Autor: @abiszet

Medomenal!

Der VfB und der SC Freiburg mit völlig verschiedenen Herangehensweisen. Drei Faktoren entschieden das Spiel, nach dem der VfB zwölf Punkte (!) Vorsprung auf Platz sieben hat. Freiburg ist anstrengend. Der Trainer, die Spieler, die Spielweise. Denn der SC wollte lediglich nicht verlieren und der VfB, der wollte unbedingt gewinnen. Und wurde für diesen Spielansatz spät belohnt. Passiv, offensiv mutlos und abwartend traten die Breisgauer auf, investierten lediglich defensiv viel ins Spiel: knackige Zweikämpfe, teilweise mit einer Sechserkette in der letzten Linie. Nach vorne gewohnt einfallslos: lange Schläge auf Igor Matanovic, der für zweite Bälle sorgen sollte, in dem er in erster Linie in seine Gegenspieler hineinspang. Das Spielkonzept ging einmal auf, als Derry Scherhant „nach einem Gewusel“ (Sebastian Hoeneß) völlig frei vor Alex Nübel auftauchte. Den muss er machen. Der VfB arbeitete sich am Gegner ab, spielte immer wieder geduldig in die Spitze, ließ den Ball laufen, ohne dem Gegner etwas anzubieten, wenn er einmal verloren wurde. Außer bei der Hero-Grätsche von Finn Jeltsch, der nach einem 50-Meter-Laufduell mit Yuito Suzuki den Torschuss verhinderte …

Stuttgart International kann man nur besoffen sehn’ …

… oder mit starken Nerven. Oder mit einer Scheiß-Egal-Einstellung. Dabei sah alles nach einem gelungenen Abschluss der Liga-Phase in der Europa League aus: Erst die überragende Choreo in der Cannstatter Kurver, dann stand es nach acht Minuten bereits 2:0. Zu diesem Zeitpunkt war der VfB als Achter direkt für das Achtelfinale qualifiziert. Die Mannschaft aber zu schnell zufrieden: Nach rund 30 Minuten stellte sie das Spielen ein, lief ein paar Schritte weniger und jeder machte sein Ding mit überflüssigen Soli und Schüssen aus lächerlichen Positionen. Fehlte es ihr an Reife oder an der Qualität, dem völlig konfusen Gegner noch ein paar Tore einzuschenken? Die Qualitätsfrage stellt sich eigentlich nicht, der VfB hat schon oft in dieser Saison bewiesen, wie gut er ist. Aber fehlende Reife ist auch eine Qualitätsfrage. Zumal es nach der Pause nicht besser wurde. Der Höhepunkt dann das Thomas Hitzlsperger-Gedächtsnistor zum 2:2 von Sandro Lauper. Und wenn die Berner mit Alvyn Sanches und dem eingewechselten Sergio Cordova nicht mehrfach so schusselig gewesen wären, wäre der VfB mit einem oder zwei Toren sogar …

Der Typ hat ne Meise, aber Rückenwind

Am Ende spielte der VfB das Stadion leer. Verständlich, dass die Gladbacher Fans flüchteten, ihre harmlose Trümmertruppe anschauen zu müssen, tat weh. „Ein schlechtes Spiel“ bescheinigte sich Jamie Leweling dagegen selbst, wobei seine Bilanz ausgeglichen war: Elfmeter verschuldet, Führung erzielt. Schlecht spielte der VfB wirklich nicht, trat aber fast ein bisschen zu locker auf. Gerade am Anfang stimmte die Spannung nicht, auch das Spiel nach vorne wirkte häufig uninspiriert. Aber letztlich machte es Gladbach dem VfB einfach, quasi mit halber Kraft einen 3:0-Auswärtssieg einzufahren. Zwei von drei Toren schoss die Borussia mehr oder weniger selbst. Ein Spiel, über das man nicht lange reden wird. Zu unspektakulär, zu klar, zu groß der Klassenunterschied. Wenigstens sorgte Deniz Undav für ein bisschen Gesprächsstoff. Der Stuttgarter Stürmer ist sensibel. Vor allem bei öffentlicher Kritik reagiert er manchmal eingeschnappt. Nachdem er unglaubliche 235 Minuten ohne Torbeteiligung blieb und einige hochkarätige Chancen vergab, nutzen dies einige Medien, um für Klicks sorgen. Sie stellten „Undav ins Zentrum der Kritik“ oder gaben dem “DFB-Star die Note 6“. Nichts Ungewöhnliches also, so sind die …

Buon giorno, Play-offs!

Arrivederci direkte Qualifikation für das Achtelfinale der Europa League. Defensivkünstler, mehr Ringkämpfe als Zweikämpfe, Effizienz vor dem Tor: AS Rom war im vorletzten Gruppenspiel der Europa League das bessere Union Berlin. Und Rom ist der Gegner, gegen den der VfB sehr selten gewinnt. Denn disziplinierte und streng geordnete Teams mit einem Fokus auf Körperlichkeit liegen dem VfB traditionell nicht. Sebastian Hoeneß meinte trotzdem, dass die Mannschaft ein gutes Spiel gemacht habe, sogar „genau das gespielt hat, was wir uns vorgenommen haben“. Nur die Chancenverwertung habe nicht gestimmt. Auch Jamie Leweling, Ermedin Demirovic und Alex Nübel machten die mangelnde Effizienz vor dem Tor für die Niederlage verantwortlich. Aber lag es wirklich an der Chancenverwertung? Macht man es sich damit nicht ein bisschen zu einfach? War es nicht ein zu langsamer Spielvortrag, wenn sich einmal die Gelegenheit zum Umschalten ergab? Gelang es dem VfB nicht zu selten, die Römer aus ihrer Ordnung zu bringen? Fehlten ohne El Khannouss, Stiller und Nartey nicht Kreativität und Ideen? War nicht viel zu wenig Bewegung im Spiel nach vorne zu sehen …

Entspannt Euch mal!

Sieben Punkte zum Jahresstart gegen Leverkusen, Frankfurt und Union, inklusive zwei spektakuläre Spiele. Wer hätte das vorher unterschrieben? Wir alle, oder? Ja, das Remis gegen Berlin ist wahnsinnig unnötig, es hätte für Champions League-Ambitionen ein Sieg sein müssen. Aber der VfB hat die erste englische Woche nach dem Winterpäusle hervorragend absolviert und es gibt keinen Grund zum Klagen. Aber logisch, Grund zum Bruddeln gibt es immer. Unangenehm, eklig, bieder, nervig, schwer zu bespielen: Wir wussten, was gegen Union auf uns zukommt. Genauso Trainer und Mannschaft. Chancen, das Spiel zu gewinnen, waren vorhanden. Aber es hing an Kleinigkeiten: Jeff Chabot fand in Andrej Illic seinen Meister und verlor ungewöhnlich viele Kopfballduelle. Deniz Undav wie schon gegen Frankfurt in der zweiten Halbzeit nicht eiskalt vor dem Tor. Angelo Stiller versprang jeder zweite Ball, er leistete sich erstaunlich viele Fehlpässe. Jamie Leweling zwar elastisch in der Hüfte, aber viel zu hektisch und letztlich wirkungslos. Der von uns gelobte Nikolas Nartey fast unsichtbar. Josha Vagnoman vor dem Ausgleich ziemlich schusselig gegen Stanley Nsoki. Generell viele Bälle und Pässe ungenau, …

Unbreakable!

Ich verstand schon nicht, was Bruno Labbadia an ihm fand. Aber ich dachte, das wäre eben typisch Labbadia. Dass Sebastian Hoeneß auch stets Lobreden auf ihn hielt und ihn sogar im Pokalfinale anstatt Jamie Leweling(!) einwechselte: konnte ich nicht nachvollziehen. Wie auch, ich hatte viel zu wenig von Nikolas Nartey gesehen. Wie wir alle. Eine gewisse Skepsis kann ich nicht leugnen, als ich im letzten Sommer die Nachricht von der Vertragsverlängerung hörte. Aber, hey, was für ein Halbjahr hat Nartey nun hinter sich? Seine Rückkehr nach jahrelangem Verletzungs-Drama hat etwas Kitschiges, er ist ein unerwarteter Neuzugang geworden. Er hat sich Bänder und Muskeln gerissen, sich am Oberschenkel und an den Adduktoren verletzt und nach einem Knorpelschaden im Knie war ein Karriereende kein unwahrscheinliches Szenario. Elf Verletzungen sind es, seit ihn 2019 Sven Mislintat vom 1. FC Köln zum VfB holte. Dass er noch einmal auf allerhöchstem Niveau spielen würde: kaum jemand hat daran geglaubt – außer Sebastian Hoeneß. Dieses Vertrauen in den Spieler muss auch einer der Hauptfaktoren für Nartey gewesen sein, immer wieder an …

Was ist mit Führich und Karazor los?

Dass man von Deniz Undav einmal von einem Chancentod sprechen könnte, hätte ich auch nicht gedacht: Drei Mal lief er alleine auf Frankfurts Keeper Kaua Santos zu, drei Mal ließ er die Entscheidung liegen. Nur logisch, dass der Vokal-Weltrekordler Ayoube Amaimouni-Echghouyab zum Ausgleich traf. Zum Held des Spiels wurde schließlich Nikolas Nartey mit dem 3:2. Ein Siegtreffer, den ihm alle gegönnt haben, wahrscheinlich sogar die Frankfurter. Es war ein mitreißendes Spiel, das unnötig spannend wurde. Der VfB ab der 20. Minute mit Spielkontrolle, ab dem 1:1 mit Druck und Selbstvertrauen – sowohl in Zweikämpfen, zweiten Bällen, in 1:1-Situationen als auch in teils schwindelerregenden Kombinationen. Die Eintracht wirkte zeitweise völlig überfordert, stand dem Angriffswirbel geradezu hilflos gegenüber. Wie kam es zu dieser Überlegenheit? Es waren die Spieler, die zuletzt immer gerne kritisiert wurden: Chris Führich war eigentlich in jeder Aktion gefährlich, spielte seinem Gegenspieler Rasmus Kristensen in direkten Duellen regelrecht Knoten in die Beine. Auch das Zusammenspiel mit dem erneut starken Maxi Mittelstädt erinnerte manchmal an das fast schon blinde Verständnis aus der Vizemeister-Saison. Bester Mann …

VfB, Du geile Sau!

Start ins Jahr gegen Leverkusen, Angstgegner, Endgegner, sieglos seit 2018. Erst kein Glück gehabt, dann kam in den letzten elf Bundesliga- und drei Pokalbegegnungen auch noch Pech dazu und wenn das nicht reichte, ein überforderter Schiedsrichter. Wie Schiri Felix Zwayer, der für das Topspiel am 16. Spieltag angesetzt wurde. Das hatte schon das Potential für die übliche Enttäuschung gegen den Werksclub. Anstatt dessen wurde es das Spektakulärste, was in Leverkusen seit dem 16. Mai 1992 passiert ist. Wahlweise wird von einer „brutalen ersten Halbzeit“ (sky-Kommentator Wolff Fuss), einer „Zerstörung” (Süddeutsche Zeitung), einer „Demütigung“ (ZVW) gesprochen – oder eben vom Spektakulärsten, was es in Leverkusen seit dem 16. Mai 1992 gegeben hat. Matchwinner Jamie Leweling meinte ganz nüchtern, dass es “eine gute Taktik vom Trainer“ gewesen sei. Die hieß: Sofort hellwach zu sein, konsequente Manndeckung über den ganzen Platz, energische Zweikampfführung, Pressing mit bis zu sieben Spielern bei Abstoß Leverkusen. Die VfB-Fans im Stadion (wieder mal stabiler Support!) und zu Hause und in den Kneipen vor dem Fernseher kennen das aus den Begegnungen unter Sebastian Hoeneß. …

Der Brasilianer mit den deutschen Tugenden

Anfang der 2000er Jahre, schaffte Schalkes Manager Rudi Assauer das schier Unmögliche: Er war in Stuttgart noch unbeliebter als Winnie Schäfer, denn es kursierte jede Woche ein neues Gerücht. Kuranyi: Was läuft da mit Schalke? Wechselt Hinkel in den Pott? Assauers Plan: Den ganzen VfB kaufen. Schalke heiß auf Magath! 2004 verpflichteten die Knappen schließlich Marcelo Bordon. Auch wenn wir den Brasilianer in unser Herz geschlossen haben, Bordon ist ein echter Königsblauer geworden. 1999 war Bordon für rund 4,5 Millionen Mark aus Sao Paulo an den Neckar gewechselt. Nach einer kurzen Anlaufzeit entwickelte er sich in Stuttgart zum unumstrittenen Abwehrchef. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er eine Zeit lang der beste Abwehrspieler der Bundesliga war. Er war kein typischer brasilianischer Schönspieler, er trat ohne Schnörkel auf, machte nirgendwo eine Schleife dran. Er war ein Kraftpaket, die Fußballsprache erfand für ihn den Begriff “Abwehrrecke“. Die taz bezeichnete ihn dagegen als „elefantenohrigen Brasilianer” und der kultivierte in seinen fünf Jahren beim VfB eine sehr körperbetonte aber nie unfaire Spielweise, mit seinem muskulösen Oberkörper und seinen Tattoos …

“Des musch g’wenna!“

Ich gehe mit Hoffenheims Trainer Christian Ilzer mit, der nach dem Spiel sagte, ein Spiel gegen seine Hoffenheimer würde keinen Spaß machen. Die TSG ist mir egal, aber ich musste mich trotzdem ziemlich aufregen im Stadion. Darüber, dass Hoffenheims Albian Hajdari hätte Gelb-Rot sehen müssen, nach zwei Fouls innerhalb von 90 Sekunden. Anstatt dessen sah Tiago Tomàs eine Verwarnung, weil er einen Freistoß zu früh ausführte. Darüber, dass Tim Lemperle über 90 Minuten seine Gegenspieler treten und umrempeln konnte, ohne verwarnt worden zu sein (Süddeutsche Zeitung: „In erster Linie war er Wrestler, Ringer und Rempler“). Anstatt dessen bekam Angelo Stiller eine gelbe Karte, weil er genau darauf hinwies. Darüber, dass der Unparteiische Daniel Siebert einen Schiedsrichterball wiederholen ließ. Anstatt dessen hätte er genau so konsequent das provokante Zeitspiel von Oliver Baumann unterbinden müssen, der bei Abstößen lange gestikulierte, sich dann im Schritt kratzte, Gras aus seinen Stollen klopfte und in aller Ruhe noch einen Schluck trank. Darüber, dass Deniz Undav schon wieder im Abseits war, wieder mit der Schulter. Eine ähnliche Situation gab es von …