Autor: @abiszet

VfB gegen Gala: Hölle, Hölle, Hölle!

Der VfB-Auftritt im Istanbuler Ali Sami Yen Spor Kompleksi: deutlich besser als gegen Fener, Rom und Porto. Und trotzdem ist der VfB solchen Situationen nicht gewachsen. Diese Gegner sind noch eine Nummer zu groß für das Team. Eine unnötige Niederlage? Ja, weil Stuttgart mit seinem Auftritt durchaus eine Grundlage für mehr schuf. Ein verdienter Sieg für Galatasaray? Unbedingt. Denn der VfB agierte vor dem Tor zu ineffizient und leistete sich in den entscheidenden Momenten höllische Aussetzer, die auf diesem Niveau schlicht nicht passieren dürfen. Dabei spielte Gala keineswegs überragend. Es reichte den Türken, zwei Chancen eiskalt zu nutzen und ansonsten ihr typisches Spiel aufzuziehen: wild, körperlich, mit vielen Zweikämpfen und geradlinig in der Offensive. Einfach, direkt, unangenehm. Hätte Victor Osimhen nicht einen geradezu höllisch schlechten Tag erwischt, hätte die Niederlage noch deutlicher ausfallen können. Ein typisches hätte-was-wäre-wenn-Spiel. Was wäre gewesen, wenn – Jamie Lewelings Doppelpfostenschuss im Tor gelandet wäre? – Atakan Karazor nicht so teuflisch langsam gewesen wäre beim 0:2, möglicherweise auch als Folge seiner Verletzung? – Fabi Bredlow beim 0:2 die Beine rechtzeitig zu …

Nightmare on Werkself Street

Der VfB kann einem schon unheimlich werden. Nach der Nichtleistung gegen Gladbach und dem seltsam unsicheren Auftritt in Paderborn war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass ausgerechnet in Leverkusen eine Mannschaft auftritt, die dem Gegner das Fürchten lehrt. Aber der VfB hatte beschlossen, seine nette Seite für einen Abend zu Hause zu lassen. Stattdessen: Krallen ausfahren, Zähne zeigen, Widerstand leisten. Mit einer Konsequenz, die man zuletzt nur gegen Atletico Madrid gesehen hatte – und beim 3:1 gegen Leverkusen am 33. Spieltag der letzten Saison. Das 4:2 gegen die Werkself ist mehr als ein spektakulärer Auswärtssieg. Es ist eine Erinnerung daran, was in dieser Mannschaft steckt, wenn sie ihre Fähigkeiten nicht nur gelegentlich zeigt, sondern sie über 90 Minuten mit der nötigen Haltung verbindet. Der VfB spielte nicht nur gut, er wurde dem Gegner auch richtig lästig. Er ging dahin, wo es weh tat, ließ sich auf Hektik ein, teilte aus und steckte ein. Nicht immer schön, aber ziemlich wirkungsvoll. Der VfB setzte nicht nur spielerische Akzente, sondern zeigte dem Gegner: Das wird kein Spaß heute. …

Die Mannschaft hat Charakter gezeigt

Bodenlos weiter. Deniz Undav hat’s auf den Punkt gebracht, so wie er punktgenau zur Stelle war beim 1:0 in der 90. Minute. Das war also die Reaktion auf die peinliche Niederlage gegen Gladbach? Sebastian Hoeneß hatte von einem großen Warnschuss gesprochen, Einstellung und Haltung angemahnt. Und dann beginnt der VfB in Paderborn, als wäre das alles nicht gesagt worden. Ohne Selbstvertrauen, geschenkt. Auch die Verunsicherung nach der vergangenen Woche ist nachvollziehbar. Aber ohne Widerstand? Der VfB ließ sich in den ersten 15 Minuten vom Aufsteiger herspielen, ohne dessen Flow auch nur ansatzweise brechen zu können. Dass es nicht schon früh ein, zwei, drei Gegentore setzte, lag vor allem an der mangelnden Qualität des SCP im Abschluss. Die dämliche rote Karte dann natürlich der Gamechanger. Nur: Selbst die Überzahl gegen eine B-Elf des Aufsteigers gab dem VfB kaum Sicherheit und Souveränität. Erst als das Spiel immer länger dauerte, sich hundertprozentige Chancen ergaben, stellte sich so etwas ähnliches wie eine Selbstverständlichkeit im Spiel des VfB heraus. Die Verteidigung der weiten Bälle: zu oft unbeholfen. Paderborn schlug die …

Eine Unverschämtheit

Es gibt Niederlagen, die aus einem unglücklichen Spielverlauf entstehen, aus Pech, falschen Schiedsrichter-Entscheidungen oder individuellen Fehlern. Und es gibt Niederlagen, die etwas über die Mannschaft verraten, die als Verlierer den Platz verlässt. Das peinliche 2:3 gegen Gladbach gehört zur zweiten Kategorie. Nach fünf Minuten führt der VfB gegen eine verunsicherte Truppe, bei der wenig zusammenläuft. Alles sieht nach einem klaren Sieg aus. Um dann zu verlieren und das völlig verdient. Einen Gegner, der am Boden liegt, wieder ins Spiel zu bringen, braucht schon eine besondere Mischung aus Nachlässigkeit, Selbstüberschätzung und fehlendem Respekt. Gegen den Tabellenletzten kam beim VfB offenbar alles zusammen. Das muss man erst einmal hinkriegen. Gegen Atlético sorgte der VfB für Aufsehen in ganz Europa, gegen Gladbach wird er zur Lachnummer in Deutschland. Der Auftritt war respektlos gegenüber allen, die im Stadion waren, und gegenüber den Fans und Mitgliedern, die diesen Club tragen. Nach dem Spiel gegen Atlético am Dienstag waren sich alle einig, dass dieser Auftritt der Maßstab sein müsse. Und dann das. Die Aussagen von Spielern und Verantwortlichen lassen sich kaum …

„Und das sollen Halunken sein?“

Ich muss zugeben: Ich hatte vor Atletico Angst. Der Vorjahres-Halbfinalist liegt dem VfB nicht, zu robust, zu fies, ähnlich wie Porto letzte Saison. Nach dem 1:1 muss ich sagen: Der VfB hätte diese enttäuschende Truppe mit 4:1 aus dem Stadion schießen müssen. Vor dem Spiel rief mich mein Kollege Daniel an, wollte wissen, ob ich im Stadion übernachte und mir Glück wünschen: „Und, wie geht’s aus?“ Was man halt so fragt, wenn man von Fußball keine Ahnung hat. „Glück werden wir brauchen und ein Spaß wird das nicht. Thomas Müller bezeichnete die mal als Rabauken. Und meinte eher Halunken, Schurken, Bösewichte.“ „Was heißt das?“ „Mein Nebenmann im Stadion nennt das Asshole-Ball: Sie wollen eigentlich gar nicht Fußball spielen, die wollen das Spiel zerstören. Die machen den Gegner kaputt, sie sind mehr am Gegenspieler interessiert als am Ball. Versteckte Fouls, Schauspielerei, Diskussionen mit dem Schiri. Madrid wird maximal nerven und plötzlich schießen sie aus dem Nichts ein Tor!“ „Aha.“ Was man halt so sagt, wenn man kein Wort verstanden hat Dass der VfB eine mitreißende erste …

VfB und Bayern: Wenn zwei Welten aufeinander treffen

Der FC Bayern Blog „Mia san rot“ schreibt beim Aufeinandertreffen von Bayern München und dem VfB in der Frauen-Bundesliga vom Süd-Gipfel. Scheint ein Reflex zu sein, die Bezeichnung der Männer auf die Frauen zu übertragen. Denn ein Gipfel, bei dem sich die Spitzen treffen, ist es bei weitem nicht. Auf der einen Seite die siebenmaligen Meisterinnen, auf der anderen eine zwar ambitionierte Aufsteigerin, aber eben eine Aufsteigerin, die in allen Saisonspielen bis dato stets zurück lag. Und was die finanzielle Ausstattung der beiden angeht: zwei Welten. Zwei Welten auch das Spiel: Bayern eine andere Liga, 90 Minuten überlegen, der VfB mit dem 5:0 noch gut bedient und mit nur einer einzigen Torchance, als es Dafina Redzepi aus der zweiten Reihe versuchte. Der Schuss verfehlte das Tor, somit blieb die Statistik ohne Torschuss, xG-Wert irgendwo nahe Null. Die Bayern, seit 49 Ligaspielen unbesiegt, mussten auf die verletzten Lena Oberdorf und Giulia Gwinn verzichten. Den VfB traf es noch härter: Kapitänin Maxi Rall kehrte nicht an ihre alte Wirkungsstätte zurück, Mira Arouna, Julia Glaser, Julia Mickenhagen und …

The Show Must Go Wrong

Es. War. So. Klar. Es konnte nicht anders kommen. Es musste schief gehen. Der VfB macht gegen einen tiefstehenden Gegner kein wirklich schlechtes Spiel. Hat genug Chancen, um die Partie für sich zu entscheiden, es fehlt offensiv aber die letzte Konsequenz und ein bisschen Glück. Der VfB verliert dann wegen fehlender Konterabsicherung, Restverteidigung, … Blödheit, nennt es wie ihr wollt, in den letzten Minuten das Spiel. Und das bei einem Kader, der mit dem der vergangenen Saison identisch ist und sogar noch teuer verstärkt wurde. Durch Ergebnisse und Spielweise gerät in dieser frühen Saison-Phase bereits die gesamte Runde in Gefahr. Das erinnert … an Eintracht Frankfurt letzte Saison. Wenn wir schon bei Vergleichen sind: Dortmund macht in Berlin kein wirklich gutes Spiel und spielt bei Union trotzdem 0:0, in einer furchtbaren Begegnung. Der VfB kann das nicht. Ist nicht clever genug. Dem VfB fehlt der Pragmatismus und die Kaltschnäuzigkeit von Niko Kovac, um in Hamburg einen Punkt mitzunehmen. Wenn der VfB schon nicht sein A-Game auf den Platz bringt, dann muss er wenigstens so cool …

Wenn sich nichts ändert, ändert sich nichts

Glanzlos. Schmucklos. Pflichtsieg. Arbeitssieg. Die Fußballsprache hat einiges zu bieten für einen Sieg wie den des VfB gegen Slovan Bratislava. Wobei: So richtig gearbeitet haben außer Josha Vagnoman nicht viele. Bilal El Khannouss zum Beispiel. Nach seinem obligatorischen Fehlpass in die eigene Abwehr versuchte er, alles mit der Sohle, der Hacke und tänzelnden Schritten zu lösen. Das ist selbst gegen eine Mannschaft, die noch nicht einmal den Marktwert von Angelo Stiller besitzt, zu wenig. Aber was sollen wir dem Spiel den Mittelfinger zeigen, das macht es auch nicht besser. Und dass man gegen scheinbar unterlegene Gegner nicht ohne weiteres gewinnt, können Bayern München und Borussia Dortmund bestätigen. Beide wären froh, hätten sie sechs Punkte wie der VfB. Denn beide haben zwei Siege fest eingeplant. Wie der VfB. Der steht auf Platz 4 der Champions League-Tabelle. Nur eine Momentaufnahme, trotzdem sehr schön. Trotzdem. Es wiederholt sich zu viel als das es nicht bedenklich wäre. Bei allen vier Siegen in dieser Saison gegen Köln, Paderborn, Stavanger und Bratislava verlor der VfB nach der Halbzeit die Spielkontrolle. Bei …

Ein Torwart zum Verlieben

„Wir standen schon ein wenig unter Druck.“ Ein typischer Wohlgemuth. Trocken, leicht untertrieben, unaufgeregt, gesagt nach dem zähen 2:0 in Paderborn. Aber es steckte unübersehbar das Wort „Fehlstart“ in diesem Satz, natürlich auch „Unruhe“, ob der Sport-Vorstand den Begriff „schwieriges Umfeld“ kennt? Unter Druck standen der Club und die ganze Mannschaft, aber einer ganz besonders: Dennis Seimen. Denn auf ihm lagen enorme Erwartungen. Der erste NLZ-Spieler seit langem, dem ein Stamplatz zugetraut wird. Im Tor der erste seit Sven Ulreich … und Bernd Leno. Sein Bundesliga-Debüt ausgerechnet in Paderborn, wo er in der letzten Saison so tiefe Spuren hinterließ, dass ihn die gegnerischen Fans feierten. In einem wegweisenden Spiel, in dem der VfB richtig in die Saison starten wollte und die enttäuschenden Ergebnisse der letzten Wochen vergessen machen wollte. Für Seimen ging es dabei um mehr als drei Punkte. Er wollte zeigen, dass er die Nummer eins sein kann. Bei dem Club, dem er seit der U12 angehört. Jahre der Ausbildung, unzählige Trainingseinheiten, Rückschläge, Hoffnungen und nun geht der Traum in Erfüllung: endlich Bundesliga. Nur …

Fast and Führich

Lag es an der Hereinnahme von Atakan Karazor oder an der mangelnden Qualität der Paderborner, dass der VfB zu Null spielte? Oder war es einfach nur Glück, wie in der Slapstick-Szene in der 82. Minute, als Paderborn mehrfach den Ausgleich verballerte? Dass der VfB gegen den Aufsteiger ab der 55. Minute seine Souveränität verlor, ist jedenfalls kein gutes Zeichen für die kommenden englischen Wochen. Außer Chris Führich waren ziemlich viele VfB-Spieler ziemlich fahrig. Vom Keeper Dennis Seimen angefangen, dem man die Nervosität bei seinem Bundesliga-Debüt deutlich anmerkte, über Ramon Hendriks, der manchmal wie aufgescheucht herumlief bis zu Jamie Leweling, der zuverlässig die falsche Entscheidung traf. So entstand ein Spiel, das eher an Flipper als an Bundesliga erinnerte. Viele Ballverluste, Angriffe, die auf beiden Seiten nicht richtig ausgespielt wurden, Fehler im Aufbau und im Übergang, Fahrlässigkeit bei der Nutzung von Chancen. Auffällig, dass der VfB in vielen Statistiken Paderborn den Vortritt lassen muss. Und das in eigentlichen VfB-Kernkompetenzen, wie zum Beispiel Ballbesitz, Anzahl der Pässe und Passquote, laut Sky hatte der Aufsteiger sogar einen höheren xG-Wert …