Autor: @abiszet

Keiner tanzt schöner

Enzo Millot. Der Junge, der in Stuttgart mit dem Ball tanzte. Der kleine Prinz, der den Ball umarmte mit seinem unglaublichen linken Fuß. Unsere Überraschung der Saison 2025/2026: Dass wir Millot nicht vermissten. Warum? Weil einer zum VfB kam, der sein ganz eigenes Playbook hat: Bilal El Khannouss ist Tänzer und Choreograf, da er auch seine Mitspieler in Szene setzen kann. Seine Bewegungen sind raffiniert und anmutig, von großer Agilität und Elastizität. Er ist ein Spieler, der aus der Epoche der Zocker stammt, aus der Familie der Tarner und Täuscher, es scheint manchmal, als komme er aus der Welt der Kunst. Er ist verliebt in sein Talent, überzeugt von seinen Fähigkeiten und dabei nicht überheblich, sondern nur übermütig. Pirouetten dreht er, übertreibt es manchmal mit Hackentricks, Übersteigern und Pässen aus dem Fußgelenk, vor lauter Spaß am Spiel. Bilal ist Solist, keine Frage, aber er versteht sich als Mitglied eines Ensembles. Dabei verkörpert er die Freiheit des Unerwarteten. El Khannouss kann Zuschauer faszinieren, sein Charme und seine positive Energie sind überrumpelnd und fesselnd zugleich, da kann …

Alles andere als ein One-Hit-Wonder

Er ist der Harry Styles der VfB-Offensive, der für Bangaranga in gegnerischen Strafräumen sorgt. Der Apache mit 207 Toren und Torvorlagen. Er hat unten gute Laune, oben gute Laune, links gute Laune und rechts gute Laune. Deniz Undav ist unser MVP der Saison. Egal, was Undav macht: Es wird ein Hit. Selbst wenn er mit großen Augen von der rechten Seite in das Blickfeld des Schiedsrichters rückt. Es wird zum Bild des Tages und das bei einem Spiel, in dem Harry Kane drei Tore geschossen hat. These ref POVs are the best thing football has introduced in years pic.twitter.com/DE4tO0HVqr — ✹ (@Wvrdell30) May 25, 2026 Undav taucht auf wie aus dem Nichts. Und das ist die Parallele zu seinem Spiel: Manchmal sieht man lange nichts von ihm und plötzlich hat er eine geniale Aktion, überrascht mit einem unerwarteten Move oder Pass, schießt das entscheidende Tor. Für kurze Aufmerksamkeitsspannen wie beim deutschen Bundestrainer ist das nichts. Undav ist kein für Spotify optimierter zweieinhalb Minuten-Popsong. Der VfB hat die siebtbeste Offensive in den fünf großen Ligen und …

Herr der Augenringe

Es war für uns der Moment der Saison. Bereits hier wurden die dramatischen Weichen für eine erfolgreiche Runde gestellt, an deren Ende die Champions League Quali und das Pokalfinale standen. Man stelle sich vor, der VfB hätte nach der Super-Cup-Niederlage gegen Bayern München und dem 1:2 gegen Union Berlin zum dritten Mal nacheinander verloren, der Saisonstart wäre ein Katastrophenfilm gewesen mit FSK 18. Dann wäre noch der Woltemade-Abgang dazugekommen, Sebastian Hoeneß hätte schlechte Laune gehabt und Stuttgart hätte gebrannt wie ein Die-hard-Set. Lange sah es nach fear and loathing in Braunschweig aus. Der VfB spielte in der ersten Pokalrunde erst Penalty Fiction und es endete schließlich mit The Good, The Bad and The Assignon. Ein Pokalspiel wie ein Tarantino-Film: zu lang, völlig absurd, voller Wendungen und immerhin mit ein paar lustigen Dialogen (Alex Nübel: „Ich weiß nicht, wie gut ich einschlafen kann“). Tiago Tomàs zeigte hier schon seinen Sinn für große Momente, ohne dass wir ahnten, dass er gegen Freiburg und Hoffenheim mit den Dingern in Serie gehen würde. Sein absurder Trick vor dem 3:4 …

Das ist alles nicht normal!

“Wir gewinnen sowieso“, sagten und sangen die Bayern Fans schon vor dem Spiel. Und das ist auch deren Haltung: Einen Titel zu gewinnen ist für sie normal, auch wenn der letzte Pokalsieg sechs Jahre her ist. Der VfB und seine Fans sind davon weit entfernt: Auch wenn es historisch und schlicht sensationell ist, zwei Mal hintereinander das Pokalfinale zu erreichen, das wird für uns nicht so „normal“ werden wie für den FCB. Ich bekam schon am Donnerstag und Freitag Bilder von Freunden: „Es gibt einfach so viele tolle Menschen im VfB-Umfeld“. Es wurde das Zusammensein gefeiert, die Liebe zum Verein, die Entwicklung des Clubs und trotz eher geringer Chancen stieg die Vorfreude auf das Finale von Minute zu Minute. Weil es mehr als 90 Minuten auf dem grünen Rasen sind. Gemeinschaft, Zusammenhalt, Identifikation, Identität. Die Stimmung in der Stadt ganz besonders, auch wenn ich von einem Berliner Fahrradfahrer mit einer leeren Zigarettenschachtel beworfen wurde, verbunden mit der Schrei „Stuttgart verrecke“. Er mag wohl Stuttgarter generell nicht, wie auch die BFC-Fans, zu denen ich in die …

Eine Zwischenstation einer beeindruckenden Entwicklung

Ist schon wieder ein Jahr vorbei, als ich beim Pokalfinale im Olympiastadion stand? Ich weiß das Privileg sehr zu schätzen, nach 2025 erneut dabei sein zu dürfen. Nur dieses Mal waren wir Bielefeld, sowohl was die Chancen zu gewinnen als auch was die Positionierung der Fans im Stadion betrifft. Bei aller Entwicklung des VfB, spieltaktisch und individuell: die Klasse von Harry Kane und Michael Olise ist noch einmal ein anderes Niveau. Und lässt sich von nur ganz wenigen Mannschaften verteidigen. Der VfB gehört noch nicht dazu, jedenfalls keine 90, sondern nur 55 Minuten. Die hatten es aber wirklich in sich. München sichtlich beeindruckt, Jamal Musiala lief wie ein verschrecktes Huhn über den Platz, Kane ließ sich zwischenzeitlich bis zum eigenen Strafraum fallen, sowohl Olise als auch Luis Diaz kamen gegen Ramon Hendricks und Luca Jaquez überhaupt nicht ins Spiel. Die Hybrid-Rolle von Maxi Mittelstädt fiel besonders auf: Er spielte linker Innenverteidiger, er doppelte Olise, er kurbelte als linker Außenverteidiger offensiv mit an und hatte die größte Torchance mit seinem Fernschuss, den nicht so viele Torhüter …

Der Goalie trägt nun kurze Hosen im Himmel

Der VfB hatte schon immer legendäre Torhüter: Meistertorhüter Otto „Gummi“ Schmid oder Karl Bögelein, der aus dem Krieg mit nur drei Zehen am linken Fuß zurückkehrte. Es gab den „Mann mit der Mütze“ Günter Sawitzki, Gerhard „Flieger“ Heinze, EM-Keeper Eike Immel, Comedian Franz Wohlfahrt. Natürlich Timo Hildebrand, den verrückten Jens Lehmann, Frührentner Sven Ulreich und schließlich Nübel Nübel Nübel. Aber es gab nur einen „Goalie“ und der saß viele Jahre beim VfB auf der Bank: Jochen Rücker. Generationen von Profis riefen Rücker ausschließlich bei seinem Spitznamen: „Goalie, Goalie, Goalie“ schallte es bei jeder Gelegenheit im Chor über Trainings- und Spielplätze. Rücker nahm es hin, lächelte dazu bescheiden, er konnte aber auch streng sein, wenn ihm etwas nicht passte! Er bestritt kein einziges Spiel für den VfB, im Tor schon gar nicht. Rücker war Keeper in Botnang und Kaltental, bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers und bei der SpVgg Ludwigsburg 09. Er war der Familie Mayer-Vorfelder freundschaftlich eng verbunden und in den 80er Jahren auch Fahrer des Präsidenten. 1987 stieg er beim VfB als Amateurtrainer …

Medo, der Mentalitätsspieler

Bei vielen Spielen das VfB seufzte ich in der Vergangenheit: „Ach, wenn er nur kicken könnte“ und meinte damit Ermedin Demirovic. Da hatte er mal wieder einen Ball verstolpert, einen Flugball nicht festgemacht oder einen Pass im Kombinationsspiel versemmelt. „Er ist genau für diese Spiele geschaffen. Er ist auch in der Lage, die anderen Spieler mit anzuzünden“, war Sebastian Hoeneß dagegen nach dem 3:1 gegen Leverkusen voll des Lobes für seinen Mittelstürmer. Demirovic kann man also auch anders sehen und Hoeneß liegt natürlich richtig mit seiner Einschätzung. Allerdings: Demirovic muss so eingesetzt werden, dass er seine Stärken entfalten kann. Lange Bälle festmachen: nicht so sein Ding. Zocken mit den Mitspielern: lieber nicht. Er ist ein Finisher, der Strafraum sein Revier. Er muss so angespielt werden, dass er möglichst gleich mit dem ersten Ballkontakt abschließen kann. In der Tat: Demirovic riss gegen Leverkusen die Mitspieler mit, aber auch das Publikum. Seine Ausstrahlung wichtig in der Begegnung gegen Leverkusen. Ihm waren Ehrgeiz und Überzeugung anzusehen, an ihm konnten sich alle orientieren. Schade, dass ihm der VAR direkt …

VfB im Finale von “Wer wird Millionär“

“Es ging heute darum, uns zu qualifizieren für das Finale nächste Woche”, ordnete Sebastian Hoeneß die Begegnung gegen Leverkusen ein. Nach dem frühen 0:1 war allerdings zu befürchten, dass die Werkself ebenso über den VfB hinwegfegt wie eine Woche zuvor gegen Leipzig. Doch die Stuttgarter ließen sich durch den Rückstand nach 34 Sekunden von Aleix Garcia nicht aus dem Spiel nehmen. „Wir haben gezeigt, dass wir in die Champions League wollen“, war Deniz Undav sichtlich zufrieden – gerade weil dieser Willen in den letzten Spielen nicht unbedingt zu erkennen war. Die 100.000 Euro-Frage vor dem Spiel war: Braucht der VfB wieder einen Auslöser, um im Spiel anzukommen? Denn es hätte zu den Auftritten der jüngeren Vergangenheit gepasst, dass der VfB wieder Zeit benötigt, um im Spiel an zukommen. Trotz des Blitzrückstands hatte die Mannschaft jedoch von Anfang an die richtige Haltung im Spiel um die Millionen. Besonders auffällig dabei: Der viel gescholtene Ermedin Demirovic, alles andere als ein Publikumsjoker. Er erzielte nicht nur das schnelle und ungemein wichtige 1:1 nach Traumkombination mit Jamie Leweling und …

Über die Kunst, so ein Spiel nicht zu verlieren

Der VfB gewinnt in Hoffenheim 3:3 und verdient ist das nicht. Bis zur roten Karte von Atakan Karazor zeigte nur ein Team, dass es in die Champions League will. Der VfB war es nicht. Glück gehabt hat der VfB und Glück gebraucht, denn er fand die richtige Haltung in diesem Spiel erst, als er in Unterzahl spielen musste. Dass Hoffenheim den VfB nicht abschoss, das Spiel nicht 6:2 oder 7:2 gewann, lag an ihrer „Unreife“ (Andrej Kramaric) und an Alex Nübel, der ein überragendes Spiel mit teilweise spektakulären Paraden zeigte. Wie brachte der VfB es fertig, dieses Spiel nicht zu verlieren? Weil der Gegner am eigenen Werk scheiterte. Oliver Baumanns Katastrophenspiel Mindestens die zwei Tore von Chris Führich und Ermedin Demirovic muss der deutsche Nationaltorhüter halten. Es wäre keine große Kunst gewesen, jeweils das kurze Eck zuzumachen. Wobei man auch zugeben muss, dass bei beiden Treffern jeweils nur ein Pinselstrich Platz war für den Ball. Hoffenheims katastropale Chancenverwertung Einweder spielten sie es nicht clever aus oder sie scheiterten an Nübel Nübel Nübel. Der Stuttgarter Torhüter …

Das sind die Chancen des VfB im Final Four

Vier Endspiele stehen dem VfB bevor, meint Ermedin Demirovic. Der Mannschaft liegen die Top-Spiele, ist sich Trainer Sebastian Hoeneß sicher. Eine bessere Ausgangslage hat der VfB gegen Werder Bremen verspielt, steht jetzt vor der Begegnung gegen den Tabellennachbarn Hoffenheim unter Druck. Verlieren verboten, aber selbst ein Sieg bedeutet nicht, die TSG hinter sich zu lassen. Wir blicken auf die kommenden vier Gegner im Saisonendspurt und wagen jeweils eine Prognose. Wie steht der VfB da? Form 14 Punkte aus den letzten acht Spielen, aber nur ein Sieg aus den letzten vier Partien (plus Sieg im Pokal-Halbfinale). Chris Führich und Bilal El Khannouss befinden sich in ihrer Prime, Maxi Mittelstädt in WM-Form, dazu bietet der Kader eine Menge an möglichen Game-Changern: Deniz Undav, Tiago Tomàs, Demirovic, Jamie Leweling, Nicolas Nartey. Haltung Der VfB ist in der Lage, Rückschläge zu verkraften und in Energie umzuwandeln. Allerdings braucht es manchmal genau diesen Auslöser. Gut wäre, wenn das Team von Anfang an online wäre in den letzten vier Spielen gegen … … HOFFENHEIM Als VfB-Fan belächelt man die Kraichgauer: Fan-Kultur, …