Autor: @abiszet

„Und das sollen Halunken sein?“

Ich muss zugeben: Ich hatte vor Atletico Angst. Der Vorjahres-Halbfinalist liegt dem VfB nicht, zu robust, zu fies, ähnlich wie Porto letzte Saison. Nach dem 1:1 muss ich sagen: Der VfB hätte diese enttäuschende Truppe mit 4:1 aus dem Stadion schießen müssen. Vor dem Spiel rief mich mein Kollege Daniel an, wollte wissen, ob ich im Stadion übernachte und mir Glück wünschen: „Und, wie geht’s aus?“ Was man halt so fragt, wenn man von Fußball keine Ahnung hat. „Glück werden wir brauchen und ein Spaß wird das nicht. Thomas Müller bezeichnete die mal als Rabauken. Und meinte eher Halunken, Schurken, Bösewichte.“ „Was heißt das?“ „Mein Nebenmann im Stadion nennt das Asshole-Ball: Sie wollen eigentlich gar nicht Fußball spielen, die wollen das Spiel zerstören. Die machen den Gegner kaputt, sie sind mehr am Gegenspieler interessiert als am Ball. Versteckte Fouls, Schauspielerei, Diskussionen mit dem Schiri. Madrid wird maximal nerven und plötzlich schießen sie aus dem Nichts ein Tor!“ „Aha.“ Was man halt so sagt, wenn man kein Wort verstanden hat Dass der VfB eine mitreißende erste …

VfB und Bayern: Wenn zwei Welten aufeinander treffen

Der FC Bayern Blog „Mia san rot“ schreibt beim Aufeinandertreffen von Bayern München und dem VfB in der Frauen-Bundesliga vom Süd-Gipfel. Scheint ein Reflex zu sein, die Bezeichnung der Männer auf die Frauen zu übertragen. Denn ein Gipfel, bei dem sich die Spitzen treffen, ist es bei weitem nicht. Auf der einen Seite die siebenmaligen Meisterinnen, auf der anderen eine zwar ambitionierte Aufsteigerin, aber eben eine Aufsteigerin, die in allen Saisonspielen bis dato stets zurück lag. Und was die finanzielle Ausstattung der beiden angeht: zwei Welten. Zwei Welten auch das Spiel: Bayern eine andere Liga, 90 Minuten überlegen, der VfB mit dem 5:0 noch gut bedient und mit nur einer einzigen Torchance, als es Dafina Redzepi aus der zweiten Reihe versuchte. Der Schuss verfehlte das Tor, somit blieb die Statistik ohne Torschuss, xG-Wert irgendwo nahe Null. Die Bayern, seit 49 Ligaspielen unbesiegt, mussten auf die verletzten Lena Oberdorf und Giulia Gwinn verzichten. Den VfB traf es noch härter: Kapitänin Maxi Rall kehrte nicht an ihre alte Wirkungsstätte zurück, Mira Arouna, Julia Glaser, Julia Mickenhagen und …

The Show Must Go Wrong

Es. War. So. Klar. Es konnte nicht anders kommen. Es musste schief gehen. Der VfB macht gegen einen tiefstehenden Gegner kein wirklich schlechtes Spiel. Hat genug Chancen, um die Partie für sich zu entscheiden, es fehlt offensiv aber die letzte Konsequenz und ein bisschen Glück. Der VfB verliert dann wegen fehlender Konterabsicherung, Restverteidigung, … Blödheit, nennt es wie ihr wollt, in den letzten Minuten das Spiel. Und das bei einem Kader, der mit dem der vergangenen Saison identisch ist und sogar noch teuer verstärkt wurde. Durch Ergebnisse und Spielweise gerät in dieser frühen Saison-Phase bereits die gesamte Runde in Gefahr. Das erinnert … an Eintracht Frankfurt letzte Saison. Wenn wir schon bei Vergleichen sind: Dortmund macht in Berlin kein wirklich gutes Spiel und spielt bei Union trotzdem 0:0, in einer furchtbaren Begegnung. Der VfB kann das nicht. Ist nicht clever genug. Dem VfB fehlt der Pragmatismus und die Kaltschnäuzigkeit von Niko Kovac, um in Hamburg einen Punkt mitzunehmen. Wenn der VfB schon nicht sein A-Game auf den Platz bringt, dann muss er wenigstens so cool …

Wenn sich nichts ändert, ändert sich nichts

Glanzlos. Schmucklos. Pflichtsieg. Arbeitssieg. Die Fußballsprache hat einiges zu bieten für einen Sieg wie den des VfB gegen Slovan Bratislava. Wobei: So richtig gearbeitet haben außer Josha Vagnoman nicht viele. Bilal El Khannouss zum Beispiel. Nach seinem obligatorischen Fehlpass in die eigene Abwehr versuchte er, alles mit der Sohle, der Hacke und tänzelnden Schritten zu lösen. Das ist selbst gegen eine Mannschaft, die noch nicht einmal den Marktwert von Angelo Stiller besitzt, zu wenig. Aber was sollen wir dem Spiel den Mittelfinger zeigen, das macht es auch nicht besser. Und dass man gegen scheinbar unterlegene Gegner nicht ohne weiteres gewinnt, können Bayern München und Borussia Dortmund bestätigen. Beide wären froh, hätten sie sechs Punkte wie der VfB. Denn beide haben zwei Siege fest eingeplant. Wie der VfB. Der steht auf Platz 4 der Champions League-Tabelle. Nur eine Momentaufnahme, trotzdem sehr schön. Trotzdem. Es wiederholt sich zu viel als das es nicht bedenklich wäre. Bei allen vier Siegen in dieser Saison gegen Köln, Paderborn, Stavanger und Bratislava verlor der VfB nach der Halbzeit die Spielkontrolle. Bei …

Ein Torwart zum Verlieben

„Wir standen schon ein wenig unter Druck.“ Ein typischer Wohlgemuth. Trocken, leicht untertrieben, unaufgeregt, gesagt nach dem zähen 2:0 in Paderborn. Aber es steckte unübersehbar das Wort „Fehlstart“ in diesem Satz, natürlich auch „Unruhe“, ob der Sport-Vorstand den Begriff „schwieriges Umfeld“ kennt? Unter Druck standen der Club und die ganze Mannschaft, aber einer ganz besonders: Dennis Seimen. Denn auf ihm lagen enorme Erwartungen. Der erste NLZ-Spieler seit langem, dem ein Stamplatz zugetraut wird. Im Tor der erste seit Sven Ulreich … und Bernd Leno. Sein Bundesliga-Debüt ausgerechnet in Paderborn, wo er in der letzten Saison so tiefe Spuren hinterließ, dass ihn die gegnerischen Fans feierten. In einem wegweisenden Spiel, in dem der VfB richtig in die Saison starten wollte und die enttäuschenden Ergebnisse der letzten Wochen vergessen machen wollte. Für Seimen ging es dabei um mehr als drei Punkte. Er wollte zeigen, dass er die Nummer eins sein kann. Bei dem Club, dem er seit der U12 angehört. Jahre der Ausbildung, unzählige Trainingseinheiten, Rückschläge, Hoffnungen und nun geht der Traum in Erfüllung: endlich Bundesliga. Nur …

Fast and Führich

Lag es an der Hereinnahme von Atakan Karazor oder an der mangelnden Qualität der Paderborner, dass der VfB zu Null spielte? Oder war es einfach nur Glück, wie in der Slapstick-Szene in der 82. Minute, als Paderborn mehrfach den Ausgleich verballerte? Dass der VfB gegen den Aufsteiger ab der 55. Minute seine Souveränität verlor, ist jedenfalls kein gutes Zeichen für die kommenden englischen Wochen. Außer Chris Führich waren ziemlich viele VfB-Spieler ziemlich fahrig. Vom Keeper Dennis Seimen angefangen, dem man die Nervosität bei seinem Bundesliga-Debüt deutlich anmerkte, über Ramon Hendriks, der manchmal wie aufgescheucht herumlief bis zu Jamie Leweling, der zuverlässig die falsche Entscheidung traf. So entstand ein Spiel, das eher an Flipper als an Bundesliga erinnerte. Viele Ballverluste, Angriffe, die auf beiden Seiten nicht richtig ausgespielt wurden, Fehler im Aufbau und im Übergang, Fahrlässigkeit bei der Nutzung von Chancen. Auffällig, dass der VfB in vielen Statistiken Paderborn den Vortritt lassen muss. Und das in eigentlichen VfB-Kernkompetenzen, wie zum Beispiel Ballbesitz, Anzahl der Pässe und Passquote, laut Sky hatte der Aufsteiger sogar einen höheren xG-Wert …

Viel schlechter hätte es Nagelsmann auch nicht gemacht

Jürgen Klopp kann gut schwätzen, bei ihm hört sich alles gut an, auch wenn die Ergebnisse eher mau sind. 1:1, 0:1, 2:0, 0:0. „Ich hätte nicht gedacht, dass nach nur zwei Wochen mit der Truppe solch ein Fußball möglich ist.“ Was genau meint er damit? Wie wild rumrennen? Gegen kämpfende Griechen nicht einmal ein Tor schießen? Gegen ein allenfalls mittelmäßiges Griechenland selbst allenfalls mäßig spielen? Gegen hilflose Serben schmucklos mit 2:0 gewinnen? Man könnte auch sagen: Viel schlechter hätte es Julian Nagelsmann auch nicht machen können. Bei Klopp ist alles größer. Der Kader sowieso. Sein Lachen. Seine Gestik. Seine Interviews. Selbst die kleinste positive Regung wird behandelt, als sei gerade eine neue Fußballidee entdeckt worden. Auf dem Platz allerdings sprinten allenfalls mittelmäßige Spieler durch die Gegend. Er nennt das Gegenpressing. Vielleicht ist es aber auch einfach das, was passiert, wenn eine Mannschaft nicht genau weiß, was sie mit dem Ball anfangen soll. Wenn wir keine Spitzenspieler haben, dann sollen die dankbar Nominierten wenigstens rennen können. Laufbereitschaft und Leidenschaft sind die Basics, aber auf keinen Fall …

Noch kein Grund zur Panik. Aber …

Rein von den Zahlen muss man von einem Fehlstart sprechen: vier Spiele, drei Punkte, Platz 15. Wir kennen das zwar aus 2023 und früher, aber das kann mittlerweile nicht mehr der Anspruch des VfB sein. Gleichzeitig hatte der VfB ein schwieriges Auftaktprogramm und spielte gegen den Meister, den Vizemeister und den Fünften der vergangenen Saison. Das lässt Jeff Chabot allerdings nicht gelten: „Genau auf dem Niveau wollen wir uns doch befinden!“ Trotzdem: Gegen diese Gegner kann man verlieren, wenn man nur „okay“ spielt, wie Sebastian Hoeneß es nach dem Dortmund-Spiel formulierte. Nur: Auch wenn Fabian Wohlgemuth sagt, „wir nehmen das ernst“, besteht die Gefahr, dass zu locker mit dem schlechten Saisonstart umgegangen wird. Denn es gibt einige Themen, die dringend bearbeitet werden müssen. Ganz vorne dabei: natürlich die Causa Deniz Undav. Der Club und sein (schwieriges) Umfeld müssen aufpassen. Der VfB ist nicht der VfB Undav, sondern der VfB Stuttgart. Der Club sollte sich von den Diskussionen, die von den Medien immer wieder hineingetragen werden, nicht von den wirklichen Problemfeldern ablenken lassen. Denn davon gibt …

Die Schein-Debatte um Deniz Undav

Der Stuttgarter Boulevard fragte im Anschluss an das Köln-Spiel nach Deniz Undav, sein Kollege wiederholte die Frage vor der Begegnung gegen Viking Stavanger. Beide Male wehrte sich Sebastian Hoeneß vehement gegen falsche und oberflächliche Einschätzungen. Die Folge: Die anderen Medienkollegen nehmen die Schein-Kritik an Undav auf, sei es aus Dankbarkeit, weil es Klicks bringt, sei es aus Einfallslosigkeit. Nach der 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim müssen jedenfalls alle Stuttgarter vor dem Sky-Mikro etwas zu Undav sagen. Fabi Bredlow, Grischa Prömel und natürlich Trainer Hoeneß reagieren sichtlich genervt. Schließlich heißt der Club VfB Stuttgart und nicht VfB Undav. Es entsteht eine Schein-Debatte um Deniz Undav. Denn schon nach dem Champions-League-Spiel gegen Viking Stavanger schrieb der Boulevard: „Undav zeigt’s seinen Kritikern“. Die Kritiker, die genau aus dem Boulevard kommen. Der klassische Fall von: sich selbst eine Vorlage geben und sie dann auch noch verwandeln. Alles ist immer extrem, das Lob wie auch die Kritik, und alle machen mit. Geht’s eigentlich noch? Dass Undav schon besser gespielt hat: geschenkt. Dass er aber mit vier Scorern in fünf Spielen beschissen auftreten …

“Ein richtig gutes Auswärtsspiel“. Wirklich?

Ich verstehe den Hype um das Auswärtsspiel in Sinsheim nicht. Klar, das 18. Heimspiel des VfB, der beeindruckende Take-over der VfB-Fans. Aber gegen Hoffenheim gibt es zwar manchmal spektakuläre Spiele, aber der VfB gewinnt selten: Genau einmal in den letzten neun Begegnungen, das wunderbare 0:3 vor zweieinhalb Jahren, als die TSG schwindelig gespielt wurde. Auf das Spiel in Sinsheim freue ich mich nie, weil die Spiele oft gleich aussehen: der VfB nie schlechter, aber oft zu dumm, um zu gewinnen. Unter „unnötige Niederlage“ stehen im Fußballlexikon die Partien zwischen dem VfB und Hoffenheim ganz oben. Am 3. Spieltag hat sich der VfB gegen Hoffenheim selbst geschlagen. Mit anfängerhaften Fehlern bei den Gegentoren, die beide nach demselben Muster gefallen sind und man sich fragen muss: Wie oft will der VfB solche Tore noch bekommen? Und vorne mit besten Chancen, die leichtfertig vergeben wurden, auch weil Keeper Oliver Baumann gegen den VfB wie immer sein bestes Spiel zeigt (Ausnahme: 32. Spieltag letzte Saison). Fabi Bredlow, Sebastian Hoeneß und Maxi Mittelstädt hatten „ein richtig gutes Auswärtsspiel“ gesehen. Really? …