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Ausgecoacht. Ausgespielt. Aus der Traum.

Beim wiederbelebten Südgipfel wurden dem VfB die Grenzen aufgezeigt. Ein Fehler im Spielaufbau. Zwei Standards, wovon es eine Ecke nicht hätte geben dürfen. Das Ergebnis: Ein hochverdientes 3:0, es hätte deutlich höher ausfallen können. Es war ein Qualitätsunterschied zu sehen und das obwohl der FC Bayern München mit der „experimentellsten Aufstellung“ (Süddeutschen Zeitung) in der Amtszeit von Thomas Tuchel antrat.

Ausgecoacht.
Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Kingsley Coman, Serge Gnabry und Noussair Mazraoui fehlten verletzt oder erkrankt. Der VfB kam dagegen mit breiter Brust nach München. Wie ernst Trainer Tuchel den VfB nahm, zeigte sich an seiner Taktik: Seine Spieler überließen dem VfB den Ball, standen tief, machten die Räume zu und hielten die Abstände eng, um kein Stuttgarter Kombinationsspiel aufkommen zu lassen. Nach Balleroberung schalteten die Bayern schnell um, insbesondere über Leroy Sané. Wann setzte der Rekordmeister zuletzt im eigenen Stadion auf eine Kontertaktik? Dass dies besonders gut aufging am Sonntag Abend, lag auch am frühen 1:0, als Atakan Karazor einen seiner schlampigen Pässe spielte und der FCB blitzschnell umschaltete. 1:0 nach 1:22 Minuten, danach spielt es sich selbst für eine angeschlagene Truppe wie den Bayern München einfach.

Tuchel verdichtete das Zentrum, stellte insbesondere Angelo Stiller zu, doppelte auf der linken Seite wenn möglich Chris Führich und ließ dagegen die rechte Seite offen. Josha Vagnoman stand dort oft alleine, bekam auch den Ball und hatte den Raum, blieb aber ohne jegliche Wirkung. Der VfB versäumte es, verstärkt über diese Seite zu spielen und Vagnoman zu unterstützen, Enzo Millot war in diesem Raum kaum zu sehen und entsprechend wütend bei seiner Auswechslung. Aber er war nicht alleine, auch seine Offensiv-Kollegen Deniz Undav und Serhou Guirassy blieben unsichtbar und mussten feststellen, dass es für das oberste Regal offensichtlich nicht reicht.

Ausgespielt.
Die Bayern mussten sich nicht anstrengen, um Tore zu schießen. Sie mussten sich gegen den Ball anstrengen. Da taten sie sehr diszipliniert und sehr aggressiv, womit der VfB nicht zurecht kam. 708 gespielte Pässe, 90 Prozent Passquote, 63 Prozent Ballbesitz schön und gut, aber dem VfB fehlte es an Tempo und Vertikalität im letzten Spieldrittel. “Wir waren nicht zielstrebig genug, hatten keinen Rhythmus und waren zu pomadig. Wir gehen völlig verdient als Verlierer nach Hause”, zeigte sich Sebastian Hoeneß bei seiner Rückkehr ernüchtert.

Aus der Traum.
Zu zaghaft agierte der VfB, wirkte wie gehemmt und es fehlten nach dem frühen 1:0 vor allem Selbstvertrauen und Überzeugung. Vom Mut und der Leichtigkeit aus großen Teilen der Hinrunde war nichts zu sehen. Die Spieler schienen gegen München ihrer eigenen Form und dem bisherigen Saisonverlauf nicht zu trauen. Oder sie wollten den ersten Sieg nach 2018 zu sehr und ließen sich von dem frühen Rückstand beeindrucken. Fast alle VfB-Spieler stießen in diesem Spiel an ihre Grenzen, wussten oft nicht weiter, machten zu viele Fehler und hatten in den Zweikämpfen meist das Nachsehen.

Bayern München war individuell und im Kollektiv besser als der VfB, dazu der clevere taktische Plan von Tuchel. Der VfB fast so ein bisschen wie der „alte VfB“ in München.

Gegen den letzten Gegner des Jahres, den FC Augsburg, muss der VfB wieder versuchen, seine Stärken auf den Platz zu bekommen, um dann phänomenale 34 Punkte nach 16 Spieltagen auf dem Konto zu haben. Der VfB ist keineswegs der Favorit gegen den Club aus der Fuggerstadt. Unter dem neuen Trainer Jess Thorup hat sich der FCA stabilisiert und ist unangenehm zu bespielen. Eine echte Herausforderung für die Mannschaft. “Wichtig ist, wie wir mit der Niederlage umgehen. Das Spiel am Mittwoch ist wichtig, um gut aus dem Jahr rauszukommen”, schärfte Hoeneß bereits nach dem Spiel die Sinne seiner Spieler.

Zum Weiterlesen:
Rund um den Brustring meint, „mit mehr Bissigkeit in den Zweikämpfen und der gewohnten Ballsicherheit gegen ersatzgeschwächte Münchner wäre hier mehr drin gewesen“, vermisste aber „jegliche Dynamik oder Überraschung (…), so dass der 24-Tore-Sturm quasi unsichtbar blieb.”

„Chancenlos in Fröttmaning“ konstatiert Stuttgart.International und stellt fest, dass die Spieler ausgerechnet beim Südgipfel fahrig und zeitweise ziemlich überfordert wirken.

Bild: Sebastian Widmann/Getty Images

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14 Kommentare

  1. Koaladoc sagt

    ….wie schade. Ausgerechnet gegen die Bauern ein gebrauchter Tag. Tuchel hat sein Team perfekt eingestellt (wobei das schon eine kleine Schande ist, im eigenen Stadion mit dem Kader auf Konter zu spielen – nichts mehr zu sehen vom schönen Pep-Fussball).
    Das frühe Tor war eine Schlüsselszene. Danach war die Überzeugung weg, die in der ganzen Hinrunde (fast) mich immer wieder dazu gebracht hat mir die Augen zu reiben.
    Die Doppelspitze finde ich auch nicht überzeugend. Guirassy ist nach seiner Verletzung auch meilenweit von der (magischen) Form vom Saisonbeginn entfernt.
    Aber hey: Hätte mir am Ende der letzten Saison jemand gesagt, dass wir zum Spitzenspiel nach München fahren, ich hätte den/die für völlig bekloppt erklärt.
    Also: Geniessen wir noch ein Spiel vor Weihnachten gegen Augsburg die Supertruppe und das Trainerteam, die uns soviel Spaß gemacht hat bisher! Und dann: Frohe Weihnachten!

  2. soundzecke sagt

    Hoeneß wurde klassisch ausgecoacht und hatte keine Antwort.
    Die Bayern haben eigentlich nur die Mitte zugemacht und sich nicht locken lassen. Dazu immer einen Spieler an der Mittellinie der beinahe nicht ins Gegenpressing ging.
    Was uns aber mal wieder richtig weh tat und das gab es schon öfters auch mit Endo: Sie haben einfach dem Stiller sämtliche Passoptionen genommen und ließen Karazor dafür unbehelligt, im Wissen das der wieder mal gnadenlos mit dem Spielaufbau überfordert ist.
    Außerdem fiel mir auf das jeder Standard zum Gegenspielr von Karazor geschlagen wurde, was sich ja ausgezahlt hat. Damit hat er bei jedem Gegentor richtig schlecht ausgesehen. Erst der völlig dämliche Fehlpass, beim 2. abkochen lassen, beim 3. weggeduckt.
    Da sieht man halt immer wieder wie eng die Grenzen für unseren Sechser sind.
    Da muss im Winter unbedingt noch eine vernünftige Option her.
    Das Hoeneß quasi gar nicht auf die Bayerntaktik reagiert hat ist schon ein wenig bedenklich.
    Wenn er dafür noch eine Lösung findet würde das definitiv der nächste Schritt auch bei ihm sein.

  3. Audiotec sagt

    Dia san Dia-auch ersatzgeschwächt (und mit den Messern zwischen den Zähnen nach dem 1-5 in Frankfurt) und gg ein euphorisiertes/gehyptes Team der Stunde-der BVB könnte uns da ein Liedlein singen…(wenn er nicht selbst genug Probleme hätte).

    Hat Vagnoman eigentlich das halbe Dutzend an bekommenen “Tunneln” noch voll gemacht oder stand er nur symbolisch für das chancenlose “Hergespiele”!? (kann sich jemand an irgendeinen relevant gewonnen-offensiv wie defensiv- Zweikampf von uns erinnern?)

    In München permanent ausgekontert oder “heidenheiminisiert” (#Standards) zu werden, hatte was von Zorniger, aber lassen wir das…

    Wem’s nach/trotz der 1. (Wow) Halbzeit gg LEV noch nicht (z.Bsp. in Halbzeit 2) klar war, aber gg diese 2 Schwergewichte haben wir (auf Strecke) keine Chance-die machen dieses Jahr die Meisterschaft/Pokalsieg unter sich aus. (Quizfrage wer das Rennen machen könnte: einer von beiden hat sich ein Vize im Namen patentieren lassen…)

    Ebenso werden/sollten Red Bull und (JA!) auch die Mayas noch (!) mindestens eine Nummer zu groß sein/werden, aber von Platz 5-8 ist angesichts der gezeigten Leistungen (auch der Konkurrenz) der Vorrunde alles möglich.

    So schön (+erfolgreich) unser neuer “Hoeness Ball” auch sein mag, auswärts in Lev, Bayern, Dortmund, Leipzig und anderen mit höheren Ambitionen/Form würde ich mir auch ein weiteres “angepassteres” Spiel/System/Vorgehensweise wünschen (#Umschalten), um es besagten beim ersten Fehlpass nicht gleich so einfach zu machen, Tore zu erzielen.

    63% Ballbesitz beim (ersatzgeschwächten, kriselnden, unter der Woche noch spielenden) Branchenprimus zuhause und doch in allen Belangen chancenlos, musste so auch erstmal hinbekommen (und werden sich alle Konkurrenten sehr genau angesehen haben) und dann sprichts halt auch eine deutliche Sprache.

    Aber natürlich ist das hier Meckern auf extremst hohen Niveau (we all know where we’re coming from)-ob 31, 32 oder sogar 34 Punkte unterm Weihnachtsbaum, das ist/bleibt so unerwartet wie überragend und wer weiß wozu es gut ist/war, das wir jetzt nicht völlig abgehoben sind (mit 4-6 Punkten gg LEV und FCB) und Fussballeuropa jetzt nicht um jeden Preis, ihre Teams mit den Guirassy’s, Undav’s und Konsorten noch im Winter besetzen muss.

  4. Clemens sagt

    Ich hatte es gestern bereits unter dem Vorschau-Artikel von Andreas geschrieben, ich kann grundsätzlich mit einer solchen Niederlage in München leben, wenn es der Kräfteverschleiß war. Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr so sicher, ob man ein solches Argument anführen darf, zumal die Bayern deutlich mehr Pflicht Spiele in dieser Saison absolvieren mussten als der VfB.

    59% gewonnene Zweikämpfe pro Bayern sind ein ungewöhnlich hoher Wert. Das läßt möglicherweise darauf schliessen, dass sich gerade im offensiven Bereich nicht alle so reingehauen haben, wie man es vielleicht von ihnen erwarten darf. Dass man mit viel Ballbesitz sein Spiel auch in München durchbringen wollte ist ehrenhaft und ambitioniert, aber vielleicht auch ein wenig naiv gewesen. Zu offensichtlich sind die individuellen Unterschiede in der technischen und spielerischen Qualität zwischen den Bayern und den VfB Spielern, was bei Betrachtung der Kaderwerte aber auch keine grosse Überraschung darstellt.

    Hätte es eine Alternative gegeben? Vermutlich nicht, denn der VfB ist nach wie vor keine Mannschaft, die aus einer rein defensiven Ausrichtung nur auf Konter spielen kann. Vielleicht hätte man in einem solchen Spiel aber zumindest auf die Doppelspitze verzichten sollen, um zumindest die Außen dicht zu machen (z.B. mit Leweling anstelle von Undav). Aber auch so wären mehr Bewegung, konsequentere Zweikampf Führung und sauberes Passspiel erforderlich gewesen, um in MUC was zu holen.

    Am Ende ist gestern nichts Dramatisches passiert, sofern man die richtigen Schlüsse aus dem Spiel zieht.

  5. drhuey sagt

    Es war ja kein Geheimnis, dass gereizte Bayern ihre Rehabilitation möglichst schnell und mit hoher Intensität herstellen wollen. Und dazu das ganze Advents-Brimborium, das man sicher nicht betröppelt angehen wollte. Ich habe mich vor dem Spiel über Tuchels “Überperformance” aufgeregt, aber natürlich hat er recht. Insofern finde ich es ganz gut, wenn aus dem Hype um die Mannschaft und einzelne Spieler etwas die Luft abgelassen wird. Guirassy war total abgemeldet, Karazor kann im Spiel nach vorne nur gut sein, wenn er Platz hat. Vagnoman? Warum hat Hoeness nicht früher reagiert auf diesen Totalausfall? So gesehen wirkte der VfB gestern wie ein one trick pony, dem keine Varianten mehr einfallen, wenn das Zentrum derart dicht gemacht wird und die Stürmer auf Top-Verteidiger treffen. Gegen die mittlerweile wieder eklig zu bespielenden Augsburger, muss für die Psyche ein guter Abschluss her und das ist alles andere als einfach. Von der Champions League haben wohl nur genauso wenige geträumt wie von der Punkteausbeute bisher. Insofern ist auch alles gut!

  6. Motzbackenbruddler sagt

    Ich sehe das Spiel tatsächlich nicht so negativ. Die Bauern (vor allem der arrogante Tuchel) mussten gestern einfach gewinnen – stellt Euch vor, was los gewesen wäre, hätten sie gegen uns verloren (wobei ich keinen Münchner kenne, der FC Byern Fan ist – die halten es alle mit 1860 und spucken auf den FCB)…

  7. Walter sagt

    Ich hätte – wie übrigens auch gegen Leverkusen gleich nach dem Ausgleich – umgestellt, Deniz Undav rausgenommen und durch Silas auf Rechts ersetzt. Die Position in der Mitte mit Enzo Milot besetzt und die Bauern durch lange Bälle gezwungen am Spiel teilzunehmen. Mit dem Ball und im eigenen Stadion hätten sie sich nicht so verstecken können und die Hoffnung auf mehr freie Räume wäre größer gewesen . Hätte , wäre könnte …. Jedenfalls finde ich die Doppelspitze mehr hinderlich als nützlich

  8. Jochen sagt

    Vielleicht kommen wir jetzt mal wieder runter. Ist halt blöd gelaufen, wenn Du nach 83 Sekunden ein Tor bekommst. Fehlpässe sind bei diesem mutigen Spiel hinten raus einfach drin und Nübel war beim ersten Tor auch unglücklich. Mit dem Spielstand im Rücken, war es für die Bayern dann einfacher. Was ist da vercoacht? Und nur zur Erinnerung: die Abwehrspieler von Bayern sind mehr wert, als der ganze VfB Kader. Hat bestimmt auch mit Qualität zu tun. Ich hoffe, Fans und Teamleiter bleiben jetzt auf dem Teppich. Die nächsten Spiele werden schwer. Offensiv sind wir mehr gefordert, da alle Teams jetzt gegen uns eher mal defensiv beginnen. Wir haben leider, leider in München verloren. Schade. Und im Rückspiel machen wir Leverkusen zum Meister.

  9. Der Groundhopper sagt

    Obwohl ich vorher eine deutliche Niederlage erwartet habe, bin ich extremst genervt!
    Grund: Von der Art und Weise, wie wir dem größten Konkurrenten der Bay€rn noch eine Woche zuvor 2 Punkte abgenommen haben, war gestern rein gar nichts zu sehen.
    Ein Spaziergang für die Arroganz-Kotzbrocken, Aufbesserung des Torverhältnisses und der Kane-Bilanz inklusive.
    Der VfB hat also nun exakt das Gleiche gemacht, was ich an den Bochums dieser Liga immer so unfassbar Scheiße finde! Das nervt mich extrem!

  10. Bacardihardy sagt

    Abhaken dieses Spiel
    Bayern kann nicht der Masstab sein
    Haben die besseren schnelleren Spieler
    Finde das Ergebnis sogar gut
    Die VfB Spieler sollten mal schön demütig bleiben
    So muss man sich schon keine Sorgen machen, dass Bayern einen VfB Spieler verpflichtet
    Stiller und Karazor sind viel zu langsam
    Für die schnelle Spielweise der Bayern
    Hoffe dass es wieder für Augsburg reicht
    3 Punkte wären noch wichtig vor Weihnachten
    Schöne Feiertage hoffentlich

  11. Konny sagt

    Wenn man so wie gegen Leverkusen spielt mit der Intensität und verliert, absolut kein Ding. Dann war der andere halt besser. So war ich doch sehr genervt und enttäuscht.

    Die Doppelspitze überzeugt mich nicht und wie Serhou sich seit mehreren Spielen in den Gegenspieler fallen lässt und dann lamentiert nervt.

    Da muss sich noch ein bisschen verändern bis morgen ….

  12. Bernd sagt

    Naja, was heißt hier aus der Traum. Wir werden auf einem Champions-League-Platz in die Winterpause gehen, von daher befürchte ich eher, dass ich morgen aufwache und mir jemand sagt, dass ich die letzten Wochen die Tabelle verkehrtrum gelesen habe. Auswärts bei den Bayern war jetzt eben eine Nummer zu groß für uns, aber besser man macht bei denen ein schlechtes Spiel und haut morgen Augsburg weg als dass man gut mithält und trotzdem ohne Punkte nach Hause fährt und dann den Larifari-Auftritt gegen den vermeintlich kleinen Gegner hat. Von daher ist doch alles gut.

  13. shoeshine sagt

    Was mich am allermeisten aufregt ist, dass ich jetzt eine Bayern Christbaumkugel bei mir am Bäumle hängen habe. Hatte eine Wette laufen mit einem Bayern Kumpel (ich weiss, wie kann man so einen Kumpel haben…) und der Verlierer muss die Kugel des anderen an seinen Baum hängen.. Saublöd gelaufen. Wettschulden sind Ehrenschulden…

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