Autor: @abiszet

Buon giorno, Play-offs!

Arrivederci direkte Qualifikation für das Achtelfinale der Europa League. Defensivkünstler, mehr Ringkämpfe als Zweikämpfe, Effizienz vor dem Tor: AS Rom war im vorletzten Gruppenspiel der Europa League das bessere Union Berlin. Und Rom ist der Gegner, gegen den der VfB sehr selten gewinnt. Denn disziplinierte und streng geordnete Teams mit einem Fokus auf Körperlichkeit liegen dem VfB traditionell nicht. Sebastian Hoeneß meinte trotzdem, dass die Mannschaft ein gutes Spiel gemacht habe, sogar „genau das gespielt hat, was wir uns vorgenommen haben“. Nur die Chancenverwertung habe nicht gestimmt. Auch Jamie Leweling, Ermedin Demirovic und Alex Nübel machten die mangelnde Effizienz vor dem Tor für die Niederlage verantwortlich. Aber lag es wirklich an der Chancenverwertung? Macht man es sich damit nicht ein bisschen zu einfach? War es nicht ein zu langsamer Spielvortrag, wenn sich einmal die Gelegenheit zum Umschalten ergab? Gelang es dem VfB nicht zu selten, die Römer aus ihrer Ordnung zu bringen? Fehlten ohne El Khannouss, Stiller und Nartey nicht Kreativität und Ideen? War nicht viel zu wenig Bewegung im Spiel nach vorne zu sehen …

Entspannt Euch mal!

Sieben Punkte zum Jahresstart gegen Leverkusen, Frankfurt und Union, inklusive zwei spektakuläre Spiele. Wer hätte das vorher unterschrieben? Wir alle, oder? Ja, das Remis gegen Berlin ist wahnsinnig unnötig, es hätte für Champions League-Ambitionen ein Sieg sein müssen. Aber der VfB hat die erste englische Woche nach dem Winterpäusle hervorragend absolviert und es gibt keinen Grund zum Klagen. Aber logisch, Grund zum Bruddeln gibt es immer. Unangenehm, eklig, bieder, nervig, schwer zu bespielen: Wir wussten, was gegen Union auf uns zukommt. Genauso Trainer und Mannschaft. Chancen, das Spiel zu gewinnen, waren vorhanden. Aber es hing an Kleinigkeiten: Jeff Chabot fand in Andrej Illic seinen Meister und verlor ungewöhnlich viele Kopfballduelle. Deniz Undav wie schon gegen Frankfurt in der zweiten Halbzeit nicht eiskalt vor dem Tor. Angelo Stiller versprang jeder zweite Ball, er leistete sich erstaunlich viele Fehlpässe. Jamie Leweling zwar elastisch in der Hüfte, aber viel zu hektisch und letztlich wirkungslos. Der von uns gelobte Nikolas Nartey fast unsichtbar. Josha Vagnoman vor dem Ausgleich ziemlich schusselig gegen Stanley Nsoki. Generell viele Bälle und Pässe ungenau, …

Unbreakable!

Ich verstand schon nicht, was Bruno Labbadia an ihm fand. Aber ich dachte, das wäre eben typisch Labbadia. Dass Sebastian Hoeneß auch stets Lobreden auf ihn hielt und ihn sogar im Pokalfinale anstatt Jamie Leweling(!) einwechselte: konnte ich nicht nachvollziehen. Wie auch, ich hatte viel zu wenig von Nikolas Nartey gesehen. Wie wir alle. Eine gewisse Skepsis kann ich nicht leugnen, als ich im letzten Sommer die Nachricht von der Vertragsverlängerung hörte. Aber, hey, was für ein Halbjahr hat Nartey nun hinter sich? Seine Rückkehr nach jahrelangem Verletzungs-Drama hat etwas Kitschiges, er ist ein unerwarteter Neuzugang geworden. Er hat sich Bänder und Muskeln gerissen, sich am Oberschenkel und an den Adduktoren verletzt und nach einem Knorpelschaden im Knie war ein Karriereende kein unwahrscheinliches Szenario. Elf Verletzungen sind es, seit ihn 2019 Sven Mislintat vom 1. FC Köln zum VfB holte. Dass er noch einmal auf allerhöchstem Niveau spielen würde: kaum jemand hat daran geglaubt – außer Sebastian Hoeneß. Dieses Vertrauen in den Spieler muss auch einer der Hauptfaktoren für Nartey gewesen sein, immer wieder an …

Was ist mit Führich und Karazor los?

Dass man von Deniz Undav einmal von einem Chancentod sprechen könnte, hätte ich auch nicht gedacht: Drei Mal lief er alleine auf Frankfurts Keeper Kaua Santos zu, drei Mal ließ er die Entscheidung liegen. Nur logisch, dass der Vokal-Weltrekordler Ayoube Amaimouni-Echghouyab zum Ausgleich traf. Zum Held des Spiels wurde schließlich Nikolas Nartey mit dem 3:2. Ein Siegtreffer, den ihm alle gegönnt haben, wahrscheinlich sogar die Frankfurter. Es war ein mitreißendes Spiel, das unnötig spannend wurde. Der VfB ab der 20. Minute mit Spielkontrolle, ab dem 1:1 mit Druck und Selbstvertrauen – sowohl in Zweikämpfen, zweiten Bällen, in 1:1-Situationen als auch in teils schwindelerregenden Kombinationen. Die Eintracht wirkte zeitweise völlig überfordert, stand dem Angriffswirbel geradezu hilflos gegenüber. Wie kam es zu dieser Überlegenheit? Es waren die Spieler, die zuletzt immer gerne kritisiert wurden: Chris Führich war eigentlich in jeder Aktion gefährlich, spielte seinem Gegenspieler Rasmus Kristensen in direkten Duellen regelrecht Knoten in die Beine. Auch das Zusammenspiel mit dem erneut starken Maxi Mittelstädt erinnerte manchmal an das fast schon blinde Verständnis aus der Vizemeister-Saison. Bester Mann …

VfB, Du geile Sau!

Start ins Jahr gegen Leverkusen, Angstgegner, Endgegner, sieglos seit 2018. Erst kein Glück gehabt, dann kam in den letzten elf Bundesliga- und drei Pokalbegegnungen auch noch Pech dazu und wenn das nicht reichte, ein überforderter Schiedsrichter. Wie Schiri Felix Zwayer, der für das Topspiel am 16. Spieltag angesetzt wurde. Das hatte schon das Potential für die übliche Enttäuschung gegen den Werksclub. Anstatt dessen wurde es das Spektakulärste, was in Leverkusen seit dem 16. Mai 1992 passiert ist. Wahlweise wird von einer „brutalen ersten Halbzeit“ (sky-Kommentator Wolff Fuss), einer „Zerstörung” (Süddeutsche Zeitung), einer „Demütigung“ (ZVW) gesprochen – oder eben vom Spektakulärsten, was es in Leverkusen seit dem 16. Mai 1992 gegeben hat. Matchwinner Jamie Leweling meinte ganz nüchtern, dass es “eine gute Taktik vom Trainer“ gewesen sei. Die hieß: Sofort hellwach zu sein, konsequente Manndeckung über den ganzen Platz, energische Zweikampfführung, Pressing mit bis zu sieben Spielern bei Abstoß Leverkusen. Die VfB-Fans im Stadion (wieder mal stabiler Support!) und zu Hause und in den Kneipen vor dem Fernseher kennen das aus den Begegnungen unter Sebastian Hoeneß. …

Der Brasilianer mit den deutschen Tugenden

Anfang der 2000er Jahre, schaffte Schalkes Manager Rudi Assauer das schier Unmögliche: Er war in Stuttgart noch unbeliebter als Winnie Schäfer, denn es kursierte jede Woche ein neues Gerücht. Kuranyi: Was läuft da mit Schalke? Wechselt Hinkel in den Pott? Assauers Plan: Den ganzen VfB kaufen. Schalke heiß auf Magath! 2004 verpflichteten die Knappen schließlich Marcelo Bordon. Auch wenn wir den Brasilianer in unser Herz geschlossen haben, Bordon ist ein echter Königsblauer geworden. 1999 war Bordon für rund 4,5 Millionen Mark aus Sao Paulo an den Neckar gewechselt. Nach einer kurzen Anlaufzeit entwickelte er sich in Stuttgart zum unumstrittenen Abwehrchef. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass er eine Zeit lang der beste Abwehrspieler der Bundesliga war. Er war kein typischer brasilianischer Schönspieler, er trat ohne Schnörkel auf, machte nirgendwo eine Schleife dran. Er war ein Kraftpaket, die Fußballsprache erfand für ihn den Begriff “Abwehrrecke“. Die taz bezeichnete ihn dagegen als „elefantenohrigen Brasilianer” und der kultivierte in seinen fünf Jahren beim VfB eine sehr körperbetonte aber nie unfaire Spielweise, mit seinem muskulösen Oberkörper und seinen Tattoos …

“Des musch g’wenna!“

Ich gehe mit Hoffenheims Trainer Christian Ilzer mit, der nach dem Spiel sagte, ein Spiel gegen seine Hoffenheimer würde keinen Spaß machen. Die TSG ist mir egal, aber ich musste mich trotzdem ziemlich aufregen im Stadion. Darüber, dass Hoffenheims Albian Hajdari hätte Gelb-Rot sehen müssen, nach zwei Fouls innerhalb von 90 Sekunden. Anstatt dessen sah Tiago Tomàs eine Verwarnung, weil er einen Freistoß zu früh ausführte. Darüber, dass Tim Lemperle über 90 Minuten seine Gegenspieler treten und umrempeln konnte, ohne verwarnt worden zu sein (Süddeutsche Zeitung: „In erster Linie war er Wrestler, Ringer und Rempler“). Anstatt dessen bekam Angelo Stiller eine gelbe Karte, weil er genau darauf hinwies. Darüber, dass der Unparteiische Daniel Siebert einen Schiedsrichterball wiederholen ließ. Anstatt dessen hätte er genau so konsequent das provokante Zeitspiel von Oliver Baumann unterbinden müssen, der bei Abstößen lange gestikulierte, sich dann im Schritt kratzte, Gras aus seinen Stollen klopfte und in aller Ruhe noch einen Schluck trank. Darüber, dass Deniz Undav schon wieder im Abseits war, wieder mit der Schulter. Eine ähnliche Situation gab es von …

Einstiger Publikumsliebling im Abseits

Er will doch nur spielen. Am liebsten in Stuttgart. Aber Sebastian Hoeneß lässt ihn nicht. Die Tür sei offen, meint der Trainer. Aber er lässt den einstigen Publikumsliebling nicht durchgehen. Schöne Worte, keine Taten. Einst war er der absolute Publikumsliebling in Stuttgart. Heute ist er beim VfB ohne jede Perspektive. Vor einigen Jahren war Silas noch der Spektakelspieler in Stuttgart. Einer, der uns verzauberte und unsere Herzen erreichte. 2020/2021 so etwas wie das Gesicht des VfB, der heißeste Scheiß der Liga, der Höhepunkt sicher das 5:1 in Dortmund, bei dem Thomas Hitzlsperger Konfetti kotzte. Silas stand stellvertretend für die neuen Jungen Wilden aus Cannstatt. Wild, das ist er. Sein Spiel roh und unkonventionell und unberechenbar und das passt nicht zum (Ballbesitz-)Fußball von Hoeneß, vielleicht passt es überhaupt nicht zum modernen Fußball. Silas setzte sehr spät einen Fuß in eine professionelle Fußballakademie, er wechselte bereits nach einem Jahr Profi-Fußball 2019 vom Paris FC zum VfB. Zusammen mit Atakan Karazor, Pascal Stenzel und Fabi Bredlow ist er am längsten beim VfB, bestritt insgesamt 132 Pflichtspiele (34 Tore) …

Und es hat Bumm gemacht!

Es war eigentlich ein typisches VfB-Spiel: Guter Beginn, gleich drin im Spiel, mit einigen hochkarätigen Chancen. Der Torhüter aber gut drauf, wie die meisten Keeper gegen den VfB. Dann nutzt der Gegner seine zweite Chance, weil man im Strafraum viel schläfrig ist und bekommt dazu noch einen absoluten Glücksschuss eingeschenkt. In der zweiten Halbzeit dann eine gelb-rote Karte und letztlich chancenlos, trotz insgesamt ordentlicher Leistung. Es war ein Spiel, das lange Jahre für den VfB typisch war und das jetzt Werder Bremen beim 0:4 nachstellte. Die Begegnung an der Weser hatte durchaus das Potential, richtig schief zu gehen. Zur wackligen Anfangsphase kam noch eine aberkanntes Tor von Deniz Undav. Welche Bilder Guido Winkmann (mit dem der VfB schon schlechte Erfahrungen machte) im VAR-Keller sich zurecht legte und wieviele Millimeter Abseits der VfB-Stürmer mit seinem Unterarm (!) war, das weiss nur er, so wie viele Entscheidungen des VAR willkürlich erscheinen. Jamie Leweling war dagegen in Bremen eine echte Erscheinung: Zwei Assists, das erwähnte Traumtor aus 32 Metern (!) mit einem kaum messbaren xG-Wert. Nicht nur der …

Wenn ein Helikopter zum Hauptdarsteller eines Fußballspiels wird

Die Begegnung in der Europa League gegen Tel Aviv war kein normaler Fußballabend. Am Ende wurde am meisten diskutiert, warum kein Alkohol ausgeschenkt wurde und was die Gründe dafür waren, dass es nur ein eingeschränktes Getränke- und Speisen-Angebot im Neckarstadion gab. Bedeutet: Wenn das die wirklichen Probleme des Spiels sind, war es ein gelungener Abend unter sehr speziellen Vorzeichen und Rahmenbedingungen. Es wurde ein riesiger Aufwand betrieben, um Fans und Mannschaft inklusive Delegation von Tel Aviv zu beschützen, um anti-semitische und Palästina-feindliche Aktivitäten zu verhindern, um „jeder Form der Gewalt mit Nachdruck entgegen zu wirken“ (Stuttgarter Vizepolizeipräsident Carsten Höfler). Geworden ist es ein ruhiger Abend, in dessen Verlauf so langsam die Anspannung nachließ. Sowohl die Stadt als auch der VfB haben gezeigt, dass sie der großen Verantwortung gerecht wurden und der Aufgabe gewachsen waren. Ständiger Begleiter (nicht nur) am Spieltag: ein Hubschrauber, der am Himmel kreiste. Omnipräsent in der Innenstadt, in Bad Cannstatt, am Stadion. Er wurde zum Soundtrack des Abends. Würde der kicker für ihn eine Note vergeben, es wäre eine 2, denn Höchstnoten …