Der VfB kann einem schon unheimlich werden. Nach der Nichtleistung gegen Gladbach und dem seltsam unsicheren Auftritt in Paderborn war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass ausgerechnet in Leverkusen eine Mannschaft auftritt, die dem Gegner das Fürchten lehrt. Aber der VfB hatte beschlossen, seine nette Seite für einen Abend zu Hause zu lassen. Stattdessen: Krallen ausfahren, Zähne zeigen, Widerstand leisten. Mit einer Konsequenz, die man zuletzt nur gegen Atletico Madrid gesehen hatte – und beim 3:1 gegen Leverkusen am 33. Spieltag der letzten Saison.
Das 4:2 gegen die Werkself ist mehr als ein spektakulärer Auswärtssieg. Es ist eine Erinnerung daran, was in dieser Mannschaft steckt, wenn sie ihre Fähigkeiten nicht nur gelegentlich zeigt, sondern sie über 90 Minuten mit der nötigen Haltung verbindet. Der VfB spielte nicht nur gut, er wurde dem Gegner auch richtig lästig. Er ging dahin, wo es weh tat, ließ sich auf Hektik ein, teilte aus und steckte ein. Nicht immer schön, aber ziemlich wirkungsvoll. Der VfB setzte nicht nur spielerische Akzente, sondern zeigte dem Gegner: Das wird kein Spaß heute.
Unangenehm, richtig unangenehm trat der VfB auf. Er kratzte, stichelte, schubste und provozierte, natürlich auch, weil Schiri Benjamin Brand das alles zuließ und laufen ließ. Aber das war schon ein neuer Gruselfaktor im Spiel des VfB. Er kann auch bissig sein. Und die Rudelbildung zum Ende der ersten Halbzeit sah aus wie wie ein Halloween-Abend, der aus dem Ruder läuft.
Nach dem frühen Doppelschlag durch Ermedin Demirovic und Jamie Leweling hätte der VfB die Partie kontrollieren können. Aber Leverkusen besitzt eine bockstarke Mannschaft, die sich auch nicht alles bieten lässt. Wie Kapitän Edmond Tapsoba, der überall vorne dabei war und sich seltsamerweise keine Verwarnung einhandelte. Wie auch sein Gegenüber Deniz Undav, der die Rudelbildung mit einem Check auslöste, der sich mit allen anlegte und beim Schiedsdrichter auf ruhigen und besonnenen Anführer machte. Das Amt soll ihn hemmen? Davon war in Leverkusen nichts zu sehen.
Leverkusen kam zurück und es wurde ein Spiel, in dem sich Stuttgart nicht hinter seiner spielerischen Qualität versteckte, sondern auch die andere Seite des Fußballs annahm. Blieb gefährlich, nutzte seine Chancen und ließ sich auch vom Anschlusstreffer nicht aus dem Konzept bringen. Das war ein Sieg, den sich der VfB mit einer Mischung aus Spielwitz und Widerborstigkeit erarbeitete.
Hey, und dann dieser Pass von Deniz Undav.
Eine Vorlage, die eigentlich eine eigene Altersfreigabe verdient hätte: schwarze Magie, mit der linken Innenseite serviert und so präzise, dass die Leverkusener Abwehr nur noch Statistenrollen übernehmen durfte. Demirovic musste beim 4:1 nur noch den Fuß hinhalten. Ein Pass wie eine Kettensäge, die Leverkusener Abwehr dachte, sie sähe Gespenster.

Ermedin Demirovic wurde zum echten Gruselfaktor für Leverkusen: Selten zu sehen, aber er biss gnadenlos zu, wenn es notwendig war.
Dass Leverkusen später noch verkürzte, konnte den Eindruck nicht mehr verwischen. Der VfB hatte an diesem Nachmittag nicht nur vier Tore erzielt, sondern eine Haltung gezeigt, die ihm abhanden gekommen schien. Nach Gladbach und Paderborn war die Frage, ob die Mannschaft überhaupt verstanden hatte, um was es geht. In Leverkusen gab sie eine ziemlich deutliche Antwort. Sie kann sich wehren. Sie kann leiden. Sie kann einem Gegner den Spaß am eigenen Spiel nehmen. Und sie kann dabei immer noch Fußball spielen.
Natürlich ist damit nicht alles gut.
Ein überzeugender Sieg macht aus einem wackligen Saisonstart keine Erfolgsgeschichte und die nächsten Aufgaben lauern bereits im dichten Nebel. Am Dienstag wartet Galatasaray in Istanbul, am Samstag kommt Werder Bremen mit Nilas Füllkrug, der derzeit ein Albtraum für alle Abwehrreihen ist. Aber das Ergebnis, muss Selbstvertrauen geben, ohne dass der VfB übermütig wird. Denn auch in den beiden nächsten Spielen muss er seine Krallen ausfahren.
Vielleicht ist das die schönste Nachricht dieses Halloween-Wochenendes:
Der VfB kann seinen Gegnern auch Angst zu machen. Er muss es nur öfter zeigen.
Bilder:
Dean Mouhtaropoulos/Getty Images
KI/vp (Artikelbild)

Werbefuzzi, Autor der VfB Stuttgart Fußballfibel, eintätowierter Brustring, Kessler-Ultra.


Und ich dachte schon ohne Stiller wirds schwierig bei der Werkself.
Bin jetzt wirklich gespannt auf Istanbul ob wir da auch so auftreten.
Und wieder ( wie nach dem Atletico-Spiel ) stellt man sich die Frage, warum nicht immer so oder so ähnlich ?
Der Sky – Reporter sprach mal kurz von einer Kneipenschlägerei. Ganz so heftig würde ich das gesehene jetzt nicht bezeichnen. Aber diesen Biss, diese Griffigkeit, die Konsequenz, man fragt sich, ob das so schwer sein kann, dies immer und immer wieder abzurufen.
Man muss ja nicht jedes Spiel gewinnen, aber man kann es versuchen. Man kann sich nicht auf die vergangenen Leistungen verlassen und dann meinen, das klappt ja beim nächsten Mal auch wieder !
Was mich besonders freut ist die Tatsache, das nur offensive
Spieler die Tore gemacht haben, Medo die vergebenen Chancen aus dem Paderbornspiel nicht mehr im Kopf hatte, Leweling hat das auch gebraucht.
Auch El Khanouss war wieder darf. Und Undav hat gezeigt, das er sehr wohl Kapitän sein kann und Fußball spielen kann.
Sein Pass zum 1:4 hatte Pavard-Vibes !
Vielleicht klappt es ja bei Gala und dann gg. Bremen das alles auch nochmal auf den Platz zu kriegen, dann ist Länderspielpause. Die wird dann bestimmt etwas ruhiger !
Schönen Sonntag zusammen !
Jetzt hat man gesehen, was möglich ist, wenn der Körpereinsatz stimmt, und so muss es jetzt aber auch weitergehen, dann ist die schlechte Stimmung ganz schnell verflogen. Allerdings musste ich nach dem Spiel Körperpflege betreiben, denn das Oberteil war total verschwitzt. Bin gespannt ob Hoeneß gegen Galatasaray rotieren wird, damit die Mannschaft am Samstag gegen Bremen voll einsatzbereit ist, und Füllkrug hoffentlich nicht trifft. Hat jemand Stiller vermisst ? Vielleicht tut ihm die Auszeit mal gut zum reflektieren.