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Affäre Großkreutz: Nur Verlierer. #isso

Ich muss sagen, mich hat das alles angeekelt. Ja, die unappetitlichen Bilder des geschundenen Kevin Großkreutz, aber in erster Linie die vielen Spekulationen, die Sensationslust, die widerlichen Gerüchte, die (Schaden-)Freude vieler, den tiefen Fall eines Profi-Fußballers und Weltmeisters beobachten zu können. Und das obszöne Vergnügen, sich über Großkreutz lustig zu machen. Die Entscheidung des VfB Stuttgart, sich von Kevin Großkreutz zu trennen, können wir nicht beurteilen, da uns allen die Details und Hintergründe nicht bekannt sind.

Eins ist aber sicher: Es gibt nur Verlierer.

Der Vorstand
Jan Schindelmeiser sendet ein klares Signal an das Team: Wer den Aufstieg in Gefahr bringt, muss die Konsequenzen tragen. Eine Entscheidung, die nicht nur Follower bringt. Keine Rolle gespielt haben offensichtlich die Tränen von Kevin Großkreutz nach dem Mainz-Spiel und seine spontane Bereitschaft, beim VfB zu bleiben. Auch nicht seine Identifikation mit dem Verein und sein unbedingter Wille, den Wiederaufstieg zu packen. Entscheidend für den Sport-Vorstand ist, dass Großkreutz seiner Vorbildfunktion nicht gerecht wurde und als Vertreter des Vereins dem VfB einen Imageschaden zugefügt hat.

Die Mannschaft
Sportlich gesehen, ist Kevin Großkreutz in der Form der letzten Wochen verzichtbar. Jean Zimmer kann das so auch spielen, ebenso Florian Klein oder Matthias Zimmermann. Viel größer ist die Gefahr, dass die Mannschaft den sportlichen Fokus verliert. Mindestens bis zum Braunschweig-Spiel wird die Großkreutz-Affäre das Team beeinflussen. Sollte es eine Niederlage bei den Niedersachsen geben, verfolgt die Causa Großkreutz das Team sogar noch weiter. Kann sein, dass einigen Großkreutz auf die Nerven gegangen ist, insgesamt scheint er aber beliebt im Team gewesen zu sein und war einer der Spieler, die aufrütteln und mitreißen konnten.

Die Fans
Kevin Großkreutz ist im Herzen ein Fußball-Fan geblieben, er erreicht das Publikum mit seinen Emotionen, er teilt mit den Fans die kindliche Begeisterung für das Spiel. Wenn er mit seinem Verhalten übers Ziel hinausschießt, wird dies mehrheitlich wohlwollend zur Kenntnis genommen. „Dr’ Kevin halt“. Großkreutz fehlt nun als Projektionsfläche ebenso wie als Symbol für gelebte Fannähe. In nur gut einem Jahr hat er in Stuttgart das geschafft, was für viele unerreichbar ist: Er war und ist ein absoluter Publikumsliebling. Er wird (mir) fehlen!

Was jetzt nicht passieren darf: Eine Spaltung der Fans in zwei Lager. Viele Kommentare am Tag des Rauswurfs schossen weiter über das Ziel hinaus. Aber der VfB braucht für den Aufstieg die gleiche ungebrochene Unterstützung wie bisher – von allen!

Der Spieler
Kevin Großkreutz wirkt oft unreif, kindisch und kennt keine (Niveau-)Grenzen. Aber er hat auch den Mut, sich bei der Pressekonferenz hinzusetzen und sich unter Tränen zu entschuldigen.

Nach dem Lautern-Spiel sagte Trainer Hannes Wolf, er verlange von seinen Spielern absolute Professionalität auch außerhalb des Platzes. Er nannte die Stichworte Ernährung, Regeneration, Schlafen. Der VfB kann deshalb das Verhalten von Großkreutz nicht durchgehen lassen. Großkreutz steht nun vor den Scherben seiner Karriere und eventuell sogar mehr – und das absolut selbstverschuldet. Die Härte der Entscheidung zieht dem Spieler buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Es ist schade, dass es offensichtlich keinen anderen Weg als die Trennung gegeben hat.

Ja, Kevin hat Scheiße gebaut. Spätestens seine Tränen haben gezeigt, dass er das begriffen hat. Es ist ihm zu wünschen, dass wir ihn noch einmal auf dem Fußballplatz sehen.

Eins kann ich jetzt schon sagen: Meinen Beifall bekommt er!

Warum der Fisch so fehlen wird, könnt Ihr hier nochmal nachlesen.

 

6 Kommentare

  1. Marc sagt

    Erstmal grundsätzlich find ichs gut, dass der Verein einfach mal Stellung bezieht und eine klare Linie vorgibt. Das hat dem VfB in den letzten Jahren glaub ich gefehlt. Nur erwartet wohl jetzt jeder von uns, dass diese Konsequenz (die ja nicht immer automatisch Vertragsauflösung heißen muss) nun bei jedem Spieler Anwendung findet.
    Und ich glaub, dass dieses Denken mit der Person Großkreutz ganz stark verknüpft ist. Der Kevin ist einer, der eben Eier hat. Wie einst Kahn schon für mich ganz richtig anmerkte: „Wir brauchen Eier“. Und genau diese hat er für mich definitiv. Rein sportlich gesehen ist er mit Sicherheit entbehrlich, aber rein mental ist das ein Spieler, der uns glaub ich sehr fehlen wird. Für mich stellt sich die Frage, was nun schlimmer ist. Die Aktion vom Kevin für sich betrachtet? Oder die Vertragsauflösung und der mögliche Rattenschwanz, den das womöglich nach sich zieht? Man wird’s wohl nie erfahren. Genauso wenig wie die genauen Umstände und was an jenem Abend / in jener Nacht wirklich alles passiert ist. Allein die Tatsache, dass Stillschweigen vereinbart wurde was die Gründe der Vertragsauflösung betrifft bzw. zur Sache an sich lassen Spekulationen aufkeimen, die es so nicht braucht. Als ich mir die PK ansah, was wohl viele von euch ebenfalls getan haben, übertrug sich auf mich von Anfang an gleich so eine ganz merkwürdige Stimmung. Fragt mich nicht, wie ich das definiere, da ich es selbst nicht wirklich benennen kann. Es wirkte so, als wäre Schindelmeister irgendwie „not amused“ gewesen, dass der Kevin noch ein paar Worte auf der PK gesprochen hat. Wie der andere Typ heißt, der da dabei gewesen ist, weiß ich gar nicht, muss ich zu meiner Schande gestehen, aber der wirkte auch nicht gerade begeistert. Ja, es sah irgendwie so aus, als seien beide „angewidert“ gewesen. Aber vielleicht liegt das einfach nur daran, dass ich mich erst noch daran gewöhnen muss, dass der Kevin ab sofort kein Spieler mehr vom VfB ist und wir ihn vielleicht nie wieder irgendwo Fussball spielen sehen. Stattdessen steht nun groß Familie auf seinem Trainingsplan. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass er im Kreise seiner Lieben zur Ruhe kommt, der für seine Familie und sich ausgebeten hat von den Journalisten. Was nun völlig ungut wäre, wenn das jetzt den Lauf der Mannschaft negativ beeinflussen würde. Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber vielleicht ist dieses Faß eher unnötigerweise aufgemacht worden. Aber hätte der VfB dann den Kevin rausgeworfen? Was bleibt sind wohl mehr Fragen als Antworten und genau das ist für mich ein eher fader Bei- und Nachgeschmack, den die ganze Geschichte mit sich bringt. Auf die Reaktionen der Anhängerschaft bin ich auch gespannt. Im VfB-Forum lass ich – was eher spekulativ ist – dass diese Vetragsauflösung von Teilen des CC zum Anlass genommen werden könnte, um gegen den Präsidenten zu schießen. Nur wenn ich das richtig verstanden habe. Und schon hätte man da (auch?) Unruhe drin, die ich so gar nicht vermisst habe. Ein Teil der Antwort bekommen wir Montagabend.

    • @abiszet sagt

      Hi Marc, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich hatte andere Gefühle bei der PK. Das Statement von KG hat mich gerührt, ich empfand Mitgefühl. Da hat einer Scheiße gebaut, steht dazu und muss jetzt die Konsequenzen tragen. Wie geschrieben: Wir alle können es nicht beurteilen, ob nicht eine saftige Strafe und zeitweise Suspendierung auch gereicht hätte. Und ob der VfB dem Spieler zur Seite stehen sollte. Es ist alles tragisch und vor allem unnötig (und von KG selbst ausgelöst). Es ist zu hoffen, dass es keine Folgen für die Mannschaft und den erhofften Aufstieg gibt. Und dass KG sein Leben und seine Karriere in den Griff bekommt.

  2. Allein unter Westfalen sagt

    Was die PK betrifft, kam für mich schon rüber, dass sich der Verein bemüht, die leidige Angelegenheit sachlich zu bewerten. Wenn JS bemerkt, dass Kevin Großkreuz dennoch „unser Junge“ bleibt, ist schon klar, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat und dass sie den Verantwortlichen auch leid tut. Es spricht auch für den Verein, dass er KG die Gelegenheit gegeben hat, sich zu dem Vorfall selbst zu äußern. Insofern teile ich die Meinung von Marc nicht.
    Nun wird viel spekuliert. Viele fordern, man hätte den Abschluss der Ermittlungen abwarten sollen. Wenn es aber so ist, dass KG sich mit Jugendspielern des VfB (wohlgemerkt unter 18 Jahren) in einem Bereich aufgehalten hat, in dem auch rote Laternen leuchten, war keine andere Entscheidung des Vereins möglich. Man hat einen Schnitt gemacht und zwar einvernehmlich. Alles andere würde den Verein in den nächsten Wochen extrem belasten. Sollte es zu einem Prozess kommen, ist es jetzt die „Causa Großkreuz“. Bei einer anderen Entscheidung wäre es der Verein.
    Mir tut es für KG auch sehr leid. Er war mir als Typ schon immer sympathisch, weil er sich nicht weichspülen ließ. Nach seinem Auftritt in der PK, der mich auch irgendwie gerührt hat, habe ich auch große Hochachtung vor ihm als Mensch. Schade, dass er sich so oft nicht im Griff hatte. Ich wünsche ihm alles Gute!

  3. Hallo VfB, tut Euch selbst einen Gefallen und …
    … dreht das Ganze wieder rum! Begnadigt KG und es gibt NUR Gewinner !

    Zieht Ihm 2 Monatsgehälter als Strafe ein (muss auch weh tun!), lasst Ihn in einer sozialen Einrichtung (z.B. Behinderteneinrichtung, Kinderheim, …) in seiner trainingsfreien Zeit ein paar Wochen „Wiedergutmachung“ ableisten und ich bin mir sicher, das war seine letzte Eskapade in seiner Profifussballer-Zeit.

    Ausserdem ist es kaum auszuhalten, den ganzen Spott, Hohn und das Unverständnis von Fussballdeutschland über sich ergehen zu lassen.

  4. Jerry Lee Natty sagt

    Eine Identifikationsfigur,
    Ein Emotionenträger,
    Ein Familienvater,
    Ein großes Kind,

    Würde mich freuen, wenn wir dich wieder sehen. Beim VfB. Steht jetzt schon auf all meinen Wunschzetteln.
    Danke #fischkreuz #isso #derbysieger

  5. Frank Teufel sagt

    Vom professionellen Standpunkt aus kann ich die Entscheidung nachvollziehen: wer die Ziele gefährdet und intern Unruhe verursacht, muss entfernt werden. Lektion 1 im Handbuch Personalführung.
    Es gibt aber immer noch den menschlichen Aspekt. Mit all seinen beschränkten Mitteln ist der fischkreuz genau so, wie er sein sollte. Er braucht eben mehr Aufmerksamkeit, Zuspruch, Kritik, lob und Bestrafung als andere. Ein enfant terrible, aber eben ein „Kind“.
    Ich bin der Überzeugung, die Verantwortlichen hätten die väterliche Rolle für ihn weiter übernehmen können. Bis zum Saisonende strafversetzt in die II hätte doch auch gereicht, bei halbiertem Taschengeld.
    Denn eines ist unbestritten: er liebt den Fußball & das Fan sein wie sehr wenige andere in diesem Geschäft. Und das wird uns allen fehlen.

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