Querpass
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Verliebt in Filip

Ich habe ja noch auf die Ginczek-Bombe am Deadline Day gewartet, über ihn wurde viel zu wenig spekuliert: Der Stürmer für 35 Millionen nach Arsenal, in London heißen sie Daniel Ginczek willkommen als Ginni-Goal! Oder so ne rührselige Geschichte, eine Rückkehr nach Dortmund, wo er in der Jugend spielte, nachdem die Borussia Adrian Ramos an den FC Bournemouth für 15 Millionen verscherbelt hatte. Und was passierte? Nichts. Keiner der „Big 3“ verließ den VfB.

Auch Filip Kostic nicht, der dem Vernehmen nach mit Schalke einig war, Vorstand Robin Dutt sich aber quer stellte und keine 20 Millionen einsacken wollte.

So wie Schalke einer der Verlierer der Transferperiode ist, so bin ich einer der Gewinner. Denn seit Ende der letzten Saison leide ich an einer massiven, fast schon kindlichen Kostic-Schwärmerei. Kreisch! Ich sehe ihn einfach gerne im VfB-Trikot: Sein hohles Kreuz, die durchgedrückte Brust, die Andeutung von X-Beinen, die manche seiner Schritte wie ein watscheln aussehen lässt. Er ist mein Look of Love. Kostic ist für mich die Urzelle des VfB-Angriffspiels, es scheint, als ob ihn eine höhere Macht immer noch schneller werden läßt und ihn seine Körpertäuschungen noch überraschender ansetzen läßt. Gegenspieler schüttelt er ab, sie verlieren regelmäßig die Orienterung, ihnen ist schwindlig von Kostics ausufernden Sprints. Seine Soli brechen wie Wellen auf die gegnerische Abwehr herein, manchmal denke ich, Kostic könne fliegen und ich ertappe mich dabei, laut seinen Namen zu schreien, wenn er am Ball ist. Love is Noise.

Der Serbe baut seine Flankenläufe kaskadisch auf, ihm gelingen auf seiner linken Seite weit ausschwingende Momente. Und er kann mit seinem linken Fuß Räume öffnen, da werden aus kleinen Gassen plötzlich Boulevards. Obwohl Kostic nach Gelsenkirchen wollte, ist meine Zuneigung ungebrochen. Love is Blindness. Er würde zu den Spielern gehören, deren Werdegang ich auch nach einem Wechsel wohlwollend verfolgen würde. Dazu zähl(t)en wenige, Alexander Hleb zum Beispiel, Sami Khedira natürlich. Trotzdem wird es eher eine schnelle und heftige Affäre zwischen Kostic und mir, Fast Love, das passt auch zu seiner schwindelerregenden Geschwindigkeit, denn es ist zu befürchten, dass er spätestens nächsten Sommer den Verein verläßt – vorausgesetzt er hält seine Form.

Ich werde einen kleinen Blumengruß an Robin Dutt senden, er blieb standhaft, obwohl er für Daniel Didavi und Kostic über 30 Millionen hätte generieren können. Vor einem Jahr wäre das nicht möglich gewesen. Kräfte im Verein hätten darauf gedrängt, Kasse zu machen, um auf den letzten Drücker Spieler zu verpflichten, die dem VfB nicht weiter helfen.

Zuletzt stieß noch Robbie Kruse zu den Stuttgartern, einen, den ich kaum auf dem Zettel hatte. Ich sehe nur seinen eigenartigen Laufstil vor mir, wie er mit den Hüften schlenkert, wie er die Schultern hochzieht und seinen Kopf nach vorne stößt. Ein paar Tore für Düsseldorf kann ich auch memorieren, sonst nichts. Wollen wir hoffen, dass Kruse Martin Harnik Beine macht, wobei ich nicht wirklich dran glaube.

Mir wäre – wie so vielen – ein weiterer Abwehrspieler lieber gewesen. Die Abwehr ist seit mindestens drei Saisons das große Problem und mit den Innenverteidigern Timo Baumgartl, Adam Hlousek, Toni Sunjic und Georg Niedermeier in die Saison zu gehen, ist zumindest einmal mutig, wenn nicht fahrlässig. Von einem Daniel Schwaab, der sich von Jahr zu Jahr zurück entwickelt, einmal ganz abgesehen. Oder Alexander Zorniger kümmert sich mehr um die Defensive statt um sexy Balljagd und fancy Wildheit. Fachleute meinen, er könne Defensive. Ich bin gespannt, ob er es mit diesen Spielern kann. Aber wahrscheinlich ist er wie ich in die Läufe von Filip Kostic verliebt. Ein Jahr sehen wir sie noch. Lasst sie uns genießen.

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