Autor: @abiszet

VfB kann Urs Fischer nicht

In Stuttgart will man Großes erreichen: Als Club wie auch individuell sind die Ziele groß. Das Auftreten in Mainz lässt aber Zweifel aufkommen, dass den vollmundigen Worten auch Ernsthaftigkeit und Taten folgen. Es wurde ein typisches Spiel gegen die wiederbelebte Elf von Urs Fischer, das ich gehofft hatte, nie wieder sehen zu müssen. Auswärts in dieser Saison Union, Hamburg, Sankt Pauli, Heidenheim, Mainz. Ergebnis: zwei von 15 möglichen Punkten. Die Spiele glichen sich, stets war mehr drin. Aber der Intensität der Gegner wollte der VfB in erster Linie individuelle Qualität entgegen setzen und war sich zu sicher, dass dies schon reichen würde gegen vermeintlich schwächere Gegner. Der Plan wäre in Mainz beinahe aufgegangen nach den beiden Geniestreichen zum 1:1 und 1:2. Aber sind wir ehrlich: Das hätte der VfB nicht verdient. Ein sehr eigenartiges Spiel: Der VfB in den meisten Spielphasen und bei der Spiel-Auffassung und -Anlage deutlich unterlegen, und trotzdem ist es ärgerlich, das 2:1 nicht über die Zeit gerettet zu haben. Ein unsägliches Spiel: Dass der heutige VfB gegen Mainz so spielt wie …

The Bhoys are back in town!

„Wir wollen nicht mit Ach und Krach weiterkommen“, sagte Sebastian Hoeneß vor dem Spiel gegen Celtic Glasgow. Seine Mannschaft sah das zumindest am Anfang nicht so. Wer nach 28 Sekunden den Ball aus dem Netz holen muss, bei dem stimmt etwas nicht. Mindestens nicht ernst genug nahm das Team die Begegnung bei Anpfiff. Aber es ist nachvollziehbar, wenn der VfB mit einem 4:1 im Rücken aus dem Hinspiel ein wenig sorglos auftritt. Nach dem Spiel meinte Hoeneß, dass der VfB das Play-Off-Rückspiel „nicht in 100 Jahren verlieren“ dürfe. Wer lange Zeit keine Idee hat, wer zu umständlich vor dem Tor agiert, wer nicht entschlossen den Abschluss sucht, wer den Ball nicht ins Netz bringt, der verliert zurecht. Nicht in 100 Jahren, sondern am 26. Feburar 2026. Auch wenn irgendwelche Statistiken klar für den VfB sprechen, die Anzeigetafel tat es nicht. Den Schotten tat das Ergebnis gut. Vieles läuft unrund beim Club und im Team von Martin O’Neill. Auf eins kann man sich verlassen: auf die reisefreudigen Fans von Celtic. Einige kamen schon am Mittwoch und …

Der Schiedsrichter ist nie Schuld!

Das steht varscheinlich auch in irgendeinem Regelbuch, Unterpunkt: „Unfehlbarkeit der Unparteiischen“, womöglich auf englisch mit einer Abkürzung: “Referees are always right“ (RAAR). Aber es stimmt auch: Wenn ein Club ein Spiel verliert oder nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, ist der Schiedsrichter nicht Schuld. Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass der VfB nach dem Blitzstart durch Chris Führich die Heidenheimer im Spiel ließ. Die Schiedrichter ist nicht Schuld, dass die Heidenheimer den VfB auf ihr Niveau runter zogen und den Stuttgartern ihr wildes Spiel aufzwangen. Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass Lorenz Assignon die rechte Seite nicht besetzt hielt, als Sirlord Conteh den Ball auf Eren Dinkci spielen konnte, den Maxi Mittelstädt aus dem Auge verlor. Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass Ramon Hendriks zu lange zur Ballverarbeitung benötigte vor dem 3:2. Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass Deniz Undav in der Nachspielzeit ins kurze Eck zielte statt ins lange zu schlenzen. Aber der Schiedsrichter nimmt zusammen mit dem VAR massiv Einfluss auf das Spiel. Dadurch Ermedin Demirovic auf den Spuren von Mario Gomez, der einst …

Die Bravehearts aus Bad Cannstatt

Another day in Paradise: Don’t think twice, der VfB beeindruckt mit einem 4:1 in Glasgow und einem überragenden Auftritt der Fans mit einer fucking Choreo und dem Ergebnis, dass der Celtic Park schon vor Spielende leer gespielt wurde. Wir alle kennen wahrscheinlich Nessie, das sagenhafte Ungeheuer von Loch Ness, aber habt ihr schon schon von “droch chleachdadh” gehört? Bedeutet “schlechte Chancenverwertung“ und ist ein mystisches Ungeheuer, das angeblich der zwölfte Mann sein soll im Team des VfB. Sichtungen gab es in dieser Saison verstärkt bei den Europa League-Auswärtsspielen in Bern, Istanbul und Rom. Ganz anders in Glasgow: Bilal El Khannouss verwertet die ersten beiden Chancen – auch bedingt durch einen traurigen Kasper Schmeichel, der seine 39 Jahre alten Knochen kaum mehr in Richtung des Balles bewegen kann. Dass er dafür von den Celtic-Fans ausgepfiffen wurde: unwürdig. Bei allen vereinspolitischen Problemen – das sollen die weithin geschätzten schottischen Fans sein? The Celtic Star fragt sich das auch: “The German fans sang like we should have, as our prawn sandwich brigade yawned their way to defeat. Where …

Anspruch und Wirklichkeit

„Sind wir schon im Alarmmodus?“, fragte Sport-Vorstand Fabian Wohlgemuth nach dem 1:2 auf St. Pauli. Angesichts der Zahlen total berechtigt: In 2026 sind sogar Dortmund (16) und Hoffenheim (15) besser als der VfB, der lediglich 13 Punkte (vier Siege und je ein Remis und eine Niederlage) erspielte – genau so viele wie Abstiegskandidat Mainz 05! Was stimmt denn nicht mit dem VfB? Der Anspruch des VfB muss sein: Alle Spiele zu gewinnen. Und nicht nur irgendwie, sondern überzeugend. Am besten deutlich. Vor allem gegen Clubs, die am Boden liegen wie St. Pauli. Die sind quasi mit dem letzten Aufgebot angetreten. Mit Jackson Irvine, der 90 Minuten verletzt spielte und wenn man genau hinsah, eigentlich nur humpelte. In 90 Minuten machte er mehr Meter als Bilal El Khannouss („Jungstar angezählt!“), der gerade mal ein paar Spiele vom Afrika-Cup in den Beinen hatte und das Ding nicht mal gewinnen konnte. An Irvine sollten sich die VfB-Spieler ein Beispiel nehmen. Der breite Kader ist eine Wohlfühloase! Die Wirklichkeit ist: Der VfB hat nur vier von sechs Bundesligaspielen in …

Medomenal!

Der VfB und der SC Freiburg mit völlig verschiedenen Herangehensweisen. Drei Faktoren entschieden das Spiel, nach dem der VfB zwölf Punkte (!) Vorsprung auf Platz sieben hat. Freiburg ist anstrengend. Der Trainer, die Spieler, die Spielweise. Denn der SC wollte lediglich nicht verlieren und der VfB, der wollte unbedingt gewinnen. Und wurde für diesen Spielansatz spät belohnt. Passiv, offensiv mutlos und abwartend traten die Breisgauer auf, investierten lediglich defensiv viel ins Spiel: knackige Zweikämpfe, teilweise mit einer Sechserkette in der letzten Linie. Nach vorne gewohnt einfallslos: lange Schläge auf Igor Matanovic, der für zweite Bälle sorgen sollte, in dem er in erster Linie in seine Gegenspieler hineinspang. Das Spielkonzept ging einmal auf, als Derry Scherhant „nach einem Gewusel“ (Sebastian Hoeneß) völlig frei vor Alex Nübel auftauchte. Den muss er machen. Der VfB arbeitete sich am Gegner ab, spielte immer wieder geduldig in die Spitze, ließ den Ball laufen, ohne dem Gegner etwas anzubieten, wenn er einmal verloren wurde. Außer bei der Hero-Grätsche von Finn Jeltsch, der nach einem 50-Meter-Laufduell mit Yuito Suzuki den Torschuss verhinderte …

Stuttgart International kann man nur besoffen sehn’ …

… oder mit starken Nerven. Oder mit einer Scheiß-Egal-Einstellung. Dabei sah alles nach einem gelungenen Abschluss der Liga-Phase in der Europa League aus: Erst die überragende Choreo in der Cannstatter Kurver, dann stand es nach acht Minuten bereits 2:0. Zu diesem Zeitpunkt war der VfB als Achter direkt für das Achtelfinale qualifiziert. Die Mannschaft aber zu schnell zufrieden: Nach rund 30 Minuten stellte sie das Spielen ein, lief ein paar Schritte weniger und jeder machte sein Ding mit überflüssigen Soli und Schüssen aus lächerlichen Positionen. Fehlte es ihr an Reife oder an der Qualität, dem völlig konfusen Gegner noch ein paar Tore einzuschenken? Die Qualitätsfrage stellt sich eigentlich nicht, der VfB hat schon oft in dieser Saison bewiesen, wie gut er ist. Aber fehlende Reife ist auch eine Qualitätsfrage. Zumal es nach der Pause nicht besser wurde. Der Höhepunkt dann das Thomas Hitzlsperger-Gedächtsnistor zum 2:2 von Sandro Lauper. Und wenn die Berner mit Alvyn Sanches und dem eingewechselten Sergio Cordova nicht mehrfach so schusselig gewesen wären, wäre der VfB mit einem oder zwei Toren sogar …

Der Typ hat ne Meise, aber Rückenwind

Am Ende spielte der VfB das Stadion leer. Verständlich, dass die Gladbacher Fans flüchteten, ihre harmlose Trümmertruppe anschauen zu müssen, tat weh. „Ein schlechtes Spiel“ bescheinigte sich Jamie Leweling dagegen selbst, wobei seine Bilanz ausgeglichen war: Elfmeter verschuldet, Führung erzielt. Schlecht spielte der VfB wirklich nicht, trat aber fast ein bisschen zu locker auf. Gerade am Anfang stimmte die Spannung nicht, auch das Spiel nach vorne wirkte häufig uninspiriert. Aber letztlich machte es Gladbach dem VfB einfach, quasi mit halber Kraft einen 3:0-Auswärtssieg einzufahren. Zwei von drei Toren schoss die Borussia mehr oder weniger selbst. Ein Spiel, über das man nicht lange reden wird. Zu unspektakulär, zu klar, zu groß der Klassenunterschied. Wenigstens sorgte Deniz Undav für ein bisschen Gesprächsstoff. Der Stuttgarter Stürmer ist sensibel. Vor allem bei öffentlicher Kritik reagiert er manchmal eingeschnappt. Nachdem er unglaubliche 235 Minuten ohne Torbeteiligung blieb und einige hochkarätige Chancen vergab, nutzen dies einige Medien, um für Klicks sorgen. Sie stellten „Undav ins Zentrum der Kritik“ oder gaben dem “DFB-Star die Note 6“. Nichts Ungewöhnliches also, so sind die …

Buon giorno, Play-offs!

Arrivederci direkte Qualifikation für das Achtelfinale der Europa League. Defensivkünstler, mehr Ringkämpfe als Zweikämpfe, Effizienz vor dem Tor: AS Rom war im vorletzten Gruppenspiel der Europa League das bessere Union Berlin. Und Rom ist der Gegner, gegen den der VfB sehr selten gewinnt. Denn disziplinierte und streng geordnete Teams mit einem Fokus auf Körperlichkeit liegen dem VfB traditionell nicht. Sebastian Hoeneß meinte trotzdem, dass die Mannschaft ein gutes Spiel gemacht habe, sogar „genau das gespielt hat, was wir uns vorgenommen haben“. Nur die Chancenverwertung habe nicht gestimmt. Auch Jamie Leweling, Ermedin Demirovic und Alex Nübel machten die mangelnde Effizienz vor dem Tor für die Niederlage verantwortlich. Aber lag es wirklich an der Chancenverwertung? Macht man es sich damit nicht ein bisschen zu einfach? War es nicht ein zu langsamer Spielvortrag, wenn sich einmal die Gelegenheit zum Umschalten ergab? Gelang es dem VfB nicht zu selten, die Römer aus ihrer Ordnung zu bringen? Fehlten ohne El Khannouss, Stiller und Nartey nicht Kreativität und Ideen? War nicht viel zu wenig Bewegung im Spiel nach vorne zu sehen …

Entspannt Euch mal!

Sieben Punkte zum Jahresstart gegen Leverkusen, Frankfurt und Union, inklusive zwei spektakuläre Spiele. Wer hätte das vorher unterschrieben? Wir alle, oder? Ja, das Remis gegen Berlin ist wahnsinnig unnötig, es hätte für Champions League-Ambitionen ein Sieg sein müssen. Aber der VfB hat die erste englische Woche nach dem Winterpäusle hervorragend absolviert und es gibt keinen Grund zum Klagen. Aber logisch, Grund zum Bruddeln gibt es immer. Unangenehm, eklig, bieder, nervig, schwer zu bespielen: Wir wussten, was gegen Union auf uns zukommt. Genauso Trainer und Mannschaft. Chancen, das Spiel zu gewinnen, waren vorhanden. Aber es hing an Kleinigkeiten: Jeff Chabot fand in Andrej Illic seinen Meister und verlor ungewöhnlich viele Kopfballduelle. Deniz Undav wie schon gegen Frankfurt in der zweiten Halbzeit nicht eiskalt vor dem Tor. Angelo Stiller versprang jeder zweite Ball, er leistete sich erstaunlich viele Fehlpässe. Jamie Leweling zwar elastisch in der Hüfte, aber viel zu hektisch und letztlich wirkungslos. Der von uns gelobte Nikolas Nartey fast unsichtbar. Josha Vagnoman vor dem Ausgleich ziemlich schusselig gegen Stanley Nsoki. Generell viele Bälle und Pässe ungenau, …