Autor: @abiszet

Das ist alles nicht normal!

“Wir gewinnen sowieso“, sagten und sangen die Bayern Fans schon vor dem Spiel. Und das ist auch deren Haltung: Einen Titel zu gewinnen ist für sie normal, auch wenn der letzte Pokalsieg sechs Jahre her ist. Der VfB und seine Fans sind davon weit entfernt: Auch wenn es historisch und schlicht sensationell ist, zwei Mal hintereinander das Pokalfinale zu erreichen, das wird für uns nicht so „normal“ werden wie für den FCB. Ich bekam schon am Donnerstag und Freitag Bilder von Freunden: „Es gibt einfach so viele tolle Menschen im VfB-Umfeld“. Es wurde das Zusammensein gefeiert, die Liebe zum Verein, die Entwicklung des Clubs und trotz eher geringer Chancen stieg die Vorfreude auf das Finale von Minute zu Minute. Weil es mehr als 90 Minuten auf dem grünen Rasen sind. Gemeinschaft, Zusammenhalt, Identifikation, Identität. Die Stimmung in der Stadt ganz besonders, auch wenn ich von einem Berliner Fahrradfahrer mit einer leeren Zigarettenschachtel beworfen wurde, verbunden mit der Schrei „Stuttgart verrecke“. Er mag wohl Stuttgarter generell nicht, wie auch die BFC-Fans, zu denen ich in die …

Eine Zwischenstation einer beeindruckenden Entwicklung

Ist schon wieder ein Jahr vorbei, als ich beim Pokalfinale im Olympiastadion stand? Ich weiß das Privileg sehr zu schätzen, nach 2025 erneut dabei sein zu dürfen. Nur dieses Mal waren wir Bielefeld, sowohl was die Chancen zu gewinnen als auch was die Positionierung der Fans im Stadion betrifft. Bei aller Entwicklung des VfB, spieltaktisch und individuell: die Klasse von Harry Kane und Michael Olise ist noch einmal ein anderes Niveau. Und lässt sich von nur ganz wenigen Mannschaften verteidigen. Der VfB gehört noch nicht dazu, jedenfalls keine 90, sondern nur 55 Minuten. Die hatten es aber wirklich in sich. München sichtlich beeindruckt, Jamal Musiala lief wie ein verschrecktes Huhn über den Platz, Kane ließ sich zwischenzeitlich bis zum eigenen Strafraum fallen, sowohl Olise als auch Luis Diaz kamen gegen Ramon Hendricks und Luca Jaquez überhaupt nicht ins Spiel. Die Hybrid-Rolle von Maxi Mittelstädt fiel besonders auf: Er spielte linker Innenverteidiger, er doppelte Olise, er kurbelte als linker Außenverteidiger offensiv mit an und hatte die größte Torchance mit seinem Fernschuss, den nicht so viele Torhüter …

Der Goalie trägt nun kurze Hosen im Himmel

Der VfB hatte schon immer legendäre Torhüter: Meistertorhüter Otto „Gummi“ Schmid oder Karl Bögelein, der aus dem Krieg mit nur drei Zehen am linken Fuß zurückkehrte. Es gab den „Mann mit der Mütze“ Günter Sawitzki, Gerhard „Flieger“ Heinze, EM-Keeper Eike Immel, Comedian Franz Wohlfahrt. Natürlich Timo Hildebrand, den verrückten Jens Lehmann, Frührentner Sven Ulreich und schließlich Nübel Nübel Nübel. Aber es gab nur einen „Goalie“ und der saß viele Jahre beim VfB auf der Bank: Jochen Rücker. Generationen von Profis riefen Rücker ausschließlich bei seinem Spitznamen: „Goalie, Goalie, Goalie“ schallte es bei jeder Gelegenheit im Chor über Trainings- und Spielplätze. Rücker nahm es hin, lächelte dazu bescheiden, er konnte aber auch streng sein, wenn ihm etwas nicht passte! Er bestritt kein einziges Spiel für den VfB, im Tor schon gar nicht. Rücker war Keeper in Botnang und Kaltental, bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers und bei der SpVgg Ludwigsburg 09. Er war der Familie Mayer-Vorfelder freundschaftlich eng verbunden und in den 80er Jahren auch Fahrer des Präsidenten. 1987 stieg er beim VfB als Amateurtrainer …

Medo, der Mentalitätsspieler

Bei vielen Spielen das VfB seufzte ich in der Vergangenheit: „Ach, wenn er nur kicken könnte“ und meinte damit Ermedin Demirovic. Da hatte er mal wieder einen Ball verstolpert, einen Flugball nicht festgemacht oder einen Pass im Kombinationsspiel versemmelt. „Er ist genau für diese Spiele geschaffen. Er ist auch in der Lage, die anderen Spieler mit anzuzünden“, war Sebastian Hoeneß dagegen nach dem 3:1 gegen Leverkusen voll des Lobes für seinen Mittelstürmer. Demirovic kann man also auch anders sehen und Hoeneß liegt natürlich richtig mit seiner Einschätzung. Allerdings: Demirovic muss so eingesetzt werden, dass er seine Stärken entfalten kann. Lange Bälle festmachen: nicht so sein Ding. Zocken mit den Mitspielern: lieber nicht. Er ist ein Finisher, der Strafraum sein Revier. Er muss so angespielt werden, dass er möglichst gleich mit dem ersten Ballkontakt abschließen kann. In der Tat: Demirovic riss gegen Leverkusen die Mitspieler mit, aber auch das Publikum. Seine Ausstrahlung wichtig in der Begegnung gegen Leverkusen. Ihm waren Ehrgeiz und Überzeugung anzusehen, an ihm konnten sich alle orientieren. Schade, dass ihm der VAR direkt …

VfB im Finale von “Wer wird Millionär“

“Es ging heute darum, uns zu qualifizieren für das Finale nächste Woche”, ordnete Sebastian Hoeneß die Begegnung gegen Leverkusen ein. Nach dem frühen 0:1 war allerdings zu befürchten, dass die Werkself ebenso über den VfB hinwegfegt wie eine Woche zuvor gegen Leipzig. Doch die Stuttgarter ließen sich durch den Rückstand nach 34 Sekunden von Aleix Garcia nicht aus dem Spiel nehmen. „Wir haben gezeigt, dass wir in die Champions League wollen“, war Deniz Undav sichtlich zufrieden – gerade weil dieser Willen in den letzten Spielen nicht unbedingt zu erkennen war. Die 100.000 Euro-Frage vor dem Spiel war: Braucht der VfB wieder einen Auslöser, um im Spiel anzukommen? Denn es hätte zu den Auftritten der jüngeren Vergangenheit gepasst, dass der VfB wieder Zeit benötigt, um im Spiel an zukommen. Trotz des Blitzrückstands hatte die Mannschaft jedoch von Anfang an die richtige Haltung im Spiel um die Millionen. Besonders auffällig dabei: Der viel gescholtene Ermedin Demirovic, alles andere als ein Publikumsjoker. Er erzielte nicht nur das schnelle und ungemein wichtige 1:1 nach Traumkombination mit Jamie Leweling und …

Über die Kunst, so ein Spiel nicht zu verlieren

Der VfB gewinnt in Hoffenheim 3:3 und verdient ist das nicht. Bis zur roten Karte von Atakan Karazor zeigte nur ein Team, dass es in die Champions League will. Der VfB war es nicht. Glück gehabt hat der VfB und Glück gebraucht, denn er fand die richtige Haltung in diesem Spiel erst, als er in Unterzahl spielen musste. Dass Hoffenheim den VfB nicht abschoss, das Spiel nicht 6:2 oder 7:2 gewann, lag an ihrer „Unreife“ (Andrej Kramaric) und an Alex Nübel, der ein überragendes Spiel mit teilweise spektakulären Paraden zeigte. Wie brachte der VfB es fertig, dieses Spiel nicht zu verlieren? Weil der Gegner am eigenen Werk scheiterte. Oliver Baumanns Katastrophenspiel Mindestens die zwei Tore von Chris Führich und Ermedin Demirovic muss der deutsche Nationaltorhüter halten. Es wäre keine große Kunst gewesen, jeweils das kurze Eck zuzumachen. Wobei man auch zugeben muss, dass bei beiden Treffern jeweils nur ein Pinselstrich Platz war für den Ball. Hoffenheims katastropale Chancenverwertung Einweder spielten sie es nicht clever aus oder sie scheiterten an Nübel Nübel Nübel. Der Stuttgarter Torhüter …

Das sind die Chancen des VfB im Final Four

Vier Endspiele stehen dem VfB bevor, meint Ermedin Demirovic. Der Mannschaft liegen die Top-Spiele, ist sich Trainer Sebastian Hoeneß sicher. Eine bessere Ausgangslage hat der VfB gegen Werder Bremen verspielt, steht jetzt vor der Begegnung gegen den Tabellennachbarn Hoffenheim unter Druck. Verlieren verboten, aber selbst ein Sieg bedeutet nicht, die TSG hinter sich zu lassen. Wir blicken auf die kommenden vier Gegner im Saisonendspurt und wagen jeweils eine Prognose. Wie steht der VfB da? Form 14 Punkte aus den letzten acht Spielen, aber nur ein Sieg aus den letzten vier Partien (plus Sieg im Pokal-Halbfinale). Chris Führich und Bilal El Khannouss befinden sich in ihrer Prime, Maxi Mittelstädt in WM-Form, dazu bietet der Kader eine Menge an möglichen Game-Changern: Deniz Undav, Tiago Tomàs, Demirovic, Jamie Leweling, Nicolas Nartey. Haltung Der VfB ist in der Lage, Rückschläge zu verkraften und in Energie umzuwandeln. Allerdings braucht es manchmal genau diesen Auslöser. Gut wäre, wenn das Team von Anfang an online wäre in den letzten vier Spielen gegen … … HOFFENHEIM Als VfB-Fan belächelt man die Kraichgauer: Fan-Kultur, …

Wäre es ohne Champions League eine erfolgreiche Saison?

Achtelfinale Europa League, zum zweiten Mal in Folge im Finale DFB Pokal, viele begeisternde Spiele, zum dritten Mal nacheinander geht’s auf die Reise. Ein Fußball, der Spaß macht. Der ligaweit und international respektiert wird. Viele Spieler, die weiterentwickelt wurden: Auch im dritten Jahr nacheinander setzt der VfB seine positive Entwicklung fort – und das, nachdem im dritten Jahr nacheinander Leistungsträger verkauft wurden. Aber: Wäre es auch eine erfolgreiche Saison, wenn sich der VfB nicht für die Champions League qualifiziert? Fabian Wohlgemuth beantwortet die Frage ganz einfach: „Wenn das i-Tüpfelchen, die Champions League, dazu kommen würde, dann wäre es keine sehr gute Saison, sondern eine absolut überragende Saison.” Der VfB ist sicher für die Europa League qualifiziert, ein Wettbewerb, der dem VfB gut zu Gesicht steht. Gegner auf Augenhöhe mit einer realistischen Chance, die K.o.-Runde zu erreichen. Wäre es für die sportliche Entwicklung nicht sogar besser, den „kleineren“ internationalen Wettbewerb zu spielen? Also eher kleine Schritte statt womöglich in die Champions League Falle zu tappen? Dem gegenüber stehen die riesige Reputation der Champions League und natürlich …

Der müde VfB

Ich muss zugeben, ich war am Sonntag müde. Und das lag nicht daran, dass ich gleich morgens um 11 Uhr bei den VfB-Frauen beim PSV war. Wahrscheinlich war ich genauso müde wie die Spieler, die noch am Donnerstag ein aufregendes Pokal-Halbfinale spielten. Auch ich will in die Champions League, aber ich konnte mich noch nicht mal über das 1:1 aufregen. Dabei hätte es gegen Werder Bremen genug Aufreger gegeben: Die unterirdischen Standards, alleine 14 Ecken ohne jede Wirkung, dazu noch ein paar lommelige Freistösse. Am besten schenkt der VfB die Standards einfach. Entweder geben wir dem Gegner gleich den Ball oder führen statt einem Standard einen Einwurf aus. Die unmotivierten und unzähligen Flanken, obwohl sich niemand im Strafraum befand, der sie hätte verwerten können. Wie sich Chema ein ums andere Mal den Ball klauen ließ. Obwohl er keine 120 Minuten in den Beinen hatte, war er im Kopf genauso langsam wie Deniz Undav. Wie Undav über den Platz stolperte, na ja, … er hatte eben genauso schwere Beine wie ich. Auch Angelo Stiller wirkte so …

Ein Spiel, für immer in den Herzen der VfB-Fans

Als nur noch wenige Sekunden zu spielen waren im Halbfinale gegen Freiburg, rannte Jamie Leweling jubelnd die linke Angriffsseite mit erhobenen Armen entlang. Ein verrückter Kerl. Ich bin mit erhobenen Armen heute morgen aufgestanden und mit erhobenen Armen ins Büro gegangen. Wenn mich jemand komisch anschaute, zeigte ich auf das Wappen meines VfB-Jäckles, das ich zur Feier des Tages trage. Einer lachte und rief mir mit geballter Faust „Wahnsinn“ zu. Ein bisschen habe ich mich heute morgen wie Jamie gefühlt und Jamie wird sicher wie ich mit erhobenen Armen aufgestanden sein. Das zweite Mal in Folge das Pokalfinale erreicht zu haben ist ein erhabener Moment. Einmalig in der Geschichte des VfB. Einmalig auch, wie Tiago Tomàs das Siegtor schoss. Wie nennt man das, was er gemacht hat? Hacken-Volley? Beine verknoten? Vorbereitet vom wenige Sekunden vorher eingewechselten Badredine Bouanani. Von beiden hatte man in dieser Saison mehr erwartet. Als es darauf ankam, lieferten sie, wurden zu den Matchwinnern. Und Tomàs erzielte das komplizierteste Tor des Abends. Deniz Undav, Chris Führich, Angelo Stiller und Bilal El Khannouss …