vielleicht legt auch Rino seine Vorsicht ab und beruft doch noch einen Überraschungsgast a la Silas oder Sankho in den Kader. Ein Versuch wäre es wert.

    Gottseidank wissen wir in morgen Nachmittag mehr. Diese Spannung ist auf Dauer unerträglich.

    • @abiszet sagt

      Ja, Köln liegt uns nicht. Eigentlich. Aber denk mal an Akolo … dann geht’s wieder ;-)

      • Benny sagt

        Damals war Köln aber glaub Letzter :) und da hat es auch alles gebraucht. Aber Augsburg liegt uns ja eigentlich auch nicht. Dennoch haben wir sie geschlagen. Das schöne ist ja unsere bekannte Hoffnung. Und die habe ich eigentlich auch immer. Es könnte so schön werden :)

  2. Icke sagt

    Aaargh, die Spannung ist wirklich zu greifen jetzt kurz vorm Show-Down. Baumgart hat ja gestern verkündet voll auf Sieg spielen zu wollen. Vermutlich wird er auch wieder an der Seitenlinie umhertigern. Da darf PM auch gerne mal dagegenhalten. Anyway, der VfB hat es wie erwähnt selbst in der Hand, es gibt keinerlei Ausreden bei einer Niederlage. Ich bleibe aber auch (zweck-)optimistisch. Eine enge Kiste mit am Ende 3:2 für uns wäre sensationell.

  3. Bernd sagt

    Eins muss man sagen: Hitz wäre nie auf die Idee gekommen, vor dem wichtigsten Spiel der Saison so ein Interview zu geben. Selbst als es die ersten Gerüchte um Ärger mit Walter gab hat er sich nie zu solchen Wasserstandsmeldungen hinreißen lassen.

    • fritzo62 sagt

      Ja, und? Laut Kaderqualität müssten im unteren Mittelfeld stehen. Kaderzusammenstellungsfehler, taktische Mängel, keine Fitness in einigen BL-Phasen etc. Was müssen die beiden noch alles verbocken bevor sie ein Personalgespräch bekommen?

  4. Heinzi sagt

    Lieber Toni Modeste,
    wenn Du am Samstag in Stuttgart kein Tor schießt, kaufe ich ein Päckle von Deinem Kaffee im Online Shop. Ich hoffe, Dir ist klar, dass ein Schwabe normalerweise niemals 10 Euro dafür hinlegt. Also überlege es Dir, Union gewinnt sowieso.

  5. Konrad sagt

    Leider habe ich heute kein Gefühl…
    Wie hieß das bei der WM 14 so dramatisch, der Zauber von Campo Bahia…
    alternativ bräuchten wir den Zauber von Cannstatt. Wahrscheinlich geht es nur irgendwie
    über Mystik und Kampf. Toll finde ich, dass die Fans nach so einem “wunderbaren Jahr”
    trotzdem in voller Kapelle erscheinen und alles geben. Wenn ich ganz ehrlich bin, beeindruckt mich das von allen Dingen am Meisten. Das ist schon sehr berührend.
    Was meint Ihr, wird Sasa Lewandowski Nachfolger 😒 oder geht er zu Kumpel Kobel?

    • @abiszet sagt

      Ich finde ihn gut, als Spieler und Typ, aber mir ist völlig egal, wohin Sasa wechselt. Wobei Dortmund wie München deutlich zu groß für ihn sind.

      • drhuey sagt

        Heute soll er dafür sorgen, dass die Option direkter Klassenerhalt intakt bleibt und sich erinnern welcher Club ihn in diese Position gebracht hat, alles andere ist mir auch Wurst, aber ich würde ihm nicht zur PL raten. Da stehen andere Kaliber in der IV und bei seiner Verletzungsanfälligkeit geht das nicht lange gut. Das wird auch für Haaland schwierig. Sich bei den Bayern unangefochten in der doch etwas gemütlicheren BL zu entwickeln ist da die bessere Option. Was bliebe, wäre es ein toller Transfererfolg von Mislintat.

    • Elmar sagt

      Der Geist von Paderborn 2015 würde schon reichen……Anspannung heute wie damals kaum zu ertragen

        • Elmar sagt

          Hat sich gelohnt Andreas ……bin durch….kommt erst morgen an……aber wir sind drin

          • @abiszet sagt

            Ich auch, aber sowas von … ein unvergessener Nachmittag!

  6. Du hast Recht, interessant ist natürlich für uns der Nachfolger…

    Viel Glück heute 🍀🍀🍀🍀🍀⚽️⚽️⚽️⚽️⚽️
    und Danke nochmal für Eure Website, ist immer gut hier zu schreiben und lesen 🥇

    Mal sehn, was wir Morgen von uns geben 🫣

    • @abiszet sagt

      Danke :-) Macht immer Spaß, wie hier diskutiert (und gelesen ) wird. Schaun mer mal, wie es ausgeht. Glück werden wir auch brauchen.

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